Ausgabe 
23.7.1906
 
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ftnben? Freilich, ihre Briefe waren lieb und gut n,tn der Zeit! Sie waren wohl aufbewahrt mit -rsten, den sie damals schrieb, als sie das Eltern - ^und^Zweifel' ü^eI,e§ if)n plötzlich wie « to &&?tE MSjSr c stand vor chr, er fühlte sich von ihren Armen« M. ^n alter Kindeszärtlichkeit schmiegte sie sich an ± T wußte er, daß all dieser äustere'Glanz sw °!WAm wsrerßen könne, von ihm und der Mutter » mi> ®IüBc8 ä'OTta-

l-i- Mxttchm? M- Heine

® e Schleie ihre tn aller Anmut stolze

n Wink bedeutete dein Kellner, daß er entlassen sei: Tn«^s,<E>uaud zu sprechen heute vormittag." u Befehl, gnädigstes Fraulein." J

untt schloß er die Tür geräuschlos hiiiter sich zu imd zu ernem Hinaufsturmenden, ihm begegnenden

Iden, wahrend er die Treppe hinabeilte:Merk- altmodische Leute! Der alte Herr und die be- Sangerm ... die haben noch Jefühle! Janz un-- U^Provinziell!" Das war der höchste Ausdruck seiner

(Fortsetzung folgt.) .

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tjwrben und werde eines schönen Tages mit jener ~ " ", die wir unseren Festen geben, aufs neue

sterium von Karlsruhe hat einen Vertreter e entsandt, der Stadtkommandant ist in

rm erschienen, Regierungsräte und Banräte starrm die Bürgerkorona harrt in Schweigen und Durst (aber h Brunnenwasser), der Bürgermeister spricht so schön wzen gehen>, wie je und endet mit vor Rührung bebender Und um,, Wasser, fließe!" Aber das Wasser fließt in Studenten haben die Röhren tief drinnen mit Kitt

s derDtsckm. Wochenzeitung für die Niederlande und

Wom Kridelörrger Karzer.*) Bon Professor Dr. Ed. Heyck.

ehrter Leser! Lasciati, wie Dantes ewigeComedia" etreten der schreckensvollen Hölle sagt, laß alle deine StaatSburgKlichkeit oder auch dein holdes weibliches zu Hause, ich führe dich an einen Ort, der merkwürdiger resFnferny ist, denn manbrummt" dort, ohne zu und drangt sich freiwillig zu dieses Kerkers Geheim- Und in eine Idylle geleite ich dich, die als seltene übrig geblieben ist aus der guten alten Zeit. Wäh- d-n meisten Universitätsstädten die abgebrochenen Karzer- durch Warenhäuser, Restaurants oder sonstige Errunaen- erner sortgeichrittenen Neuzeit ersetzt worden sind, schmiegt ) immer unter den rückwärtigen Flügel des mächtigen ^^-.??5°^bngebäudes em Häuschen, das Manchem reich- stichhaltige Erinnerungen als das ganze Kollegicnhaus semen Hörsälen erweckt. Drin residieren im Erdgeschoß, folgend und ablösend, wie die Dynastien der großen > die Heidelberger Oberpedelle nebst Familie; der Ober- r XL l}£teir bcn milden Auspizien der hohen akademischen i seit Menschengedenken der studentischen Einsiedelei und, zlerch zu sagen, einer höchst spezifischen Abart der Heidel- »tudentenfröhlichkeit gewidinet.

und warum kommt der Student in den Karzer? Ja, erm, wie man's anfängt, in den Karzer zu kommen, , zerbricht sich mancher Heidelberger Musensohn mehr s, als über die sublimsten Fragen der Philosophie oder kgen Jurisprudentia. Viele probieren's, aber wenigen s. Den meisten bringt statt des ersehnten Karzermandats : der Gerechtigkeit . einen prosaischen Strafbefehl über er 12 Mark auf die Bude und verwundet damit den >n an seiner empfindlichsten Stelle. Solches ist aber ise von dem hochpreislichenBiergericht", wie der ©tu» >herzig seine Disziplinarbehörde nennt, ausgedacht, denn m gedes törichte Randalieren oder geistlose Lateruen- i sogleich durch ein paar lustige Karzertage belohnen rüßte das altehrwürdige Gefängnis ausgebant und durch arackenlager vermehrt werden, und damit iväre seine ! dahin. Es wird mit Recht verlangt, daß der Karzer- feinen Witz ein wenig anstrengt. Wentt er mit einem on Originalität diesen oder jenen Punkt des allgemeinen ens zu treffen versteht, der im vielverzweigten Preis- der Polizei nicht ohne weiteres seine feste Taxe hat, er schon eher Aussicht. Zum Beispiel: es sei einer Aschen Röhrenbrunnen, die in der alten Kurpfälzerstadt lungener Zeiten Geschmack und fürstlicher Herrlichkeit

plätschern, durch die ausgezeichnete Neuzeit stilvoll

verstopft, unter dem schützenden Mantel der DenkinalSlmlle »»h bet wundervollen Heidelberger Sommernacht Derlei »i«, liches, wird durch Karzer gebüßt. "yerlet unb *

Er prunkt nicht mit Nsentüren und Kunstschlöfsern mit blanke» Korridoren, darinnen die Schritte hallen, mit keinem Gefängnis

««f«« humanitären Zeit. Es fehlt X äiwXS Sf U^bmentsmäßige des neueren Ordnungsstaats. S em» mal Zellennnmmern hat er, die Gemäcker beiben a

