Ausgabe 
22.8.1906
 
Einzelbild herunterladen

492

einen behaupten, sie hätte ihn mit einem Regenschirm erschlagen, den sie einem Kollegen in der Seitenkulisse entrissen hätte. ,

Andere wieder behaupteten, der Dichter selbst sei vorgestürmt und habe ihr vor aller Augen den Morostahl in die Hand gedrückt.

Ich weiß nicht, wer recht hat. Ich war damals so ausgeregt, als wärs ein Stück von mir.

Aber alle Longobardendramen sind mir tiesverhaßt geblieben seit jener furchtbaren Stunde. . .

Vermischtes.

* Ein M annWeib. Die Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, Elisabeth Charlotte, die Ge- mählin des Herzogs von Orleans, die 1722 starb war ein Mannweib in des Wortes verwegenster Bedeutung. Ihre eigenen Briefe geben für diese Behauptung den besten Beweis.' So enthält einer derselben die nachfolgende Stelle: Ich bin mein Lebtag lieber mit Degen und Flinte um­gegangen als mit Puppen und wäre gar zu gern ein Junge gewesen." Ihr Aeußeres beschreibt sie selbst mit folgenden Worten:Ich must wohl mehr wie ein Manns­bild aussehen und gar häßlich sein. Ich habe kleine Augen, dicke Nase, platte, lange- Lippen, das kein Gesicht formiert; große hängende Backen, ein groß Gesicht, Summa Sum­marum: ich bin ein gar häßlich Schätzchen. Hätte ich kein gut Gemüt, könnte man mich nirgends leiden." Ihre Lebens­weise, die einen Kontrast zu dem am Pariser Hofe herr­schenden Luxus gebildet haben mag, schildert sie ebenfalls selbst und zwar in folgender Weise:Niemand ist ver­wundert, daß ich die Mettwürste gern esse, ick) habe auch hier den rohen Schinken in Mode gebracht und viel von unser« teutschen Essen, als Sauer- und Süßkraut, Kraut­salat mit Speck, das alles habe ich ä la mode gebracht, und Pfannkuchen mit Bückling dem guten (Ludwig XIV.) essen gelehrt. Ich bin in allem ganz auf den teutschen Schlag. Alles fremde Zeug kann ich weder leiden noch vertragen, nehme weder Schokolade, Kaffee, noch Tee, alles dieses ist mir zuwider. Ich esse keine Suppe als Milch- fr ppe, Biersuppe und Weinsuppe; kann gar keine Fleisch- b'ühe vertragen; Schinken uno Knackwurst richtet mir den A agen wieder ein.

* Wenn ich Millionär wäre! Die Pariser Zeit- u:gGaulvis" hat die sommerlich stille Zeit dazu benutzt, n n eine eigenartigeEnquete" zu veranstalten. Das ge­nannte Blatt hat nämlich seine Leser gefragt, was die einzelnen tun würden, wenn ihnen die Millionen eines Roc Pfeiler plötzlich zur Verfügung ständen. Ebenso originell, wie die Anfrage ist, sind zum Teil auch die Antworten au- zefallcn, von denen wir einige an dieser Stelle wieder- geb m wollen. Ein Pariser ist entschieden ein sehr beschei­den :r Mann, wenn er antwortet:Hätte ich Rockefellers Vermögen, würde ich mir Pferd und Wagen kaufen, damit ich nicht an jedem Morgen mit der Droschke in das Ge­schäft zu fahren und mich jeden Morgen über die hohe Taxe zu ärgern brauchte." Ein eigenartiger Kauz scheint auch der zu sein, der die Erklärung abgab:Wenn ich Millionär wäre, würde ich alle Jahre einen Preis von 10 000 Franks stiften, damit alle über 50 Jahre alten Leute, die noch niemals ein Kabarett besucht haben, endlich dieses Ver­gnügens teilhaftig werden können." Ein Menschenfreund denkt auch an Rockefeller selbst, dessen Millionen ihm ge­hören sollen, und meint:Ich würde einen hohen Preis dem zuerkennen, der die Magenkrankheit von Rockefeller zu heilen imstande wäre." Neigung zur Wohltätigkeit spricht aus zwei anderen Antworten; die eine lautet:Wenn ich Millionär wäre, würde ich mich freuen an der Freude an­derer, denen ich täglich größere Geldsummen zum Geschenk machte." Der zweite aber will ein Pensionat für junge, 'arme Mädchen einrichten, in dem diese bis zur Verheirat­ung erhalten und dann reich ausgestattet werden sollen. Den Geizhals dagegen verrät entschieden der, welcher ant­wortete:Ich würde die Millionen nicht verbringen, son­dern dafür sorgen, daß zu den Millionen wieder neue kommen." An die hohe Politik endlich denkt jener, der da meint:Ich würde einen Preis von 300 000 Franks strften, um alle diejenigen Minister zu unterstützen, die arm geblieben sind."

m,.,*, ®j.n ueuer Tee gegen Husten. Die zahlreichen Mittel, die dem Arzt zur Behandlung des Hustens zur Ver-

