1906.

MSI

iBB5

W

M«

W

-

W

I

I

*

N

Dem Waßreo, ßdleu, Schönen.

_ Ein Großstadtroman von F e d o r t>. Zabeltitz.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Leinst Tu wieder gutt, Tu Bürebrumm?" sagte sie. Ja, das Frölen is da. Urbano, das sein eine liebe, sanfte Fristen. So eine gefallt mir, wann Tu willst eiraten. Tu freist zu vill, und sie is so sanftlich. Wie eine Taube. Aber Tu wie eine wilde Wolf, immer gleick huuu!"

Landgräfin, ich flehe Tich an, zieh' Dich in Dein Departement zurück und schick' mir das Fräulein. Ich habe heute rasend zu tun. Tu bist meine gute liebe alte madre Genoveva und kein Lindwurm. Ä rivederla!"

Ta ging die Donna, beruhigt und wackelnd, und Hammer beendete sein Frühstück. Inzwischen trat die Sekretärin ein.

Guten Morgen, Herr Baumeister", sagte sie. Sie blieb an der Türe stehen und hatte einige Zeitungen in der Hand.

'Morgen, Fräulein von Sorben", erwiderte Hammer, sich leicht erhebend.Sie machen so ein verwundertes Ge­sicht, wohl wegen der frühen Stunde. Ich bin ein Lang­schläfer, ich gestehe es zu. Slber meine Nerven sind nicht auf den Vormittag abgestimmt. Heute am wenigsten. Wenn ich Genoveva vor elf reden höre, vibriert alles in mir."

Es war eine etwas laute Szene", bemerkte das Fräulein lächelnd.

Wenn Genoveva flüstert, ist cs, als singe ein Grenadier ein Heldenlied".

Aber, sie ist eine gute, alte Person, Herr Bau­meister".

Ist sie; sonst wäre sie längst geflogen. Ich war als Kind mit meiner Mutter in Italien, da wurde sie für mich engagiert. Dann mit nach Deutschland genommen, und hier ist sie auch geblieben. Man merkt es an ihrem vorzüglichen Deutsch. Bei ihremwat" kriege ich Anfälle. Neues an Briefen, Fräulein?"

Nichts wichtiges. Ein paar Rechnungen"

Dafür haben wir unfern Shannon-Negistrator"

Aber eine interessante Zeitungsnachricht, Herr Bau­meisters . . . Tas Fräulein entfaltete eins der Blätter . . . Darf ich vorlefen?"

Bitte recht sehr. Wollen Sie nicht Plast nehmen" . . .

Sie setzte sich und las:

Unsere Zeit scheint dem Theaterwesen besonders günstig zu sein. Neue Bühnenprojekte schießen wie Pilze aus der Erde. Am heutigen Tage findet bekanntlich die Grundstein­legung des Hammerschen Theaterbaues statt, dem bei dieser Gelegenheit auch der offizielle Name zu teil werden soll. Wie

wir hören, plant aber zugleich einer unserer bekanntesten Bühnendichter die Gründung eines neuen Theaters, das aus­schließlich der modernen Produktion gewidmet sein wirb. Da­neben soll der Operette ein neues elegantes Heim eröffnet werden, und zwar auf einem in der Nähe der Linden ge­legenen Terrain"

.Schwerenotl" fluchte der Baumeister, während Fräulein von Sorben fortfuhr:

Und schließlich will ein vielgenannter Heldendarsteller das alte Konkordialokal umbauen lassen, um dort das bei uns in letzter Zeit ja allerdings arg vernachlässigte klassische Repertoir zu pflegen. Auch das Projekt eines kleineren intimen Theaters für das Konversationsstück ist aufgetaucht; man bringt eine hiesige Agentur mit diesem Plan in Ver­bindung . . ."

Gott bewahre", stöhnte Hammer.Also fünf neue Theater statt eines! Die Leute sind verrückt. Wo soll denn das Publikum Herkommen!?"

Tas Fräulein hatte die Zeitungsblätter wieder zu­sammengefaltet.Sie haben die Anregung gegeben, Here Baumeister", sagte sie, sich erhebend,nun folgen die andern nach. Das ist gewöhnlich so. Nachahmer finden sich immer."

Es soll mir schnuppe sein. Ich bin kein Theaterdirektor. Ich stelle meinen Bau hin und damit sela . . ." Aber er war doch verdrossen; man merkte es ihm an. Fräulein von Sorben ließ eine rasche Sekunde ihren hellen Blick fest auf Hammer ruhen; dann ging sie zur Türe zurück.

Es hatte draußen geklingelt. Imhoff stürmte herein, aufgeregt, mit wehendem rotem Schlips, das Tageblatt in der erhobenen Rechten.

Baumeister", rief er,neue Konkurrenten! Haben Sie gelesen?"

Ja. Aber keine Konkurrenten für mich! Wer baut die neuen Blusenställe?! Vielleicht Waldemar Henkel oder Danziger und Schultz oder der verrückte Grüneisen! Die fürchte ich nicht. Ich baue. Das bin ich. Ohne Größen­wahn, Imhoff, ohne verzehrenden Ehrgeiz ich spreche ganz kühl: die Leute reichen nicht an mich heran! . . ."

Es hatte abermals geklingelt. Fräulein von Sorben öffnete. Fridolin Meyer brauste wie eine Eilzuglokomotive herein.Baumeister", schnaufte er,ist das zu verstehen?! Haben Sie gelesen?"

Ja," schrie Hammer,alles! Fünf neue Theater! Es lebe die Kunst!"

Sie geht zu Grunde", rief Imhoff.

Sie erstickt im eigenen Fett", sagte der Kommerzienrat. Hammer, die dürfen nns nicht zuvorkommen. Unser Bau