Sanssouci",Solitude" undPalaisRhyal'?& ^a6esb^rreme LZ oBellevue", weil dort ein DÜchbUck 2 das Seidelberger schloß genossen wurde. Aber man baut seitdem

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lrt Holzwurm als Vorbild gelehrter

hie erv'JirieS $3e^n.X?l6t' bringen anregende Äbwechs- M XXlr, /nb. kalkgetünchten Wände. Eine gemüt­liche Bodentreppe fuhrt mit kurzem Bogenschwung ( Kav der ^5^N"""9X,bmauf.Salve!" steht in ihrer Tür und^ i'n^ ICF Ö£r ^fber". An den Treppenwänden liest der Muscn- ahnungsvoll hlnanklimmt, die Zusicherung: , Bäder @na«fhefhnfrn" s? -^bidelberg besonders beruhigend'wirkt: SCT^X<1 ftwfen . Ums Kap der guten Hoffnung beschreitet er raum m.w b^?°Xerzimmer harmonisch verbindenden' Boden-

' ifc,1® e ist er angelangt. Und alsbald

yebt ihm eine allen Studenten teure Gestalt, Vortrefftick in §?ben gemalt, den hoffnungsgrünen Pokal entgegen, Pe keo der Zwerg vom großen Heidelberger Fasse: '

wieher, schwankende Gestalten, bekümmert zu mir aufwärts schleicht!

««$ schwer, den Kopf hier auftecht halten:

Auch hujus loci Genius ist feucht!"

Wiese und unzählige andere Inschriften, Verse und Bildei

Eigens nicht der sonst so gütigen Behörde verdankt, sondern sie sind eine freiwillige Erinnerungsgabe der Studenten­generationen die seit Menschengedenken die fteundlichen Räume bewohnt haben. Kem Fleckchen, kein Quadratzoll an Wand Asbalk oder Decke, wo nicht Namen, Verbindungszeichen und Zirkel, bemutzte Wpfe, bunte Wappen oder geheimnisvolle Sym­bole prangen, unter denen namentlich das in allen Geinütslagen vertretene stilisierteBierhuhn" bemerkenswert ist. Die Technft

XXot"08 o/odemicae welche der philologischen Akribie noch harren, beruht im Ganzen mehr K : t&tyniäe dein Heim"!, als auf berufener

Eipr fhpÄ^ m 'wmer im Universitätswesen gilt auch hier der ^>ater Brauch- vor launenhafter Modernität Ten Er- rungenschafien des Pleinair ist ohnedies die Oertlichkeit nicht h?ld. An Abwechslung fehlt es sonst dieser Technik nicht. In Xefi WTa®? gräbt der Inhaber, vorausgesetzt,

Matz findet, em rechteckiges Loch, tut fein wohl- 9 ?lchtbildnis hinein, die eigens zu diesem Zweck mit»

^VZ L^^latte darüber und fügt sie mit dem so vielseitigen Glaserkckt ein. Den Namen und ähnliche Runen ritzt man mit dem Messer m Balken, Tut, Fensterrahmen, Tisch, B.-ttgestell und Holzstuhl. ^ch erinnere mich, inSolitude" auf der Sitz- ?latte des hurtigen Stuhles des einzigen natürlich einen kräftig eingetieften großen Zirkel angetroffen zu haben, daß icy, cs war im dünnbeschwingten Sommer, nur noch tagelang uackher ich will lieber nicht sagen hinterher als das'wobl- gelungene Positivrelief zu diesem anspruchsvollen Verbindungs- emblein vorgekommen bin. Die Bilder und Wappen der Wand verfertigt inan mit der zu Studienzwecken bewilligten Tinte und anderweitig mitgebrachten Farbe, letztere, je nachdem man me&r ßchs Aquarell ober für die ältere Freskentechnik gestimmt ist. Die Portratkopse dagegen entstehen in der Stille des vielvev- längerten Abends; und sie kann man auch nicht allein entwerf-n es müssen immer Zweie sein. Außerdem ist dazu notwendig: erstens, eine Kerze, die auf den Tisch gestellt wird elektrisches Licht ist glücklicherweise meines Wissens auch jetzt noch nicht cmgefuhrt, und zweitens, daß der Delinquent still hält, wahrend der hckfteiche Genosse das Schattenbild auf der aus- gewählten Wandstelle sorgfältig umzieht. Dann wird am andern Morgen das Porträt mit Tinte oder besser mit chinesischer Tusche ausgeführt und an Mütze und Band die ganze stilgerechte Pracht der Farben und Goldtinkturen entfaltet. Die Inschriften an der Decke wiederum werden auf die Weise hervorgebracht, daß man auf den Tisch steigt und das brennende, rußig schwelende Talglicht als schwarze Schristfackel benutzt.

Natürlich hat die tarifmäßige Versorgung auf dem Karzer mit Wein, Bier und magenstärkenden Bittern ihre Grenzen, denn auch die wohlmeinendste Pedellenftan kann nicht immer so viel leisten, wie die Bevölkerung dort oben verlangt. Das übrige müssen schon die Freunde, die zu Besuch kommen, und die Speise­wirte ,bie das Essen schicken, dazu schaffen. Bedenkt man, daß der Karzer noch ein Hort der sonst von nivellierender Skat­bildung mehr und mehr verscheuchten Quodlibet, Cerevis und andere altakademischer sogenannter Bierspicle ist, die sich nicht nach der Polizeistunde richten, so versteht man auch, daß man des Morgens durch die Zahl der leeren Flaschen überrascht wirb, die anstatt der hier entbehrlichen Stiesel vor der Tür dess für