Ausgabe 
24.3.1906
 
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mühungerr hatten negativen Erfolg, weil die Projekte nicht dein Programm entsprachen, und die in Aussicht genommene Bau­summe von 6700 000 Mark nicht ausreichte, um etwas richtiges zu erreichen. Der Austausch der Meinungen führte immer mehr zu dem Entschluß, sich dem zunächst notwendigeren Bail eines Theaters zuzuwendeu. Es Haden sich auch nur 14 der 570 Zeichner mit 28 700 Mark Zeichnungen für die Errichtung eines' Saalbaues, dagegen 556 mit 391000 Mark für den Theaterbau ausgesprochen. Das Komitee erließ hierauf einen engeren Wett­bewerb unter erfahrenen Theater-Erbauern und stellte es den einheinlischen Architekten frei, sim zu beteiligen. Es wurden im ganzen vier Projekte rechtzeitig vorgelegt und zwar von Fellner und Hellmer-Wien lind Architekt Meyer-Gießen, von Arcyitekt Dülfer-München, Architekt Sehring-Charlottenburg und Architekt Dittrich-München. Da von den eingereichten Entwürfen keiner direkt zur Ausführung geeignet war, wurde der Vortragende be­auftragt, auf Grund der Vorschläge des Preisgerichts ein neues Projekt auszuarbeiten, wobei die jetzige glückliche Grundrißgestalt­ung unter sachkundiger Unterstützung des Oberbürgermeisters gewählt wurde. Auch sonst wurden noch mehrfach Verbesserungen erzielt, so daß in bett zur Ausführung genehmigten Plänen eine große Reihe auswärts 'gewonnener Erfahrungen eingewoben sind.

An Hand von 24 trefflichen Lichtbildern zeigte tmumehr der. Vortragende zunächst die vier eingelaufenen Kouknrrenzprojekte in ihrer Grundriß- und Fassadengestaltung und sodantt unter ausführlicherer Erklärung die endgiltigen Baupläne. Das Theater wirb im ganzen 800 Plätze erhalten und zwar im Parkett zwei Proszeniums- und 4 Parkettlogen mit 26 Plätzen und 391 Parkett­sitze, im 1. Rang zusammen 203 und im 2. Rang 190 Plätze. Das Zuschauerhaus mit allen Nebenräumen wird mit 500 Flattt- jnett und die Bühne mit Soffiten, Rampen und Vorsatzstücken mit 900 Flammen in weiß, rot und grün beleuchtet ioerden. Alle Er- fahrungen der Beleuchtungstechnik werden zu Rate gezogen und auch eine Notbeleuchtung wird eingerichtet werden. Alle Bühuen- einrichtungen werden, soweit sie nach unseren Verhältnissen er­forderlich sind, angebracht werden, auch eilte Flugbahneinrichtung, eine große und zwei kleinere Versenkungen. Sämtliche Elemente, Donner, Regen, Wind, Blitz usw. werden nach den neuesten Er­rungenschaften der Bühnentechnik ausgestattet werden. Die Ge- samtksj. 'n find auf 600 000 Mark veranschlagt, davon 50 000 Marc ; die Fundamentierung und 40000 Mark für den Fundus (Kn: Möbel, Kostüme usw?

