muß über Nacht ans dein Boden wachsen. Mit Riesenkräften muß er gefördert werden."

Schafft Selb", entgegnete Haninier.Mit Geld ist alles zu machen. Fünfhundert Arbeiter statt fünfzig. Mir ist es recht ..."

Die Sekretärin hatte von neuem die Tür geöffnet. Ein fröhliches Lachen erscholl. Es kamen gleich zivei: Josef Berndal mit seiner Frau, einer allerliebsten Blondine in neuester Frühlingstoilette, mit einem Hut von der Birot in Paris.

Ich kondoliere", sagte sie und reichte Hammer die Hand, und Berndal rief heiter:Lieber Baumeister, es ist wie beim Jeu. Dem Gewinnzuge folgen alle. Der Bühnen­dichter soll Doktor Alberti sein, der Heldendarsteller Carolus Tieckhoff; die Operette ivill Direktor Valentin zum neuen Leben erwecken, und hinter dem intimen Theater stecken F. G. Hollinger Erben."

Die haben viel Mammon", äußerte Imhoff. Er sah plötzlich düster in die Zukunst.Die haben das beste Schau­spielerpersonal an der Hand. Sie werden uns manchen vor der Nase wegengagieren, auf den mir reflektieren. Auch Valentin ist unbequem. Tie Operette sollte uns über die blinden Tage forthelfen. Ich weiß, was Valentin gesagt hat. Er hat gesagt: leichte Musik könnten mir gar nicht bringen. Hinter dem Grafen Frehlinghaiis steckte die Prin­zessin Luise. Tie würde uns kommen, wenn wir einen Offenbachzyklus riskieren wollten ..."

Fridolm Meyer v.äugte eine Tasse, die auf einer Wand­konsole stand. Er hielt sie in der Hand und betrachtete sie von allen Seiten. Daun nahm er ein Windspiel aus Por­zellan und stieß einen Ruf der Ueberraschung aus.Bau­meister sapristi! wo haben Sie diese Figur aufge­gabelt?" rief er.Das ist eine Arbeit Kaendlers für das Japanische Palais in Dresden. Das muß um 1730 ent­standen fein. Hören Sie 'mal, das ist ein bedeutendes Wert­stück. Das kauf' ich Ihnen ab."

Lieber Geheimrat", entgegnete Hammer unwirsch,lassen Sie jetzt Ihre Porzellanpassion beiseite. Wir sind beim Theater. Imhoff, ich teile Ihre Aeugste nicht"

Ich auch nicht", fügte Berndal hinzu.Lassen Sie mich kaufmännisch reden. Das Teuerste ist immer das Beste. Aber man kann sich mit einem geringen Nutzen begnügen, wenn der Umsatz groß ist. Darauf kommt es an. Unser Theater wird für dreitausend Personen Plag haben; und mir werben hie Plätze füllen. Wir werben ein besonderes Abonne- mcnle.,.; .cm erfinden, und wir werden unseren Abonnenten viel bieten"

Wir werben reiche Einnahmequellen haben", fiel Hammer lebhaft ein.Die Unterpachten allein bringen uns gegen eine halbe Million. Ich lasse das ganze Parkett versenken: da haben wir den schönsten Tanzsaal der Welt für Lubskriptionsbälle und große Ziedouteu. Die Restau- rationsrämne sollen mit noch nicht dagewesener Pracht aus- geltattet werden; jeder Fremde muß sie gesehen haben; Berlin wird Wallfahrten veranstalten. Ein erster Traiteur ist uns sicher."

Herrschaften", sagte Berndal,das ist die Hauptsache: so wie unser großes Warenhaus den plätrigen Kleinkram verschluckt, so muß auch unser neues Theater den kleinen Bühnen den Garaus machen. Sie haben keine Existenz­berechtigung-

Nana", meinte der Geheimrat, seine Nase in eine japa- äffche Vase steckend und die Jncruflas befühlend.

Also drücken wir uns klarer : der S tärkere be- hält recht. Wir bauen gewissermaßen ein Universaltheater, em Warenhaus für die Kunst ich bitte, mich recht zu »erließen. Die Kunst ist natürlich keine Ware, aber sie ver­langt reale Unterstützung. Alles schön mit dem Idealismus; doch er darf nicht auf tönernem Sockel stehen. Wir geben bem Publikum alles müssen aber auch alles tun, es zu uns zu locken. Tie Kunst ist ein scheues Weib; die lockt Nicht allein. Es müssen Köder daneben liegen, zugkräftige, volkstümliche. Der Kassenrapport spricht auch mit. Was

geht uns im Grunde genommen der Graf Frehling- Haus an"

Gär nichts", eiferte Imhoff.Prinz Arenstein ist viel wichtiger für uns. Es ist richtig, Herr Berndal: auch Köder muffen da fein, sonst ertragen wir die wachsende Konkurrenz nicht. Unser größter Lockvogel aber ist das Haus, außen und innen. Da können sieh die anderen be­graben lassen. In diesem Sinne hätte ich große Lust, ein donnerndes Hoch auf unseren lieben Herrn Baumeister aus- zubringen"

®r schwenkte bereits seinen Filzhiit. Aber Hammer wehrte ab.

