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Vermischtes.

Pflauzenfa m m c l n und S ch u (e. Der Stoff und die Ziele des botanischen Unterrichts in den Klassen unserer höheren und Volksschulen find behördlich festgelegt, und wenn dem Anschauungstzrundsatze gemäß zu den Stunden die nötigen Pflanzen für die Hand der Schüler beschafft werden sollen, so bedeutet dies eine so außerordentliche Gefahr für unsere Pflanzen­welt, daß es unnütz erscheinen könnte, erst darauf hinzuweisen. Wenn die Behörden einen gedeihlichen pslanzenkundlichen Unter­richt und Heimntschutz wollen (und daran ist nicht zu zweifeln), so müssen sie darauf bedacht sein, durch Anlegung größerer Pslanzgärten für Schulzwecke und durch Erwerbung ausgezeich- neter größerer oder kleinerer natürlicher Gebiete (Reservate) durch den Staat oder die Stadt der Schule und der Heimat zu Hilfe zu kommen. Was' den Unterricht angcht, so versteht es sich für den einsichtigen Lehrer von selbst, daß er ihn dem vor­handenen Notstand nach Kräften anpaßt. Er wird es also möglichst vermeiden!, daß Schüler Pflanzen für den Unterricht besorgen; vor allem wird er sie nicht zum Anlegen von Herbarien veranlassen, denn die Zahl der Pflanzen, die dem jugendlichen Unverstände zum Opfer fallen würden, auch wenn man die beste Anweisung gäbe und eindringlich vor dem Ausheben der Pflan­zen mit Wurzel warnte, würde in gar keinem Verhältnis zu dem geschaffenenwissenschaftlichen" Nutzen stehen; ganz besonders auch deswegen nicht, weil das Schicksal ihrer neunundnennzig von hundert Schülerherbarien ist: vergessen imb verdorben. Dagegen wird es der Jugendbildung höchst förderlich sein, wenn der Lehrer passende Gelegenheiten sucht, mit seinen Schülern hinauszugehen ins Reich der Natur, um ihnen ihre Herrlich­keit vor Äugen und zu Herzen zu führen. Vielleicht sagt er eines Tages, zum Beispiel, wenn für die erste Stunde des neuen Schuljahres Anemone nemorosa, das Buschwindröschen, zur Besprechung angesetzt ist, zu seiner Klasse: Hört, morgen gleich nach Tische gehe ich in den gründ; wer mitgehen will, ist mir willkommen, um ein Uhr hole ich euch hier ab. Und draußen zeigt er ihnen, wie Frau Sonne aus dem klarblauen Himmel in den kahlen Busch hineinleuchtet- bis auf den Grund hinab, wo ihre alles belebenden Strahlen die ersten grünen Frühlingskinder ans dem Boden hervorlocken, hier das Lungen­kraut mit purpurnen Knospen und blauen Blumen, dort schon gar einen goldenen Himmelschlüssel! Da flattert ein gelber Zitronenfalter durchs Gebüsch. Wo kommt denn der her? Nun, er hatte seine Winterschlafkammer beim Bauer drüben untcrm Schenndach. Durch die Luke schien die warme Aprilsonne hinein, sie weckte ihn und er schlüpfte hinaus und geradewegs hinüber litt den Grund. Wo will er denn jetzt hin? Aha, seht dort am Abhang die prächtige Sahlweide mit den goldenen Kätzchen, die weithin in der Sonne schimmern. Dort gibts etwas Süßes, für ihn zu schlecken und Bekanntschaften zu erneuern, da findet er aus seiner zieren Sippe den kleinen, goldbraunen Fuchs und das Pfauenauge mit den blauen Spiegeln auf den Schwingen und summende Bienen bei fleißiger Sammelarbeit, auch eine stattliche Hummelfrau in gelb- und weißverbrämtem Pelz, da- ineben eine Menge duntmer Fliegen und kleines Geschmeiß, das sich um die besten Plätze streitet. Aber vergeßt mir unsere Blumen nicht; seht doch, so weit der Blick reicht, unten am Boden alles voller weißer Anemonen! Wie sie die weißen Blumensterne nach ihrer Mutter Sonne richten, wie sie leuchten, als möchten sie mit den hüpfenden Wellen im Bache um die Wette blitzen! Wenn sich der Lehrer endlich auch wissenschaftlich gedrängt fühlt, nun so mag er, da die Anemone aus seinem Lehrplan steht, eine Pflanze ausheben und feinen Zuhörern daran noch manche schönen morpho- und biologischen Dinge, die für sie passen, zum besten geben. Morgen in der Stunde aber wird er den ganzen Ausflug noch einmal in den Geistert: lebendig machen, und wenn er merkt, daß bie Augen an seinem Munbe hängen und die jungen Herzen sich erwärmen, dann mag er die Stunde in dem schönen Bewußtsein schließen, daß er in seinen Schülern etwas Bleibendes gewirkt hat, nämlich Liebe zitr Heimat und ihrer Schönheit. Und das ist wertvoller als bloßes Wissen. Was wissen wir nicht .aftles! Macht es uns aber glücklich? Glück und Zufriedenheit wohnen nicht im Kopfe, sondert: in: Herzen. Ziehen wir also ein Stockwerk tiefer und verwertet: wir in der Schule unsere schöne Pflanzet:welt, weil sie uns geradezu dazi: auffordert, besonders nach der ästhetischen, gemütlichen Seite; das Wissen aber, soweit es nicht das Aesthetische ver­tiefen hilft, wollen wir doch vorläufig einmal den Herren Ge­lehrten überlassen. T.

