Samstag den 23. Juili
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1906 — Wr- 91
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Mittellos- Mädchen.
Roman von H. E h r Hard t.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Das laß nur meine Sorge sein, Schatzl So genau weiß ich natürlich noch nicht, wie ich's anstelle, daß muß die Situation ergeben — Du mußt mir nut behilflich sein, daß ich möglichst bald zu Anfang ein paar Minuten mit ihm allein sprechen kann, ohne daß die anderen uns zuhören. Und dann will ich nicht Suse heißen, wenn ich die Sache nicht nach Wunsch deichsele."
„Nun, das bezweifle ich keinen Moment!" lachte Trauten- dorf, „wenn Du erst Deine lleberredungskunst aufwendest, ergibt sich der arme Mann auf Gnade und llngnade!"
„Daß Du mich auch immer ärgern mußt!" schmollte Suse, ihm ihren Arm entziehend, „warte, Du bekommst heut keinen Kuß mehr."
Er zwinkerte spitzbübisch mit den Augen.
„Da mach' ich bei Schulte nicht mit!" trotzte er wie ein ungezogener Junge.
„Denn nicht, ich helfe mir auch allein."
„Ich crlaub's einfach nicht, daß Du Dir das Rendezvous mit dem Maler gibst."
Sie funkelte ihn kampflustig an.
„Oho, Tyrannengelüste! Tas laß Dir nur nicht einfallen."
Sie sah so bildhübsch ans mit ihren geröteten Wangen und den blitzenden Augen, daß der junge Offizier, sich in sie einhängend, leise bettelte:
„Schatz, wieder gut sein — ich will ja alles tun, was Du ivillst und alles lassen, was Tu nicht leiden magst", er seufzte auf, „Du hast mich ja jetzt schon unter dem Pantoffel, Du Süßes."
Ta war Suse so völlig versöhnt, daß sie ihm schon im Flur ihres Hauses, vor dem sie eben angelangt waren, um den Hals fiel und nun ihrerseits demütig versprach:
„Du sollst ja gar kein Pantoffelheld werben, sondern immer der Herr im Hause bleiben, mein Herzensmann. Ich will auch ganz gewiß immer Deine folgsame, kleine Frau sein."
Unb beglückt küßte er die ihm willig gebotenen, rosigen Lippen, von denen die Worte so innig und ernsthaft geflossen.
In der Stunde zwischen drei und vier Uhr pflegte cs in der Gemäldeausstellung bei Schulte nie sehr belebt zu sein, besonders dann nicht, wenn draußen eine warme April
sonne Frühlingsverheißungen vom zartblauen Himmel herab- lächclte.
Willy Hammer war ein wenig erstaunt über die plötzliche Laune seiner beiden Freunde, die ihn nach einem guten Diner durchaus zu Schulte schleppen wollten, weil Günther Bohlen behauptete, sein Freuud Bittner müsse sich notgedrungen ein dort hängendes Bild von ihm ansehen. Früher hätte er wahrscheinlich herrisch erklärt, das sei ihm zu langweilig, ivenn es durchaus sein müßte, sollten sie allein gehen, heut wanderte er, wenn auch widerwillig, mit. Er war sehr viel nachgiebiger geworden, seit sein Wille sich an dem heißesten seiner Lebenswünsche wie an einem steinernen Felsen hatte brechen müssen. Seine Bekannten behaupteten, er sei nicht wieder zu erkennen. Ziemlich teiluahmlos schlenderte er von Bild zu Bild, nur zuweilen ein vernichtendes Urteil fällend. Auch die beiden anderen Herren schienen nicht ganz bei der Sache und erst, als int Nebenzimmer ein Säbel flirrte und eine lachende Mädchenstimme sich in das Rauschen von Frauenkleibern mischte, vertieften sie sich merkwürdig interessiert in ein Landschaftsbild eines Worpsweder Malers.
Willy Hammer jedoch wandte flüchtig den Kopf nach den soeben eintretenden neuen 9(ntöinmlingen und ein kaum merkbares Not huschte über sein Gesicht. Er hatte Sttse Meriedics sofort wieder erkannt.
Sie jedoch erschrak förmlich bei seinem Anblick. Er schien ihr sehr alt geworden, trotzdem die italienische Sonne seine Haut gesund gebräunt hatte. Aber er war mager geworden, die Singen lagen tief mit ernstem Blick, um den Mund sand sich ein bitterer, all machender Zug.
Die geheuchelte Ueberraschung gelang ihr daher besser, als sie kurz vorher in ihrer Erregung geglaubt hatte — sie streckte dem Maler, nachdem sie erst, ais sei sie ihrer Sache nicht ganz sicher, seinen Gruß abgewartet hatte, die Hand entgegen und rief erstaunt:
„Sie wieder im Lande, Herr Hammer? Wir haben uns lange nicht gesehen. Unterdes hab ich mich verlobt — hier, mein Bräutigam, Oberleutnant Trautendorf."
Bei der Nennung dieses Namens hallen auch die beiden anderen ihr Studium unterbrochen und kamen nun näher.
Die Herren beweisen wieder einmal, wie viel schlechter es um ihre Schauspielkunst bestellt war, als um die der Damen.
Günther Bohlen war lange nicht überrascht genug, hierzu fällig einem alten Bekannten gegenüberzustehen und Bittner, der aus seiner früheren Begegnung mit dem Brautpaar unmöglich einen Hehl machen konnte, machte einen sichtlich verlegenen Eindruck,