Lieber Imhoff: ich tu das meinige. Ich baue mein Huns. Auch meine Steine haben Seele und werben sprechen. Aber eine andere Sprache soll drinnen geredet werden. Das ist eure Sache."

Bravo!" rief der Geheimrat, sich mnwenbenb.So i|t es. Tu' jeder seine Schuldigkeit, und die Konkurrenz kann uns gleichgiltig fein. Wir wären Schwächlinge, wollten wir verzagen, weil ein paar Nachbarn auch ihre Ideen haben und ausführen möchlln . . . Baumeister, Sie haben da einen Napoleonsteller mit durchbrochenem Rande; was haben Sie für den bezahlt?"

(Fortsetzung folgt.)

Mozartiana.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Ein bekanntes Bild Mozarts, das ihn als etwa achtjährigen Knaben zeigt, stellt ihn im bauschigen steifen Hofkleide mit Seiden- strümpsen, Schnallenschuhen, Chapeau-bas und Galanteriedegen an der Seite dar. Tie rechte Hand verliert sich in der Spitzen- lpause der Manschetten, die linke aber hat er Eüßn in die Hüfte gestemmt und frei blickt das entzückende Kindergesicht, in welchem die schwarzen Augen so reizvoll mit dem weißgepuderten Haar kon­trastieren, dem Beschauer entgegen. Dieses Bild nun hat eine höchst originelle Geschichte, die nur $8eiligen bekannt sein dürfte.

Ter kleine Mozart hatte eines Tages wieder vor Maria Theresia gespielt und als er sich nun vom Instrument erhob, schlugen die beiden kleinen Erzherzoginnen Christine und Maria Antoinette ihm vor,Haschen" zu spielen, und hussah ging die wilde Jagd durch die Gemächer der Kaiserin. Aber Wolf­gang Amadeus, des spiegelblanken Parketts ungewohnt, glitt schon nach wenigen Augenblicken aus und stürzte hart zu Boden. Tie kleine Erzherzogin Christine lachte den armen Jungen, der mit Tränen des Schmerzes und der Scham in den weitgeöffneten Augen nun plötzlich hilflos vor ihr lag, übermütig aus. Maria Antoinette aber, die spätere Königin von Frankreich, sprang so­gleich hinzu, hob ihn empor, trocknete seine Tränen und küßte ihn. Tieies liebenswürdige Samaritertum blieb nicht ohne Wirk­ung aus des Knaben weiches Gemüt und einem raschen Entschlüsse solgend, äußerte er zu der Keinen Erzherzogin:Höre, Antoi­nette, ich will Dir etwas sagen, ich heirate Dich". Maria Antoinette sah ihn einen Moment überrascht an, dann aber klatschte sie in die Händchen, hüpfte zur Mutter und rief dieser zu:Mama, Mama, Mozart will mich heiraten!"Nun, das wäre teilte üble Partie", meinte die Kaiserin lächelnd und winkte dann den kleinen Mozart zu sich heran.Sag 'mal, mein kleiner Bursche, warum willst Tn denn meine Antoinette hei­raten?"Weil sie gut ist", entgegnete der jugendliche Freier ohne Besinnen.Ich mag nur eine gute Frau haben. Christine hat mich schadenfroh ausgelacht, als ich hinsiel und mir so weh tat, aber Antoinette hob mich gleich auf und küßte mich." Bravo!" rief die Kaiserin und fuhr dann mit scheinbarem Ernst« fort:Wenn Tu aber die Antoinette zur Frau nehmen willst, mußt Du auch Kleider haben wie ein Erzherzog. Besitzest Dir denn die?"Nein, das nicht!" die schwarzen Augen des Knaben blitzten selbstbewußt aufsie muß mich eben so nehmen!" Tie Kaiserin lachte und entließ Wolfgang mit freundlichen Worten. Ein paar Taste darnach aber wurde dem Knaben durch einen Hosfonrier em reich gesticktes Galnkleid überbracht, in welchem sich der junge Virtuose dann malen ließ.

Mit 29 Jahren stand Mozart bereits auf der Höhe seines Ruhmes, wenigstens äußerte sich Haydn int Jahre 1785 zu dem Vater des großen Tondichters:Ich sage Ihnen vor Gott und als ein ehrlicher Mann, daß ich Ihren Sohn für den größten Komponisten anerkenne, von dem ich nur immer gehört habe. Er , hat Geschmack und besitzt die größte Kenntnis , in der Kom­position." Freimut und Bescheidenheit waren die hervorragendsten Charaktereigenschaften des Meisters. So schrieb er einst, indem er sein sich auf 800 Gulden belaufendes Einkommen als K. K. öfterr. Kammerkomponist nach damaligem Brauchesatierte", an den Rand des Bogens:Zn viel für das, lvas ich leiste, zu wenig für das, was ich leisten könnte." Es Ivar ihm nämliÄ