her Beigeordneter von Colmar, die Leitung ehrenamtlich, übernommen hatte. Er brachte künstlerische Stimmung in die ursprüngliche Schablone; um die Ausschmückung des Inneren hat sich auch seine kunstverständige Gattin verdient gemacht.
Im Juli 1905 fand die Grundsteinlegung statt und kam der Rohbau uoch im gleichen Jahre unter Dach. Baumeister Sautier aus Mülhausen hatte die Ausführung für 29 000 Mark übernommen. Der Boden, auf dem das Haus steht, gehört zur Gemeinde Sulz, nach der auch der Belchen vielfach benannt wird. Zu den zehn Zimmern des alten BelchenhauseS sind sechs neue dazu gekommen; im ganzen enthält das Rasthaus nun 20 Betten und läßt sich der geräumige Dachraum als Liegehalle Herrichten. Der Neubau ist aus Holzfachwerk mit Backstein-Ausmauerung erstellt; die Außenmauern sind mit Holzschindeln verkleidet. Durch den hohen Giebel des Neubaus, die beiden Altane, sowie die kleinen Scheibchen der Oberfenster, erscheint der Bau nicht ohne modern künstlerische Wirkung, ohne daß hierzu das alte Haus in Gegensatz träte. i ;
Im Innern hat, wohl zum ersten Mal bei einem Bcrggasthause, armierter Beton in einem, dem großen Speisesaal eingefügten doppelten Gerippe Anwendung gefunden, wodurch Säulen unnötig wurden. Stylisierte Jlexranken, das Abzeichen des Wasgen- waldcs, schmücken die Wände, nebst farbigen Künstler-Steindrucken. Ein mächtiger Kachelofen, der vom Vorraume her befeuert wird, dient als Mittelpunkt, der Heizung für das Haus und bieten um ihn herum und in einer Nische Sitzbänke dem an- konnnenden Wanderer behaglich warme Ruhegclegenheit.
Ein dem Speisesaale vorgelegtcr breiter Korridor schützt letzteren im Winter gegen die Nordseite und dient als Garderobe, im Bedarssfalle auch zu Wirtschaftszwecken. Im Obergeschoß ist ein kleiner Raum für den meteorologischen Landesdienst frei geblieben, während auf der Vorderseite ein größeres Zimmer mit Altan zu einem Klub zimmer des Vogesenklubs bestimmt wurde. Es soll dieser Raum eine besonders künstlerische Stimmung erhalten und hat die erste Ausstattung schon die Sektion Gebweiler geliefert, in der Erwartung, daß die übrigen Sektionen folgen werden. Bis heute sind einige Möbel und eine alte Schwarzwalduhr vorhanden. Schon aber hat auch die Sektion Gießen die Zusage gegeben, alte Zinngeschirre für den Raum zu stiften. Vivant seqnentes!
Das Gasthaus hat ferner eine Beleuchtungsanlage mit Ace- tylengas erhalten.
Eine Tafel im Speisesaale enthält die Namen der Förderer, die sich mit Schenkungen von mehr als 500 Mark um den Bau verdient machten. An der Spitze stehen der Kaiserliche Statthalter von Elsaß-Lothringen, sowie der Ehrenpräsident des Vogesenklubs, Exzellenz Dr. I. v. Schlumberger in Gebweiler. Es folgen der Zentralausschuß des Vogesenklubs, die Sektionen Geb- tveiler, Großer Belchen, Gießen und Straßburg, sowie eine Reihe von Fabrikanten der Familien de Bari), Frey und Schlumberger aus Gebweiler, sowie Mieg-Köchlin, Mülhausen.
Zur Eröffnungsfeier des Neubaus, die mit einem Festliede eingeleitet wurde, überreichte Fräulein Otto aus Geb- Weiler, die schon bei der Grundsteinlegung Kelle und Hammer geführt hatte, den Schlüssel des Hauses dem Bauleiter, Herrn Laug, der seine für den wachsenden Bau stets gehegten Wünsche nun dem fertigen Hause mit auf den Weg gab. Ihm schloß sich Direktor Dr. Grober-Straßburg, als Vorsitzender der Sektion Großer Belchen-Gebweiler mit den Worten an: „Stehe stolz dem Sturm zur Wehr, dem Vogesenklub zur Ehr." Unter Mithülfe der übrigen Sektionen stehe bet Bau das Werk nun vollendet da; kein „Hotel", aber doch ein stolzer Bau im Sinne der Bergfreunde, der Sturm und Wetter trotzen werde. Nunmehr übernahm der Vorsitzende des Vogesenklubs, Geheimer Negiernngs- rat Dr. Euting, den Schlüssel und erklärte, das Haus nach Kräften schützen und pflegen zu wollen, in der Phantasie schon einen zweiten Erweiterungsbau den wohlgelaunten Festgästen vor- zaubernd. „Und nun lade ich Sie ein, in die Pforte des Paradieses einzutreten!", welch fröhlicher Aufforderung nun die Gäste, Voran die Damen, folgten.
Beim Festmahle, an dem sich etwa 100 Personen beteiligten, gedachte der Vorsitzende, in Vertretung des Ehrenpräsidenten Herrn v. Schlumberger, des Kaisers, in dem man einen Freund der Vogesen und wohlwollenden Förderer verehre. Amts- tzerichtsrat Dr. Raeder-Gebweiler sprach ßuf die erschienenen Gäste namens der einladenden Sektionen; sodann feierte Dr. Grober die Förderer des Baues, in erster Linie den Kaiserlichen Statthalter Fürsten Hohenlohe, der durch eine reiche Zuwendung den Anfang gemacht habe. Eine Mitteilung geschäftlicher Natur brachte der Kreisdirektor von Gebweiler; sie betraf die neue Belchenstraße, die in der nächsten Zeit den Kreis- und Bezirkstag beschäftigen wird. Geheimrat Dr. Euting sprach auf den verdienten Bauleiter, Oberbauinspektor Lang, welch' letzterer in humorvoller Rede aufforderte, weiter für das Belchenhaus und ?st^"tlich das Vogesenklubzimmer durch Stiftung von künstlerischen, wenn auch einfachen Gaben zu wirken.
