Ausgabe 
26.9.1906
 
Einzelbild herunterladen

666

eigener großer Höhe zu

nie, was man freundlich nennt. Weise an sich, als ob sie sich von

so würde er bei meinem Tode und Kenninghall erben; doch ich mich segnen nnd mir viele eigene

vielleicht am besten den Chisledon. Sie war familiär und vertraulich Sie hatte eine Art und

Schatten eines Thrones gelebt.

(Fortsetzung folgt.)

6. Kapiteb.

Lady Wayne macht sich eine weitere Feindin.

Das große Ereignis sollte endlich vor sich gehen. Es war der Abend des Balles auf Belvoir. Das Gerücht hatte viele wunderbare Geschichten über den Herzog in Umlauf gesetzt. Er war so äußerst freundlich, so leutselig; er schien solches Gefallen an den Leuten zu haben, die er bereits cm* pfangen. Ec lobte die Landschaft, die Grafschaft, und zwar so fein und aristokratisch. Die noch nicht eingeführt waren, verlangten danach, ihn zu sehen; die ihn einmal gesehen, verlangten nach einer Erneuerung ihres Vergnügens ; die nicht eingeladen worden, ivaren erbittert und redeten ingrimmig über Vorurteile und Kastengeist.

Lord Wayne hatte Miß West ein prachtvolles perl­graues Seiden-Kostüm zum Geschenk gemacht; dazu tnig sw Schmucksachen aus purem Golde. Weder übermodern, noch altmodisch, iveder Jugend heuchelnd, noch Alter karrikiercnd, sah Miß West aus, wie und was sie war: eine Dame aus guter Familie. Lord Wayne war ordentlich stolz auf ferne ruhige, gesetzte Schwägerin.

Keine Feder hätte Lady Waynes Toilette volle Gerech­tigkeit widerfahren lassen tönnen; sie ivar einfach ein Triumph iveiblicher Klciderkimst. Das Kostüm war aus weißer scide und weißen Brüsseler Spitzen, mit Scharlach-Volants, letztere so wirkungsvoll arrangiert, daß niemand ivußtc, wo das Weiß aufhörte oder das Scharlach anfing. Der prachtvolle Schmuck von Opalen und Rubinen stand wundervoll zu dem Kostüm.

Kein Frisur-Aufbau verunzierte die vollkonunene Schön­heit des königlichen Hauptes. Das golbigbrmme Haar fiel in flutender Fülle auf die marinorweißen glänzenden Schultern

hoffe, der Himmel wird Söhne schenken", fagte er

Hat er sich vielleicht daran

lächelnd.

Aber sie lächelte nicht mit.

gewöhnt, sich als deinen Erben zu betrachten?"

Gott bewahre! Ich bin doch kein alter oder halbivegs alter Mann. Er konnte sich doch denken, daß ich noch mal

heiraten würde,"

Ein ganz gedankenvoller Blick lag in ihren Augen.

Lord Wayne fuhr fort:Woran denkst du, Evelyn? Welche Idee hat dich gefaßt und dich so ernst gemacht?"

Ich dachte daran", versetzte sie langsam,daß, wenn Mrs. Wayne jemals dem Gedanken nachgehangen, ihr Mann könne dein Nachfolger werden, wie sehr sie mich dann nicht muß leiden können."

Ihr Gatte lachte abermals.Das ist nicht wahrschein­lich. Ich halte es nicht für möglich, daß jemand dich kennen und doch nicht leiden können soll. Verlaß dich darauf, Isabel behandelt die ganze Sache philosophisch. Man kann^ von niemandem erwarten, daß er Junggeselle bleibt, bloß um seinen nächsten Verwandten gefällig zu sein."

Dennoch, trotz seiner munteren Worte und seines herz­lichen Lachens, kam Lady Waynes Gemüt zu der sicheren Ueberzeugung, daß sie an ihrer Verwandten eilte Feindin habe, vor der sie sich hüten müsse.

Wenn ich keinen eigenen Sohn als Nachfolger hätte, Lord Wayne werden und

_.a_____ G andern Hera blasse. Ihr Benehmen

war das einer Hofdame, die in unmittelbarer Nähe, im

Woltt Hlatmfo r sch erjag.

Röutgeubelenchtnttg des Magens.

