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heißt bequemere Existenz bringen wollen, indem sie die- selbe Näherin, Verkäuferin oder Schreiberin werden lassen, sie in eine Stelle als Dienstmädchen bringen, wahrlich, sie würden dem Kinde eine Wohltat erweisen und sich selbst. Ein angehendes Dienstmädchen von vierzehn Jahren erhält heute schon einen schönen Lohn, von dem es seine Eltern unterstützen oder, wenn das nicht nötig ist, sich etwas sparen kann. Mit jedem Jahre steigt sein Lohn und in einigen Jahren, wenn das Näh Mädch en usw. erst ausgelernt und noch nichts verdient hat, kann beim Dienstmädchen schon eine schöne Ersparnis vorhanden sein und es kann schon einen Lohn beanspruchen, wie seine Altersgenossinnen in den „vornehmeren" Berufen ihn nicht bekommen. Steht sich denn heute ein tiichtiges DienstmädchenbeiLO bis 2 5 Mk. M o n a t s l o h n nebst Verköstigung nicht besser als eine Verkäuferin, Bureaugehilfin oder Schneiderin, die Tag und Nacht auf Stücklohn arbeitet? Man sehe sich auch einmal ein solches Mädchen aus einem „besseren" Berufe an, das so bei kärglichem Lohn, wie es die Konkurrenz mit sich bringt, bis in die späte Nacht sitzt und näht oder bügelt — wie ein Nachtschatten sieht es aus, und vergleiche damit so ein üppiges Dienstmädchen, das bei der heute notwendigen liebevollen und familiären Behandlung aussieht wie das volle Leben. Aber unsere Tochter must doch etwas lernen, hört man die Leute, auch )ie in geringsten Verhältnissen lebenden Arbeiterfamilien ägen. Und sie geben die Tochter jahrelang in ein Ge- chäft oder zu einer Näherin und bringen diese Jahre noch ür ihre Verhältnisse erhebliche Opfer für ihre Tochter, aus Hochmut, weil sie etwas „lernen" muß. Als ob die Haushaltung nicht erlernt werden müßte! Lernt das Tienstf- mädchen nichts? Welcher Ehemann ist nachher am besten daran, derjenige, der ein Dienstmädchen heiratet, oder derjenige, der ein Mädchen heiratet, das „etwas geleint" hat, das aber, wenn es sich verheiratet — und heiraten wollen und sollen die Mädchen doch alle — nirgends Bescheid weist, dem Mann nichts Genießbares kochen kann und ihn damit ins Wirtshaus treibt. Wie ganz anders steht ein Dienstmädchen da, wenn es in den Ehestand tritt; es kann sich bei den hohen Löhnen, wie sie eben gezahlt werden, ein schönes Kapitälchen erspart haben und es kann dem Mann eine schöne und befriedigende Häuslichkeit verschaffen. Also ihr Eltern, etwas weniger Hochmut und mehr Vernunft bei der Berufsfrage für eure Kinder und soziales Elend wird es verschwindend wenig geben.
Vermischtes.
* Die „schöne Resi". Aus Wien wird geschrieben: Bor dem Bezirksgerichte Neubau stand die 52jährige Theresia Lichtscheidl als 'Angeklagte, eine Geflügelhändlerin, die in den westlichen Bezirken Wiens unter dem Spitznamen „Tie schöne Rest" eine gewisse Popularität besitzt. Frau Leichtscheidl erschien in einer ihrem Beinamen entsprechenden Toilette; sie trug eine kokette, halsfreie Bluse und einen mächtigen, rosengeschmückten Hut. Die Anklage war wegen tätlicher Wachebeleidigung erhoben, weil Frau Lichtscheidl einem Kondukteur, der sie auf die Zonengrenze aufmerksam machte lund zum Verlassen des Wagens nötigen wollte, den Fleischzöger um den Kopf geschlagen hattet Sie verteidigte sich mit großer Zungenfertigkeit; der Kondukteur habe, sie mehrfach beschimpft, darunter auch „Reblaus", und ihr den Zöger auf die Erde geworfen, sodaß eine Leber herausfiel. In ihrer Mfregung habe sie sich dann zu der Wachebeleidigung hinreißen lassen. Der Konduktenr We- hofer erklärte diese Darstellung als wahrheitswidrig. Er habe die Geflügelhändlerin, die gewohnheitsmäßig die Zonengrenze überfahre, beim Mariahilfgürtel daran erinnert, daß ihre Fahrkarte abgelaufen sei. Sie habe ihm mit einer Aufforderung geantwortet, der auch Personen ohne Amtscharakter nicht nachzukommen pflegen. — Frau Lichtscheidl (dazwischenrufend): „So ordinär bin ich nicht, Herr kaiserlicher Rat." — Bei der Haltestelle Stumpergasse, erzählte der Kondukteur weiter, habe er die Frau aus dem Wagen schaffen wollen und habe deshalb den Fleischzöger von der Plattform genommen und auf die Erde gestellt. Darauf habe ihm die Frau den Zöger auf den Kopf geschlagen. — Angell.: Alles nicht wahr. Sö ham mi alles
