Ausgabe 
24.10.1906
 
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Maligen Lord Wayne auf Kenmnghall wiegen mancherler Dienste sehr verpflichtet und nach Wiedererlangung der Regierung kam er persönlich hierher nach Kenninghall, nnt ihm zu danken. Natürlich lustwandelte er auch im Parke und sah bei dieser Gelegeuheit die Ceder, deren Schönheit und Großartigkeit ihm derart gefiel, daß er den Wunsch äußerte, unter ihrem Schatten das Frühstück einzunehmen. Man willfahrte sofort dem königlichen Wunsche und als man unter dem Baume saß, füllte Karl Stuart einen silbernen Becher mit Malvasier und trank auf die Gesuudheit den Wohlstand und das Glück der Lords von Kenninghall. Man sagt, daß kein Zweig dieses Baumes eher abbrechen wird, als bis Kenninghall ain Vorabend eines schrecklichen Unglücks steht."

Dann wünsche ich, einer für alle, daß nie ein Zweig von dem Baume abbrechcn möge," sagte Werner, und Lady Wayne lachte.

Ich wills nicht hoffen. Ich habe übrigens auch keine große Furcht. Gott sei Dank, scheint unser Glück gut be­gründet."

Nach wenigen Minuten erreichten sie die Ceder, und Werner rief voller Begeisterung:

Ha, wie prächtig! O, Lady Wayne, das ist ein An­blick zum Malen!"

Nachdem der Baum gebührend bewundert, ließen sich alle in seinem duftigen Schatten nieder.

-,Jch fiije da, wo König Karl gesessen," sagte Lord St. Gilbert,und, wie er, so sage auch ich von Herzens­grund: Friede, Glück und Wohlergehen den Waynes von Kenninghall!"

Dann begann Werner, auf den einstimmig die Wahl als Vorleser gefallen, aus MiltonsVerlorenem Paradies" vorzulesen.

Es ist zu befürchten, daß weder Elsie noch Lord St. Gilbert die einem so großartigen Werke gebührende Aufmerk­samkeit besaßen; sie weilten beide mit ihren Gedanken offenbar anderswo; doch Lady Wayne war entzückt.

Etwas in dem Klange der Stimme brachte ihr die Jugend zurück, wiegte sie in die süßesten Träume und er­weckte Gedanken und Erinnerungen in ihrem Herzen, die sie längst tot und vergessen geglaubt. Sie sah ihn an, als er eine Pause eintreten ließ.

Mr. Jefferies," sprach sie,wo mag ich wohl früher Ihre Stimme gehört haben? Sie klingt mir wie die Melodie eines halbvergesscnen Liedes."

Ich wüßte wirklich nicht" erwiderte er und sah sie verwundert an.

Ihr schönes Gesicht war lebhaft erregt, ihre Augen voll Thräuen.

Es gibt oft Aehnlichkeiten in Stimmen und Gesichtern," sagte er ebenfalls bewegt,die uns seltsam ergreifen. Viel­leicht haben Sie früher eine Stimme wie die meinige gehört. Der Klang der Stimme beim Sprechen ist bekanntlich von dein beim Lesen sehr verschieden."

Ich weiß cs nicht," antwortete sie nachdenklich.Sie lautet mir wie Glockenläuten, das ich als Kind gehört. Be­achten Sie übrigens meine Zwischenbemerkung nicht, Mr. Jefferies; bitte, entschuldigen Sie diese Ablenkung. Lassen Sie uns mit Milton fortfahren."

Sicher," sagte er, betroffen über ihr trübes Lächeln, Sie, Lady Wayne, so strahlend, so glänzend und glücklich; sicher, Sie haben keine traurigen Erinnerungen."

Weshalb sollte ich?" fragte sie etwas aufgeräumter.

>/Jch glaube," sagte der junge Mann ernst,es gibt kein größeres Unglück, als sein ganzes Leben durch, einen Schatten m der Jugend verdunkelt zu sehen."

Kein solcher Schatten schivebt über mir," sagte sie, und Mutter und Sohn blickten einander mit fast liebenden Blicken an.

Ach, ivenn sie nur die Wahrheit gewußt!

»Unser Tantchen bleibt aber lange," warf Elsie plötzlich dazwischen. , Sie war sehr anhänglich an Miß West, und Lord St. Gilbert fühlte etivas Ivie Eifersucht, daß sie, wo er

doch zugegen, noch die Abivesenheit irgend einer anderen Per­sönlichkeit bemerkte.

Miß West hatte mittlerweile ihre Aufgabe nicht so leicht gefunden. Es scheint gar nicht so schwierig, in das Zimmer eines Freniden zu gehen und etivas daraus zu cntivenden, als sie aber daran fam, den Gedanken in die Tat umzusetzen, fand sie die Sache keineswegs so einfach, wie sie aussah. Sie eilte sofort die Treppe hinauf und sah, als sie auf ihr eigenes Ziminer ging, daß die Tür z>i Werners Zimmer offen war.

"Es war nicht nötig, hineinzusehen, denn sie hörte, daß das Dienstmädchen darin war.

