Ausgabe 
23.5.1906
 
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(Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt) in ihrem soeben erschienenen 11. Heft veröffentlicht wird. Schon seit Jahren hatten einzelne Forscher darauf hingewiesen, das; die Wasserwohnerel einen ge­wissen sanitären Sinn insofern gehabt haben müsse, als sie dem ganzen Abfall uiid Unrat der Haushalte gleichsam einen unmersort funktionierenden großen Reinigungskanal in dem überall unter den Häusern offenen Seegruude darbot. Diese Anschauung hat in neuester Zeit eine überraschende Bestätigung gefunden, ^.angst war von Weltreisenden berichtet worden, daß in den ^ropen- ländern heute noch bei den verschiedensten Völkern eine aus- gesvrochcne Neigung bestehe, ihre Häuser ganz wie unsere alten Pfahlbauer über dem Wasser zu erbaucii. Ein besonders geeigneter Fleck zum Studium ist da die Insel Celebes. Und hier waren cs die Gebrüder Paul und Fritz Sarasin, die auf ihren denk­würdigen Entdeckerfahrten die Aufmerksamkeit gerade wieder auf jene hygienische Theorie des ganzen Pfahlbauens lenkten, schwei­zer von Geburt, hielten sie sich die alten Pfahlbauerdmge der heimischen Seen stets lebhaft vor Augen, während sie zugleich eine wunderbare Gelegenheit hatten, Niitzen imb Sinn der Pfahl- Hauerei am nochlebenden" Objekt zil ergründen. In ihrem wundervollen Reiscwerk über Celebes schildern sie eingehend eine solche Pfahlanlage' am Matannasee in Südost-Celebes. Ein Dorf vo'.r etwa 'zwanzig Wohnhäusern stand Haus für Haus auf hohen dünnen Stangen, die meisten Häuser direkt im seichten Wasser. Der See war weithin mit Grashalden umsäumt, also der Ur­wald konnte die Leute nicht ins Wasser gedrängt haben. In diesen Halden hatten sie ihre Feldfrüchte und die Verhaue für ihre Büffel. Tiere, die irgendwie bedrohlich werden könnten, besitzt Celebes nicht. Da aber die Erbauer ja diesmal noch lebendig und sprachbereit in ihren Pfahlbauten saßen, so erfolgte die direkte Frage an sie, weshalb sie denn nun eigentlich Pfahlbauten". Die prompte Antwort lautete: des Schmutzes wegen. Der See biene als Abzugsrohr. Alles lasse er ver­schwinden und werde selber doch immer tvieder rein in seiner ewig erneuten Flut. Selbst den Häusern, die nicht direkt im Wasser selbst standen, baggerten die periodischen Hochwasser immer einmal wieder den angesammelten Müll fort. Wie die Reisenden des weiteren feststelltcn, hatte gerade die letztere Bequemlichkeit, die den sanitären Nutzen des Wassers mit wenigstens zeitweisem Trockenwohnen verband, an zahlreichen Stellen der Meeresküste von Celebes zu Pfahlbanerdörfern geführt, die genau innerhalb der Flut- und Ebbezone standen. Zur Zeit der Ebbe standen ihre Pfähle aus dem Trockenen und erlaubten ungehemmtes Aus- und Eingehen der Hausbewohner. Jede Flut aber spülte den ganzen Boden ztvischen den Pfählen wie der beste Kanalisationsi- ftrom wieder rein. Wo das Dorf dagegen dauernd, auf dem Lande stand, da bemerkten die Gebrüder, ivie alles reinweg im Morast unterging, und solche Wohnstätten hatten gelegentlich ganz verlassen werden müssen.

* Schlaflosigkeit. Wachen und Schlafen müssen, wenn der Mensch gesund bleiben soll, zweckmäßig miteinander ab- wcchseln. Wer am Tage seine Arbeit getan hat, der darf An­spruch auf eine genügende Nachtruhe machen. Wie oft, aber hört man über Schlaflosigkeit klagen! Nichts ist langweiliger, als wenn man, im Bette liegend, die Uhr immer wieder schlagen hört, wenn eine Stunde nach der andern bleierne Müdigkeit über uns gießt und der Schlummer sich trotzdem nicht einstellen will. Da koinmeu schwere Gedanken, düstere Erinnerungen, und ge­quält versucht man, mit dem Schließen der Augen auch di^Lider der Seele znzumachen. Umsonst! Woher kommt nun die Schlaf­losigkeit? Gesunde Leute, die ein gleichmäßiges Leben führen, kennen sie kaum, wohl aber jene Menschen, die unregelmäßig zu Bett gehen. Der Körper richtet sich nach Gewohnheiten: wird ihm zugemutet, eines Abends um 11 Uhr, dann erst um 4 Uhr srlih sich nicderlegen zu dürfen, so jfoiumt begreiflicher­weise eine Unordnung in die Einstellung des Schlafes. Auch wer abends viel geistig arbeitet, wird von Morpheus verlassen. . Es tritt dann eine Ueberreizung der Nerven ein, die das Wachbleiben verursacht. Die wissenschaftlichen Fragen beherrschen den Ver­stand gerade während der Nacht doppelt, wo ein leises, ruhiges Hindämmern allein den erquickenden Schlummer herbeiführen kann. Ebenso schädlich ist das starke Essen und Trinken kürz vor dem Zubettgehen, doch auch "ungestillter Hunger wirkt un­günstig, weshalb verständige Menschen kurz, bevor sie sich zur Ruhe begeben, noch etwas Obst genießen. Bei Krankheiten flieht der Schlaf den Menschen, allein in gesunden Tagen kann jeder durch Vermeidung der erwähnten Ursachen auch die Folge, die Schlaflosigkeit verhindern. Viel tut auch die Beschaffenheit des Schlafzimmers. Es soll kiihle, aber nicht kalte Luft haben, vor allem aber ordentlich ventiliert sein, damit keine unreinen Stoffe in die Lunge dringen und so uns belästigen. Schlaf­mittel zu nehmen, ist nur auf ärztlichen Rat erlaubt, doch darf der Laie zu Harmlosen Erregern des Schlummers greifen, wie es z. B. für viele ein Glas Zuckerwasser, für andere wieder starkes Bier oder alter Wein, selbstredend in geringer Menge ge­nossen, sind. Dann hüte man sich vor seelischen Affektionen. Zorn, Aerger oder Schreck verhindern die Nachtruhe. Viele Personen zählen so lange, bis sie einschlafen, oder stellen sich eine Herde Schafe vor, die unaufhaltsam vorüberzieht. Solche

Mittel haben nur den Zweck, durch ihre Monotonie ermüdend zu wirken. Wer nach gesundheitlichen Grundsätzen lebt, der kann aus sie verzichten und bleibt von dem unangenehmsten liebel unseres' nervösen Zeitalters trotzdem frei.

* Allerlei Gedanken über Journalistik, betitelt Dr. Julius Bachem (Köln) eine kleine Sammlung hübscher Apho­rismen über Journalistik. Wir geben hier einige Proben: Wenn du Einfluß ausüben willst, so sajge nicht, daß du es willst: ver­rate es nicht einmal, sondern verbirg es möglichst. Nament­lich die hohe Beamtenschaft und die Parlamentarier vertragen den pluralis majestatis in einer Zeitung nicht. Eine Zeitung ist keine Verherrlichungs-Anstalt. Mancher, der im öffentlichen Leben steht, und noch mehr unbekannte Leute halten sich und ihre Leistungen sür den Mittelpunkt der Zeitgeschichte. Da heißt es, gerecht, aber auch rücksichtslos abwägen. Besucher wäh­rend der Redaktionsstunden sind die Todfeinde jedes Redakteurs. Behandle sie dementsprechend natürlich immer freundlich. Am besten ist es, man verweist sie auf den schriftlichen Weg. Das Inserieren ist löblich und ersprießlich^ Nur soll einer, der neue Matjesheringe anzeigt, deshalb nicht die Haltung der Zeitnng in der Flottenfrage bestimmen wollen. Es gibt auch in Deutschland immer noch Leute welche in jedem Re­dakteur eine verfehlte Existenz sehen. Wenn dir so einer be- gegnet er droht in der Regel mit Kündigung des Abonne­ments so setze dich auf dein höchstes Pferd. Das bist bit dem Stande schuldig.

Letes-'arsschss.

Max Mell Die drei Grazien desTraumesl Fünf Novellen. Im Insel-Verlag Leipzig 1^06. Geh. 1.50 Mk. Mell gehört zu den das meiste versprechenden, jüngeren Wiener Dichtern. Er ist Symbolist und ein Meister auf diesem Gebiete. Freunde dieser literarischen Richtung wird er entzücken, um so mehr, als seine Sprache sich von dem fernhült, was bei seinen Kunstgenossen oft abstößt, von dem unverständlichen, mystischen Stammeln. Sie ist klar und erhebt sich nicht selten zu bewertens-, werter Kraft.

Gesundheitspflege.

Bei Oscar Coblentz in Berlin W. 30 ist eine Broschüre von Prosessor Mayo Robson, einem Londoner Chirurgen, erschienen über das ThemaDer Krebs und seine Behandlung"« (Deutsche Uebersetzung von Dr. O. Rozenraad, Preis 75 Pf.).i In dritter Auflage erschien in demselben Verlag eine Broschüre von Dr. Arthur Kann (Berlin)Der Haarausfall, ,Ur- fache u n d B e h a n d l u n g". (75 Pf.) Bon der Broschüre Für unsere Söhne, wenn sie 18 Jahre alt wer- d e n", in welcher der Pariser Akademiker Prosessor Fournier die jungen Leute auf große Gefahren hinweist, konnte das 4. und 5. Tausend zur Ausgabe gelangen. (50 Pf.)

Für die Fugend.

RubaINan. Erzählung aus der Zeit des Höhlen­menschen und des Höhlenbären. Der Jugend und ihren Freunden gewidmet von Dr. D. F. Weinland. Sechste Auslage. Mit 50 Abbildungen. Elegant gebunden 5.50 Mk. (Verlag von Otto Spamer in Leipzig.) Der Verfasser bietet in diesem Buche eme Erzählung aus unserer Vorzeit. Der Schauplatz ist das Hohlen­gebiet der Schwäbischen Alb, dessen Höhlen zweifellos einstmals Wohnstätten der Ureuropäer waren. Die Darstellung ist lebens­wahr und spannend: dabei atmet das Buch den Hauch des Waldes und der Berge, und es wird gewiß von jedem deutschen Jungen mit Lust gelesen werden. Indessen werden auch Erwachsene die Erzählung mit Genuß lesen und zugleich ihr Wissen bereichern.

Leiterriitsel.

Rachdruck verboten..

Die Buchstaben aaaaaeehiiikl mmnnqrsstn sind in die Felder neben­stehender Leitersigur derart einzutragen, daß die Sprossen derselben, von oben angefangen, Folgendes ergeben:

1. Religiöses Lied.

2. Stadt in Belgien.

3. Lehrt uns, was wir tun sollen.

Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, die Namen zweier Länder ergeben.

Aüflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Homonyms in voriger Nummert Karten.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießer«.

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