Ausgabe 
22.8.1906
 
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K6

Unten

in dem tiefen Keller

etwas Selbstverständliches!

Das wundervolle Selbste

*1 AusDie Diva und Andere" von Rudolf Presber, Berlin W. Concordia, Deutsche Verlagsanstalt. Hermann Ehbock.

um bei Pelikan Sänger:

immer an den seines Lebens

gänzlich verändert. Den weniger im Anblick der dira necessitas ein ein latenter Grimm, daß das nun heiteres Wesen, als ob sie zum Tanze

Kampfesfrohen gibt gerade gewisser Galgenhumor oder alles so kommen mußte, ein gingen; gibt ihnen eine

Kelderr der Meurieren.*)

Von Rudolf Presber.

erprobte, vielbegehrte Frau Wehinut ist schou eingetrosfm, Knoppens zu bebienen und der vortreffliche Doktor hat sich auf den Weg gemacht. Und dann singt der

O, was hat in diesen Stunden Knopp für Sorgen durchempfunden I Rauchen ist ihm ganz zuwider. Seine Pfeife legt er nieder. Ganz vergebens tief im Pult Sucht er Tröstung und Geduld, Oben auf dem hohen Söller

haben. Und so zarifühlend und rücksichtsvoll. Nicht mit einem Wort, einer Miene streiften sie die Zeit, die ich fern von ihnen verlebt. Fremd und einsam in dem großen Ge­wühl, das mich umtobte. Jetzt weiß ich erst, daß nicht die Fülle der Ereigniffe, nicht die sich andrängenden Gestalten unserem Leben den Inhalt geben. Solange das nur äußer­lich ist, den innersten Kern unseres Daseins nicht trifft, kann im lebhaftesten Treiben um uns her uns alles öde bleiben.

Ich habe so viel erlebt, aber in mir blieb es leer und die große Herzenscinsanckeit wurde ich nicht los mitten in den widerstreitcndsten und vielfältigsten Erregungen, die meine Laufbahn mit sich brachten.

Ob die Welt, die ein Weib in sich trägt, von einem anderen Punkte aus nur in Bewegung zu setzen ist?

Ich habe in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht. Jedenfalls genügen die Hebel, die dem Wesen des Mannes Schwung verleihen, allein nicht, um in der Seele der Frau dauernde Befriedigung hervorzubringen.

Da ist neben all den großen, erhabenen Ideen, neben den der Allgemeinheit zugewandten Bestrebungen, neben den Empfindungen der Pflicht, dem Ehrgeiz, dem Beruf, der Gemeinnützigkeit, noch ein Etwas, unausgesprochen, in ahnungsvollem Dämmern, ein intuitives Glücksverlangen, das ganz unabhängig ist von äußeren Erfolgen.

Was es sein mag?

So viel habe ich von der Liebe gehört, so oft hat man von ihr zu mir gesprochen auch das nicht.

Mit grausem Schrecken erfüllt mich der Gedanke, wie die Liebe vor mir stand und mich hinstreekte an jenem Tage.

Wenn das ihr Antlitz ist, dann wäre es besser, sie nie wieder zu schauen!

Manchmal dachte ich, sie sei reich und stark und innig und warm ich soll nicht so viel denken! Diese erste Stunde hat mich doch mehr vielleicht als mir gut tut, auf­geregt/

hörte ich glaube, ich habe viel gelitten! Mehr als ich wußte! Nun weiß ich es!

Und dabei habe ich den Winter lieb! So wie er jetzt ist, friedlich und still in unendlicher Ruhe.

Das Menschenherz ist so töricht! Vielleicht ist der Winter nicht das Ende meines Lebens sondern sein An­fang! Und vielleicht regt unter der weißen, kalten Decke sich auch für mich künftige Lebensschönheit.

Frühlingsahnen I

Ich bin mutig heute und hoffnungsvoll, und diese Auf­zeichnungen strengen mich gar nicht an." (Fortsetzung folgt.)

Wo er sich auch hinverfüge, Angst verkläret seine Züge. . .

. . . Ich weiß nicht, warum, aber ich habe guten Herrn Knopp und an das wichtige Kapitel denken müssen, das sein Biograph überschreibt:

.... ... . ,, . Aengstlicher

Uebergang und friedlicher Schluß"; wenn ich nämlich vor oder

Ende Februar.

Drei Wochen sind vergangen, ehe ich mich wieder zu meinen Betrachtungen zurückfand. Die Tage iverden schon etwas länger und wie ein Frühlingsahnen geht es über die verschneite Erde. Dort unter der weißen Decke regt sich sicherlich schon das künftige Leben. Und es wird Frühling werden! Die Blüten werden sprießen und junge Lenzesschön- heit wird die Erde schmücken. Dann kommt der Sommer mit seiuem'Heißen, bunten Blumenleben, mit den gaukelnden Faltern und der reifenden Frucht ... des Herbstes segen- spendende Fülle und endlich wieder ... der Winter!