Dozent Dr. Holz kn echt aus Wien gab in einem Vortrage einen Üebcrblick darüber, wie er durch Heranziehung der Rontgeir- untersuchung zu der Annahme gekommen ist, daß das, was wir bis jetzt für die normale Form, Lage und Größe des Magens gehalten haben, recht weit vom normalen Verhalten dieses Or­gans entfernt ist, und daß 'sich ein normaler Magert m größerer Frequenz fast nur beim Kinde findet, schon in den Kindcrrayren, bei Mädchen früher als bei Snabeit, tritt eine Veränderung ein, welche im wesentlichen eine Dekmung in die Längsrichtung t|f. Die entfernte Ursache dieser Veränderung ist die Muskelschwache der Bauchwand, eine Teilerscheinung allgemeiner Musrelschwache/ dieselbe, welche dem Leibe, die verbreitete, unschöne Form gibt. Nicht mehr festgehalten und getragen irn straff gespannten ^em, dehnt sich der mit Speisen wie früher belastete Magen in bie Länge. Namenswerte Beschwerden müssen daraus nicht entstehen, so daß meist jede Behandlung überflüssig ist; und den Hervosen,

herab. _

Arme Herzogin", äußerte Lord Wayne mit komischem Bedauern, als er sein schönes, junges Weib sah.Ich glaube, noch heute abend können wir ihre Herrschaft als beendet und die deinige als begannen betrachten."

Myladys unvergleichlich schönes Gesicht war, lebhafter wie üblich, als sie die auf Belvoir anwesende, strahlende Versammlung sah. Hier war ein Ziel diese glänzende Welt sich zu Füßen zu bringen. Während der Hinfahrt hatte sie gegrübelt, wie wohl die Herzogin sein werde. Jetzt, wo sie vor ihr stand, gestand sie sich ein, daß ihre Durchlaucht von Chisledon keine gewöhnliche Gegnerin sei.

Obwohl Deutsche von Geburt, sprach sie doch englych mit vollkommenem Accent. Sie bewillkommnete Lord und Lady Wayne überaus warm, obgleich mit einer gewissen höfischen, würdevollen Herablassung, die sie nie verließ.

Diese beiden Wortehöfische Herablassung" bezeichneten ganzen Charakter der Herzogin von immer anmutig und huldvoll, nie

»Die Herzogin hat niemals eine Nebenbuhlerin gehabt", j sagte Lord Wayne.Sie ist hier zu Lande absolute Herr­scherin gewesen und zwar so lange, daß sie cs nicht begreifen würde, in ihrer Herrschaft gestört zu werden."

Es ist oft etwas sehr Gefährliches um mitgeteilte Macht", gab Lady Evelyn mit vieldeutigem Lächeln zurück.

Sie schien sehr interessiert für dies ihr erstes Auftreten auf Belvoir; und als ihr Gatte später an diesem Tage in ihr Ankleidezimmer ging, fand er sie über den geöffneten Juwelen-Schatullen in Nachdenken versunken. Bei seinem | Eintritt blickte sie zu ihm auf.

Mortimer", sagte sie ruhig,hierbei ist nichts, was mir gefällt. Perlen gehen immer mit Weiß und Einfachheit, Diamanten mit Pracht, Opale allein haben nicht Charakter genug, Rubinen sind zu feurig. Weißt du, was ich gern möchte?" Sie erhob ihr schönes Gesicht mit so strahlendem Lächeln zu ihm, daß er fühlte, er könne sein ganzes Ver­mögen für ein einziges Juwel dahingeben und es ihr schenken.

Du sollst es haben," versetzte er zärtlich,emcrlet, was es ist."

Ich möchte einen Schmuck aus Opalen und Rubinen gemischt, er würde einzig und sehr schön sein. Ich sah ein­mal einen Opal- und Rubin-Ring; er fiel mir auf als die reizendste Kombination von Edelsteinen, die mir je vor Augen gekommen."

Ich will sofort zu Trench u. Cutter, unseren Juwelieren, schicken. Du sollst genau das haben, was du willst."

Sie dankte ihm so, wie er am liebsten Dank von ihr entgegennahm.

A propos, Evelyn," sagte er dann,ich vergaß, Dir zu sagen, ich empfing heute morgen Nachricht von Algernon; er und Isabel kommen zu dem Ball ebenfalls herüber."

Myladys schone Stirn runzelte sich kaum merklich. Sie konnte Isabel Wayne nicht leiden und hatte das instinktive Gefühl, daß sie an ihr eine heimliche Feindin hatte, obwohl der Anschein ja durchaus für das Gegenteil sprach.

Es wäre mir lieb," fuhr ihr Gatte fort,wenn du ihnen heute abend schreiben und sie gleichzeitig einladen wolltest, eine oder zwei Wochen hier zuzubringen. Der arme Algy ist mit Geld gerade nicht sehr.überbürdet."

Sie sah ihm ins Gesicht.Mortimer, gestern hörte ich jemanden sagen, Algernon Wayne fei dein Prüsumptiv-Erbe. Was sollte das heißen?"