Ausgabe 
22.9.1906
 
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in.

der Königin Hortense. Der König Louis empfing die Nachricht, daß Hortense in Paris einem Knaben das Leben geschenkt habe, am Ende des Monats April 1808 und weigerte sich, das Kind als das seinige anzuerkennen. Em gemessener Befehl seines mächtigen Bruders, des Kaisers Napoleon, zwang ihn ledoch hierzu. Gleichzeitig hatte Napoleon dem Grafen Bhlandt, der sich bei oer Königin Hortense in Paris befand, ausgegeben, sofort nach Holla.^ zurückznkehren. Der König Louis verbot ihm den Hos und er­schien auch nicht bei dem feierlichen Te Deum, das aus « der Geburt des Prinzen gefeiert wurde. So erzaUt wenigstens Fürst Peter Dolgorukow, der sich, wenn er die Feder zur Hand nahm, stets als ein Schriftsteller von Geist, doch nre unparteiisch und unbefangen gezeigt hat. Er beruft sich dabei auf das Zeugnis seines Großonkels, des Fürsten Sergius Dolgorukow, und emesl russischen Diplomaten, Grafen Bludoff, die 1808 beide tm Haag anwesend waren. Man wird diesen Zeugnissen indessen weniger Gewicht beizulegen haben, als dem unwiderlegbaren Nachweise, daß König Louis und die Königin Horteiise neun Monate vor der Geburt des nachmaligen Kaisers Napoleon III. m einem Pyre- nöenbade, zwischen zwei Entfremdungen, in ehelicher Gemein­schaft einige Wochen zubrachten. Der wichtigste, der ausfthlag- geben.de Beweisgrund dafür, daß Napoleon III. wirklich der Sohn des Königs Louis gewesen ist, bleibt jedoch die zu Unrecht von dem Fürsten Dolgorukow verneinte Tatsache, daß der König ihn stets als seinen Sohn angesehen und behandelt Hat. Daran wird auch diese neue Ausgrabung nichts mehr ändern. Gras Bhlandt erlebte übrigens noch das zweite Kaiserreich. Er starb erst 1857, 83 Jahre alt, in geistiger Umnachtung, und hinterließ einen illegitimen Sohn, Karl Bhlandt, der als Osfizier in niederländischen Diensten stand und, wenn Fürst Dolgorukow Recht hätte, ein Halbbruder Kaiser Napoleons III. gewesen wäre.

Auflösung des Silbenrätsels in* voriger Nummer: Kilometer Amnlie Kubel Liverpool Lwilling»;

KarlZeller.

Redaktion: Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießm,

erheblich steigen. ,

* Wessen Sohn war Napoleon III.? Dieie p-rage läßt neuerdings wieder einige französische Geschichtsforscher, oder, besser gesagt, Liebhaber geschichtlicher Kuriosa, Nicht zur Ruhe gelangen. Erst haben sie mit großem Eifer den Beziehungen nach- gespürt, die die Königin Hortense, die Mutter Napoleon» 111-, dem holländischen Admirale Grasen Vcrhuell verbanden, und die schon während des zweiten Kaiserreiches so bekannt toaxto, daß die Gegner Napoleons ihn unter den SpitznamenBerhuell ver­höhnten. Und jetzt wird in einer gelehrten französischen Zeuschrm darauf hingewiesen, daß der holländische Admiral nicht der einzige war, dem man ~'.t Vaterschaft Napoleons 111- zuzuer­kennen verdicht hat. Es ist nicht uninteressant, sich dessen zu erinnern. Es war der Fürst Peter Dolgorukow, der m eutet längst vergessenen Schrift überFrankreich unter der Herrschaft der Bonaparte" versicherte, er wisse ganz bestimmt, der Vater Kaiser Napoleons III. sei ein Graf Bhlandt gewesen, der Sproß einer noch heute in vielen Zweigen und Gliedern in den Nieder­landen und in Preußen blühenden Familie. Graf Bhlandt war Oberst und Wjutant des Königs Louis von Holland, des Gemahls

Rätsel.

Nachdruck verboten.

Ei>i Freimd bin ich für Den, der seine Pflicht Stets eifrig hat erfüllt unb auch gewissenhaft; Gar häufig unter stütze ich Den nicht, Ter jede Arbeit flieht und iiiemals etwas schaßt. Zwar kann feilt Sterblicher mich immerwährend missen; Doch gern pfleg' ich von Zeit zu meiden, Wer frevelhaft befleckte sein Gewissen, Und durch mein Fernsein laß ich ihii dann lewem Auflösung in nächster Nummer.»