Wie merkwürdig! Mein Leben fing mit dem Winter an! Was an starken Eindrücken und Stimmungen auf mich wirkte, war winterlich! Hing mit dem Winter zusammen, mit grauen Nebeltagen, dämmerndem Licht, mit lautlosem Flockentanz und weißem, weichem Schnee! Alle bedeutsamen Ereignisse meines Lebens fallen in den Winter! Was da­zwischen liegt, ist wie ein Traum, an den nur ein dunkles Erinnern in mir ist.

Wo ist mein Frühling? Wo mein Sommer? Das Leben ist sie mir schuldig geblieben!

Ich will nicht undankbar meiner lieben, lieben Jugend­zeit vergessen!

Aber ich meine jetzt nicht diese. Was sie mir Schönes und Gutes brachte, habe ich hingenommen, genossen, wie

üt ihren Premieren befreundete oder auch weniger befreundete Autoren umherwandeln sah.

Ein älter Oberst, der die zwer letzten Kriege mitgemacht, hat mir mal erzählt, es sei außerordentlich merkwürdig, wie ver­schieden sich bei den Soldaten die Gefühle äußerten, wenn sie zum erstenmal ins Feuer kämen. Ohne daß ein einziger unter ihnen vielleicht einen feigen Gedanken Haben oder auch nur mit der Idee spiele, daß es jetzt an jedem anderen Punkt der un= bewohnten Erde gemütlicher zugehe, als hier, wären sie doch alle, die einen nur für den scharfblickenden Menschenkenner wahr­nehmbar, die anderen für jedes aufmerksame Kind^leicht durch­schaubar, in ihrem Wesen

verständliche im Leben der Kindheit.

Das ist ein köstliches Gut dieser Lebensphase, wenn sie im behütenden Schutz der Elternliebe sich vollzieht.

Nein! Ich meine meinen Frühling! Den Frühling meines Herzens! Meinen Sommer! Den Sommer meiner Seele! Den eigensten Besitz meines Lebens.

Wie leicht mag man dann den Herbst ertragen, mit seiner leisen Wehmut und seiner sanften Trauer und auch den Winter! Aber so in wehmutsvollen Schauern sein Leben beginnen und es bann in kalter, strenger Winterstimmung fortführen mein eigenstes Leben, das mir ganz allein ge­

. _. . unnatürliche Lustigkeit, eine grau­

same, krampfhafte Fröhlichkeit, die vor sich selbst einen guten Eindruck machen möchte. Die ernsthaften, festen Charaktere, die sich hrmdertmal ganz ruhig, ja mit einer gewissen Freudigkeit in Gedanken mit dem Schrecken dieser Stunde beschäftigt haben, werden noch ernster. Der Frivole hat 'eine sentimentale An­wandlung, gibt einem Kameraden für alle Fälle einen letzten Anftrag, der zeigt, daß der Mann doch hat, was er so ost, so hartnäckig verleugnen zu müssen glaubte ein Herz. Und dem Sentimentalen, der sonst bei dem slackernden Feuer des Biwaks vergilbte Bilder betrachtete und Briefe las, in denen getrocknete Blumen verdächtig knisterten, kommt ein derbes Wort, ein zynischer Spaß auf die Lippen.

. Wenn die Herren Dichter in ihre Schlachten gehen, die sie freilich hinter der Front mitmachen müssen wenn fie's nicht gerade vorziehen, selbst im eigenen Stücke als strebsamer Akteur mitzuwirken- dann geht es ihnen, wie den Soldaten, von denen der alte Oberst erzählte.

Einige davon sind ja, obschon sie niemals geschminkt und verkleidet auftreten, im Laufe der Zeit und der Premieren recht gute Schauspieler geworden, die sich selbst, ihr Mienenspiel und ihre Worte auch, am heißen Abend der Schlacht durchaus in der Anwalt haben. Aber die meisten sind doch dm allzu menschlichen Schwingen in solchen Stunden stark unterworfen; und der brave Herr Knopp hat sich damals, als an den Füßen milde Schuhe die gute Frau Wehmut und der bedächtige Doktor Pelckan leise in der ehelichen Kammer des Knoppschm Hauses verschwanden, kaum beweglicher gezeigt und unzweckmäßiger be- nommcn, als die meisten Autoren das tun in der sorgenvollen Geburtsstunde ihres Werkes.

.Nomina sunt odiosa; aber ich will, ohne Namen zu ver-

Beim Ehepaare Knopp, dessen Leiden und Freuden uns Wilhelm Busch in so köstlichen Versen geschildert und mit gar herrlichen Bildern unserm Verständnis und Mitgefühl näher gebracht hat, ist ein freudiges Familienereignis zu erwarten. Die oft