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zwei Stellen geknickt zeigten, was
Miitellole Mädchen.
Roman von H. Ehrhardt.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.) _ „
Und die schlanke, blasse Frau lächelt fast verschämt ihrem Spiegelbilde zu, denn sie sieht wirklich vornehm und anmutig aus in dem silbergrauen Seidenkleide, das sie sich auf den dringenden Wunsch der Töchter zur Silberhochzeit vor zwei Jahren gekauft hatte und dem Ruth heute durch ein frisches Spitzenfichu neuen Glanz verliehen hat. Im Haar tragt sie einen Tuff grauer Straußfedern.
Nachdem sie Ruths Toilette gemustert hat, brmgt sre Mit einem kleinen geheimnisvollen Lächeln einen Brief zum Vorschein und sagt lebhaft: „
„-Denke, Ruth, wer hier an mich schreibt? Tu errätst es ja sicher nicht, deshalb will ich Dich nicht erst raten lassen — meine Cousine, Frau von Hertzberg, Deine Pate übrigens, hat sich wieder einmal gemeldet. Sic besucht uns in nächster Zeit."
„So?" _
Ruth hat kein weiteres Wort für dieses aufregende Ereignis, gleich einem drückenden Alp legt das Bewußtsein, was so ein Besuch in einem Sgiaufe Mehrarbeit und Kosten mit sich bringt, sich aus ihr ohnehin bedrücktes
Gemüt. „
Iran Berta verlangt auch keine werteren Aeugerungen der Tochter, sie berichtet sehr interessiert weiter:
„Klara begleitet ihre Tochter, die an einen Hauptmann „Ult der Infanterie, einen Herrn von Brockhaus verheiratet ist, nach N., wohin sie seit kurzem versetzt sind. Und auf der Durchreise wollen sie hier Station machen, um xttxuy mal wicderzuschen und Euch, meine Kinder, kennen zu lernen. Gott, ich freue mich darauf. Es sind eigentlich Meine einzigen Verwandten."
immer von neuem das Amüsement «aller Anwesenden bildete, Tie den Fenstern entgegengesetzte Seite des Saales bot durch zwei Türen den Eingang in mehrere recht primitiv aus gestattete Nebenräume, in welche die BalÄater sich . zurückzogen, um über einem Glase Bier oder Wem ihrer Pflicht so völlig zu vergessen, daß sie erst beim Nachhanse- aehen durch eine vorwurfsvoll blickende Gattm oder cm schmollendes Töchterchen daran gemahnt werden mußten. Ueber diesen Räumen lag die große Musikloge, ans der schwarzberockte blasse Jünglinge und behäbige rotnasige Männer, die bei Tage irgend einem prosaischen Gewerbe nachgingen, sich zu den musikalischen Leistungen für den Abend vorbereiteten, wobei ziiweilen eine Geige qmeckt» oder eine Baßseite sekundenlang aufbrmnmte. An der Langseite liefen in gleicher Höhe eine. Reche Logen hm, di« wie stets, so auch heute von zahlreichen ausschließlich, werblichen Zuschauern besetzt waren, von denen einzelne m dem Rufe standen, daß sie dort oben bereits ihren Nachmittagskaffee tränken, um ja einen Platz dicht an der Brüstung zu erwischen. Tiefen sensationslüsternen Beobachtermneu entging gewiß nichts von den Vorgängen unten un Saale, kein verräterischer Blick, sei er noch so flüchtig, kem vielsagender Händedruck, sei er noch so verstohlen. Sie quit- tierten alles mit ihren Bemerkungen, ihrem verständnisvollen Lächeln - sie schwatzten Menschen zusammen, die sich vielleicht zum ersteumale gegenüberstanden, ahen Liebesverhältnisse entstehen und wieder vergehen, bekrittelten die Toiletten der Damen, führten förmlich Buch über jedes neu angeschaffte Garderobestück derselben und hegten beständige Zweifel an der Echtheit der weiblichen Vorzüge. „Die hat doch heut sicher nachgeholfen!" Das war em beliebtes Schlagwort in den Reihen dort oben.
--ie Herren wurden viel nachsichtiger behandelt, nur, wer durch irgend ein unten tanzendes weibliches Familien- alied Interesse daran hatte, klagte über die stetig zuneh>- mende Tanzfaulheit und Blasiertheit der jugendlichen Männerwelt oder verfolgte mit atemloser Spannung die Cvlirmacherei der Herren gegenüber den verheirateten Damen. Die waren in L. entschieden un Vorteil, seit die Klatschbasen sich ein paarmal gar zu angelegentlimst bemüht hatten, Verlobungen zu stiften, bei welchen der männliche Teil noch gar keine Lust gehabt hatte, ferne schone Freiheit den Fesseln der Ehe zu opfem. Man war jetzt sehr zurückhaltend gegen die „kleinen Madcpen laut still- schweigeiider Uebereinkimft, dafür um so ungenierter Mit bC,t esT”) schöne Frauen in L. unb Umgebung. Besonders die zahlreichen Landgüter des Kreises besaßen junge, sehr hübsche und sehr flotte Hausfrauen, die zum Deil tn großer ^oiletteneleganz erschienen waren und sich bereits mit den Herren zu kleinen Gruppen vereint hatten, m denen es recht lebhaft zuging, während die jungen Mädchen scheu und verlegen in den Ecken herumstanden, sich gegenseitig prüfend musterten und halblaute Besprechungen tauschten.
Ter große Saal des Hotels zur „Goldenen Krone", in dem die Äessoureegescllschaft ihre Feste zu feiern pflegte, strahlte im kalten weißen Glanz seiner zahlreichen weißen Gasglühlichtflaminen. Er war vielleicht ein wenig besser ausgestattet,' als sonst die Tanzsäle einer Keinen Stadt, die allen möglichen Zwecken dienen müssen, und hatte heute noch diirch geschmackvoll gestellte Pflanzeugruppen ein besonders festliches und anheimelndes Gepräge erhalten.
Eine Helle Eichentäfelnng bekleidete die Wände ut beträchtlicher Höhe; die Malerei darüber war, wenn auch Nicht mehr frisch, doch geschmackvoll sowohl in der Zeichn nung als auch in den Farben. Olivgrüne Sammetvorhange fielen an den drei riesigen rundbogigen Fenstern an der einen Breitseite des Saales nieder und umrahmten zu gleicher Zeit die hohen schmalen Pfeilerspiegel, die ans drei Teilen zusammengesetzt waren, sodaß die Bilder,^ore fie Wiedergaben, sich an zwe