Ähre Erbgroßherzogin, Ihre künftige Großherzogin. -UiG Ihne kenn i schon; i bin scho uff Ihne Ihre Hochzeit gewest, arad uff'm Marktplatz bin i g'stande und hab alles ganz gut q'sehe.« Beim Verlassen des Lokals sprach die Großherzogin noch freundlich nickend:So adieu, liebe Frau, grüßen Sie auch Ihren Mann von mir.« Drauf die Arbeiterfrau ganz entsetzt:I' hab keinen Mann, Gott sei Dank, nicht; aber grüßen Sie den Herrn Großherzog recht lchö' von mir!« , _ . -

* Eine köstliche Episode hat sich in Marienbao wenige Tage vor der Abreise des Königs Eduard abge­spielt. Auf einem etwas steilen Promenadenwege, so liest man imFremdenblatt«, ersuchte ein voranschreitender Sicher­heitsbeamter die Spaziergänger freundlich, weiter zu gehen und nicht durch unnötiges Stehenbleiben dem König die Passage zu hindern. Er traf auch auf eine sehr dicke Dame, die eben auZpustete und nach Luft schnappte. Diese Dame, eine Wienerin, fuhr den SicherheitSbeamten recht unwirsch an:Ja, was geht denn mi Jhna König an? Ich hob mei Kurtax zahlt und kann gehn und stehn blcibn wo i wüll. UcbtigcnS cicbnS tun ci 2ttcm unb i tenn wegen inciuct

nici bis nach Eger.« Mittlerweile war der König in Hör­weite gekommen und winkte dem Detektiv ab. Als nun der König vor der Frau stand und lächelnd höflich den Hut zog, wurde diese blaß und stammelte verlegen:Ah, Majestät, nix für ungut, i Habs net so gmant.« Mit ihrer tiefen Verbeugung brachte die zentnerschwere Dame den artigen König fast aus der Fassung, er schüttelte sich förmlich vor Lachen. Die dicke Dame aber wackelte verdutzt weiter.

» Trübe Aussichten für die Raucher. Aus New- York wird berichtet: Eine der ersten Wirkungen des Auf­standes auf Kuba wird sich in den Vereinigten Staaten und in Europa auf dem Tabakmarkt fühlbar machen. Schon im letzten Jahre war die Tabakernte auf Kuba nicht gut infolge andauernden Regenwetters. Die Preise sind bereits gegen­wärtig hoch, und eine neue schlechte Ernte, die durch die Unruhen' verursacht werden könnte, würde den Preis für echte Havannas außerordentlich in die Höhe treiben. Die Gegend, die von den Unruhen am stärksten betroffen ist, ist die Provinz Pinar del Rio, in der auch der feinste Tabak wächst und in der auch ausländische Gesellschaften wie der amerikanische Tabaktrust die größten Besitzungen haben. Die Jnsurgentenbanden haben allerdings das Bestreben gezeigt, die Tabakpflanzen in dieser Provinz möglichst zu schonen, trotzdem werden diese aber empsindlich leiden, tvenn der Auf- stand anhält. Jetzt ist die Zeit, in der die Aussaaten vor- genoinmen werden, und die Unruhen des Aufstandes halten die Leute von dieser Arbeit ab, abgesehen von den Besitzungen einiger sehr energischer Pflanzer, die auch jcljt die nötigen Arbeiten vornehmen lassen. So stehen die Aussichten für die Raucher nach den in New-York vorliegenden Nachrichten sehr schlecht. Ein Ausfall der kubanischen Ernte wird dazu führen, daß der Tabak von Connecticut und den anderen amerikan. Staaten alsechter Havanna« verwendet wird. Auch die Preise für guten amerikanischen Tabak werden infolgedessen

Die Schaubühne", herausgegeben von Siegfried! Jawbsohn, enthalt in der 37. Nummer ihres zweiten Jahrgangs : DieStadttheater und dasDrama. VonPaulErnst Fortsetzung. Von S. I. Billetstener. Von Richard Treitel. Carmen. Von Al. Z. Birnbaum. Kasperle-Theater^ Rundschau. (Sommertheater Ortrun und Jlsebftl Das Land der Jugend Der reiche JünglingDie Schaubuime (Verlag: Oesterheld u. Co., Berlin W. 15, Lietzenburgerstr. 60), Wochenschrift für alle künstlerischen Bestrebungen des Dramas, des Theaters und der Oper, erscheint jeden Donnerstag tm Um­fang von 2432 Seiten und feitet: die Einzelnummer 20 Pf., vierteljährlich 2.50 Mark.

Gesundheitspflege.

Aus Anlaß der in Stuttgart stattfiudenden 78 Ver­sammlung Deutscher Naturforscher und Merzte hat die Direttion von Bad Mergentheim m Württemberg, eine Druckschrist herausgegeben. Das in handlichem Formal ge­haltene, hübsch ausgestattete Buch, an Rem eme Reihe nam­hafter Gelehrter mitgearbettei hat, Bietet sowohl für dm Arzt als auch für den Badegast viel des Interessanten und Wissenswerten über das Bad, seine Einrichtungen, die geologischen s^rmationen, die Karlsquelle, die medizinischen Verhältnisse, die StadtAter- getttfyeint, ihre biele ©ebenStoütbigEcitctt uttb ttyre Veschtchre.

Sie küßte mir die Augen. Uttb sprach: Nun bist du blind, Kannst nimmermehr erkennen, Wie schön die andern sind.

Geh' nur aus meinen Armen, Soweit der Himmel blau, Dich treibt's doch immer wieder Zurück zu deiner Frau!

Fritz K a w e r a u. )

') Aus Fritz Kamera», Gedichte. 100 Seiten in Umschlag ge­heftet Mk. 1. . Verlag von Wischan u. Burkhardt, Halle a. S.