Ausgabe 
24.11.1906
 
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tveitbig auf den Geist, der einem solchen großen Körper Leben gibt und erhält, aufmerksam werben müßte. Ihm könnte nicht einen Augenblick verborgen bleiben. Daß die Neigung des Fürsten zu solchen Unterhaltungen groß und entschieden sein müsse,, daß er einem einsichtigen Manne, der planmäßig, und tätig hierin ungestört wirken kann, das volle Vertrauen schenkte; woraus denn wieder folgt, daß dem Vorgesetzten nur solche Mitarbeiter zu- und untergeordnet werden, die in gleichst»! Sinne, mit gleichem Schritt, ohne Pause und Uebereilung, in einer Richtung fort- arbeiteii. Freilich wird alsdann eine solche vortreffliche Ein­richtung nicht als ein Wunder erscheinen, aber doch auf unserm Wcltbodcn, wo Trennung, Unordnung und Willkür so sehr be­günstigt ist, möchte sie noch immer wunderbar bleiben. Erfreust») wird cs daiin jedem sein, zu sehen, daß Ihre königliche Hoheit der Großherzog ' so lange Jahre lmter den ungünstigsten Um­standen solche schöne Neigung ununterbrochen gehegt, daß Herr Geheime Kabinetts'rat Schleierniacher das höchste Vertrauen in solchem Grade zu verdienen und sich zu erhalten gewußt, und unter seiner Leitmig seine Herren Söhne den Kunstsammlungen und der Bibliothek vvrstehen, ja einen physikalischen Apparat durch Vorlesungen nutzbar zu Machen. . . . Findet man nun beim Durchschauen der vielen Säle alles wie aus einem Gusse, bemerkt man, daß in Jahresfrist alles planmäßig zugenommen, so wird man wohl den Wunsch hegen, daß jeder Konservator diese Sammlung von der artistischen, antiquarischen, naturwissenschaft­lichen, literarischen, am meisten aber von der ethischen Seite studieren und zum Vorbildc nehmen möchte. . ."

So weit Goethe.

(Schluß folgt.)

Totensonntag.

Von Richard Staben.

Nachdruck verboten.

Das Meer brandete in einförmigem Wellenschläge gegen die Küste. Es stand ein harter Nordost auf, der die Mole mit gischtsprühendem Schaum überschüttete. Die Fischerboote hatten sämtlich im Hafen festgemacht, nicht eines war seeklar.

Draußen, am Rande der Düne war ein Friedhof gelegen, der Friedhof der Namenlosen. Was das Meer an Leichen im Laufe des Jahres an den Strand geworfen hatte, war hier be­erdigt worden. Schmucklose Hügel, mit Ginster überwuchert, be­deckten die Grabstätten.

Eine hochgewachsene, schwarzgekleidete Frau watete vorwärts in dem Dünensande, in dem sie bis an die Knöchel versank. Sie stapfte die Reihen der Grabhügel auf und ab und endlich, da hinten, ein verwittertes Holzkreuz, auf dem eingekritzelt noch zu lesen war:

Karl Stüwcr

von derHejmdahl", über Bord am... .

Die weiteren Buchstaben hatten Wind und Wetter fortgewaschen. An diesem Hügel blieb die Frau stehen und hing einen Kranz aus Lorbeerblättern um das Holzkreuz. . Karl Stuwer, das war ihr Sohn gewesen, auf den sie einstmals all ihre Hoff­nungen gesetzt hatte. ,

Ein toller Streich, eine Jugendeselei hatte Karl aus dem Elternhause getrieben, oh, in der kleinen Stadt standen Moral und gute Sitte auf dem Höhepunkt und so wurde demGe­fallenen" das Elternhaus- verschlossen. Er bat vergeblich um Verzeihung; er fand zugemachte Türen, denn der Kodex der anständigen" Leute schlug sogar das Mutterherz in Banden, in Banden der engbrüstigen Anschauungen, der Lieblosigkeit.

Karl Stüwcr wurde Seemann, er ging nach Amerika, in das Dollarland, in welches all die ungeratenenFrüchte!" ab- geschobeu wurden. Niemand wußte, wie es ihm dort ergangen war. Wahrscheinlich gut, denn sein letzter Brief kündete seine Rückkehr auf derHejmdahl" an. Das Schiff war im Kanal gescheitert mit Maus und Mann. Nach Monaten erst waren die Leichen der Ertrunkenen an der deutschen Nordseeküste ange- tricbcn worden. Auf dem Friedhof der Namenlosen hatte man sie beigesetzt. Ein Medaillon, das einer der Angeschwemmten um den Hals trug, ermöglichte nach langem Forschen die, Feststellung der Persönlichkeit. Das Medaillon trug die Einzeichnung:

Meinem Karlchen

seine Mutter

Konstanza Stüwcr.