, Dwv- Schlumberger sandte der Versammlung und dem Hause dilrch^ Telegramm seine guten Wünsche. Weitere telegraphische Begrüßungen kamen von der Sektion Gießen, Prof. Neubert-Gie-
ßen, Oberförster Reichardt-Sk. Amor in, Gasthaus St. Unna und Kreisdirektor Kleemann-Bolchm. Von der Versammlung wurden Telegramme abgesandt an den Kaiserlichen Statthalter, den Be- zirkspräsidenten Prinzen Hohenlohe, soivie Exz. v. Schlumberger.
Während der Tafel trugen Sänger vom „Liederkranz" und Touristenklub „Wasgcm"-Mülhausen, die sich unter den Besuchern des Gipfels befanden und über gute Stimmen verfügten, Lieder vor. „Jung-Deutschland", bemerkte ein alter Bogesenwarrderer zufrieden. Aus Frankfurt stellte Redakteur Fr. Meißner, der dem Feste beiwohnte und von der Schönheit der Landschaft überrascht war, dem Vogesenklub neuen Zuwachs in einer künftigen Sektion Frankfurt in Aussicht.
So hüt das Fest zu dem neuen wohlgelungenen Hause manche Anregung und gute Erwartmlg für die Zukunft gebracht. Die im nächsten Jahre kommende Ausgleichung der Eisenbahntarife wird jedenfalls auch das Gute haben, manche heute noch vorhandene^ Ungleichheit des Reisens int Elsaß gegenüber Nachbargebieten aufznheben. Mit der Eröffnung der einstweilen bis zum Judenhutplan in Aussicht genommenen Belchenstraße werden neue Kreise von Touristen auch auf den Gipfel gelangen und einst wird kommen der Tag, an dem das erste Automobil trotz der vom Baumeister vorgesehenen doppelten Fenster seine Verflüchtigungsprodukte in das Innere des Belchenhauses entsenden wird. Möge auch bann stets ber Belchen bas Ziel und bie Freude alter echter Bergfreunde stets bleiben, wie er es heute ist. Darauf und allen Förderern des Werkes, insbesondere der vogesentreuen Sektion Gießen der alte Berggruß „W a s i g e n H o ch!"
Vermachtes,
. * 'Fröhliche Ehescheidungen. Die besondere Auf-< fassung, die viele Amerikaner von der Ehe haben nich die sich in der zunehmenden Zahl der Ehescheidungen äußert) zeigt sich' nun auch darin, daß „Scheidungsgesellschaften" immer mehr in Mode kommen. Es scheint in den Vereinigten Staaten fast ein Ehrentitel zu werden, ein geschiedener Mann oder eine geschiedene Frau zu sein, denn sonst würden die Geschiedenen sich nicht so ungezwungen ins Licht der Oeffentlichkeit stellen. Die Scheidungsgesellschaften werden gewöhnlich in einem vornehmen Restaurant veranstaltet und am nächsten Morgen bringen die Blätter die Liste ber Gäste, bie daran teilgenommen haben. Am letzten Samstag hat wieder eine solche VeMnstaltung von besonderem Umfang stattgefunden, an ber nur Geschiedene als Gäste teilnahmen. Eine reiche Dame aus Pittsburg war die Wirtin, bie ihre „Befreiung aus Ehebanben" feierte. Das Haus ihres Vaters) in dem sie ihre Gaste empfing, war herrlich mit Blumen ausgeschmückt. „Gewöhnliche" Geschiedene . waren nicht eingeladen/ nur solche, deren Prozeß eine Besonderheit gehabt und daher die allgemeine Aufmerksamkeit erregt hatte. Da waren Leute/ die ihre Scheidung in einem Staate erkämpft hatten,, in dem,es ihnen nicht leicht gemacht wurde, neben anderen, die nur eine „Dakota-Scheidung" aufzuweisen hatten — Dakota ist heute der Zufluchtsort aller Ehemüden, da dort die Scheidung eine Kleinigkeit ist und in kürzester Frist erledigt wird. Auch einige der! „bestbekannten Mitglieder der Newhorker Alimeuten-Kolonie" waren zugegen, wie denn auch demnächst ein „Alimentenklub" gegründet werden soll. Alle Gäste waren ganz bei ber Sache und wünschten ihrer hübschen Wirtin, „baß sie den Tag noch recht oft glücklich erleben möchte". Das fröhliche Fest bauerte bie ganze Nacht, und am nächsten Morgen brachten bie Blätter ganze Spalten voll Schilderungen.
Silbenrätsel.
Nachdruck verboten.
ar, ch, ch, cy, gen, der, e, e, ha, her, ich, iv, n, lo, 1er, li, lii, per, rel, s, nio. sa, sa, tt, sehe.
Ans vorstehenden Silben und Buchstaben sollen acht Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß bie Ansangs- buehstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines Astronomen und dessen Vaterstadt bezeichnen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes:
1. Deutschen Dichter.
2. Einen Baum.
8. Sammlung wichtiger Schriftstücke.
4. Biblischen Namen.
5. Türkische Insel.
6. Figur aus dem Nibelungenliede.
7. Einen Propheten.
8. Belgische Stadt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:
Geige, Feige.
Redaktion: Ernst tz e ß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Eirßm.


