Ausgabe 
26.11.1906
 
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Montag den 26. Hlovemöer

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Im Manne des Geheimnisses.

Roman von H. v. NaeSfcld.

Nachdruck verbotet.

(Forticdung.)

Du bist mit so knapper Not einer schweren Krankheit entronnen", sagte ef,das; ich dich doppelt sorgfältig hüten muß. ' Dr. Roberts sagte mir, er hätte noch nie jemanden gesehen, der so darauf und daran gewesen, Gehirnentzün­dung zu bekommen."

Mylady ist zu einer Spazierfahrt aus, Herr Sin­clair", meldete Jeannette,weint Sie jetzt das Bild gern sehen ivollen, so haben Sie Gelegenheit dazu."

Er wollte nicht allzu eifrig scheinen, sondern unter­hielt sich erst noch einige Minuten mit ihr; dann führte sie ihn in das Ankleidezimmer.

Das ist das Bild", sagte sie; und Mr. Sinclair Pflanzte sich vor dem Meisterwerke auf.

Es war ihm natürlich eine Kleinigkeit, das Kammer­kätzchen auf einige Zeit zu entfernen. Er bat sie, ihm sein Skizzenbuch zu holen, wüßte aber ganz genau, daß sie es nicht finden würde.

Nicht sobald ivar sie gegangen, als er hastig die Tür verriegelte und seine Suche begann; die Juwelen-Scha- tulle, die wunderbaren Schätze an seidenen und sammetnen Gewändern, die sonstigen Zierraten und Schntucksachen des prächtigen Gemaches waren rasch überblickt und durchforscht.

Dann fielen seine Augen auf den Wandschrank, und er öffnete ihn hastig.

Endlich doch etwas. Er fühlte ein kleines Bündel in einer Ecke. Eng'zusammengedreht und geknüllt lag das perlgraue, seidene Kostüm dort. Hastig faltete er es aus­einander und sah die verhängnisvollen Flecken darauf.

Es war das Werk eines Augenblicks, den Schrank mit seinen Nachschlüsseln wieder zu verschließet und seine Beute, den letzten und grausamsten Beweis von allen, in Sicherheit zu bringen.

Als Jeannette nach einer guten Viertelstunde zurück­kehrte, stand er noch immer wie hingerissen vor dem Ge­mälde; eine Klügere wie sie hätte jedoch vielleicht bemerkt, das; seine Augen funkelten lvie die eines Bluthundes, der cnolich auf der richtigen Fährte ist.

Ich kann Ihr Buch nicht finden", sagte sie ungeduldig und schnippisch,Ich glaube, es .ist überhaupt keins da."

Doch, doch", versicherte er;Sie sind aber doch die Güte selbst, sich so zu benmhen! Nun, es macht nichts; es gibt an diesem Bilde so viel zu studieren, daß ich, wenn Sie gütigst gestatten, später noch einmal herkomme."

Eine halbe Stunde später stand er eifrig debattierend mit Sergeant Elliot in dessen Privat-Kabinett, und vor ihnen auf dem Tische lag das goldene Armband, ein Fetzen Papier aus der Brieftasche des Toten, und das perl­graue seidene Kostüm,

Jetzt brauchen Wir nur noch d> Waffe", sagte Mch Sinclair triumphierend,dann hätt den ganzen Be­weis beisammen."

Aber der Beweggrund, wo ist mb?" fragte Sergeant Elliot.Was kann das nur

Tas braucht uns nicht zu kümmern. ^t merk­würdigere Sachen im Leben dieser vornehm«. *t, als Sie oder ich mit all unserer Philosophie u. neu lassen. Der Grund wird schon ays Licht koin. lassen Sie sich darauf!"

Es tut mir unangenehm leid", bemerkte der Ser^ cs gibt keine Familie im Bezirke, die so hoch stä». wie die Waynes von Kenninghall."

Höherstehende Familien haben schon ihre Uuannehm- lichkeiten gehabt", War die philosophische Erwiderung, und damit endete die Unterhaltung.

55. Kapitel.

Kumnrer in Elton.

An diesem herrlichen Frühlingsabende, wo sie eine so schreckliche Kunde erhalten sollte, saß Kate Jefferies vor der Türe ihres Häuschens und nähte.

Der Witwe War das Herz schwer; sie War sehr beküin- mett wegen Jack. Seit vielen Monaten schon war sein Be­nehmen ihr ein Rätsel. Nun War er seit einigen Tagen fort, ohne daß er ihr auch nur ein Wort gesagt, wohin er gehe oder was er tun Wolle; und als sie seine Stube mtpi geräumt, hatte sie genug gesehen, Was sie allerlei Befürchte ungeu hegen ließ.

Wo halte er nur das Geld für so mancherlei Sachen her neue Anzüge, Ringe, teure Shlipse, kurz, allcch Was er haben Wollte? Gearbeitet hatte er nicht, sonstige Gelegenheit, Geld zu verdienen, hatte er ihres Wissens auch nicht gehabt er schlug die Zeit ja nur mit Vergnü­gungen tot.

Daß er seine Drohung Wahr gemacht und ihr Geheim­nis entdeckt haben könnte, kam Kate Jefferies keinen Augen­blick in den Sinn; in letzter Zeit hatte er gar nicht mehr davon gesprochen, und sie hoffte zuversichtlich, er habe es vergessen oder fei des nutzlosen Fragens müde geworden.

So saß sie da in trüben und schweren Gedanken und stichelte über ihrer Leinwand, als plötzlich hastige Schritte ihre Aufmerksamkeit erregten; sie erhob den Kopf und ge­wahrte Werner.

Er kam hastig auf sie zu und begriißte sie in seiner liebevollen anhänglichen Art.

Mein lieber Werner, dies ist aber ein sehr unverhofftev Besuch", sagte sie, dann bemerkte sie, wie ernst und erregt er aussah.Bist du krank, Werner?" fragte sie besorgt.

Nein, nein, ich bin nicht krank", erwiderte er ans- weichend,ich komme, um mit dir wegen Jack zu sprechen. Wußtest du vielleicht, daß er die Slbsicht hatte, zu mir nach Kenninghall zu gehen?"

Kenninghall?" wiederholte sie erstaunt. Ich weiß