(Fortsetzung folgt.)

Mom elsässisch?« Kroßen Welchm.'

Von Adrian Mayer (Straßburg). Einiveihung des vergrößerten Belchen Hauses' am 7. Oktober.

Unter Teilnahme mehrerer Mitglieder der Vogesen klub- Sektion Großer Belchen-Gießen, die mit den beiden Schwestersektionen Geb Weiler und Großer Belchen-Geb-^ Weiler den Bau gefördert und zu der Vollendung die Ein­ladung hatte ergehen lassen, fand an deni durch herrliches Wetter begünstigten jüngsten Sonntage die festliche Einweihung des neu vergrößerten Gasthauses an der Spitze des Belchens, des höchsten Gipfels' der Vogesen und der linksufrigen deutschen Nheinlande, statt. Denjenigen Festtcilnehmern, die auf dem Berge übernach­teten, schenkte dieser in der Sonutagsfrühe das Beste was er hatte: einen Sonnenaufgang von seltener Farbenpracht mit um­fassendem Panorama der ganzen Alpen kette, sowie der V o g e s e n. Die Mittagsstunde brachte dann die eigentliche Festgabe: ein neues behagliches und stimmungsvolles Heimchep Bergfreunde ans dieser vorgeschobenen obersten Warte des Elsaß.

Der Ausstieg führte von Lautenbach über die sehenswerten Secbachsälle zum Belchensee. Der trockne Sommer hat die Wasser­sülle des einst von Bauban geschaffenen Staubeckens, das durch' den Dammbruch in der Dezembernacht 1740 das Gebweiler Tal verwüstete, sehr zurückgehen lassen, so daß auf der Westseite die Felseu mit den selten sichtbaren Gletscherschliffen offen lagen. Bor dem Gipfel begegnete uns aus dem Rückweg zu Tal der Braune, welcher den trefflichen Altmeister der Vogesen, Geheimrat Prof. Dr. Enting, nach oben getragen hatte. Nach der Abendtafel blieb die etwa 20 Teilnehmer zählende Runde, darunter mehrere Damen, im alten Klubzimmer versammelt und da war er cs auch wieder, der in unerschöpflicher Laune, durch Vortrag von Dichtungen aus vergilbten Blättern,Muscnklängen aus Deutsch­lands Leierkasten", dann auch in schwäbischer Mundart, unter­stützt von Gaben anderer Anwesender, den Kreis bis zu später Stunde angeregt beisammen hielt.

Doch schon bald kündete das Alphorn des Belchenwirts, daß ein neuer Tag zu neuen Ufern lockte. In Blutrot und Gold spielte der Osthimmel; der Schwarzwald zeigte nur einige der höchsten Spitzen. Als schwarze Wand zuerst, dann von den Firnen abwärts erglühend, lag die ganze Alpenkctte von Bünden bis zur Dauphinö frei, an der Silhouette des Finsteraarhorus sofort bestimmbar. Weit schöner als vom Schwarzwald stellt sich, von den Vogesen ans gesehen, das ganze Berner Hochland dar; weiter im Wallis Ivar das Wcißhorn als hohe Eisnadel gut zu erkennen, daneben auch das Haupt des Matterhorns bei Zermatt, während ganz rechts der Montblanc sein Riesenhaupt gewaltig über den Jura cmporreckte. Dann die Vogesen: im Norden die beiden Donons, weiter der ganze alpine Hochkamm Weißer See-Hohneck und im Vordergründe die reich gegliederten Südtäler und herbst­lich gefärbten Wälder, ein malerisches Gebirgsbild.

Im Laufe des Vormittags besichtigte der Zentralausschuß des Vogescnklnbs die Plätze auf dem Nordgipfel, die für das Denk­mal von Curt Müudel, dem Herausgeber des weitbekannten Vogescnführcrs, in Aussicht genommen sind. Einige Teilnehmer besuchten den benachbarten Starken ko Pf, den zweithöchsten Vogesenberg, der einen guten Blick ans den Belchen und das Tal von St. Amarin bietet.

Zum Festakte hatten sich nach und nach wohl gegen 300. Personen von allen Seiten her auf dem Belchen versammelt. Werfen wir noch zunächst einen Blick zurück auf die Ge-, schichte des B c l ch eu h a u s e s. Im Jahre 1873 war der erste Bau, eine steinerne feucht-kalte Schutzhütte, errichtet worden, die 1876 niedergclegt wurde; die Trümmer sind noch zu sehen.. .

1886 begann der Vogesenklub mit dem zweiteu Bau, dem brs- herigcu Belchenhause, einem aus Balken gefügten Holzbau. 1888 zur Zufriedenheit vollendet, hat dieser den Verkehr nach dem Belchen sich beleben lassen, so daß in neuerer Zeit das Bedürfnis einer Erweiterung entstand.

Zu diesem wurde ein vorläufiger Plan von Architekt Groß in Zürich geliefert, der Spezialist für Hüttenbauten ist. Dieses erste Projekt fand eine erhebliche Ausgestaltung in Bezug auf Wohnlichkeit und Stimmung, als Oberbauinspektor Lang, brs->