Ausgabe 
26.9.1906
 
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welchen daraus, tote aus jeder kleinsten Störung währe Qualen entspringen, steht die Mehrzahl der Betroffenen gegenüber, welche des leichten Truckgefühls nach den Mahlzeiten usto. gar mcht achten. Jnr mittleren Lebensalter sind ungefähr 80%o von bieder Veränderung in ziemlich' hohem Grade betroffen, und gerade dieser Umstand hat die Erkenntnis gehemmt, daß das normale Verhalten eine Rarität sein soll, will so schwer tn unser Denken gehen. Aber gerade dieses Denken, fährt Redner fort, versprecht noch manche Früchte zu tragen. In ttoch manch einem Gebtet, in dem zur Zeit über die Storm Unetntgkett besteht, werd die Erwägung der Möglichkeit Früchte tragen, daß die Kulturmensch­heit, um leben zu können, mancherlei ans Pathologische gren­zende Anpassungen vollziehen muß. Nach dieser allgemeinen Ueber- sicht bespricht Redner eingehend die Mechamk des Zustandekom­mens der Dehnung, ihre Abgrenzung von anderen Krankheits­bildern des Magens und wie sie anderseits den Boden für, zahl­reiche Magenerkrankungen ohne grobe anatomische Wandveränder­ungen wird, und gibt Details über den räumlichen und zeitlichen Ablauf der Verdauung in den normalen % Liter-Inhalt fassen­den, seine Aufgabe in einer Stunde bewältigenden Magen über die Bedeutung der Suppe als erste Speise, über die Funktion der Schließmuskel am normalen Magen u. a. m.

Heber die Behandlungen der Magen-Darmerkrankungen mit Köhlensünre-Maflage

machte Dr. Walter Klemm Mitteilungen. Der Vortragende er­klärt die Wirkung der Kohlensäure, zunächst, indem das Gas ver­nichtend auf Krankheitskeime, erweiternd auf die Blutgefäße, an­regend auf die Nervenendigungen einwirkt und in Verbindung mit der Massage von muskelkräftigendem Einfluß auf die damit be­handelten Organe ist. Es ist daher auch die nächste Wirkung dieser Behandlung ein sofort auftretendes Gefühl behaglicher Jnnenwärme, welchem Mußerungen normaler physiologischer Funktionen des Organes folgen. Der, vom Vortragenden hierzu konstruierte Apparat ermöglicht die feinsten Abstufungen in der Dosierung und jedwede, mit der Gasblähung etwa verknüpfte Gefahr vollständig ausschließt. Die Massage des Magetts bot bisher vielfach nicht befriedigende Ergebnisse, da das Organ der massierenden Hand im Leib answeicht und so schwer zugänglich ist. Vor zwei Jahren wurde daher ein toefentlicher Fortschritt auf diesem Gebiete durch die Blähung des Magens zu Massage- zwecken mittels Luft aus der R i e g e l s ch e n Universitäts­klinik in Gießen gebracht. Der Luftblährmg fehlen jedoch die sämtlichen Vorzüge der Kohlensäure. Außerdent erseht das desinfizierende Gas vielfach die unbequemen und, häufig nicht unbedenklichen Ausspülungen der Organe mit Flüssigkeiten. Von Magenkrankheiten, welche in besonders günstiger Weise nach dieser Methode behandelt wurden, sind zu nennen: die schlaffen Senk­ungen, die Erweiterungen, die narbigen Zerrungen oder Schnü­rungen, die herabgesetzte oder erloschene muskuläre Energie des Organs, sowie Herabsetzung bezw. Erlöscheit der Saftabsonderung des Magens: andererseits auch manche Fälle von Magensaftfluß oder Uebersänre des Magens (ein Begriff, den der Vortragende in die medizinische Nomenklatur eiugeführt hat), Magenentzünd­ungen, sowie die verschiedenartigen Erkrankungen desselben. _33et Erkrankungen des Dickdarmes sind die Blähsucht, Erschlaffung und Senkung des Organs, Krampfzustände in demselben, akute und chronische Katarrhe bezw. Entzündungen, Schleimkolik, Mast- darmentzündung, Blutruhr des Dickdarms, tuberkulöse und andere Geschwüre desselben in ost erstaunlich kurzer Zeit und vollständig durch diese Behandlung zu heilen. Der Vortragende glaubt, da das Gas rasch ebenfalls in den Dünndarm aufsteigt, dasselbe auch zur Behandlung von Dünndarmerkrankungen, ja sogar von Typhus dringend empfehlen zu sollen.

