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bewölkt aus. Ist die Geschichte von einem MmL Ätsöchlich
Seiber", erwiderte Marian, «und die unvermutet durch Dienstboten überbrachte Nachricht hat meine Schwester derartig aufgeregt, dass sie seit einer halben Stunde bereits m dieser todesähnlichen Ohnmacht liegt." m . ,,
Co so", äußerte der Doktor. Bei sich dachte er: Merkwürdig, daß eine vornehme Dame sich den Tod emes fremden Menschen so sehr zu Herzen nimmt"
Er schritt auf das Bett zu und heftete b,e Hand auf den Puls, einen langen, ernsten Blick auf das marmor-
Silvas Ernstlicheres, wie eine bloße Ohnmacht", "sagte er dann, „es ist der. Anfang von Gehirn- Entzündung. Ihre Schwester muß «ne äußerst heftige Gemütserschütterung erlitten haben, Miß West.
Ich kann es mir nicht erklären", entgegnete sie gedankenvoll. „Ach sieh, sie bewegt sich."
Ein plötzliches Rot schien tn die marmorblassen Wangen zu schießen ; ihre Augen öffneten sich, aber em wilder, feuriger Glanz lag darin. Sie ergriff die seidene Steppdecke und rieb ihre Hände, als ob sie einen Flecken davon entfernen wollte. .
Sie ist nicht bei Sinnen", murmelte Dr. Roberts. Ich" fürchte, sie wird ernstlich erkranken. Wollen sehen, was ein starkes Sedativ tut."
Gerade trat Lord Wayne ms Zimmer. Voll Erstaunen blickte er auf den Arzt. „
■0, Mortimer!" rief Miß West, „Evelyn ist so kraue. Dieser schreckliche Vorfall hat sie furchtbar aufgeregt." 1 Der Ruf schien Lady Waynes Aufmerksamkeit zu er- XeSejftortimer" murmelte sie; „Mortimer, im Laubwalde; Mortimer, unter den Lindenbäumen; Mortimer, mein Wann." „ r T .. .. . , ,
Und während sie dies murmelte, fuhr sie eifrig fort, ihre 5Mde mit der Decke abzureiben. . , o
„Mortimer", murmelte sie wieder, „bring mir heißes Wasser — brennend, kochend heiß — uni sie rein zu waschen. Dieser rote Flecken will nicht tveg. O, nimm ihn weg!"
Und mit einem lauten Aufschrei schleuderte sie ihre Hände, so weit sie konnte, von sich.
„Ewe", sagte Lord Wayne zärtlich, „du hast jrt nichts an deinen Händen." , , ,.
„Alles in der Welt", murmelte sie wieder, „kann sie nicht rein waschen, nicht alles Wasser in der See und int Meere kann cs abwaschen. Rot und warm — o, mein Gott!" 1
Lord Waynes Gesicht ward leichenblaß, als er dies vernahm. t . .....
„Welche Gedanken hat sie sich nur m den Kops gesetzt?" sagte er.
„Tas Mädchen erzählte uns brühwarm und ganz unvermutet die unheimliche Neuigkeit", erwiderte Marian, „und dieser Gedanke scheint sie sortwähreud zu verfolgen/
„Ich werde Lady Wayne ein starkes Sedativ geben", bemerkte der Doktor, „was hoffentlich ihre Nerven wieder beruhigen und der drohenden Gehirnentzündung vorbeugen wird." . z
„Marian, ums Himmels willen, tu* irgend etwas y schrie Lord Wayne. „Ich kann dies nicht ansehen."
Tenn seine Gemahlin hatte die Decke ergriffen und rieb sich die weißen Hände so heftig wie möglich damit.
„Rot und warm — o, wie gräßlich", murmelte sie, >,und alles Wasser aller Meere kann's nicht abwaschen."
Marian ging zu ihr und faltete mit sanfter Gewalt die zuckenden, weißen Hände, sobald sie aber, wieder losließ, kehrten sie zu ihrer einförmigen Befchäftigung zurück, und Lord Wayne, unfähig, den Anblick zu ertragen, verließ das Zimmer.
54. Kapitel.
Kunstkritiker Sinclair'.. <- f"
Lord Wayne saß in feinem Arbeitskabinett, er hatte vielleicht nie so niedergeschlagen und sorgenvoll ausgesehen.
Vierundzwanzig Stunden waren seit diesem unseligen Fund verflossen, und der letzte der enttäuschten Gäste hatte Kenninghall längst verlassen. Werner Jefferies war mit der ihres Sohnes beraubten Mutter noch nicht zurück-- gekehrft
Lady Wayne befand sich bedeutend besser; das Fieber war den kräftigen Beruhigiingsmitteln gewichen, und My-, lady war nur zu dankbar, ihr von gräßlichen Fieberträumen erfülltes Zimmer verlassen und in andere, freundlichere Gemächer gehen zu können. „
Allen fiel die mit ihr vorgegangene Veränderung auf;
sie sah zehn Jahre älter aus.
