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oder teifiwife ans schweizerischen Wasserkräften stammt, nach dem Auslande nur mit besonderer Genehmigung der Regierung abgeleitet werden darf, welche letztere aber nur widerruflich und Nur dann erteilt wird, wenn für die Verwertung der betreffenden Wasserkraft im Inland« kein Bedarf vorliegt und durch die Verwertung im Auslande die schweizerische Industrie nicht geschädigt wird.
* lleber Manuskripte. Der Schrecken der Setzer waren einst Balzacs Manuskripte. Der berühmte Romandichter hatte nämlich^, die Gewohnheit, so umfangreiche Korrekturen vorzu- nehmen, daß seine Korrekturbogen, sowohl die geschriebenen wie die gedruckten, lute vollständige Umarbeitungen ausfahen. Der ursprüngliche Text war manchmal in den kunterbunt darnnter- und darübergeschriebenen Zeilen vom ersten bis zum letzten Buchstaben geändert, so daß die Arbeiter in den Druckereien oft voll Entsetzen ausriefen: „Diese Korrekturen machen? Da setzen wir lieber das Ganze noch einmal, das geht schneller!" Eine wahre Erholung nach einer aufreibenden Arbeit dieser Art war für die Setzer das Setzen der Manuskripte des älteren Dumas und des Historikers Louis Blanc. ES war ein wahres Fest in den Arbeilsräumen, wenn ein Manuskript eines der beiden gebracht wurde. Dumas' Schrift war groß und lute gestochen; sie hätte von Kalligraphen mit Erfolg als Reklame zur Anlockung neuer Schüler benutzt werden können. Louis Blaues Schrift war von einer geradezu blendenden Klarheit nud Sauberkeit. Wenn man ihm aber wegen seiner wunderbaren Handschrift Kom- plimente machte, gestand Väterchen Blanc mit seiner perlenklaren Stimme — er sprach die Worte nämlich ebenso deutlich aus, wie er sie schrieb — seinen geheimen Kummer mit folgenden Worten: „Sie glauben, liebes Kind (er nannte alle ,liebes Kind', deshalb nannten ■ sie ihn alle ,Väterchen'), das; der Setzer mit meinem Manuskript weniger Mühe hat als mit Balzacs Handschrift? Nun, Sic täuschen sich, täuschen sich sehr. Die Arbeiter selbst haben mir den Schlüssel dieses Geheimnisses gegeben: meine Handschrift ist so klar, so deutlich, das; man sie nur mit einem Auge liest, und daß man Zeit hat, beim Setzen an seine eigenen Angelegenheiten zu denken. Diese Ablenkungen rufen Fehler hervor, liebes Kind, Fehler, sage ich Ihnen! Ach! Was für Fehler!" Sprach's und holte mit wichtiger Miene einen Probeabzug hervor, wo. ein einziges Komma für einen Strichpunkt gesetzt war. „Sehen Sie, solche Fehler!" wiederholte er, noch mehrere Male seufzend, und rief auch beim Abschied dem Besucher den verhängnisvollen Strichpunkt ins Gedächtnis.
* Anzeigen wesen i n Amerika. Welchen Wert der amerikanische Geschäftsmann dem Inserieren beimißt, erhellt aus der Tatsache, daß in Amerika jährlich mehr als eine Milliarde für Anzeigen verausgabt wird. Die geschickt abgefaßte Anzeige ist die Seele des Detailhandels und erweist sich immer als gewinnbringend. Der Erfolg der Anzeigen hat nun dahin geführt, daß sehr viele schwindelhafte Ankündigungen mit unterlaufen. Dieser Uebelstand scheint aber sehr weit um sich gegriffen zu haben, denn die amerikanische Postverwaltung hat beschlossen, eine Zensur aller Zeitungsanzeigen durchzuführen. Sie schreitet rücksichtslos gegen alle schwindelhaften nud unsittlichen Ankündigungen ein und erreicht ihren Zweck durch das allerdings sehr radikale Verfahren, daß sie Zeitungen, die derartige Anzeigen enthalten, einfach von der Beförderung ausschließt. Ein besonders scharfes Augenmerk wird dabei auf Inserate pharmazeutischer Präparate bezw. Heilmittel gerichtet. Diese müssen zuvor durch Zeugnis eines öffentlichen chemischen Laboratoriums Beschaffenheit und Wirkung ihrer Ankündigungen beglaubigen lassen. Daß amerikanische Zeitungen Lottericanzeigen oder solche mit Vorzugsangeboten nicht enthalten dürfen, ist wohl allgemein bekannt, ebenso unterliegen ausländische in Amerika zum Vertrieb kommende Journale diesen Mstinrnrnngen.
* DieKaiserinMaria Theresia gegen die Tier- guälerei. Im Jahre 1750 wurde in Oesterreich ein Kaiserliches Dekret gegeben, das gegen die Reisenden gerichtet ist, die Postknechte und Pferde mit der Peitsche traktieren. Der Wortlaut dieses kulturgeschichtlich bemerkenswerten Erlasses ist folgender:
„Wir Maria Theresia von Gottes Gnaden Römische Kaiserin usw. Entbieten allen und jeden Unseren treu gehorsamsten Ständen, Jnnwohnern, und Unterthanen, was Würde, Standes, Amts oder Weesens die in Unseren gejammten Teuischen Erblanden seynd, Unsere Kayserl. Königl. Gnade, und alles Gutes, und geben Münniglich hiermit gnädigst zu vernehmen, welchergestalten Uns zu Unserem größten Mißfallen abermalcn die bcschwärsame Anzeige beschehen, daß ohngehindert in der den 1.4. Decembris des abgewichenen 1748 sten Jahres pnblicirten Post-Ordnnng § 10. die Führung deren Peitschen auf denen Post-Reisen gäntzlich vcr- botten worden, dannach dieselbe, zuwider Unseres ausdrücklichen Berbotts wiederumcn gantz ohnegcschenet gebrauchet, und mit diesen, von denen auf dem Gutscher-Sitz sitzenden Bedienten, auf die Pferdt, und den Knecht also scharff, und ohne Unterlaß zugehauen, daß. hierdurch, sonderlich bei großer Hitz, und auf Bergig- oder Steinigen Meegen, oder wann die Wägen schwär, auch mit Bagage, und aufsitzenden Versöhnen allzusehr überladen seynd, dieselbe aus dein Athent gejaget, und dergestalten zu Schanden geritten werden, daß, solche entweder gleich, oder in wenig Stunden
darnach, ait, der Stelle bleiben, oder völlig stropirt nach Haust kommen, also, daß män sie entweder gar nicht mehr, oder erst nach langer Zeit zu einem Post-Ritt gebrauchen könne.
