Ausgabe 
25.4.1906
 
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Wittellole Mädchen.

Roman von H. E h r Hard t.

(Nachdruck verboten.)

(Fortschuilg.)

Sie lacht ihn schelmisch an, daß die spitzen, weissen Zähnchen hinter den roten Lippen blinken. Er kann den entzückten Blick nicht von ihr losreißen.

Auslachen wirst Du mich auch noch, Du kleine Grau­same, na warte, bei Gelegenheit räche ich mich schon/ br°I}t9km, nein, da habe ich Angst hier," sie öffnete schnell den Kragen, wirft einen prüfenden Blick auf das weit voranschreiicnde Paar und dann stiehlt sich ein rosiges, imbc- kleidetes Händchen hervor und kommt seiner hastig zugrcifcnden Linken entgegen. Auch der junge Offizier hat sich durch flüchtige Umschau davon überzeugt, daß die lange Straße öde und leer im Morgendämmcr liegt und so führt er die zarten, warmen Fingerchen ungestüm an die Lippen, küßt das Stückchen Arm, das unter der schützenden Hülle erreichbar ist und stiidet cstollnctt", daß sie miS Sparsamkeitsgründen, denn sonst wären sie noch schinutziger geivordcn, ihre Hand­schuhe ausgezogen hat. , ,

Aber jetzt ganz artig scm!" mahnt sie dann, indem sic eine recht zurückhaltende Miene anfziisetzcn sucht,wir sind gleich zu Haus. Merkt man mir was an?"

Sie wendet ihm ihr frisches, gerötetes Gesichtchen zu, aus dein trotz all ihres Bemühens überall die innere Glück­seligkeit hcranSlacht unb er mustert sic mit ernsthafter Ge­nauigkeit, ehe er in den! förinlichen VerkehrSton sagt:

Nun, gewiß, mein gnädiges Fräulein, der kleine Schwips, den Sic haben, läßt sich'nicht verbergen. Aber der ist ver­zeihlich nach solchen! Feste."

Der Schalk blitzt ans fernem hübschen, durchtriebenen Leutnantsgesicht und sie muß einen Moment hinwegschen, ehe es ihr gelingt, ihm ein schmollendes Gesichtchen zu zeigen. 8!ls cchlc Evastochter scheint ihr das letztere unbedingt not- wendig. Wie reizend verzieht sie den rosigen Mund bei ihrem vorwurfsvollen:

Pfui, wie häßlich!"

Er versucht ihr in die Augen zu sehen.

So ein kleiner Raiisch ist gar nicht häßlich", neckt er,besonders, wenn er nicht von geistigen Getränten hcr- rührt." ,

An dem raschem Aufblitzen ihrer Augen merkt er, daß sie ihn verstanden hat, aber antworten kann sie nicht mejr kaum daß er ihr unbemerkt noch sagen kann:Du horlt morgen früh von mir" denn das Ehepaar ist vor ihrem

Hause angelangt und ivährend der Hauptniann den Schlüssel mit einem energischen Ruck ins Schloß schiebt, ist die blaffe Frau stehen geblicben und sieht die beiden jungen Seide herankommen. Das fahle Frühlicht ruht auf ihrem ver­blühten, graufarbenen Gesicht. Ist cs die ungünstige Be- leuchiung nach der durchwachten Nacht oder der Gegensatz zu Suses blühender Jugendschönheit -- nie ist Frau Meta dem jungen Offizier so abschreckend häßlich erschienen wie in diesem Moment, da auch nicht ein Schimmer von Liebenswürdigkeit die nüchternen Züge verschönt. ,

Mit welch unfreundlichem Blick sie seine kleine Braut ansicht. Fest und beruhigend drückt er zum Abschied, den Schatten über dem Glückshimmel der geliebten Mädchcnaugen bemerkend, die kleine bebende Hand.

Flüchtig streift er den rehledernen Handschuh der blaffen Frau mit den Lippen.

Ein gezwungen freundlichesAdieu!" hmiiber und her« über aber in dem Blick, den die beiden Männer dabei taiischten, liegt ctivas unbeivußt Feindseliges.

Dann klirrt Traukcndorfs Säbel im Davongehen über das schlüpfrige Pflaster.

13.

Hauptmann von BrockhauS empfing am andern Morgen Trautendorf mit einem Gesicht, in dem ein kalter, spöttischer Zug um die Mundwinkel nichts gutes weissagte. Die Leut­nants waren nach der durchtanzten Nacht schlapp und ver­drossen und rebellierten innerlich mehr denn je gegen den gestrcngcii Vorgesetzten und ihr unlustiger Ton tvirftc auf die Untergebenen weiter eS ging alles miserabel, kein Griff

klappte. ,. . M rL

Den Mannschaften zitierten förmlich die Kuu vor Augst, sie kamen immer mehr aus der Fassung- Der Hauptmann versteinerte förmlich vor innerer Wut, die sich in einer, kurzen, vernichtenden Kritik Luft machte.

Er wurde nie heftig, aber seine verletzende höhnische Kälte wirkte, um so unangenehmer.

Die Leute atmeten aus, als nach dem Fortgang be» Gestrengen ans dem Munde des Feldwebels sich ein tosender Schwall nicht gerade sehr gewählter Schiinpsworte uber ibre schuldbewußt geneigten Häupter ergoß. Tao war Witz erlösender Regen nach der dumpf drückenden Atmosphäre eines in der Lust hängenden Gewitters. Erleichtert trollten, sie im Laufschritt von dannen. . n .

Fritz Trautendorf schlenderte langsam ferner Wohnung zu. In seinen Glncksransch war das finstere Gesucht seines Hauptmanns, sein mehr als dienstlich, knapper ^on ob leite Verstimmung gefallen. Ja, er war sehr unruhig ge­worden. Er witterte eine nahe Gefahr, aoer er war such nicht klar, von welcher Seite sie fontmen wurde, nur, daß sie sein Liebesglück bedrohte. Von enter iahen Angst bet