Ausgabe 
24.2.1906
 
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sittrf Sacklaufen, suchten einen Men Korb, der mit verbundenen Augen mit der Stange getroffen werden sollte zur Erlangung der darunter liegenden Bretzel. Armbrust und Zielscheibe rmtrden hergerichtet, auch Preise bereit gemacht, Bilderbogen und ivas wir Morgen beim Kaffee wollte,, eben Mutter Hans

sagen, wen er einladen dürfe, da sagte der schlaue:3® Wern schon ganz genau. Jetzt muß ich mich eilen zur schule. Uno wen lud er ein? Am Nachmittag erschien dre ganze Klane und alle erreichbaren Nachbarskinder noch dazu. Auguste mußte nur schnell mit einem großen Korb zum Bäcker, um mürbes Gebäck zu holen. Einen Kirschenkuchen hatte die Köchm noch tut Ösen, der andere dampfte schon ab. Für bie. Verpflegung war also gesorgt. Ich ging als Oberaufsicht mit m den Hof und leitete die Spiele. Der Jubel war groß. Dann verkleidete ich mich, so gut es in der Eile zu machen war, als Bauernmädchen, mit Zuhilfenahme einiger Tücher und eines kurzen Rockes, setzte mich in dm Hof mit einem Korb voll Kirschen und Schusteln voll Kuchen iiud Gebäck und verkaufte meine Ware für ent freund­lichesDanke schon". m

Als ich int besten Tun und Verteilen 6ut, höre ich plötzlich unfern Hans ausrufen:Hier ist der wandelnde Kirchturm zu zu sehen! Kikeriki! Ich bin der Wetterhahn!" Hiniehen und hinspringen war für mich eiiis. Ein starker größerer Junge trug seinen jüngeren Bruder auf den Schultern sitzend, und auf dessen Schultern saß unser Haus, und diese lebende Pyramide bewegte sich langsam und schwankend im Hof. Anstatt da oben als Kirch- turmspitzc wenigstens Ruhe und Balance zu halten, winkte Haus mit den Armen und krähte immerzti. Ich faßte ihn an dm Beinen, hieß ihn, meine Arme mit seinen Händen umspanneii, und so hob ich ihn herunter, was gar nicht leicht war. Als ich ihn in den Sand gelegt hatte, wollte ich ihn regelrecht prügeln. Aber da hatte ich in ein Wespennest gestochen: Sämtliche Küabm fielen über Haus und über einander her, im Nu lagen alle im Sand und prügelten auf, einander los. Da konnte ich auch wieder springeil. Ich ergriff meinen Kirscheukorb, stellte mich mitten in das Schlachtengewühl und rief:Jetzt werfe ich alle meine Kirschen in die Luft, was jeder fängt, das gehört ihm!" Da waren sie plötzlich wieder alle auf dm Beinen und ich konnte die Gesellschaft bald wieder in gemäßigte Bahnen ein- lenken.

So war unser Hans als Spitze des wandelnden Kirchturms diesmal ohne Strafe durchgekommen, doch zum Glück mit ge­sunden Gliedern, und der Engel, der ihn vom Abstürzen gerettet hatte, war diesmal ich. Und ich kann nur immer wiederholen: ivir wollen hoffen, daß er nicht noch einmal den Hals bricht!

Für die besten Kinder-Geschichten

und AeußerungcnAus Kindermund" hatteN. Wien. Jolirn." jüngst ein Prcisausschrkiben erlassen. Die preisgekrönten Aussprüche und einige der klebrigen seien hier wiedecgegebeu:

Ich war als junge Witwe Gesellschafterin bei zwei Töchtern einer Patrizicrfamilie in Frankfurt am Main, in der auch noch ein drei­jähriges herziges und schönes Mäderl war. Eines Sonntags, im Begriffe mit den beiden größeren Töchtern in die Kirche zu gehen, begab ich mich, das Gebetbuch in der Hand, in das Kinderzimmer, um meinem kleinen Lieblinge Lebewohl zu sagen.

Klein Elschen:Was hast Du da für ein Buch?"

Das ist ein Gebetbuch, in dem steht, was ich mit dem lieben Gott sprechen werde."

Hast Du daS Buch geschrieben?"

Nein, das Buch hat ein Herr geschrieben, den ich nicht kenne!"

Klein Else, höchlichst erstaunt:

Ja, wie hat denn ein fremder Herr wissen können, was Du heute dem lieben Gott sagen sollst?"

Ich bin nun schon nahezu 60 Jahre alt, aber heute habe ich die Lehre noch nicht vergessen, die mir vor 30 Jahren derKmdcr"mund gab.

Frau Professor Emma Goos.

Wir standen in der ersten Woche des Schuljahres. Ich hatte wieder meine Lieblingsklasse, die erste, und einer der Knirpse attachierte sich mir besonders. Er wartete am Wege auf mich und erzählte mir von seinen kleinen Angelegenheiten. Hier ein Dialog:

Herr Lehrer, i hab' mir schon alles g,mirkt, was S' in die Schul' g'sagt hab'n." -

Das ist recht von dir."

Ja i hab' mir alles g'mirkt: Daß ma'n Lehrer grüaß'n muaß ... aber der Rombergcr Natzl von der vierten Klass' hat Jhna heut' nct grüaßt."