mögliche g'haßen. I hab' Ihnen drauf g'sagt, i bin a ehrlich's Weib. Herr kaiserlicher Rat, i muß mi do net schimpfen lassen. I hin die schöne Resi und bleib die schöne Resi und laß mir nix g'fallen. — Richter: Ja, warum sind Sie nicht ausgestiegen, wie Ihre Karte abgelaufen war? 'Astgell.: Herr kaiserlicher Rat — i hab ihm eh g'sagt, er soll mir a neuche Karten geben, er weiß do gänz guat, daß t auf'm Mariahilfergürtel ka Gansl krieg, daß t auf'M Naschmarkt fahren muß, — Richter: Haben Sie Geld, itnt eine Geldstrafe zu bezahlen? — Angell.: Erstens hab i nix und' zweitens kann i a Straf net annehmen. Ter Herr Dr.^ Seidler sollt mi verteidigen, er hat aber a große Berq Handlung, da hat er mir aufgetragen, ich soll a schönen Gruß vom Doktor Seidler ausrichten und der Herr Rat soll's ttur gut machen. (Heiterkeit.) — Richter: Alles ganz schön. Aber wenn Sie keine Geldstrafe zahlen könnten, müßten Sie eingesperrt werden. — 'Angell.: Ja freili. Da müßt er (der Kondukteur) mir fünf Gulden geben am Tag und an Gulden für die Leebr. — Richter: Sie tun, als ob der Kondukteur der Angeklagte wäre. — Angell.: Ja, der Herr Dr. Seidler hat mir gesagt, i brauch ka Straf' net anzunehmen, i bin a sehr a anständiges Weib. Muß i mi „Reblaus" schimpfen lassen? — Richter: Wer das ist ja nicht glaublich, daß der Kondukteur Sie Reblaus schimpfte. — Angell.: Alle Kondukteure heißen mi „Reblaus", weil i a geschiedene Frau bin und niemanden hab. I hält" schon Hausherrn haben können, aber i will net, weil i a anständige Frau bin. I arbeit' mit Fürsten und Grafen, mit lauter bessere Leut'. (Heiterkeit.) Ter Richter, Landgerichtsrat Höhner, verurteilte die Angeklagte zu drei Kronen Geldstrafe. — Astgell.: Na, wenn's net mehr is, das zahl' i schon. — Vor dem Verlassen des Saales wendet sie sich noch zu dem heiter gestimmten Publikum und ruft: Tas ist der Anfang, jetzt kommt erst die Gegenklage, die Leber wird er mir noch bezahlen müssen!
* Tabak und Automobil. Man hat in Amerika eine beträchtliche Vermehrung des Konsums von Kautabak koüflatieri, und zwar hat sie ein großer Newyorker Tabakhändler auf eine Zunahme um die Hälfte geschätzt. Er ist der Meinung, daß dieser Umstand mit der steten Zunahme des Automobilsahrens zusammenhängt, da die Leute, die sich dieses Fortbewebungsmittels bedienen, auf ihren langen Fahrten keine Zrgarren oder Zigaretten rauchen können, denn der Staub läßt keinen ruhigen Genuß des Aromas und des Rauchens zu. Um aber das geliebte Nikotin nicht völlig entbehren zu müssen, haben sich die Automobilisten und Chauffeure das Tabakkauen angewöhnt.
* Ihr Tr o st. Herr: „Nun, Frau Registrator, Ihr Herr Gemahl ist ja, ivie ich hörte, seit einiger Zeit krank!" — Frau Registrator: „Allerdings, aber jetzt hat er doch wenigstens mehr Zeit dazu, seit er pensioniert ist!"
* Ein Philosoph. Strolch (der ins Gefängnis geführt wird): „Da hat 'mal so'n Jelehrter behauptet, bet wir Menschen ursprünglich aus eene Zelle herstammen — nu wunderts mir ooch nich, bet wa schließlich immer wieder rinn müssen."
Diamanträtsel.
verboten.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a aaccc ghhhlmmppr rrsstuu derart einzutragen, daß die wagrechten Reihen Folgendes bedeuten:
1. Einen Buchstaben.
2. Geographische Bezeichnung.
3. Ein Hausgerät.
4, Dramatischen Dichter.
6. Ein Gewicht.
6. Ungarischen Ort.
7. Einen Buchstaben.
Die senkrechte und wagerechte Mittelreihe ergeben das Gleiche.
Auslösung in nächster Nummer.)
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer:
Leelanck — OSman — Riemi — Natal — Moctb — Ara ent — Oristchurcll;
Zorn macht blind.
Nachdruck
G
G
Redaktion: P. Wittko. — Rotationsdruck und Verlag der Brüh l'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