Anfangs November wurde das alte Gebäude auf dein Grund­stück abgerissen und bald danach der erste Spatenstich getan. Die schwierigen Fundamentierungsarbeiten nefmtett ihren regel­mäßigen Fortgang und schon ist ein großes Stück Arbeit getan. Mit dem 1. April ist hoffentlich die Fundamentierung fertig und es kann daun mit dem Hochbau begonnen werden. Wenn alles klappt, ist das Gebäude bis- zum Spätsommer unter Dach und Fach. Der innere Ausbau wird int Winter nach Möglich»- teit gefördert werden und bis zum 1. August des Jahres 1907, des Jubeljahres unserer Universität, wird alles fertig sein. Um aber dies zu ermöglichen, ist cs notwendig, daß alle dem Werk auch fernerhin helfend und fördernd zur Seite stehen, der Nutzen für unsere Vaterstadt wird nicht ausbleibeit und fernere Ge­schlechter werden das Geschaffene dankbar anerkennen. Am Er­öffnungstage mögen dann Posauuenklänge den Jubel über die glückliche Vollendung des Hauses verkünden. Und in seinen festlich geschmückten Räumen möge das Volk, Jung und Alt, Arm und Reich, zu frohem Festspiel in begeisterter Stimmung versammelt sein. Und während sich dergestalt die Weihe des Hauses vollziehe, halte der Geist der Liebe und Eintracht darin seinen Einzug und bereite, die Herzen zu idealem Streben weckend, den Boden für das Verständnis der Werke unserer großen Meister, damit das Haus werde, was es sein soll: eine Pflanz­stätte des Schönen, Wahren und Guten, ein Tempel echter und wahrer Kunst!

_ Ist der Krebs erblich?

fenter den Sachverständigen der Medizin halten einige die Erblichkeit für ein sehr wichtiges Moment in der Entstehung des Krebses. Andere wiederum glauben, daß die Vererbung über­haupt keine Rolle in seiner Verbreitung spielt. Da die Kpank- heit sich niemals bei der Geburt oder bald danach zeigt, so wird sie ;edenfalls nicht als solche von einem der Eltern auf das Kind übertragen, sondern es kann sich nur nm eine erhöhte Veranlagung zum Krebs bei denen handeln, die von krebskranken Eltern abstamnien. Obgleich nun die Tatsachen beweisen, daß ru einer Familie eine unverhältnismäßig große Zahl der Au- gehörigen gerade dem Krebs erliegt, so sind auch dafür noch andere Erklärungen möglich, als die Annahme der Vererbung. Wenn tHttn an die eigentlich ansteckende Natur des Krebses glauben will, kann mau auch damit rechnen, daß der häufige Verkehr untereinander eine größere Wahrscheinlichkeit der Erkrankung unter Familienmitgliedern mit sich bringt, wie es auch bei der Tuberkuloie der Fall ist. .Die älteren Forscher haben großes Gewicht aus die Erblichkeit gelegt. Vor 50 Jahren studierte Paget die Geschichte trat 411 Krebskranken und kam zu dem Schluß, daß die Wahrscheinlichkeit erblicher Uebertragiing für Personen

mit krebskranken Verwandten etwa 22 und für die ohne sie nut 8. v. H. beträgt. Virchow nahm in seinem berühmten Werk über die krankhaften Geschwülste, das im Jahre 1863 erschien, als gewiß an, daß die Vererbung zu einer verstärkten Veranlagung zur Erwerbung deS Mebses führte. Lichtenstern fand dann bei einer Uebersicht über 1137 Fälle in 17 v. H. eine Familiengeschichte der Krebskrankheit, ivährend Williams 1892 die Neigung zur Erkrankung durch das Vorkommen des Leidens bei Verwandten um 10 v. H. größer fand als ohne ein solches. Andere statistische Untersuchungen haben einen geringeren Einfluß der Erblichkeit ergeben, die jedoch meist als ziemlich bedeutsam betrachtet wurde. Vor einiger Zeit hat Professor Pearson 3000 Fälle von Krebs genau untersucht, und seine Ergebnisse führen zu der beruhigen­den Folgerung, daß die Erblichkeit fast ohne Einfluß auf eine leichtere Erwerbung der gefürchteten Krankheit ist. Von 2368 weiblichen Krebskranken hatten nur 359 eilte Familiengeschichte mit Bezug auf die Krankheit aufzuweisen. Danach Hütte man nocy immer annehmen können, daß die Vererbung doch von Be­deutung wäre, aber es zeigt sich auf der anderen Seite, daß bei fast der gleichen Verhältniszahl von Kranken, die mit anderen Leiden behaftet waren, gleichfalls eine derartige Familien- gescyichte vorlag. Allerdings wäre dabei noch in Rücksicht zu ziehen, daß von den letzteren Fällen in späterer Zeit der Krebs sicy noch hätte entwickeln können. Im ganzen aber wird man doch' schließen dürfen, daß der Einfluß der Erblichkeit mit Bezug auf den Krebs früher erheblich überschätzt worden ist. Jedenfalls bieten die neuesten Arbeiten keinen Grund dafür, daß sich Leute mit krebskranken Verwandten dadurch hinsichtlich ihrer eigenen Gesundheit besonders beunruhigt fühlen sollten. Eine weitere beachtenswerte Tatsache, die siey aus den letzten Forschungen er­geben hat, besagt, daß bei Frauen der Krebs' im allgemeinen etwas früher auf tritt als 'bei den Männern, indem bei ersteren das Durchschnittsalter für das erste Erscheinen der Krankheit nicht ganz 48, bei den letzteren über 53 Jahre beträgt. Der Argwohn, daß das' Vorkommen von Tuberkulose in einer Familie auch die Krebsgefahr steigert, hat sich nicht bestätigt.