Nun war mir und allen meinen Kollegen der angeführte Romberger Nah! eine wohlbekannte Persönlichkeit, aber nicht wegen seines Fleißes und seiner Artigkeit. Eine absichtliche Verweigerung des Grußes war dem wohl zuzutraueii. Trotzdem nahm ich ihn vor dem Kinde in Schutz und sagte:

Er toirb, mich wohl nicht gesehen haben."

"D ja g'seh'n hat er Jhna schon, aber grüaßt hat er Jhna net." Und mit vor Entrüstung gesteigerter Stimme fetzte er hinzu:Morg'n grüaß t fein Lehrer a nct."

Kamillo Braun.

* 1 i

DaS die Preisgekrönten. Einige weitere mögen folgen:

Prinz Rolfi hört in der Neligionsstunde von David und seine» dreißig Helden, die große Taten vollbrachten; er aber war voll Gottesfurcht.

Und der soll tapfer gewesen sein!"

Rolfi sollLe vienx coq" in« Femininum übertragen. Er schreibt: La vieille coquette."

Einige Aufsatzblüten der kleinen Paula ails der dritten Klasse:

Der Genuß unreifen ObsteS verursacht oft scherzhafte Krankheiten."

Der Wein ist ein geistliches Getränk."

Als Maria Theresia starb, war sie weder jung noch alt."

Durch Amerika geht die Partizipbahn."

Einen Augenblick, bevor ihn die feindliche Kugel traf, plauderte der tote Kamerad noch mit seinem Kameraden."

* !

Unser kleiner Willy sagte neulich zur Wäscherin, die schlechte Zähne hat: Warum sind denn deine Zähne so finster?"

*

Man hat dem dreijährigen Alfred gesagt, er solle keine Gesichter schneiden, denn davon würde er ein häßliches, faltiges Gesicht bekommen. Einmal ist er bei einer alten Dame zu Besuch: er betrachtet sie lange aufmerksam und wendet sich endlich an sie mit der Frage:Du hast auch immer Gesichter geschnitten, nicht war?"

Wer hat denn das zerbrochen?"Frage mich nicht, Mama, denn ich will nicht sagen, daß ich cs war, und lügen will ich auch nicht."

Papa, was fehlt, denn eigentlich der Mama?"Mein Kind, sie hat Kopfweh, Fieber, Katarrh ..." Der Kleine schlägt die Hände zu­sammen:Mein Gott, nur eine Frau und soviele Krankheiten!"

Hugo, etwa fünf Jahre alt, spielt im Zimmer mit Holzabfälleu und baut damit eine Brücke. Mama sitzt daneben mit einer Handarbeit be­schäftigt. Da ruft Hugo:Schau, schau, Mama, was i g'macht hab!" Mama, gerade mit Abzählen der Fäden beschäftigt:Laß mich, siehst den» nicht, daß ich arbeite, ich habe keine Zeit!" Einen Moment schweigt Hugo, dann:Ja, Mama, warum arbcit'st denn, wenn's d' keine Zeit hast?"--

*

Der Kleine sieht vom Fenster aus Militär vorbeimarschieren. Als die Kavallerie sichtbar wird, fragt er:Nicht wahr, die sind jetzt aus einer anderen Schachtel?"---

Die kleinere Lisi, die von der Mutter etwas strenge behandelt, von der Großmutter aber verzärtelt wird, erklärt:Mama möchte ich nicht werden, aber Großinama."---

*

Kleine Schwester zu ihrem Bruder, der verstohlen etwas nimmt: Wart', du kommst in den Diebstall!"

Einmal geht Friedel mit seinem Papa bei einem schönen, großen Gebäude vorüber.

Du, Papa, was ist daS?"

Papa:Das ist die Volksschule!"

Papa, heißt sie so, weil man da folgen muß?"

Mimi, wenn du heute nachmittag brav bist, während ich fort bin, bekommst du abends zwei Schalen Schokolade. Bist du aber schlimm, dann erhältst du nur eine."Weißt du, Mama, dann werde ich zuerst brav und dann schlimm fein, so bekomme ich drei Schalen."

Humoristisches.

Sie weiß es. Fran (511111 Manne):Laß doch das lang­weilige Zeittmgslesen sein." Mann:Ich muß doch wissen, was in der Welt vorgeht." Frau:Ich werds Dir sagen; Die Frauen gehen vor."

A in angeneh in st e n. Hausfrau:Nun, Herr Leulnanh welcher Heirat würden Sie den Vorzug geben, einer Geld- oder Liebesheirat?" Leutnant:Einer Liebesheirat mit recht viel Geld, meine Gnädigste."

Magisches Dreieck.

------------- In die Felder nebenstehender Figur sind I die Buchstaben eeeegggllmoorru --i--! derart einzutragcn, daß die einander ent­sprechenden wagerechten und senkrechten Reihen

1 gleichlautend Folgendes bedeuten: __I 1. Männlichen Vornamen.

2. Einen Raubvogel.

3. Tier aus der Ordnung der Amphibien, 4. Teil von Oesterreich. 5. Einen Buchstaben. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Wir sollen eben nicht in Ruhe bleiben! Gleich wird uns, wenn wir zu genießen denken, Zur Uebung uns'rer Tapferkeit ein Feind, Zur Uebung der Geduld ein Freund gegeben. Goethe,

Redaktion; Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'lchen Universitäts-Buch- und SteMdruckerel. R. Lange, Gießen»,