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Jastcnde Wölker,
Eine Fästcnbetrachtung von Dr. I. Wiese.
(Nachdruck verboten.)
Wie in der katholischen Kirche, so finden wir bei vielen Völkern das Fasten, die Enthaltsamkeit von bestimmten Nahrungen zu festgesetzten Zeiten, vielfach als religiöses Gebot vor. IN seiner größten Ausbreitung und in seiner bis in das kleinste, selbst bis in das kindische getriebenen Ausbildung tritt es uns bet den Hindu entgegen.
. Die meisten Hindu beobachten die vierten und die elften Tage eines reden Monats als die regelmäßigen Fasttage; an jenem soll während des Tages, an diesem während Tag und Nacht Nicht gegessen Werden; indessen gestatten sich viele Hindu des Nachts wenigstens Süßigkeiten. Nach der ganz strengen Vorschrift
I Monogramm daraus war. Ter Brillantring tut mir heute I noch leid. Er hatte ein schönes Feuer und war von Friedländer."
Die Liefegang nickte. „Hälfst ihn ruhig behalten soll'n, Nun, und das Armband auch. Sinn kommt er nicht wieder- wer weiß, wer heute den Ring und das Armband trägt." j n lieber diese unverständige Rede ergrimmte Imhoff sehr. | "Daura", sagte er, „ich frage Dich, könnte man über die I Liese gang nicht mannigmal rasend werden?! Wenn es nach | ihr ginge. . . aber ich schweige lieber. Murr, Du hast auf | kn ich M hören und auf die Mutter oder vielmehr die I Dante, wie Tu sie nennst. Ein anständiges Mädchen nimmt I teilte Schnmcksachen zum Geschenk an, es sei denn von ihrem I rechtmäßig Verlobten."
»Ich kann lange warten, eh' daß ich einen Bräutigam kriege", entgegnete Nina maulend. „Und übrigens: die Boudotreinrichtimg vom Baumeister Hammer — da hattest Tu doch nichts dagegen, daß ich die annahm, Vater, und war noch kostbarer als ein Ring und ein Armband."
„Ich habe mir nachträglich Vorwürfe genug darüber | gemacht," erwiderte Imhoff. „Es war aber weniger ein Geschenk für Dich als eine mir, mein Kind, zngedachte Dedika- tion: es war die Revanche für zahlreiche Gefälligkeiten, die ich Hammer erweisen durfte. Das ist immer noch etwas anderes. Nun geh hinaus und sieh nach, wer da ist; oder hat es nicht geklingelt?"
„Ja, es hat geklingelt," sagte die Liefegang, „aber ist der Bureandiener nicht vorn?"
„Dann würde ich Nina nicht zum Oeffnen schicken, Liese- gang," entgegnete Imhoff mit gerunzelter Stirn. Nina war auch schon davongesprnngen.
„Liesegang, nun hole die Droschke," sagte Fran Laura bittend; „Priestap kommt in der Tat nicht mehr, was sollen wir noch warten!"
Gehorsam hängte die Alte sich ein verschossenes Umschlagetuch um die Schultern. Aber da hörte man Nina auf dem Korridor rufen: „Vater! Vater, wer ist da?! Nun rate einmal! Ein Wildfremder. Ein Mann, den wir garnicht kennen!"
Sie machte an der Küchentür eine Verbeugung und ließ Priestap eintreten. Imhoff empfing ihn mit offenen Armen, wie einen heimgekehrten Sohn; Frau Laura tief rauschte in die Kniee und ärgerte sich heimlich, daß Nina den Gast nicht in den Salon geführt hatte statt hierher in die Küche, und die Liefegang stellte sich deckend vor den Abstühltisch, auf dein es gräuelvoll aussah.
„Nun sagen Sie, Herr von Priestap," rief Imhoff, „ist das eine Freude! Ich "hätte es kaum erwartet; ich fürchtete schon, Sie würden uns for ever untreu werden. Das ist meine Frau. Laura, der Baron Priestap: wir haben oft von ihm gesprochen —"
„Ja," sagte Laura, „oft. In Claudius haben Sie einen ehrlichen, warmherzigen Freund, Herr Baron; das kann ich wohl behaupten. Er hängt sehr an Ihnen,"
„Ich leugne es nicht," gestand Imhoff. „Der Baron hat es mir angetan. Das hat er. Und er hat mich dafür grundschlecht behandelt. Schwamm drüber, Herr von Priestap! Daß Sie heute gekommen sind, betrachte ich sozusagen als Ausgleich. Ihre Hand, Baron Priestap: wir sind wieder die alten Freunde!"
(Fortsetzung folgt.)