Marian West hatte heute ihr Zimmer nicht verlassen; Mut und Kraft schienen sie zu verlassen. Manan hütete das Bett und war nicht imstande, aufzustehen. ,
Es war ein trüber, langweiliger Tag auf Kennmgball. Elfte ging trostlos im Garten und Park umher; und Lord St. Gilbert, der die Gesellschaft seines Freundes vermißte, ging hinüber, um sie zu trösten. Für diese beiden war die Unbehaglichkeit weniger empfindlich.
Lord Wayne saß allein in seinem Kabinett. Sergeant Elliot hatte um eine Unterredung mit ihm nachsucyen lassen, mit dem Bemerken, es handle sich um sehr «wichtiges, und Kenninghalls Gebieter fühlte sich nicht gerade erfreut darüber. „
Was für ein Schatten lagerte über seinem Hause? Welche Wolke ballte sich zusammen, machte die Atmosphäre seines Hauses drückend und beklemmend.
Ein Klopfen; Sergeant Elliot trat ein; Mit scharfem Auge bemerkte er sofort das niedergedrückte Wesen des Schloßherrn und zog daraus seine Schlüsse.
„Sie haben mich zu sprechen gewünscht, Sergeant , be- aanu Mylord, auf einen Sessel deutend.
„Jawohl, Mylord, ich möchte mir Ihre Zustimmung zu einigen Maßregeln erbitten, die meiner Ansicht nach von Gerichts wegen getroffen werden müssen.
„Ich habe Ihnen doch carte blanche gegeben", sagte Lord Wayne hastig. „Sie können handeln, wie es ^hnen ^^Doch dies wird in Eurer Herrlichkeit Hauswesen ein- qreifeu, und deshalb hielt ich für nötig, es zu erwähnen, -Derartige Fälle sind immer imangenehm, besonders aoer, wenn sie häusliche Unannehmlichkeiteii verursachen."
„MaS kann dies mit meinen häuslichen Angelegenheiten zu schaffen haben?" forschte Lord Wayne.
„Ich fürchte, sehr viel. Ich muf? Eure Herrlichkeit bitten, nicht glauben zu wollen, daß ich bloß belästigen will. Ich tue nur das, was ich für meine Pflicht halte/-
„Natürlich, und ich wünsche, daß Sie das tun." ,
„Es sind jetzt vierundzwanzig Stunden fett deinMoroe verflossen, und ich bin seitdem keinen Augenblick müßig gewesen, um zu entdecken, von wem die Tat begangen worden ist. Gewisse Schlußfolgerungen bringen mich zu dem Glauben, daß der Täter inneryalb des Hauses sich befindet." ,, , .,
„Das ist ganz unmöglich", sagte Lord Wayne mit Bestimmtheit. „Der unglückliche, junge Mann war uns nur sehr oberflächlich bekannt. Nur wenige der Diener, wenn überhaupt welche, haben ihn gesehen. Welches Interesse hätte irgend einer von ihnen an seinem Tode haben können?" , , ,
„Das ist's, was ich ausfindig zu machen habe. Ich hoffe. Eure Herrlichkeit nehmen mir die Frage nicht übel - aber glauben Sie, er habe vielleicht ein Verhältnis oder eine Liebschaft mit einem der Mädchen gehavt?
Nichts derart", erwiderte Lord Wayne. „Wie konnte das möglich sein? Er ist nie in seinem Leben auf Kenninghall gewesen." „ t .
„Das glauben Sie, Mylord; aber der Herr emes Hauses weiß oft am allerwenigsten, was darin alles vorgeht." ,
„Ich kann mich dafür verbürgen, daß mente Dienerschaft so ist, wie sie sein soll", sagte Lord, Wayne, „sagen Sie mir aber gleichwohl, Sergeant, was Sie zu tun beabsichtigen, und es soll geschehen."
„Ich bin also der Ansicht, daß sofort — ehe vielleicht noch vorhandene Beweise vernichtet werden können — em Geheimpolizist im Schloß stationiert wird, um das Geheimnis zu enträtseln, während ich die Untersuchung draußen fortsetze." ,
„Glauben Sie wirklich, das fei notig? fragte Lord Wayne mit verdrießlicher Miene. .
„Wenn ich davon nicht überzeugt wäre,, MYwrd, so würde ich mir nicht erlaubt haben, es Ihnen in Vorschlag zu bringen." ,c . .
„Sv tun Sie also, was notwendig ist", erwiderte der


