Ausgabe 
25.5.1906
 
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strengsten Genauigkeit. Noch kurz vor seiner Absetzung, die bekanntlich nach den Tagen von Jena und Auerstädt erfolgte, indem Napoleon kurzerhand dekretierte:Das Haus Hessen hört auf zu regieren" ohne daß das 32 000 Mann starke hessische Heer Gelegenheit gefunden hätte, auch nur einen Schuß abzugeben, musterte der Kürfürst die Regimenter. Er fand die Zöpfe nicht, wie sie sein sollten. Nach beendigtem Exerzieren ließ er die Feldwebel zusammentreten. Mit eigenen Händen maß er die Zöpfe. Sie fanden nicht seinen Beifall.Mem Gott, rief er höchst ungnädig aus,in welcher Ordnung kann eine Kom­pagnie sein, bei welcher der Feldwebel einen solchen Zopf tragt! Trotz der Lektion von Jena blieb der Kürfürst bei, fernem Zopf­fanatismus. Als er im November 1813 wieder ru Kastel em- zvg, führte er sogleich wieder Zopf und Puder bei fernerAr­mee" ein.

Gesundheitspflege.

Migräne nennt man den Ktankheitszustand, dessen Haupt- erschciuung Kopfschmerz ausmacht. Der Kopfschmerz nimmt ge­wöhnlich eine Seite ein, kann auch wandern, ebenso über den ganzen Kopf ausgebreitet sein. Dieser Kopfschmerz ist kein durch mehrere Tage oder Wochen anhaltender, sondern kommt in.An- fälleu, die einige Stunden bis einen Tag lang dauern. Zwischen solchen Anfällen liegt eine Zeit vollkommenen Wohlergehens, während der die Leute sich gesund fühlen. Es ist sehr bezerch- nend, daß ein solcher Leidender an seinem Kopfschmerztag (Mi- gränetag) sich dem Vergehen nahe fühlt, to>r Schmerz sich nicht rühren kann, verdunkeltes Zimmer aufsucht, jedes Geräusch ver­mieden wissen will, Uebelkeit bis zum Erbrechen sühlt, nicht essen kann, oft krampfhaft erbricht und auf seine Umgebung den Eindruck eines Schwerkranken macht jedoch Tags darauf bei vollkommenem Gesundheitsgefühl seiner Beschäftigung ob­liegt, mit einer Eßlust, als ob gestern nichts vorgefallen wäre. Wer Migräne hat, hat sie schon feit Kindheit oder seit den reiferen Jugendjahren; der erste Migräneanfall kommt nicht nach dem zwanzigsten oder dreißigsten Lebensjahr. Hat ein Zwanzig- oder Dreißig- oder Vierzigjähriger Migräneanfälle, so erzählt er, daß er solche schon seit Jahren zu ertragen hat seit der Kindheit oder seit dem fünfzehnten Lebensjahr. Die Wiederkehr ist gewöhnlich sehr geregelt, z. B. alle vier Wochen. Nach dem vierzigsten Lebensjahr werden die Migräneleidenden gewahr, daß die Anfälle immer seltener werden und schließlich ganz ausbleiben. Die Begleiterscheinungen eines solchen Mi- gräneanfalles sind auch für den Laien bemerkbar. Meist sind die Kranken leichenblaß (selten nur zeigt sich das Gesicht im Anfall gerötet) der Kopfschmerz tritt meist leise mahnend auf, wird im Laufe der nächsten Stunden immer stärker und stärker (also Steigerung der Kvpsschmerzen). Die Steigerung des Kopfschmerzes bringt Uebelkeit mit sich und es kommt zum Erbrechen. Das Er­brechen ist der Abschluß des Anfalles. Der Kopfschmerz wird von da ab erträglich und klingt allmählich ab. Eine Anzahl der Leidenden kann sich wäh-rend des Anfalles aufrecht erhalten und dem Berufe nachgehen, die Mehrzahl muß sich dabei nieder- legen. Während des Anfalles ist die Nahrungsaufnahme, ge­wöhnlich unmöglich, nicht selten werden die Anfälle durch eigene Vorboten angekündigt: es tritt Funkensehen auf und die Kranken sehen schlecht, weil sie alles blendet oder sie von den Gegen­ständen nur die Hälfte wahrnehmen (die Buchstaben sind abge­brochen, an einem Gesicht sieht der Mauke nur eine Wange oder nur ein Auge). Auch glaubt der Kranke manchmal eine blau schillernde Zickzacklinie zu sehen, die Aehullchkeit mit den Linien von Festungswällen hat. Nachdem diese Sehstörung eine halbe Stunde gedauert hat, setzt allmählich der Kopfschmerz ein. Sehr beunruhigend wird den Migränekranken eine andere Be­gleiterscheinung : das Einschlafen einer Hand oder einer Körper­hälfte ; solche Kranke bekommen die Angst, es hätte sie der Schlag gerührt. Dieses Gefühl von Eingeschlasensein verschwindet oft schon vor dem Ende des Kopfschmerzes, Manchmal überdauert es den Kopfschmerzanfall um ein bis zwei Tage. Frauen werden von Migräne häufiger gepeinigt als Männer. Fast in jedem Fall von Migräne kann man feststellen, daß auch eines der Eltern solche Anfälle hatte. Die Anfälle kommen gewöhnlich von selbst ohne äußeren Anlaß, d. h. ohne daß der Betreffende etwas erlebt hätte. Doch sind Leute, welche an Migräne leiden, sehr empfindlich von der Außenwelt her; solche Schädigungen sind sehr verschieden, der eine erträgt nicht die geringste seelische Ausregung, körperliche Anstrengung, geringste Magenüberladung, ohne daß er darauf seine Migräne bekommt, andere büßen es mit einem Anfall, wenn sie sich dem Winde aussetzen oder Wärme ober Sonnenstrahlen ertragen müssen. Der Arzt weiß die Migräne mit Sicherheit von den anderen Krankheitsvorgängen im Gehirn zu unterscheiden. Er ist auch in der glücklichen Lage, das Leiden zu mildern, sehr häufig auch cs zu beseitigen. Man verlange vom Arzt ein Heilverfahren, das die Anfälle seltener macht und möglicherweise ganz verhütet. Solche Küren ne'hmen oft ein halbes Jahr in Anspruch und bedürfen einer eingehenden oder häufigen Ueberwachung seitens des Arztes; die Mittel, die hier