• "^Jommt sicher nicht", wiederholte Nina, die auf m/’m fcch und sich langsam die Handschuhe anzog. &ut gemacht, mit dem Priestap. Alle seine J l)cifte ich ihm Zurückschicken müssen, bis auf das Briefpapier; das durfte ich behalten, weil doch 'mal mein
und höhnisch; ein Zittern strich über den Hahnen kämm. „Sie vergessen eins, Herr Imhoff", sagte er, „vergessen die eigene Gattin. Trenenbrietzen und Züllichan sind mir lieber als das Theaterrestaurant in Oschatz. Eine erste Anstandsdame zwischen Bierneigen und Wiener Würstchen, zwischen Mostrichtöpfen und belegten Butterbroten ist kein schöner Anblick. Ich weiß nicht, ob da der feine Anstand verbleibt. Aber ich engagierte die Dame um Ihretwillen."
„Herr Giesecke", versetzte Imhoff in ruhiger Würde, „es widerstrebt meinem Feinempfinden, Jhneii auf diese Anzapfung hin eine entsprechende Antwort zuteil werden zu lassen. Es ist auch nicht nötig. Fällt einmal eine Perle unglücklicherweise in den Schmutz, so verliert sie dennoch nichts von der Eigenart ihres Glanzes. Herr Giesecke, ich bitte, daß sich unser gegenseitiger Verkehr künftighin auf das notwendig Geschäftliche beschränkt."
„Es ist dies seit langem mein sehnsüchtiger Wunsch", erwiderte Giesecke. Worauf Claudius Imhoff sich höflich verneigte. Auch Herr Giesecke stand auf und verbeugte sich
Anstand. Imhoff ging an die'Tür, machte dort noch Kompliment und verschwand.
Nina eilte ihm wirklich entgegen. Sie war schon in Hut und Jacke; die Jacke war neu und der Hut frisch auf- gepvtz't. „O Vater", rief sie, „wo weilest Du," was säumest Tu, nur harren Dein in banger Pein, o komm, o komm zu uns herein!" — Ta sich sie sein böses Gesicht. „Was bist Du denn so mürrisch, Alter?"
Das fragte auch Frau Laura, die in der Küche einen kleinen Futterkober für die Landpartie znsainmenpackte; die Liefegang half ihr dabei.
„Kinder", antwortete Imhoff, „Beim großen Apoll, war's Nicht um Euch, ich hätte mein Mandat dem Auf- l ftchtsrat längst zu Füßen geworfen. Ich sehe ein, unvereinbare Gegensätze lassen sich nicht unter einen Hut bringen. Ein Haus für Oper und Schauspiel und Ballett, auch noch für Konzert, Vorträge und sonst was: das geht nicht Lcgon entsteht ein gräulicher Zwist von wegen der Proben i schon entbrennt der Hader, weil eine Muse die Nase rümpft über die andere. Und immer bin der Puffer i ch. Man rewt sich an mir. Ich bin mit Seeben und Rafaöli so gut wie zerfallen. Nun hat mir auch noch Giesecke eine Gemeinheit nach der anderen in das Gesicht geschlendert"
„Liesegang", sagte Frau Laura, „es muß doch noch von , dem falschen Hasen da sein. Mach' schnell, belege damit die drei Brötchen, und Nina wickelt sie ein. Claudius, das ist immer so. Ach, du himmlischer Vater, die lieben Kollegen! Was wollte denn Giesecke?"
„Er ist von niedriger Gesinnung", entgegnete Imhoff, „er ist eine gewöhnliche Natur."
Frau Laura packte iveiter. „M ir soll er nicht kommen. Pniia, die Kognakflasche! Claudius, ich warte immer noch I
Rolle. Es soll in dem Premierendrama eine I Rolle für Mich sein. Die Leseprobe wird es ja ergeben. I Claudius, kriegt die Vieweg die Rolle, und ich werde übergangen, dann kündige ich, eh' ich aufgetreten bin." _ "W gibt noch eine höhere Instanz als Giesecke", sagte Imhoff, mit ^uterep'e die Füllung des Eßkorbs beobachtend. |
!e- W '^Ea, ich stehe hinter Dir. Was willst Tu, Kmd.? -eben heißt kämpfen. Auch meiner wartet I em schwerer Kampf. Ich habe die Bestallung als Oberregisseur Per Oper m der Tasche, und plötzlich fällt es Seeben etip bet „Quartier latin" selbst die Regie leiten zu wollen. „Was sagst Tu dazu?" J I
meinte die Liesegang, „wenn Sie da I
gleich mit Energie auftreten, vergeben Sie sich alles.
es war zu meiner Zeit, da haben sich j gloei Regisseure, ich kann Ihnen die Namen nennen, es ioare.it I Hoppeitworth und Ermler, die haben sich auf der Probe I öeoprfetgt, so sind sie aneinander geraten. Zwei können keme Regie nicht führen."
Direktor, Tu hast die Regie", sagte Frau Laura und schloß den Korb. „Ta gibt es doch kein Ver- inengehereit. Soll ich die Droschke holen lassen?"
^rnhoff zog feine Uhr. „Es ist noch nicht drei, Laura." | doch nicht""" toen luntteu wir denn noch! Priestap kommt


