Ausgabe 
26.5.1906
 
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ihn mit aller Gewalt in den KVpf und in die Füße. Die andere Schildkröte wagte dann nicht, ihre Extremitäten wieder zu zeigen; wenn sie cS tat, fuhr aberTommy" wieder auf sie los, um sie zu beißen. Als dies den Eindringling nicht vertrieb, griffTommy" zu einem anderen Angriffsmittel und hämmerte mit seiner Schale von der Seite mit aller Gewalt auf die andere Schildkröte los. Diese Methode erwies sich als erfolgreich; d ie fremde Schildkröte wurde halb tot aus denr Garten geschafft, woTommy" nun wieder Alleinherrscher ist. r,

* Die gefahrlose Duellpistole. Im Jaroin de Paris ist kürzlich eine neue Erfindung versucht worden, die in einem von Deirillers erfundenen Patentgeschoß besteht, das allen­falls Verwundungen veranlassen, aber nicht zu töten vermag. Bei den Versuchen wurde eine Reihe von Pistolenschüssen von mehreren Paaren unter den Bedingungen eines Duells abgegeben. Obgleich alle Geschosse mehr oder weniger trafen, fand nur eilte Verwundung statt. Der Verwundete hatte die Pistole nach dem Schuß unvorsichtig gesenkt, und sein Gegner, der nur einen Augenblick nach ihm Feuer gab, traf die ungeschützte, die Pistole haltende »and, was eine ziemlich erhebliche Verletzung zur Folge hatte. Auch dieser Umstand ist jedoch nur durch eine besondere Ungeschicklichkeit zu erklären, denn die Pistolen sind mit einer Art von Stahlkorb versehen, wie die Rapiere, wodurch die Hand während des Schusses geschützt wird. Der Erfinder hatte auch die Personen, die sich zu dem Versuche hergegeben hatten, vorher davor gewarnt, die .Hand früher sinken zu lassen, als bis der Gegner seinen Schuß abgefeuert hätte. Die Wirkung der Ge­schosse ist so herabgemindert, daß kein weiterer Schutz notwendig ist außer an den Augen, für tue man starke Automobilbrillen benutzt. Gütige der Versuchspersonen hatten sich freilich noch mit langen gepolsterten Blusen geschürt. Bei Duellen, die in Frankreich wenigstens nur allzu oft utcht eben erlist genommen werden, könnte die neue Erfindung mit Nutzen verwandt werden, außerdem jedenfalls bei Uebungen im Pistolenschießen.

* Die Eheschließung auf Aktien. In Gretna Green kann man sich nicht mehr heimlich verheiraten, und dem berühmten schottischen Schmied, bei dem die Entführungen höchst gesetzlich regularisiert wurden, ist durch ein Gesetz des englischen Parlaments das Handwerk gelegt worden. Leute, die pressiert sind, köiinen sich aber noch immer mit blitzartiger Geschwindig­keit sürs Leben zusammentun in Amerika nämlich. Es ist ja zwar etwas weit, aber heutzutage reist inan sehr rasch, und wenn man erst in Newyork ist, hat man die Geschickte spott­billig; für 42 Mark, Bahnfahrt and Hotel mit eingerechnet. Die Heiraterei wird nicht in Newyork bewerkstelligt, sondern in Noungstown, einer kleinen Stadt im Staaten Ohio; hier gehen die Dinge mit Schnelligkeit und Diskretion vor sich, unter der Leitung einer anonymen Gesellschaft auf Aktien, die für alles sorgt itr.'r. alles bezahlt, den Pastor und den Hotelbesitzer. Man kann mit der Gesellschaft auch schriftlich unterhandeln. Gegen Erlegung von 21 Mark erhalten die Zukünftigen. Fahrkarten für die Strecke NewyorkNoungstown, und eine gleiche Summe haben sie nach der Trauung zu zahlen; die Gesellschaft ver­pflichtet sich, die vollzogene Trauung nicht durch die Zeitungen bekannt werden zu lassen. Man geht in Amerika bei allen Dingen, selbst beim Heiraten, so rasch zu Werke, daß die anonyme Ehe- schließnugs-Gesellschast von Noungstown wie keine zweite prospe­riert. Sie hatte im Jahre 1904 1500 Heiraten zustande gebracht: im Jahre 1905 waren es schon 4000, und int lausenden Jahre hofft sie mindestens 8000 Pärchen glücklich zu machen.

Logik. Professor:....Ja, ja, mein lieber Herr- Kollege, man kommt doch manchmal durch Untersuchungen und Studien zu ganz sonderbaren Schlußfolgerungen l Sehen Sie, als ich gestern an meinenLebenscriiinerimgen" arbeitete, kam ich schließlich zu der Ueberzeugnng, daß ich gar keine Berechtigmig habe, nach dem Tode meiner zweiten Fran noch zu leben, ohne alle Gesetze der Logik auf den Kopf zu stellen."

Aber, ich bitte Sie, verehrtester Herr Kollege . . ."

Ja, ja, es liegt ganz klar aus der Hand. Hören Sie nur 1 Vor c0 Jahren starb meineerste bessere Heilste", und vor zwei Jahren stirbt auch noch diezweite bessere Hälfte" von mir. Wenn NUN beide Hälften von mir gestorben sind ja, was bleibt beim da von mir noch übrig? I"

Afferl.

Noch heute, wenn ich au ihn denke, und es sind nun schon zehn Jahre vergangen, seit er nicht mehr ist, werden mit in der Erinnerung au ihn die Augen feucht. Er war nur ein Hund, aber ein rührendes Geschöpf von Treue und Anhänglichkeit. Er verdient, daß noch nach so langen Jahren von ihm ge­sprochen wird. .....