Bei Blinddarmenizündttuge»

gegen welche der Vortrageirde gleichzeitig mit dem Pariser Prof. Robin Behandlung durch Massage usw. empfohlen hatte, rät derselbe dringend, gestützt auf zwei von ihm bisher so behandelte Fülle, zur äußerst vorsichtigen Anwendung dieses Verfahrens. Mastdarmfisteln endlich gelangen unter Einwirkung des Gases zur vollständigen, vperationslosen Ausheilung, was dieser Me­thode auch auf dem Gebiete der Chirurgie und anderer Krcmk- heiten ein weites Feld eröffnen dürfte. Die Anregung zu seinen Versuchen mit Kohlendioxyd war von dem Prof. Achilles Rose der Aerzte-Akademie in Newyork ausgegangen. Dieser hat das Gas bereits bei Erkrankungen der Schleimhäute in der Nase, bei Tränensackeutzündnng in der Scheide, im Mast-, sowie im Dickdarme, und insbesondere gegen Mastdarmfisteln angewandt. Die Hinzunahme der Massage, sowie die Uebertragung^ des Ver­fahrens auf die Behandlung der Magenkrankheiten ist dagegen eigenste Nettarbeit des Vortragenden.

Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß die abstinenten Aerzte auf dem Naturforscher- und Aerztetage folgenden

internationalen Aufruf gegen des» Alkoholgenutz verbreiteten:

Angesichts der wachsenden Verheerungen, welche durch den stetig zunehmenden Alkohvlkonsum verursacht werden, fühlen wir, die Vertreter des ärztlichen Standes in der Abstinenzbewegnng, uns verpflichtet, folgendes vor aller Welt zu erklären: Die Wissen- jchast hat bewiesen, daß der Alkohol auch in mäßigen Dosen Stö­

rungen der Hirnfunktionen hervorruft, daß er die Kritik, die Willenskraft, den ethischen und ästhetischen Sinn lähmt, die Selbst­beherrschung Herabsetzt. Deshalb soll man einsehen, daß

der Alkohol ein Gift

ist und denselben nicht länger den Nahrungsstoffen zuzählen. Die Wissenschaft hat ferner festgestellt, daß der fortgesetzte Genuß alkoholischer Getränke die Resistenz unseres Körpers gegen Er­krankung aller Art, insbesondere Infektionskrankheiten herabsetzt und die Lebensdauer verkürzt. Menschen, die sich vollständig aller alkoholischen Getränke enthalten, haben eine größere Leist­ungsfähigkeit und Ausdauer bei allen körperlichen und geistigen Arbeiten, erkranken seltener und genesen rascher, insbesondere von Infektionskrankheiten, als die mäßigen Trinker. Jede kör­perliche und geistige Arbeit wird vollkommener und geschickter ausgeführt bei vollkommener Abstinenz. Alle gegenteiligen An­gaben haben sich bei genauer Prüfung als Illusionen erwiesen, hervorgerufen durch' die alkoholische Lähmung der Urteilskraft. Die größte Gefahr des gewohnheitsmäßigen Alkoholgenusses aber ist die Degeneration der Rasse. Die Nachkommen der Gewohn­heitstrinker erben eine allgemein minderwertige Konstitution, namentlich ein geschwächtes Nervensystem. Diese Gefahr wird in neuerer Zeit insbesondere dadurch gesteigert, daß