* Einen interessanten Wettbewerb um 500 Mark, 400 Mark, und 300 Mark für ein Frauen-Hauskleidi veröffentlicht die bekannteMvdenwelt" für ihre Abonnentinnen. Wir machen unsere Leserinnen hierauf besonders aufmerksam und wünschen ihnen guten Erfolg.

Eittgegangene Bücher.

(Eine Verpflichtung zur Besprechung unverlangt eingesandter Bücher wird nicht übernommen.)

Fuchs', Sic. Emil,Gut nitb Böse". Wesen und Werden der Sittlichkeit. Lebensfragen herausgegeben von Heinrich Weinel. Preis 3 Mk. Tübingen 1906. Verlag von I. C. B. Mohr. (Paul Siebeck.)

H i r s ch f e l d, Ludwig,Paulzei t". Sechs! Wochen Helden­tum. Leipzig 1906. Verlag von Arthur Cavael.

Schillers Werke. Illustrierte Volks-Ausgabe mit reich illu­strierter Biographie von Profeffor Dr. Sltaeger. Lieferung 2632. Preis je 30 Pi. Stuttgart 1906. Deutsche Verlags- Anstalt.

Für unsere Söhne, wenn sie 18 Jahre alt werden. Aerztl. Ratschl. von Pros. A. Fournier. Berlin, Coblentz. 42 S. 0,50 Mk.

Der Krebs und seine Behandlung. Von A. W. M. Nobson. Deutsch von Dr. O. Rozenraad. Berlin, Coblentz. 36 0,75 Mk.

Der Haarausfall. Ursache und Behandlung von Dr. A. Kann. Berlin, Coblentz. 34 S. 0,75 Mk.

Was sollen wir lesen? Von Prof. Dr. G. Witkowski. Leipzig, Hesse. 34 S. 0,20 Mk.

D i e Knust und das Leben. Von Prof. Dr. G. Witkowski. Leipzig, Hesse. 59 S. 0,40 Mk.

Scherzrütsel.

Nachdruck verboten!. Der Max verspürte 'mal wieder den Drang, Die Schule zu schwänzen, zum Walde zu gehen.

Dort hab' ich den Buben beim Vogelfang Ganz heimlich mit Etwas beschäftigt gesehen.

Natürlich nahm ich diesEtwas" ihm fort Und brauchte einl" nur dahinter zu stellen;

Da nannt ich den Buben beim richtigen Wort.> Kennt Ihr wohl den Titel für solche Gesellen? L.

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Magischen Dreiecks in voriger Nummer; AGNES GRAN NAB E N S

Redaktion: Ernst Heb. Rotationsdruck und Verlcm der Vrübl'Ichen Iluwerkiinis-Buck- und Steindruckerei. R, Lange, Gießen.