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Mit glühenden Wangen saß ich nun in der Arbeitsstunde und mühte mich vergebens ab, die geistreichen Sätze des kleinen Plötz ins Französische zu übersetzen . . . Was erzählte doch der Water vom Sturm auf St. Privat? Bor- würts der Tod und rückwärts ewige Schande, hatte es da geheißen. . . und übermorgen sing ja der Urlaub an! — „Schnappsack, döse nicht", sagte der Gefreite und gab mir einen ordentlichen Rippentriller.
Aber es sollte leide andrers kommen, als ich hoffte und ersehnte. Am nächsten Morgen gab es ein böses Erwachen. Bleischwer lag es mir in allen Gliedern, kaum, daß ich mich mühsam schleppen konnte. „Nur nicht krank werden", rief's in meinem Innern, aber dann kam doch das Schreckliche. Beim Mittagsappell hatte unser guter Hauptmann v. K. gerade in ermahnenden Worten auf den morgen beginnenden Urlaub hingewiesen, als ich zusammenklappte, „schlapp wurde", wie die Kadetten sagen.
Bald darauf lag ich mit starkem Fieber im Lazarett, ganz allein!
Ja, das war nun lvirklich schlimm, ein dicker Strich durch meine Hoffnungen und Pläne. Am nächsten Morgen hörte ich die Kameraden zum Urlaub antreten, schlich mich zum F-enster und sah, wie sie unter fröhlichem Geplauder den steilen Weg hinabeilten, der vom Schloß zu Tale nach der Bahn führte. Einige schlidderten sogar auf der glatten Fläche. Es bedurfte wirklich aller Energie meiner zehnjährigen Persönlichkeit, um nicht ein Paar ganz unmilitärische Tränen ins Auge treten zu lassen. Aber mein Water pflegte zu sagen: „Der Soldat weint nur, wenn er seine Ehre verloren hat." Das Wort half mir in diesem schweren Momente.
So kam der Heiligabend heran.
Der alte brummige Auswärter hatte gerade mit den tröstenden Worten „Na, Ihre Mama wird heute ooch keene reene Freude haben", die Lampe „angesunzt", als mit einmal die Türe geöffnet wurde und der Herr Hauptmann mit seiner hübschen jungen Frau hereiutrat, dahinter, mit breitem Grinsen, der mir wohlbekannte Bursche Gottlieb.
Ich lag natürlich gleich vorschriftsmäßig im Bette stramm und meldete: „Lazarcttstube 5, belegt mit einem Kranken", worauf der Herr Hauptmann gütig sagte, „Schon gut, mein Junge, nun geben Cie mal meiner Frau die Hand und dann machen Sie die Augen zu, bis ich es Ihnen sage."
Ich tat, wie befohlen, und nun entfaltete sich unter Mitwirkung von Gottlieb ein reges Treiben. Als ich wieder sehen durfte, war ich wie geblendet. Bor mir stand auf dem Tisch in strahlendem Schimmer ein brennendes Weihnachtsbäumchen; darunter lagen hübsche Sachen, die zum Teil von den Eltern geschickt worden waren, und eben stimmte die Frau Hauptmann mit ihrer klaren Stimme „Sickle Nacht, heilige Nacht" an.
Da habe ich denn ganz unmilitärisch doch ein klein bischen geweint, aber recht von Herzen glücklich und froh war ich trotzalledenr.
Weihrrachtslitcratur.
** Die Schweiz int Winter. Mit diesem Zauberwort legt uns die Deutsche Alpenzeitung soeben ein wahrhaft glänzendes Sonderheft (15. Dezember 1906) auf den Tisch. Won Winterpracht und Wintersonne und Winterfreude ist das ganze Heft erfüllt. Nie zuvor ist in einer Publikation so reiches, neues und außerordentlich interessantes Material über den Winter veröffentlicht worden. Auch mit dem, diesmal tatsächlich verschwenderischen Jllustra- tionsteil hat sich das rühmlichst bekannte Blatt in allem, was es bisher für die Pflege des Wintersports getan hat, selbst übertroffen. Wir zählen neben den fünfsarbigen Kunstblättern (Blick auf Griudelwald mit Wetterhorn von Otto Barth; Die Alpenpost von Carl Liner; Winterabend von I. Engelhardt; Rauhfrostmorgen; Winterlaudschast bei Arosa) über 60 wundervolle Textbilder, die zuni großen Teck nach eigenen Aufnahmen der D. A. Z. hergestellt ftnd. Won den zahlreichen Textbeiträgen seien besonders aufgeführt: D.e interessanteste Erscheinung im Winter des Höhenklimas; Tie Tcmperaturumkehr; Grindclwald und Tiger im Winter von Dr. C. Täuber; Winterfrischen von
Dr. med. Mory; Winterwonncu im Hochgebirge Von Dr. M. Merz; Höhenluftkuren und Lungenheilstätten von Dr. M. Merz; Schlittelsport und Schlittenmodelle von Richard Staub, Zürich; Verkehrswesen im Winter in der Schweiz; Die Züricher „Urania". Damit ist jedoch der Inhalt dieses 66 Textseiten umfassenden Hefres noch lauge nicht erschöpft. In allen Teilen bietet dieses Sonderheft, das nur eine Mark kostet, noch so viel Schones und Lesenswertes, daß wir „Die Schweiz im Winter" jedem Natur- und Kunstfreund, vor allen Dingen aber jedem Wintersportler auf den Weihnatchstisch wünschen. Es ist wirklich eine „zeitgemäße" Festgabe.
ftft* Schlagfertig. Vater: „sJhm hättest du schon wieder Strafe verdient. Soll ich dich prügeln oder einsperren? Was würdest du, wenn du an meiner Stelle wärest, wählen?" — Sohn: „Ich würde mich der Wahl enthalten l"
Weihrrachts-Preisväte L*) WeihrmchLs-Körftgszug-Rebus.
Nachdruck verboten.
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*) Lösungen sinkkmit der A u i s cb r i f t „PrctSrätsel-Lösnng" verseben, bis zum 7. Januar 1807 an die „Redaktion der „Gießener Familienblätter" einzusenden.
Für jedes dieser beiden Rätsel sind 4 Preise bestimmt.
Auch eine Lösung kann eingereicht werden.
Auflösung des ErgänzungSrätsels in voriger Nummer!
HeN' Gesicht bei bösen Dingen, lind bei srohen still und ernst — lind gar viel wirst du vollbringee, Wenn du dies bei Zeilen lernst.
Moritz Arndt.
Redaktion: Er n U Heß.
— Rotationsdruck und Verlag der B r ü b l scheu Unwersuäts-Buch- und Etemdrnckerei, R, Lange, Gieß«.