auch das weibliche Geschlecht

allmählich mehr und mehr unter den Einfluß der allg. Trinksitte gerät. Solange die Frauen an den Trinksitten sich nicht beteiligten, erbte jeder doch toenigstens zur Hälfte noch gesundes Blut. Seit aber die Mütter der kommenden Generation mitbetroffen werden von der chronischen Vergiftung, ntuß die Entartung in erheblich schnellerer Progression verlaufen. Die Trinksitten erzeugen nicht bloß bet denen, die ihnen unterliegen, über kurz oder lang Entartung, Armut, Krankheit, Laster, Verbrechen, Wahnsinn und Tod, die Trinksitten gefährden oft genug auch diejenigen, die sich für ihre Person niemals vor ihnen beugen. Es kommen jährlich Tausende um durch die Trunksucht und die Trunkenheit anderer. Wir erinnern an die vielen Unglücksfälle, die durch Trunkenheit veranlaßt tuerben, an die Eisenbahntmsälle, an die Schiffbrüche, an die Unglücksfälle auf den Bauplätzen, in den Fabriken, in den Werkstätten. Wir erinnern an die Verbrechen, die in der Trunkenheit verübt werden, en die endlosen Fälle von Körperverletzung und Totschlag. Wir erinnern an die unzähligen Familien, welche mißhandelt werden durch ein trunksüchtiges Familienhauvt. Wir erinnern nochmals an die Hunderttausende, die infolge Trunksucht bereits krank und elend geboren werden, welche mit ihrem Elend der ganzen Gesellschaft zur Last fallen, tvelche ihr Elend vererben auf Kinder und Kittdeskinder. Des­halb ist es nicht bloß eine Pflicht gegen die Mitmenschen, es ist eine Pflicht der Selbsterhaltung für jeden Menschen, mitzuwirken zur Abschaffung aller alkoholischett Getränke, und zwar bur^ das eigene Beispiel, durch

die totale Abstinenz.

Wir sind überzeugt, daß sich nach Beseitigung des Alkohols auch andere Ursachett menschlichen Elends leichter werden unter- drückett lassen, daß die Totalabstinenz wesentlich beitragen wird zur Lösung der großen sozialen Probleme. Unterzeichnet ist dieser bemerkenswerte Ausruf von mehreren hundert Aerzten aus allen zivilisierten Staaten.

VeLmrschiss.

* Zeitunglesen als vorbeugendes Mittel ge­gen geistige Erschöpfung empfahl der Vorsitzende der englischenVereinigung der Sanitütsinspektoren", Sir James Crichton Broivne, in einer Ansprache, die er in einer Versamm­lung der Vereinigung in Blackpool hielt. Vor allen Dingen soll das Zeitungslesen gegen die typische nwberne Krankheit, bis nervöse Müdigkeit, helfen. Sir James sagte darüber:Ich sage. es mit voller Ueberlegung, daß die Zeitung, mit allen ihren Fehlern, eines der Bollwerke zur Erhaltung unserer Gesund­heit in der gegenwärtigen Zeit ist. Es bildet das Gegenmittel gegen die nertienaufrcibenbe Arbeit zu selbstsüchtigen Zwecken; es gibt den Blödsichtigen einen weltweiten Horizont. . . . Es ist in seiner Tragik und in seiner Komik wahr und wirklich, während der Roman nur Vortäuschung ist. Es bringt uns kurze Abrtsse des Lebens in Form von Plaudereien. Es liefert Helden dutzend­weise. Es gibt uns leicht verdauliche geistige Nahrung. . So mancher Mann ist vor Schwermut und Trübsinn nur durch seine Zeitung gerettet worden. Wollte man die Zeitungen ab­schaffen, so müßte man gleichzeitig die Irrenhäuser vergrößern. Die enalische Presse stellt sich natürlich spröde und tut so, als ob sie "dieses Lob nicht in seinem vollen Umfang annehmen könnte, verbreitet sich dann aber tiefgründlich in Einzelheiten, nm zu beweisen, daß Sir James doch recht hat. Beispielsweise, so wird ausgeführt, tocitn der ermüdete Städter, der sonst tn seiner Beschäftigung aufgeht und sich dabei aufreibt,, in den Ferien an die See reift, nimmt er aus Langeweile em Zeitungsblatt zur Hand, das er bann sorgfältig burchzustudieren Zeit hat, und habet erhält er so viel Anregungen, baß er von sich uttb fernen kleinen Sorgen völlig abgelenkt wirb. Jeben Tag entrollt ferne Zeitung ein neues, und manchmal sogar ein interessantes Welt­bild vor ihm und vertritt auf diese Weise an ihm die Stelle des