* U ns er e K in d er a l s N a t u r f r e u n d e. In der Seele eines jeden Kindes liegt die Liebe zur Tierwelt, aber die Er­wachsenen sind es, die diese Liebe, ohne es zu wissen, aus­rotten. Die kleinen Kinder sind von jedem Tier entzückt, sie lassen sich sogar eine Spinne oder einen Käfer über die Hand laufen, bis die entsetzte Mutter gebietet,das scheußliche Tier" fortziftun. Auf der Straße wird den: kleine!: Schlingel gleich damit gedroht, daß jener böse Hund, für den es eben noch höchst freundschaftliche Gefühle hegte, ihn beißen werde, vor jedem Pferd, dem die Kleinen sich nähern, werden sie gewarnt, weil dasselbe

mit denr Fuß ausschlüge; kurz, fast vor allen Tieren wird den Kindern entweder Furcht oder Ekel eingeftößt. Aus meiner Kindheit ist mir noch erinnerlich, wie eine Mutter auf einem Spaziergang bei jedem Tierchen, welches in ihre Nähe kam, dem' Söhnchen zurief:Arthur, mach mal das Tier tot!" Kann man sich da wundern, wenn die Kinder keine Tierfreunde sind? Die schlimmsten Tierquäler sind stets die Kinder, welche selbst viel geschlagen werden. Sie haben das Bedürfnis, das, was sie täglich leiden! müssen, ohne sich ivehren zu können, an Schwächere weiter zu geben. Diese Kinder schlagen auf ihre Puppen und Holzpferde, kurz alles, über das sie Macht haben. Ein Kind liebt alles, ivas Vater und Mutter lieben, und haßt alles, was Vater und Mutter hassen. Darum müssen die Elten: der Tierwelt Neigung entgegenbringen, und sie werdet: dann aus ihren Kindern Tierfreunde, Naturfreunde und herzige Menschen erziehen. ;

== Die Großschmetterlinge und Raupen Mit­teleuropas mit besonderer Berücksichtigung der biologisch'!: Verhältnisse. Ein Bestimmungswerk und Handbuch für Samnfter, Schulen, Museen und alle Naturfreunde. 95 in Farbendruck aus­geführte Bildertafeln mit über 2000 Abbildungen und 200 Seit.'i: Text mit 65 Abbildungen. Herausgegeben von Oberstudienrat Professor Dr. Kurt Lampert. Vollständig in 30 Lieferungen a 75 Pfg. Verlag von I. F. Schreiber in Eßlingen und München

Seit Jahren fehlt ein auf der Höhe der Zeit stehendes Buch über Schmetterlinge in einer Preislage, die es der großen Masse der Samnfter erreichbar n:acht; es gibt überhaupt kein popu­läres, bei welchem ttebei: der Shstematik auch die Biologie, wie hier, in weitgehendem Maße berücksichtigt ist. Der Sammler will sich nicht auf Fang und Sammeln beschränken, sich nicht damit begnügen, eine möglichst vollständige Sammlung zu be­sitzen, er will sich in dei: meisten Fällen mit den Schmetterlinge!: nach allen Richtnngeu hin bekannt machen intb besonders Bau und Lebensweise derselbet: in allen Stadien kennen lernen. Ein Buch, das ihn: nicht nur die Schmetterlinge und Raupei: int Bilde naturgetreu in farbigei: Tafeln vorführt, sondern auch gleich­zeitig alle erdenkliche:: Ausschlüsse ii: dem angedeuteten Sinne gibt, dürfte freudige Aufnahme finden. Der Name des Ver­fassers bürgt dafür, daß hier etwas ganz Vorzügliches geschaffen wird, und die Ausstattung der ersten Lieferung mit den farbigen Abbildungen lassen darauf rechnen, daß das Lampertsche Werk alle seither erschienenen Schmetterlingsbücher in den Schatten stellen wird. Abonnements nehmen alle Äuchhandlungeu ent­gegen, die auch in der Lage sind, die erste Lieferung zur Ansicht vorzulegen. _____________

Rösselsprung.

Nachdruck verboten.

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Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen«