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Redakiion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'kAm Universitäts-Buch. und Steindruckerei. R. Lange, ®i
Kunst.
— Der Kun st wart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste. Herausgeber Ferdinmid Avenarms, Verlag von Georg D. W. Callwey in München. (V^telrahrüch 3 50 Mk, Preis! des Rembrandtheftes 1 Mk.) Inhalt des Rembrandt-Heftes: Rembrandt. Vom Herausgeber. — »Borgeschlagen zum Nobelpreis". Vom Herausgeber. —. Stimmen der Völker in Liedern. Von Richard Batka. — Die Dresdnern Kunstgewerbeausstellung. Von Fritz Schumacher — Lose Blatter: Ms Frederik van Eedens „Kleinem Johannes . — Rundschau, u. a.: „Statuen deutscher Kultur". Neue Erzahllmgen Neu- Dramen. Ibsen-Nachrufe. Deutsch! Münchner Theater. Von der Tonkünstlerversammlung in Essen L Zur oflentlichen Musik- pflege. Dorfmusik. Vom „-stilvollen, bei Schulfchen. Denk malet. Die deutsche Kiinstausstellung m London. Die si><M^ Kunstausstellung. Neue Kunstwart-Unternehmungen nach Rembrandt. Neue Bilder unb Bucher zum Nembrandtfest Ander, neue Kunstwart-UnternelMungen. ^Dürerbund und G°och-bund — Bilderbeilagen: Rembrandt, Selbstbildnis, Grelsenkopf, Di- Tuchmacherzunft, Lesender Bürgermeister. — Not-nbeilagen. Vier niederländische Volkslieder.
Reisen. n k t
SVüt Sommerfrischler geeigneter Land aufent- halt Es sei hierdurch auf zwei Nachschlagebücher aufnlerksam gemacht, die ausführliche Angaben über geeignete (d. h. preiswerte) und empfehlenswerte Unterkunftsstellen enthalten. In diesen Sckwistchen haben eine größere Anzahl von Pentlonen un Oden tvald, Pfälzerwald, Vogesen, Schwarzwald, SchwM, Thüringer- tvald, Tirol, Seebäder u. a. Aufnahme sesunden. Beide, Bncblein sind (bei Frankoeinsendung von 45 Pf.) durch die Auskun für Landaiifeiithalt Mannheim (B 6. 4) zu beziehen.
gesellige Zwecke ob seiner größeren Ränmlichkelt bevorzugten Palais Royal auf dem Rittersaal stehen. Die Exklusivität der verschiedenen Verbindungsgattungen, Korps und Burschenschaften, gilt auf dem Kacher nicht, es herrscht Burgfriede und „Comment suspendu". «# L „
Die Einrichtung der bereits mit Namen genannten Eremitagen ist erheblich einfach. Ein eiserner Ofen älteren Heidelberger Stils, von Unvorsichtigen leicht umzustoßen, em Holztisch, den man vor eingeschnittenen Namen und Beteuerungen kaum er- kennen kann, ein dito Stuhl, eine Bettstelle mit Strohsack, und das schon erwähnte Talglicht als „bougre" berechnet. Vollä tout. Sogar die Sträflingsketten am Bett hat erst em früher Bewohner hinzumalen müssen. Das übrige,, mit Einschluß der zartesten in Herbergen üblichen Gegenstände, wie z. B. den Stiefelknecht, bringt man sich aus seiner normalen Studentenwohnung per Dienstmann mit. Auf Kontrebande untersucht werden die Gegenstände nicht. Uebrigens ein vorhandenes Zubehör der Ausstattung habe ich doch noch nachzuholen, das sind die Drahtgitter draußen vor den. Fenstern, die offenbar dazu dienen, daß man mitgebrachte Gänsebrüste, Würste und ähnliche Erfrischungen ohne Sorge vor Katern (auswärtigen Katern) und derlei Liebhabern an die frische Lust hängen kann. Zum Durchbrennen werden die Fenster nicht benutzt, da man statt dessen „zum Zweck des Vorlesungsbesuchs" oder mit gesundheitlichen Gründen die Erlaubnis zum Ausgehen erbittet. Dagegen bienen, jene Kerkerfenster dazu, daß man sich hinter ihren „erschröcklichen" Gittern von einem Photographen aus der gegeilüberliegenden Mansarde zur fteundlichen Erinnerung photographiern läßt. Einzelne Vorlesungen kann man übrigens auch vom Karzer aus mit anhören; besonders ein verstorbener, überans stimmkräftiger Zivilrechtler war dafür berühmt, daß man seinen Vortrag drüben im Garten der Wirtschaft znm Deutschen Hause besser als innerhalb der hallenden Wände des Auditoriums verstand.
Jii den zwanziger, dreißiger Jahren gab eS int Karzer wohl- eingebundene Fremdenbücher, wie an sonstigen- Ausflugs- und Vergnügungsorten auch, und ganz ebenso wiirde in chnen eifrig gedichtet. Heute findet man ihre Spur nicht mehr, statt dessen liest man, womit man schon morgens vom Bett aus beginnen kann, die lapidaren Mitteilungen, welche unmittelbar von den Wänden und der Decke herabschreien. Sie eiithalten eine erschreckende Chronik akademischer Justizmorde. Der eine wurde „wegen Kopfschüttelns" eingefrerrt; daß es nicht der eigene Kopf war, braucht ja auch nicht gleich jeder zu wissen. Drei andere wurden beigesteckt, weil sie auf der Hauptstraße „ein Stück Holz bei sich hatten". Dem zngehörigeit Bilde entnimmt man, daß dies Stück Holz ein recht ansehnlicher Ballen vom Zimmerplatz war; natürlich sah diesen-Balken sofort die Polizei, die des Splitters im eigenen Aüge oft so wenig acht hat. Ueber- hanpt könnten „schneidige" Anwälte hier noch von den Studenten manches lernen. Wieder andere nahmen sich eines berlafrenenl Milchwagens an und zogen ihn auf ihre Kneipe in stille Sicherheit, wo seinem Inhalt ganz gewiß nichts zu leide getan, worden ist. Wenige geben zu, mit einigem Recht zu „sitzen , tote jener, der den frobbetoegt nach Hause wandelnden Vorsitzenden des Tierschutzvereinsfr am hellen Tage ankontrahierte Auch durch die imablässige Berulkung der Polizei, sttidentisch „Polypei , und die beti-bte Darstellung, wie die Polypen greulich sich umschlingelnw e, saugbenapften Fangarme nach den bunten Mützen strecken klingt doch nur ein harmlo,er Humor. Man kehrt auch, wo man fröhlich- geweilt hat, gern etn zweites Mal wieder ein, selbst wenn lycin zu melden hat:
„Znm Tinglingling, schon wieder, Sechs Tage sind ganz bieder!" Nur, wer unschlau die Ferien wählt oder noch als altbemoostes Haupt, um das die gleichaltrigen Semester längst abgeblüht sind, einsam auf. dem Strohsack von Sanssouci die Tage.verhackt, ferner Freunde ' gedenkend und der Jugendzeit, und tn befielt hemdärmelige Muße keine Abwechslung aus ber lebenben Mitwelt fällt, als ber mäßig erfreuenbe Besuch ber jn alM und jegliches mit ihren Kodaks cinbringenben sommersprossigen Tochter Albions, — ber mag bann wohl mit bem züngelnden -palglicht einen müde entlehnten Seufzer des UeberbruffeS an die Decke hauchen: „Weh, steck' ich in bem Kerker noch, verfluchtes bumpf.es Manerloch!" Ober etwas weniger faustisch: „Bringt mir Nie- manb Bier?" Bis auch ihm bie Stunbe der Erlösung schlagt, die Pebellensrau bie Rechnung vorlegt und der Bereite die Treppe wieder Hinabwanbelt. Noch einen zurückgewanbten Blick heftet er auf bie Tür, unb „Vivat segnens!" ruft ber alte Karzer mit großen Buchstaben dem Entlassenen frohgemut nach.
Ich habe ein wenig von dem erzählt, wie es auf dem Heidelberger Karzer vor etwa einem Menschenalter zuging. Dem Vernehmen nach ist im großen und ganzen noch alles ebenso: die Karzerkomilate, b. h. bie feierliche Freundesbegleitung des Sträflings durch die Straßen der Musenstadt zum. Karzerlokal, sind sogar eine ftänbige. Einrichtung geworben. Früher überwog auch in derlei der Gelegenheitseinfall, und nicht geringes Vergnügen bereitete es den für jeden Ulk wohldisponierten Bürgern, als sich ein Opfer ber akademischen Gerechtigkeit auf einer Kuhhaut durch bie Straßen schleifen ließ: ben getreuen Deckelschoppen
Verschämte Armut.
Von Therese K ö st l i n.
Schlicht unb doch so fein gekleidet, Wie ein KönigSkind in Trailer, Geht ein schlankes blasses Mädchen Leichten Schrittes an der Mauer.
Stolz unb scheu, gesenkten Blickes, Trägt sie unterm Ann verborgen, Was bie flinken Hände schufen Spät am Abend, früh am Morgen.
Niemand grüßt sie, niemand sieht eS, Wie sich ihre Augen feuchten.
lieber ihrem blonden Scheitel Seh ich eine Krone leuchten.
Magisches Zahleuquadrat.
Nachdruck verboten., —-------- In die Felder nebenstehenden Quadrat!
die Ziffern
---- 11 840 437 534
____viermal derart eingetragen werden, bi Summe ber Zahlen in jeher der Jenn ----wagerechten und Diagonalreihen stets io __ trägt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: Fliege — Rabelais — Ohrenmaki — Helene — Eini Frohe Reise!
in der Hand, unb auf dem ungesattelten Klepper reitend bei verlleidete Henker. Wenn Einzelheiten des Obigen nicht meh> stimmen, so brauchen sie auch ihr Damals heute nicht mehr voi humorloser Philisterkritik zu verantworten; die Pedelle von damals deckt der grüne Rasen, und die jovialen „Bierrichter" Sld Exzellenzen und Oberbürgermeister geworden. Aüch die ände schauen zum Teil anders aus; denn der Platz ist schmal, ber Bewohner sinb viele; mancher, um selber zu Wort zu kommen, zerstört bas, was ber Bormann hübsch gemalt ober gedichtet hat. Denn leiber ist hier nicht bas Bessere, sondern oft nur die rücksichtslose UeberHebung des Guten und Wien Feind. Außerdem sendet der ordnungsliebende akademische Senat von Zeit zu Zeit einen prosaischen Tüncher, der den Rittersaal und die umliegenden Eremitagen nach seinem Gutbefinden in stand setzen soll. Und dagegen Hilst kein noch so grimmiges Protestieren, dem in einer älteren Inschrift die Wort geliehen
„Den Schmierfink, ber wohl alle Jahr Es wagt, bie Wanb zu tünchen, Den sollte man mit Haut unb Haar Ganz unnatürlich lynchen!"


