Ausgabe 
23.11.1906
 
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1906 Yr, 173

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Im Banne des Geheimnisses.

Roman von H. v. Raesfeld.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Das sollte ich ebenfalls meinen. 916er andererseits Sie wissen, Durchlaucht, Lady Wayne ist wirklich schwierig zu verstehen ich konnte nie so recht mit ihr auskommen."

Ich weiß nicht, warum ich das Gefühl habe," fuhr Ihre Durchlaucht fort,aber ich habe so eine Ahnung, Mrs. Wayne, das; wir hierüber noch mehr hören werden. Sie werden mich doch wissen lassen, wenn etwas vorfällt?"

Ich werde nicht verfehlen," erwiderte Isabel, und die beiden trennten sich mit dem unausgesprochenen Wunsche, daß die Ahnung in Erfüllung gehen möge.

Die Herzogin von Chisledon hatte ihrer schönen Neben­buhlerin es nie vergeben, daß sie sie vom Throne gestoßen; sie hatte alle diese Jahre her mit ruhiger Bosheit barauf gewartet, daß sieh etwas ereignen solle, um sie zu rächen, und dies schien ihr nun endlich von ferne heraufzudämmern.

Inzwischen hatte Lord Wayne mit der umsichtigen, an alles denkenden Güte, die ihn auszeichnete, nach Doivnham hinübergcschickt, Lord Romsey in aller Kürze den Vorfall mit« geteilt und ihn gebeten, die Kunde Werner fo schonend wie möglich beizubringen.

Das Beste wäre," schrieb er,ihn gleich mit hierher zu bringen, da er vielleicht etwas Licht in diese Geschichte bringen kann, die mit die geheimnisvollste zu sein scheint, die mir je vorgekommen."

Lord Romsey folgte dem Rate seines Freundes; er er­zählte zunächst seiner.Gemahlin, daß das Fest auf Kcuninghall infolge eines im Parke vorgekommenen Unglücksfalles ver­schoben worden sei. Als sie eifrig fragte, was cs wäre, er­zählte er ihr zögernd die Geschichte, und Lady Romsey war tief bekümmert.

Nicht so sehr um den unglücklichen jungen Mann selbst," sagte sie,denn offen gestanden, er war mir die unangenehmste Persönlichkeit, die mir je vargekommen; aber für den armen Werner tut es mit sehr leid, ungemein leid."

Auch Balduin erfuhr die Sache; sein erster Gedanke galt selbstverständlich Elfte; wie fürchterlich unangenehm und welche Enttäuschung es für sie sein müsse; sein zweiter galt Werner, den er wie seinen eigenen Bruder liebte.

Ich wollte, es könnt' einet für ihn tragen, oder es ihm ersparen", sagte er bekümmert zu seinem Vater, als sie zu- saininen zur Bibliothek schritten, wo Werner mit einer Zu­sammenstellung beschäftigt war.

Er saß emsig schreibend am Tische und sah lächelnd auf, als er die beiden Eintretenden gewahrte«.

Ich fürchte, ich verspäte mich mit dieser Arbeit", sagte er;hätte sie doch gestern Abend schon fertig sein sollen. Lord Romsey, Sie werden denken, ich sündige auf Ihre Güte los."

Es wird mit nie einfallen, auch nur eine halb so schlechte Meinung vvn Ihnen zu haben", erwiderte der Earl, und als er in das offene Gesicht da vor sich blickte, verwünschte er die Aufgabe, die ihm Lord Wayne zugeschoben.

Der Earl schritt scheinbar gleichgültig zum Tische, nahm die bereits fertigen Bogen und schien sich mit großem In­teresse darin zu vertiefen. Dann, als ob ihm plötzlich etivas eingefallen, fragte et Werner, der bereits wieder weiter schrieb:

Haben Sie lange nichts nicht von zu Hause gehört, Werner?"

Vor einigen Tagen habe ich noch einen Brief von meiner Mutter bekommen", erwiderte Werner.

Und Ihr Bruder, schreibt der nicht?"

Nicht oft das Briefschreiben ist nicht gerade seine starke Seite. Ich glaube sogar, er verabscheut Federn, Tinte und Papier so aufrichtig ivie möglich."

Es würde Sie also wohl überraschen, ivcnn Sie hörten, daß man ihn auf Kenninghall gesehen?

Werner lachte.

Ich glaube nicht, daß ich einer solchen Mitteilung Glauben schenken würde", erwiderte er;ich dächte, es wäre ein Fall von Düppelgängerei."

Ich hoffe aufrichtig, daß es so sein möge", sagte Lord Rornscy ernst.Die Sache ist also die, Werner, ich habe soeben eine eilige Mitteilung von Lord Wayne erhalten, des Inhalts, daß Ihr Bruder gestern Abend auf Kenninghall gewesen, und daß ihm dort cm Unglück zugestoßen ein Unglück, so ernstlich, daß man sich veranlaßt gesehen hat, das Fest, das heule dort statlfindeii sollte, zu verschieben."

Werner war in äußerster Ueberrnschnng von seinem Sitze aufgesprungen.

Mein Bruder Jack auf Kenninghall!" rief er.Das muß ein Irrtum sein, Lord Romsey es ist nicht möglich l"

Ist Ihnen vielleicht irgend etwas bekannt, was ihn möglicherweise dorthin geführt haben könnte hatte er viel­leicht Freunde oder Bekannte auf Kenninghall, oder in der Nähe?"

, Nein. Lord und Lady Wayne waren beide sehr freund­lich gegen ihn, als er seiner Zeit in London war; aber cs wäre ihm nie in den Sinn gekommen, sie vielleicht zu be­suchen, ohne mir vorher Mitteilung davon zu machen. Wenn er wirklich da ist, so ist er hingegangen, um mich zu suchen."

Gut, aber was brachte ihn denn an's Tütchen int Parke? Er muß doch in irgend einer Absicht dorthin ge­gangen sein, sonst"