gebraucht werden, kommen nicht nur int Anfälle, sondern auch in den anfallsfreien Zeiten zur Verwendung. Man soll sich, niemals damit begnügen, den einzelnen Fall durch betäubende Mittel (z. B. Antipyrin, Migräuiit, Antifebrin, Aspirin, Mor­phium usw.) zu beruhiget: und zu mildern, sonst muß man diese Mittel das halbe Leben lang jedesmal gebrauchen. (Aus dem gegenwärtig erscheinenden WerkeDie Gesundheit", heraus!-, gegeben von Prof. Dr. R. Koßmann, Berlin, und Privat- dozent Dr. Jul. Weiß, Wien. 1600 Seiten Text mit ea. 350. Abbildungen, 12 bunten und mehreren einfarbigen Einschalt­bildern. Vollständig in 40 Lieferungen zu je 40 Pfennig. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig.)

GeMeinnützeges.

Leguminvsensalat. Weichgekochte Linsen und Bohnen geben einen sehr wohlschmeckenden Salat, wenn man sie, abgekühlt, mit der gewöhnlichen Mischung von Essig und Oel, ober mit gelb gebratenen Speckwürfeln, etwas Essig und altem Rahm behandelt. Vor allen Dingen gibt bte Verwend­ung von Mayonnaisenmischung unter Zutat von hartem Eidotter, Sardellen, Hering usw., einen sehr wohlschmeckenden salat, der gerade in der salatarmen Winterzeit recht willkommen sein werd, sich aber auch wegen seiner hohen Nährkraft empfiehlt.

Blumensträuße frisch zu erhalteu. Wenn trt Feld und Wald die lieblichen Blumen blühen, fo schmückt man auch seine Zimmer gern mit frischen Blumen, die auf Ausflügen und Spaziergängen gesammelt werden. Leider aber laßt die duftende Last schvii welk und matt die Köpfe hängen, wenn man heimkommt, und keine kalten Wasserbäder geben ihr bte natürliche Frische zurück. Ein einfaches Mittel hat sich, wie wir der prakti­schen WochenschriftFürs Haus" entnehmen, für diesen Zweck gut bewährt. Man stecke die welk gewordenen, frisch abge­schnittenen Blumen in eine Vase, die mit einer starken Selfen- lauge aus einer milden, guten Toilettenseife bereitet, gefüllt ist, lasse sie zwei oder drei Stunden darin und stelle sie nun, nachdem man die Stengel abgeschnitten, in frisches, reines Was;er. Dies Verfahren alle zwei bis drei Tage wiederholt, erhalt bte Blumen lange frisch. Ebenso gut ist eine Zugabe von 5 Gramm Ammoniaksalz auf ein Liter Wasser zur Konservierung von Wumensträußen.

Literarisches.

Die Kunst int einfachen W ohnHause behandelt ein größerer Aufsatz von Professor Joseph Olbrich, dem be- kaunte« Vorkämpfer für moderne Zweckmaßtgkettskunst tu Darm- stabt, iit Heft 15 berM obernett Kun st" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57. Preis des Heftes 60 Pf.) Der anregende Aufsatz, dessen erster Teil zunächst hier veröffentlicht wird, ver­dankt seine Entstehung einem Vortrag, den Prof. O. auf dem Internationalen Künstkongreß zu Venedig gehalten hat. Der. ArtikelDas neue Verwaltungsgebäude des Norddeutschen Lloyd , die Erzählung von Arthur Achleitner:Gefährliche Romanttk- werden ebenfalls Interesse erregen. Jul. Norden gibt eine ebenso erschöpfende als unparteiische Ueberstcht über dieDeut che Jahr­hundert-Ausstellung". An eine andere retrospektive Kunst-Aus­stellung, die Dresdner von 1904, erinnert ber Bilderschmuci des Heftes. Mit farbigen Blättern sind E. von Müller, bte feine Kennerin Tiroler Landschafts- ttnb Frauenschöuheiteu, unb '21. Normamt, ber glänzeube Schilberer ber Reize ber malerischen Küsten Norwegens vertreten. Unter bett Holzschnitten begegnen wir vor allem einem Blatt nach Lorb Fr. Leighions Kompo­sitionHerkules ringt an ber Leiche der Alkestts mit dem Tode ,

BilderrLtsel.

Nachdruck verboten.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Leiterrätsels in voriger Nummer: Psalm, Namur Ethik; Spanien Afrika.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Unioersttäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.