Nun stand die gestrenge Frau Kvnstanza auf dem ein­samen Friedhof. Der Sturm zerzauste ihr Haar, niemand be­merkte ihre Tränen, Totensonntag !

Gesundheitspflege.

Blinddarmentzündung. Im Verlag der Aerztlichen Rundschau" (Otto Gmeltn), München, erschien eine Abhandlung über Blinddarmentzündung mit der Frage Wann soll operiert werden?" von Med.-Rat Dr. I. Baum­gärtner, dirig. Arzt des städd. Krankenhauses Baden-Baden; mit 32 Abbildungen im Text. (Preis 1.50 Mk.) Eine kurze

Betrachtung über die Stationen der Nahrungsaufnahme und der Verdauung geht der illustrierten Beschreibung des Blinddarmes und seines Anhangs sowie der Lageverände­rung derselben voraus. Die verschiedenen Grade der Ent­zündung sind durch Photographien der durch Operation gewonnenen Wurmfortsätze veranschaulicht. Auch die Ex­sudate, Eiterherde, sind mit ihren möglichen Folgen charak­terisiert. Prägnante Erzählungen unterstützen das Ver­ständnis und würzen den Vortrag, der präzis die Frage, wann operiert werden soll, beantwortet.

Blumenpflege.

Eitle atlge nehme und lohnende Beschäf­tigung bildet die Pflege der Zimmerpflanzen. Wenn draußen im Garten, in Wald und Feld die Natur zuv Niiste geht, möchte lvohl jeder gemütvolle Freund ihrer Schönheiten sich wenigstens ein Stückchen davon in Gestalt einer Blume vor dem starren Winter hinüberretten in das trauliche Heim, um sich hier an der lieblichen Gabo Floras weiter zu erfreuen. Doch sie will dafür richtig gepflegt (fein, und nicht jedem« gelingt dies, denn alles muß gelernt sein. Mit wie wenig Mitteln man sich eine Fülle solcher Freuden zu jeder Jahreszeit bereiten kann, das zeigt so recht ein in dein bekannten Sonntagszeitungs- Verlage von W. Vobach u. Co. in Berlin erschienenes Büch­lein:Anleitung zur richtigen Blumenpflege im Zimmer, sowie die Bepflanzung des Balkons und das Ueberwintern bei Blumen" von I. Barfuß. (Preis 1.20 Mk.) In einer leicht faßlichen, von zahlreichen Abbildungen begleiteten Darstellung alles Wissenswerten für die Blumenpflege wer­de» sowohl dem Laien wie dem erfahrenen Blumenfreunde wertvolle Ratschläge erteilt und zum Teil ganz neue Wege gewiesen, seine Liebhaberei mit Freude und Erfolg zu be­treiben. Das hübsch ausgestattete Büchlein wird sich in­folge seiner überaus praktischen Eigenart sicherlich bild die Gunst des blumenfreundlichen Publikums erwerben.

Eingegangene Bücher.

Folgende Bücher sind bei der Redaktion unseres Blattes ein­gegangen (ausführliche Befvrccknngen einzelner Werke bleiben Vor­behalten ; Zurückfendung von Büchern findet nicht statt):

F, L. Rhodes praktisches Handbilch der Handelskorrespondenz und des Geschästsstils. 2.-6. Lieferung. Frankfurt a. M., I. D. Sauerländers Verlag.

Tr. Will). N. Do e r k es - Boppard, Die Immunität der Reichstagsabgeordneten. 80 Pig. Berlin, Puttkamer u. Mühlbrecht»

Banernflerß.

Hoach draobii ni da Vergloah* waos schivindelt oan bold bia-t ackert zan Feld um da Bauer fei Hold.

Ta Grund is vuü Wurzeln und hort iviar a Stoa, do' ackert ern völli za Brökeln fao kloa. Kimlnts Troad ait in d' Erdn und d' Sunn draus und Regn do säuselt da Wind stad den himmlischn Segn.

Do schlogn astn d' Wochielw im Fruijohr ihr Liad und d' Müah ts vagessn waons Troad fao fchö blüahti Und is nocha d' Fechsung Hot glaohnt st da Schweiß: do raufchn d' vullu Aehrn ast den Bauern sein Fleiß.

Wien. I o s e f R e i ch l.

Anagramm.

Nachdruck Verbote».

Willst du mich hören sagen, Geh' in den Wald hinein. Stellst du die Zeichen recht, Werd' ich ein Mägdelein.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummerr Miebuhr Inn Eher Birne Uhu Heu Euhrj Niebuhr.

Redaktion: Ernst Heb. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und SteMdruckeret» R. Langem Vietze»