Ausgabe 
27.1.1906
 
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Dem Wahren, Edlen, Schönen.

Ein Großstadtroman von Fedor b. Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Hammer lachte.Ich weiß es nicht mehr, lieber Ge­heimrat. Aber, wenn wir die erste Saison ohne Defizit hinter uns haben, schenke ich Ihnen den Napoleonsteller."

Pfui, Geyer, Defizit", äußerte Herr Berndal;ich hoffe auf hohe Tantiemen. Und nun en avant, meine Herren wir dürfen nicht zu spät zur Grundsteinlegung kommen. Wer meinen Wagen mitbenutzen will, der sage es . . ."

Frau Anita Berndal hatte sich inzwischen im Zimmer umgesehen. Ihre lichtblauen Lugen fuhren mit fiebriger Neugier die Wände entlang und in Winkel und Ecken. Plötzlich sah sie die Sekretärin, die bescheiden, in einer Fensternische stand und darauf wartete, noch eine Frage an Hammer richten zu können. Nun blitzten die neugierigen Augen der kleinen Frau noch lebhafter auf. Sie trat mit liebenswürdigem Lächeln an Fräulein von Sorben heran.

Sind Sie auch hier in: Hause beschäftigt?" fragte sie dreist.

Tas Fräulein zuckte ein ivenig zusammen, errötete leicht und schaute die Fragende groß an, die sich sofort verbesserte:Ich meine, haben Sre auch mit dem neuen Theater zu tun? Das macht viel Spaß, nicht wahr?" und dabei lachte sie kurz auf, aber niedlich; es klang wie das Gurren einer verliebten Taube.

Fräulein von Sorben nickte.Ja, gnädige Frau" , einen Augenblick hatte sie überlegt, ob die Anrede hier auch am Platze wäre,ich bin die Sekretärin des Herrn Baumeisters, und insofern interessiert mich der Theaterbau natürlich sehr."

Ah", sagte die jmrge Frau, und nun floß ein rascher Blick über die Erscheinung des Fräuleins, etn Blick, der etwas Verletzendes an sich hatte, Sekretärin. . . Ver­stehen Sie sich denn auf Architektur und Baukunst?"

Genügend", erwiderte Fräulein von Sorben und trat vom Fenster zurück. Auf ihrer Stirn lag eine schwere Falte.

Hammer schrie nach Genoveva. Seine Zylinderbürste war nicht da. Die anderen waren vorausgegangcn, nur die Sekretärin noch zurückgeblieben.

Vergebung, Herr Baumeister", sagte sie,was haben Sie für Aufträge für mich?"

Hammer schlug sich vor die Stirn.Jesses, Sie, habe ich ganz vergessen I" rief er.Und ein Dutzend Briefe ist zu beantworten. Aber ich habe keine Zeit mehr. Verehrtes Fräulein, machen Sie sich einen freien Tag. Es ist himm­lisches Wetter. Gehen Sie dreimal um den Goldsischteich. Ich finde sowieso, daß Sie blaß aussehen . . . ." Er

starrte in ihr Gesicht mid platzte plötzlich heraus:Das ist ja merkwürdig! Was haben Sie für eine wundervolle Nase!"

Des Fräuleins Wangen färbten sich purpurn. Aber der Ausruf klang so komisch, daß sie unwillkürlich lachen mußte. Hammer verneigte sich.Pardon, gnädiges Fräulein: eg war nicht böse gemeint. Es war ein Schrei der lieber* raschung. Schöne Nasen sind selten. Und nun seh' ich auch noch mehr. Veilchenaugen zu dunklem Haar und einem sehr fein geschnittenen, äußerst sensitiven Mund . . ." Er fuhr mit dem Damnen seiner rechten Hand durch die Luft, als wolle er ein unsichtbares Porträt zeichnen . . .Das Profil einer Freya", sagte er. Und dann reichte er dem Fräulein die Hand.Adjö. Entschuldigen Sie meinen Ueberschwcmg. Im Grunde genommen ist er gar keiner. Und gehen Sie wirklich ein bissel spazieren, damit sich die blasse Farbe verliert."

Neben ihm stand Genoveva und reichte ihm Zylinder­hut und Stock. Er faßte die Alte an die Nase, erklärte ihr, sie sei der gewichtigste Nagel zu seinem frühen Sarge, und verließ das Zimmer.

Imhoff fuhr im Wagen von Fridolin Meyer; das Ehe­paar Berndal fuhr allein.

Joses", sagte die kleine Frau,ich weiß etwas."

Das ist mir lieb", entgegnete der Gatte.

Ich glaube, das mit der Sekretärin, da ist etwa- dran."

Verworren und dunkel. Ich verstehe Dich nicht."

Ich glaube, Hammer und seine Sekretärin, das ist ein zartes Verhältnis."

Es ist möglich und iväre begreiflich, denn die Sekre­tärin ist hübsch."

Frau Anita schwieg längere Zeit und meinte sodannr Josef, ich bitte Dich um eins. Ich habe Deiner Theater­narrheit immer nachgegeben und habe sogar versucht, sie zu teilen. Aber ich leibe nicht, daß Du hinter die Kulissen gebft auch in dem neuen Theater nicht. Willst Du mir das versprechen?"

Mit Vergnügen. Soll ich schwören? Anita, Du bist ein liebes Hammel'chen. Zur Untreue neige ich nicht. Ich heiße nicht mit Unrecht Josef. Wir müssen übrigens vor dem Geschäft noch einmal halten. Ich habe drei Worte an der Hauptkasse zu'sagen; in fünf Minuten sitze ich wieder neben Dir ..." c ...

Er steckte den Kopf aus dem Coupsfenster und rief dem Kutscher einen Befehl zu. Als der Wagen vor der Pracht- front des Warenhauses hielt, sprang Berndal eilfertig heraus und eilte an dem respektvoll grüßenden Huissier vorüber. Er stürmte durch die untere Etage und auch an der Haupt-