Ar. 189
1906
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And pirn' tiitßf!
Weihnachts-Erzählung von Teo von Tor n.
Nackdruck verboten., ,-, -.,■
(Fortievung.)
II. >
„Fielen!"
Keine Antwort. Nur ein verstärktes Rasseln voll Töstfen und Löffeln aus der Gegend der Küche.
„Fräulein Sophia!"
Das nämliche Resultat, bloß mit dem Unterschiede, daß sich in dem Ensemble von erregten Geräuschen noch ein Brummen unterscheiden ließ.
Jochen Staberow kniff ein Auge zu und kraute sich bedenklich Hinterm Ohr. „Nu hat sie's 'raus", flüsterte er vor sich hin. Dann klopfte er den Schnee von seiner Baschltksmütze, hing sie an den altmodischen Garderobenständer auf der Diele und ging zur Küche.
„Brumblumbrumblum", äffte er seiner Haushälterin nach, die mit der Lebhaftigkeit eines gereizten Menschen am Herde hantierte. „Sagen Sie mal, Fieken, wie kommt es, daß Sie nicht hören, wenn Ihr Herr und Gebieter Sie ruft?" Damit puffte er die lvürdige Dame in den Rücken, was mit einer heftigen Schulterbewegung abgcwehrt wurde.
„Lassen Sie mir in Ruh', Herr Staberow! Ich bin tücksch wie'n Affe!"
„Oha, was'n Schnack! So ein gebildetes, hübsches und gutgeartetes Mächen wie Fräulein Sophia Silbermann redet so ivas daher! Also, was hat er denn wieder angestellt, Fieken?"
„Was 'n Mensch anstellt, der sich selber nicht gut ist! Ter Kram paßt mir einfach llicht mehr, Herr Staberow, und wenn mir die liebe kleine Baroneß mit ihren Muttergottesaugen nicht hinterher immer alles abbitten würde, hätte ich Ihnen wegen des ollen Brummkrisels schon längst den Dienst aufgesagt."
„Machen Sie nicht so ivas, Fieken! Ich kann keinen Schreck vertragen. ES ist ja wirklich kein leichtes Auskommen mit ihm, aber man muß sich doch immer klar machen, wo- dran das liegt. Sehen Sie: erstens die Polypen! Das sind greuliche Dinger, von denen man eine, rote Nase kriegt, wenn man viel guten Portwein dazu trinkt —"
„Tann wundert mich bloß, daß Sie noch keine haben!" „Tas war eine unangebrachte Einrede, Fieken, die sich mit dem schuldigen Respekt nicht verträgt. Ich red' doch vom Baron und nicht von mir. Als das immer schlimmer ivurde, ist er mal zu einem Spezialisten gegangen und der hat ihm die Dinger 'rausgezogen. Ob die sich da irgendwo fest geklammert hatten oder was — jedenfalls war er mit beit Polypen auch den Verstand los. Tenn seit der Zeit hat er ganz unvernünftig, gewirtschaftet, und dazu noch allerhand Eigensinnigkeiten gekriegt. Tas ist das eine. Zum andern ist es doch klar, daß ein Mensch, der um Haus und Hoj gekommen ist, nicht die Vergnüglichkeit eines
Lämmerschwanzes haben kann. Er wird immer versuchen", sich in'die Hacken zu beißen, und wenn ihm das nicht gelingt, so wird er sich unzufrieden fühlen."
„Braucht er denn in seiner Unzufriedenheit den Kuchen, den ich für unsere Baroneß zum Kaffee gekauft hab', zum Limburger unter die Käseglocke zu legen?"
„Allmächtiger! Aber das ist doch ein offenbares Versehen, Fieken!"
„Und mich Schreckschraube zu schimpfen?"
„Tarin liegt schon mehr Ueberlegung, obwohl eine gewisse Boshaftigkeit nicht zu verkennen ist. Ich werd' mit ihm reden."
Tie Wirtschafterin wandte den Kopf zur Seite und machte eine Handbewegung, welche sagte: Tat wirst lange reden, bis ihm was gefällt! Tann sah sie sich scheu um und raunte:
„Cs ist auch nicht mehr geheuer im Hause, Herr StaÜe- row, seit der olle Baron da ist. Ich kann mir nicht helfen."
„Nanu?"
Sie zog die Augenbrauen hoch und nickte.
„Gleich vom ersten Tage an hat es hier ganz eigentümlich gerochen, und das ist immer schlimmer geworden. Manchmal hör' ich auch so merkwürdige Töne —"
„Meinen Sie, daß das mit dem Baron zusammenhängt. Fielen?" fragte Jochen Staberow, indem er den Zeigefinger benetzte und angelegentlich einige Kuchenkrümel vom Küchentisch aufstippte.
„Der kann gar nicht so hoch piepen, wie sich das aithört. Außerdem piepte es neulich auch, als ich, mit dem , Baron sprach, und da hat er einen Kopf gekriegt, so rot wie seine Nase, und einen fürchterlichen Husten."
„Tas ist ja merkwürdig. Wo piepst es denn aber?"
„Ich weiß nicht, Herr Staberow. Manchmal war es wie bon Ratten, und dann wieder, als wenn ein Schwein gemarkelt wird — Sie haben ja'auch so'n fürchterlichen Husten, Herr Staberow!"
„Tas geht vorüber. Fielen. Ich muß mich bloß tonn» dem, wie Sie auf so ivas kommen. Ein Schwein! Ich bitt' Sie. Da ist doch gar ntcht dran zu denken!"
„In den letzten zwei Tagen habe ich auch nichts mehr gehört. Aber es ist und bleibt unheimlich, Herr Staberow. Alle Augenblicke ist meine Milch verschwunden und das Brot alte. Sogar die Kartosfelschalen, welche die Rütz'n von drüben sich sonst immer abholt, sind weg! Ich bin schon ganz verängstigt. Und was macht bloß der Baron da ganz oben in der Dachkammer, wo ihm das Steigen mit "seinem Holzbein so schwer fällt!"
„Aber Fielen, das hab' ich Ihnen doch schon ausein- anderposamentiert. Ter Baron ist an einen freien, la eiten Blick gewöhnt, und da will er oben die.schöne Aussicht genießen, durch die Dachluke."
Fräulein Sophia Silbermann brachte den Mund dicht an das Ohr ihres Herrn und flüsterte:
„Das ist nicht wahr, Herr Staberoiv. Als ich gestern