Redaktionr Ernst Heß. Rotationsdruck und Vertag der Br

sügung stehen, zerfallen in drei Klassen. Die einen sind die aus- wiirfbefördernden Mittel (wie z. B. der Salmiak), die dadurch wirken, daß sie die stockende Absonderung in besseren Gang bringen und den Auswurf lösen. Ist der Katarrh schon älter, so wendet man Mittel an, die nicht nur die Absonderung ver­mehren, sondern auch zum Husten zur Herausbeförderung reizen sollen. Die bekanntesten dieser Mittel sind der Anis und der Fenchel. Eine zweite Gruppe von Hustenmitteln sind die örtlich wirkenden schleimigen Mittel, die einhüllend auf die wunde Luftröhrenschleimhant wirken und damit den Hustenreiz mildern. In diese Gruppe gehören die Eibischwurzel, das isländische Moos und der Huflattich. Gelingt es mit oiefett Mitteln nicht, den Hustenreiz zu bekämpfen, daun muß man oft zu narkotischen Mitteln, zum Morphium oder zu Bittermandelwasser greifen. Die zahlreichen heilkräftigen Kräuter haben vielfach chemischen Reindarstellungen der wirksamen Substanz tveichen müssen, im Volksgebrauch haben sie sich dagegen als Hausmittel gegen Husten vielfach erhalten. Nenerdings hat Dr. Bergmann in Berlin den natürlichen Pflanzenstoffen Ivieder das Wort geredet, er meint, daß die Pflanze in ihrer Gesamtheit ganz anders wirke, wie das chemische Produkt, das erst nach der Zerstörung des natür­lichen Zusammenhanges künstlich aus ihr gewonnen wird. Berg­mann setzte daher gegen Husten einen Tee zusammen, der aus Isländisch Moos, Fenchel, Anis, Huflattich, Lakriz, Kreuzblumen­kraut und Hohlzahn besteht. Jedes einzelne dieser Mittel soll von schwacher und unsicherer Wirkung sein, zusammen aber wirken sie auf den Husten lindernd oder sogar heilend. Mit Erfolg wurde der Tee angewendet beim Husten Dec Schwind­süchtigen, Reizhusten, Influenza, Bronchial- und Kehlkopfkatarrh.

Litseamschss.

Soeben erschien der erste Band des neuen 31. Jahrgangs 1907 derBibliothek der Unterhaltung und des Wissens". Der RomanWarenhaus Groß u. Komp." von Aug. Groncr weiht uns in die intimsten Vorgänge in einem Welt­geschäft ein, in das eine Aristokratin als Verkäuferin verschlagen wurde: die NovelleFort Esterou" von F. O. Kühne schildert, wie ein italienischer Offizier sich der geheimen Pläne eines fran­zösischen Alpensorts bemächtigt, und aus dem übrigen Inhalt wollen wir nur noch folgende Beiträge anführen:Dornröschen", Novelle von Ida Bock;Liebeserklärungen", Bilder aus des Lebens Maienzeit von A. Cormans (11 Illustrationen);Die Schnecke als Leckerbissen" von R. Zollinger (7 Illustrationen); Mein Reformkleid", Humoreske von P. Graßberger;In einem englischen Militürgefängnis" von E. E. Weber (8 Illustrationen) usw. Der ganze Band (240 Seiten) kostet nur 75 Pf.

Max Hesses Volksbücherei. Nr. 316327. Leip­zig, Max Hesses Verlag. Die neue Reihe dieser rüstig sortgeführ- ten Sammlung bringt wiederum Erscheinungen von Wert. Jo­hannes Scherr, der knorrige Schwabe, dessen literar- und kulturhistorische Werke bekannter sind als seine dichterischen, ist mit der umfangreichen NovelleNemesis" (386 S., Preis 1 Mk.) vertreten eine neue. Gelegenheit, den Verfasser desMichel" auch als Poeten kennen zu lernen. Arthur Achleitner hat einen Kreis von Freunden, denen seine inhaltreiche Tiroler NovelleAngela" (20 Pf.) willkommen sein wird. Auch August Niemanns NovelleFrauenliebe" (20 Pf., geb. 60 Pf.), wird Viele erfreuen. Von Anton Frhrn. v. P e r f a l l wird die ober­bayrische ErzählungDie Landstreicherin" gebracht. Die Be­rechtigung einer billigen Ausgabe von I. P. HebelsAle­mannischen Gedichten" (mit Hebels Porträt, 60 Pf.) nachzuweisen erübrigt sich. Den Reigen moderner Novellisten, die in der neuen Reihe vertreten sind, schließt August Trinius, der acht Er­zählungen nnterm TitelHeimatzauber" (20 Pf.) vereinigt fyat.

Silbenrätsel.

(Nachdruck verboten.)

a, ab, ar, ch, ch, ehr, en, ist, land, man, mo, na, os, rat, ri, tal, ur, zee, zi.

Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangs­buchstaben von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, ein Sprichwort ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgenoes:

1. Niederländische Provinz.

2. Türkischen Sultan.

3. Figur aus einer Wagner'schen Oper.

4. Britische Kolonie.

5. Biblischen Namen.

6. Ein Gebirge.

7. Stadt in England.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer:

Glück macht verwegen.

h l'fchen Universitäts-Buch- und Steindruckeret, R. Lange, Gießen,

1 1 i

s ( (

3 c

t

s i i t i l

. i i

i

3

t

k

( ( k

1

3