Es war im Herbst. Meine Frau und ich waren für einige Wochen in Wien. Uns gegenüber wohnte ein Mann, eine jener bekannten Wiener Straßeutypen, der Hunde züchtet und verkauft. Wenn wir ausgingen, sahen wir oft die kleinen, reizenden Hunde oder. beobachteten sie vom Fenster aus. Wir fingen au, uns sehr für die Tiere, besonders den einen, einen entzückenden kleinen Affenpinscher, zu interessieren. Wir beschäftigten uns rege und mit großem Vergnügen aus der Entfernung mit ihnen.

Gitterrätsel.

Nachdruck verboten.

In die Felder neben­stehender Figur sind die Buchstaben a, ä ä, e e e e, g g-, h h. i i, 1 1, m m m in, nnnnnnnn, o o, p p, r r, s s, t t t, nun u nun derart einzutragen, daß die senkrechten und . wagerechten Reihen gleich­lautend Folgendes ergeben:

1. Name mehrerer ägyp­tischen Könige.

2. Schmackhafte Fischk.

3. Ein Metall.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilder-Rätsels in voriger Nummer Es sind nicht aNe frei, die ihrer Ketten spotten.

Unser Aufenthalt an der schönen blauen Donau näherte sich seinem Ende, und wir bedauerten beide, daß wir nun bald unsere kleinen vierfüßigen Freunde, vorzüglich unfern Liebling, den! kleinen Affenpinscher, nicht mehr sehen würden. Da kamen wir auf den Gedanken, uns den Kleinen zuzulegen. Ich kaufte ihn und schenkte ihn meiner Frau. Wir tauften ihnAfferl". Er sah ans wie ein kleiner Asse und war auch so drollig und possier­lich, wie die Assen sind.

Unser Afferl wurde ein selten schönes Exemplar von Afsen- pinscher, und noch mehr als seine Schönheit zeichneten ihn seine hervorragenden Eigenschaften ans. Er war klug, treu, gelehrig und gehorsam. Er hing an uns, besonders an meiner Frau, mit großer Zärtlichkeit. So erfreuten wir uns Jahre ungestört seines Besitzes.

Doch wie alles Glück auf Erden nicht zu lange währt, Nmrde auch das unsere plötzlich jäh gestört. Meine Fran erkrankte schwer, und alle Bemühungen der Aerzte, der tückischen Krankheit Einhalt zu gebieten, waren veraebens; sie wurde mir entrissen.

Nun blieb mir nichts als das Asferl. Er teilte mein schweres Leid und trauerte auf feine Art mit mir treu und in rührender Weise um feilt geliebtes Frauchen. Er suchte sie fortwährend und glaubte, sie müsse, müsse wiederkommen. Was mir das Tierchen in dieser Zeit war und in der folgenden blieb, kann ich nicht beschreiben. Nur wer die Treue eines Hundes kennt, vermag es zu ermessen. z

Jahrelang waren wir noch zusammen, das Affen und ich. Er wurde alt; auch seine Stunde schlug, er mußte mich ver­lassen, allein lassen. . _ , ,

Tief traurig habe ich unser liebes Afferl tu die Erde^gesenkt.

Aus Kindermund.

DasAmen". Der kleine Heinz, ein frischer, lebendiger Bub von fünf Jahren, muß jeden Morgen der Familienandacht beiwohnen, bei der sein Vater eine dem kleinen Heinz nicht immer kurz genug erscheinende Vorlesung aus dem Andachtsbuche vor- ninun't. Viel versteht Heinz ja auch nicht von dem Vorgelesenen, aber ein Wort, das weiß er, ist von besonderer Bedeutung, das öffnet ihm die Tür zu den unendlichen Freuden des vor ihm liegen­den Tages, in Hof und Garten, in Wald und Feld, und dies Wort ist das'Amen" der Andacht. Eines Tages kommt der große Bruder von Heinz,Dicker" genannt, ein Quartaner, zu den Ferien nach Hause und bringt einen unbezwinglichen Drang mit, vorzu- leseu. Er liest den Schwestern Jndianergeschichten vor, den Eltern Göttersagen, dem Kutscher erbauliche Geschichten aus dem Lese- buche usw. Aber sehr bald drängt sich das Publikum nicht mehr zu seinen Vorlesungen. Da muß eines Tages der kleine Heinz her, und der gute Junge, voll Respekt vor dem großen Bruder, hort auch geduldig zu, fünf Minuten, zehn Minuten, draußen scheint die Somte immer schöner. Da seufzt Heinz und sagt:Dicker, sag Amen I"

*

Das dreijährige Söhnchen des Hauses ißt sehr ungern Gemüse. Schau," sagt zu ihm der Vater,andere Kinder waren froh, wenn sie nur die Hälfte von dieser Portion bekämen.'Papa, ich wäre ja auch frohj wenn ich nur die Halste bekäme."

In einer Berliner Gemeindeschule nimmt die Lehrerin mit den Kindern die rückbezüglichen Zeitnwrter durch, unter anderem auch sich setzen". Lieschen soll anfangen zu konjugieren und beginnt in echtem Berliner Dialekt:Ich setze mir, du setzest dir usw. Rein," meint die Lehrerin,das ist ganz falsch, em feiner Mann sagt nicht so. Wer weiß eS besser?" Ta meldet sich Aeniichen Müller und beginnt:Ick bin so frei und setze mir 1"

Redaktion; Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlaa der 53 rühPItfien Universitäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen-