Ausgabe 
22.12.1906
 
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,?Hfo es bleibt dabei, liebste, beste Frau Josefa . , /

Ganz meine Ansicht/ das waren die einzigen Worte, die ich noch hcrvorznprcssen vermochte .... ich sah die Frau HauptzoUamtZknssenkontrolleurin in sclwachen Um­rissen zur Tür hinausflattern und sank erschöpft in ein Fauteuil--

Laß ich an diesem Abend die Kistchen noch adressiert habe, ist mir in sehr unangenehme Erinnerung gebracht worden. Heute nämlich mit der ersten Post kam eine Karte vom alten, lieben, guten, braven Onkel Adolf, eine Karte natürlich nur, denn der alte Herr liebte cs nicht, die Post zu bereichern. Auf der Karte standen folgende Liebenswürdigkeiten:

Ich verbitte mir in -Zukunft Eure unreifen Großsiadt- wihe. Tas Kistchen habe ich dem alten Weiberspittel über­wiesen.

In Zukunft laßt in Ruhe

Euren alten Onkel Adolf/

Co ganz begriffen hatte ich den Inhalt bis zur Ankunft der ziveiten Post noch nicht, und die brachte einen Brief, in dem cs hieß:

. . . . Solche Tummheitcn solltet Ihr mit einer be­jahrten Frau doch nicht machen. Für Späße dieser Art müßt Ihr Euch schon jemand anders aussuchen. Das Kistchen ist ins alte Aiänncr-Sicchenhaus geivandert.

Blich laßt mit Aprilschickereicn zufrieden.

Tante Jette/

Jetzt dämmerte mir die Erkenntnisl Ter Redeschwall der Frau Haiiptzollaintskassenkontrollenrin hatte cs ziiwege gebracht, daß ich die Adressen der Weihnachtskisten ver­wechselt hatte.

Onkcl Adolf hatte die Eau de Cologne gekriegt.

Tante Jette war der Pastorcntabak beschert worden.

Nun war die Familienursehde fertig.

Weihnachten.

Bon Hermine Fischer.

Nachdruck verboten.

Weihnachten feiern wir im dankbaren Gedenken an die Geburt des Heilands. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung war nur eine rein kirchliche Festlichkeit damit verbunden, und auch diese besondere Feier verbreitete sich erst ganz allmählich im Morgenlande. Seit Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. ist Weihnachten ein Fest der all­gemeinen Christenheit geworden. Damals dachte aber nie­mand daran, eine häusliche Feier damit zu verbinden. Die Gläubigen versammelten sich in der Kirche und wenn der Gottesdienst beendigt war, war dem religiösen Gefühle Ge­nüge getan. Niemand kam auf den Gedanken, den Nächsten zu beschenken und solcherweise seiner Freude den besten Aus­druck zu geben. Dazu kam, daß das Weihnachtssest im engsten Zusammenhänge mit dem gewohnheitsmäßig gefeierten Feste aus der Heldenzeit, demSonnenwendfeste" stand. An ihm gab man zwar in lauter Weise seiner Freude über die be­ginnende Neubelebimg der Natur Ausdruck und erquickte sich au der Hoffnung, daß die befreiende Sonne trotz Nebel, Kälte und Dunkelheit vom Jultage an langsam aber sicher die Herrschaft wieder antretcn würde, dabei ließ man es aber auch lange Zeit bewenden. Als das Christentum in Deutschland unter Karl dem Großen um 800 eingeführt tvurde, hielten die alten Germanen es insgeheim noch mit den ererbten Gebräuchen. Wenn sie aber das Jnlfest in gewohnter Weise feierten, gehörte unbedingt, im Norden Deutschlands wenigstens, ein mit Lichtern geschmückter Tannenbaum dazu. Dieser stammt ursprünglich aus Nor­wegen, wo man sich beim Schein der freundlichen Kerzen über den eisigen, langandaneruden, nordischen Winter hin­wegtauschen konnte und sich bei dem Strahlenglanze auf das belebende Licht des Lenzes freute. Auf diese Weise ward der Lichterbaum auch unseru Vorfahren ein Hoff- nungssymbol, das sich auf die Nachkommen vererbt hat. Wrr g-anben, kein rechtes Weihnachtssest zu feiern, wenn uns rna-t ein Tannenbaum begrüßt. Seit Luthers Zeiten

fehlt er am heiligen Abend weder in Hütte noch Palast: reich behangen und im Lichterglanze strahlend, oder ärm­lich ausgeschmüüt und mit nur wenigen Lichtlein bedeckt, man findet ihn in allen Häusern, weit und breit zur lieben, schönen Weihnachtszeit!

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** Deutsche Weihnachtsfeier vor 300 Jah­ren. Als man noch nichts vom leuchtenden Christbaum wußte, da war auch noch nicht an die Bescherungen zu denken, die auf dem Tische ausgebreitet tage». Geschenke gab es wohl, zumal für die Kinder, doch hielt man alles wohl verpackt und legte diese Christbürden bescheiden der Reihe nach in eine Ecke der Stube. Nun mußte jeder seine süße Last herbeischleppen und jubelnd enthüllen. Auf dem weißgedeckten Tische prangten drei zinnerne, wohl auch sil­berne Leuchter mit Talglichten. Das war ein ungewohnter Festglanz! Sonst reichte ein einziges für den düsteren Winterabend. Da donnerte es an der Tür. Gefürchtete und dennoch unvermeidliche Gäste begehrten Einlaß: dieChrist­larven", eine vermummte Rotte junger Burschen, die in frommer Gestalt sich durch Bettelei uno allerlei Unfug lästig machten. Ihr Christspiel, was sie aufzuführen pflegten, war ursprünglich eine Szene aus dem Leben Jesu, der auch persönlich dargestellt war, doch plapperte Knecht Ruprecht als pelzvermummter Popanz dazwischen und der heilige Josef mußte den Spaßmacher abgeben. Sie teilten auch kleine Gaben an die Kinder in den Familien aus, liegen' sich dafür natürlich befchenken und bewirten. Schließlich kehrten die 15 wilden Geister im ganzen Hause alles um und stürmten hinaus, wo sie den Kirchgängern auf dem Weg zur Christmette eine wahre Landplage wurden. Die Theologen der Universität Leipzig machten dem Unfug int -Jahre 1680 denn auch ein Ende, wenigstens schlugen sie vor, die Person Christi ganz aus dem Spiel zu lassen und den rauhen Gesellen Knecht Rupre-cht auszustoßen, der wie ein Teufel aussah und die Kinder nur entsetzte. Man sollte Engel und Apostel auftretcu lassen, um die Kleinen zu examinieren oder ernsthaft zu ermahnen, doch alles in ge­ziemenden Schranken,damit nicht Okkasion zu allerlei Schänd und Ueppigkeit gegeben sei". Die althergebrachten Trinkgelder sollten den Darstellern immerhin erhalten bleiben. Daß dieser heftige Angriff an Ruprechts dickem tyeu abprallen mußte, war voransznsehen. Das ganze Spiel derChristlarven" kam schließlich in Vergessenheit. Der struppige Pelzmärtel oder der Ruprecht alias Niklas macht dre Kinder auch heute noch fürchten, toemt er sich auch sonst fern manierlich benimmt, denn unsere Hausväter sind nicht mehr so geduldig tote vor Jahrhunderten. Auch könnte ,ich der alte Graubart leicht eine Anzeige toegen groben %V9Lltltb Hausfriedensbruchs zuzieheu. Das wäre fchreck-

cm sollte denn aus der Bescherung werden, wenn der Meihnachtsmann brummt!? - . ..

Weihnachts-Literatur.

m Fritz v. Ostini, Wilhelm v. Kaulbach (Preis 4 Btt. Verlag von Velhagen u. Kiasiiig, Bielefeld und Leipzig). Bewun­dert und gefeiert, wie nur selten ein Künstler, kam Kaulbach schnell m Vergessenheit. Ja, es wurde Mode, über ihn und stm Schaffen den Stab zu brechen. Ostini meint nun, daß der Schöpfer der großen Monumentalgemalde im Berliner Museum, daß der Zeichner, der unsere Klassiker deutete, bemt dochein ganzer Kerl, war. Der Band wirkt nicht nur durch den geistreichen Text, auch durch den mit besonderer Liebe zusammengetragenen bildlichen Schmuck. Man darf wohl sagen, daß die 143 Abbild- ungen das Schaffe» Kaulbachs in allen wesentlichen Phase» getreu widerfpiegeln.

ErgänzungsrkLsel.

Nachdruck verboten.

H . lG . s,. h . b .. . ö .. u D .. g . n, U .. b ,. f.. h . n s. j. l u .. e .. s. U .. , a , v ., ( w .. s. .« v .. l. r .. g . n, W.n, , u »i.s .e. Z.i.e. .e,,s.l

Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Versteckratsels in voriger Nummer: Ter beste Kutscher kann umwerfm,

Redaktion: Ernst Heß. Roiattonsdruck und Vertag der BrühlZchen UnwcrstlälS-Buch. und Stemdruckereh N, Lange, Gteße«-