Gleichwie Wir nun dieses übermäßige Fahren, und Ueber- treibung deren Post-Pferden, weitershin zu gestatten, Allergnädigst nicht gemehnet sehnd:
Als wird allen und jeden Post-Reisenden, wer die auch seynd, hiermit ernstlich, und bei Unserer Ungnad anbesohlen, daß sie die Post-Pferd über die Kräfsten, und Billigkeit nicht übertreiben, sich auch der Führung deren Peitschen alsogewiß enthalten, wie im widrigen einem solchen weder auf der ersten Station, wo er aufsitzen will, weder von denen unterweegs Postmeistern, wenn man auf der Poststation die Peitschen verbergen, und sich dercnselben auf dem Weeg erst gebrauchen wolte, einige Post-Pferd, so lang sie nicht die Peitschen zuruck lassen, ge- geebn, auch denen Post-Knechten, wann man auf der Straße aus sie und die Pferd zupeitschen wurde, mitten auf dem Weeg die Pferd auszuspannen, und nach Haus; zu rcutten erlaubet, wesseut- wegen auch jedes Orths Obrigkeit, bey ansonst auf sich ladender schwüren Verantwortung, hinlängliche Ässistence zu leisten schuldig und verbunden sehn solle.
„Wornach sich jederman zu richten, und für Schaden zn hüten wissen wird. Geben in Unserer Kayserl. Königl. Hanpt- und Residentz Stadt Jnsbrugg, den 25. Monats-Tag Septembris im Siebenzehen hnndert funfftzigsten, Unserer Reiche im Zehenden Jahr."
* Die Kraft e i ne s C h a m pi g n o n. Ein wahrer Athlet muß der Champignon (gemeint ist der Pilz Psallioia campestris) sein, von dem das Bulletin de la Socisto mycologigue berichtet, daß er, unter einem seit Jahresfrist liegenden Asphalt-Trottoir wachsend, den Asphalt gehoben und schließlich gesprengt habe, um sich seinen Platz an der Sonne zu sichern. Möglich, daß die bei der Entwicklung des Champignon austretende Wärme den Asphalt schon stark erweicht hat: immerhin glaubt Professor Vuilleniin, Nancy, daß der von dem Champignon ansgeübte Druck gegen den Asphalt einige Dutzend von Kilogramm betragen habe.
Eine gebildete Köchin. Dame: „Ich würde Sie ganz gern engagieren, wenn ich wüßte, daß Sie auch kochen können." — Mädchen: „Aber Madainecken, wovor halten Sie mir denn? Ick bin een jebildetet Mädchen, ick werde doch Koch'n kennen, der die Backzillen erfunden Hai!"
Bekanntmachung: „Derjenige, der den Täter, derben Pfahl, der an der Brücke, die an dem Wege, der nach Lindenthal führt, liegt, steht, umgeworfen hat, anzeigt, erhält 10 Mark Belohnung." ____________
Kunst.
— „D i e Kunst" Monatshefte für freie und angewandte Kunst. Juniheft. (München, Brnckmann.) Die ehemaligen und jetzigen Schüler der Münchener „Lehr- und Vcrsnch-Ateliers für angewandte und freie Kunst, Wilhelm von Debschitz" bilden schon heute nach vierjährigem Bestehen der Schule eine vielhnndert- köpfige Künstlergruppe, die es' wagen konnte, auf der Bayerischen Jubiläums-Landesausstellung zu Nürnberg mit einem eigenen Raum und einer besonderen Abteilung in der Friedhofsanlage zu debütieren. Wie vielseitig der Lehrplan ist und zu welcher künstlerischen Reife sich die Mitglieder dieser „Gruppe" entwickelt haben, davon legen die im vorliegenden Hefte veröffentlichten 75 Abbildungen von Ausstellungsarbeiten: Möbel, Lenchtkvrper, Teppiche, Tapeten, Grabkrenze und -steine, Metallarbeiten, Schmucksachen, Gläser, Bucheinbände, Stoffe, Webereien und Stickereien jeder Art ein glänzendes Zeugnis ab. Ans dein übrigen gleich interessanten Inhalt des Heftes wären noch besonders hervorzuheben die prächtig illustrierten Aufsätze über die diesjährigen Ausstellungen der Wiener und Berliner Sezession. Das Heft enthält nicht weniger als 194 Abbildungen und drei Sonderkunstbeilagen und beweist von neuem die unerreichte Reichhaltigkeit der Zeitschrift.
Logogriph.
Nachdruck verboten.
Wird cs besucht mit „B", Sieht man viel Glanz und Putz. Schreibt man statt „B" ein „W", Gewährt es sichern Schutz. m.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer: F A A Feldmaus e 1 s t
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Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scken Universitäts-Buch- und Steindruckeret» R, Lange» Gieße«»


