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dem der trotzigste Wanderer teil Fuß hemmt... Du dort am Boden, Weib, Verhüllte du: steh' ich am Tor zum Reiche der Hel?
Hel. Stehst nm Tor zum Reiche der Hel.
Brunhild. In Helheims lichtloser Holle hör' ich ein Rieseln und Rauschen —
Hel. Tropfen von Eis' — geschmolzen in Glut!
Brunhild. Woher die Glut?
Hel. Ms Menschenqualen! Glut ihre Seelen == ihre Gespräche Rauch — doch die kristallenen Wände Eis'!
Brunhild. Kein wohnlich Haus. Doch willst du mich schrecken, unnütz Weib, so spare die Müh'. Schau hinter mich: Mannen und Mägde genug, getötet auf meinem Grab! Ich könnte sie senden, den Weg zu erkunden. Doch mir ziemt der Bortritt auch hier: der^ Königin! ■— Weiche, Zwergin!
Hel. Fragst du die Zwergin nicht, wer vor kurzem hier einging?
Brunhild (kalt). Wer ging vor kurzem hier ein?
H e l. Ein Mann.
Brunhild. Frei oder unfrei?
Hel. Frei. —
Brunhild. König?
Hel. König.
Brunhild. Woran erkennbar?
Hel. Mn klaffender Wunde —■; rot wie das Blut, das aus deiner Brünne quillt.
Brunhild. Kampfgefallene fliegen nach Walhall, empor- getragen von Odins Walküren =
H e l. Der nicht!
Brunhild. Der auch!
H e l. Der nicht! Denn Tücke hat ihn getötet — (Reckt sich emMr, riesengroß.) Du hast ihn getötet, Budlis Tochter! Du, Gunnars Gemahlin, Mörderin Sigurds!
Brunhild. Ja denn, Weib, Sigurd such' ich! Sigurd, der mich zum Leben geweckt —
H e l. Sigurd, dem du das Leben geraubt —
Brunhild. Sigurd, den ich mir hole nach Walhall, ich, die Walküre!
Hel. Keine Walküre betritt mein Reich! — (Sic enthüllt sich.) Brunhild. Bist du Hel —?!
Hel. Hel gebietet Brunhild: Steh'! Unnütz, Gunnars Weib, wirbst du bei mir um den Buhlen!
Brunhild. Buhlen?! Blind Gewürm', du bist nicht Hel! Bist keine Göttin! Sonst sähest du taghell: ich suche den Gatten!
Hel. Wo ist dein Ring, Gattin? Wo dein Ausweis?
Brunhild. Hier mein Ring; schau meine Wunde! Ms- weis? Schau mein harmvoll Antlitz! Und willst du Worte, o blutlos Weib, so sag'ich: Treue: So sag' ich: Stolz—। und unerträgliche Schmach! . . .
(Vor sich hinstarrend, eintönig beginnend, aber zu tiefstem Schmerz anwachsend, erzählt sie nun ihr Leben.)
Mein Los' war Leid, solang' ich gelebt. . . Einst war ich die unberührte, die lachende Maid — Helm auf dem Haupte, Schild am Arm — die Schlachtwalküre! — Doch da ich in Kampflust Odin niißachtet, legte mich Odin in flammende Lohe, umschildete mich und gab mir Schlaf. „Wer die Lohe durchreitet" — so sprach der Gott — „der sei der Träumerin Gatte!" Merke das Wort, Hel!
Lange träumte die Jungfrau — da scholl der Huf, da sielen die. Schilde, da küßte mich wach mein Königssohn! Und Wunder in: Auge, Lust im Herzen lag ich und lachte den Fremdling an — Gunnar. Denn Gunnar — merke das' Wort, Hel! — Gunnar nannte sich jener. Ich lag und lachte Gunnar an und zupfte spielend sein Sonnenhaar, der Brünne beraubt, des Schildes entlastet, ein Weib nur, keine Walküre mehr, des Gatten gewärtig . . . Doch >er: — drei Nächte lang lag er auf Brunhilds Fels — zwischen uns das Schwert! Staunend oftmals, im Blaßlicht der Nacht, lag ich, gestützt auf den nackten Arm, und beschaute den Schläfer. Er schlief — verkreuzt die Arme, vcrtrotzt die Lippen — wonnig Wangen und Mund. Und im Mondlicht glühte das Schwert... Da warf auch ich die Lohe des Haares um den unnütz begehrenden Leib, hüllte mich ein, zerbiß die Lippen in Wut — und wachte wohl, doch weinte nicht. . .
Wir ritten zu Hofe. Frauen' empfingen die Jungfrau, und Gunnar lächelte: „Bald!" Frauen hüllten die Nordlandsmaid in Königsgewand und führten mich herrlich verwandelt heraus. Auch Gunnar kam verwandelt, auch er kaum zu erkennen! „Der Zierling dort — das wäre Gunnar?" Doch war's wohl Gunnar . . . . ich wurde sein Weib. . .
Nach herben Tagen und Nächten zeigten sie mir einen Fremdling: den starken Sigurd. Als ich den Fremdling erblickte, bebte mein Herz — und die Stirn bedeckend sann ich und saun . . . Sigurd? Nie hört' ich den Rainen. Doch den Mann —, wo hab' ich ihn traumhaft geschaut? —
Doch freite Sigurd Gunnars Schwester, die weichliche Gudrun. . .
Und dann — unabwendbar fielen die Lose. . . Wir rühmten beim Bade die Stärke der Männer, Gudrun und ich — und Gudrun schwatzte, schnatterte hell, wie stark ihr Sigurd. —-
„Gunnar ist stärker!" — „Dein Gunnar? Zwang er die Dänen?" — „Gunnar ist stärker!" — „Dein Gunnar? Erschlug er den Lindwurm?" — „Gunnar ist stärker!! Denn Gunnar durchritt und zerstampfte die Lohe! Gunnar, der mich gefreit, Gunnar, mein Gatte, Gunnar, der Stärkste!" Da lachte — lachte —- lachte das mitleidlose Weib! „O Träumerin Brunhild, weißt du denn nicht? In Gunnars Gestalt, mit Gunnars Gewand und Waffen ritt durch die Lohe Sigurd! Mein Gatte Sigurd, der dich gefreit dem Schwächling Gunnar! Sigurd, der Stärkste!" (Sie bedeckt stöhnend das Gesicht und steht lange bewegungslos. Dann läßt sie die Hände langsam sinken und fährt tonlos fort)
Mein Los war Leid, solang' ich gelebt . . . Ich wußte die Wahrheit — und sollte nun dulden, tote Sigurd, mein Gatte, Gudrun im Arm lag!! Ich wußte die Wahrheit — und sollte nun dulden, wie Gunnar, der Hund, die Walküre befleckte! Ha ■— aufspringend des Nachts aus wilden Gedanken ergriff ich den schlummernden König und band den bebenden Gunnar gürtelfest an die Holzwand! Und rief die Knechte: „Knechte, nehmt mir dies Schwert, schleicht euch zu Gudruns Buhlen —j erschlagt mir Sigurd!"
Und als ich lag auf den zottigen Fellen, furchtbar lauschend — Gunnar aber am Balken winselte hündisch--Hel, da er
scholl aus der fernen Kamnier Sigurds Schrei — Hel, da liefen die Knechte vorüber: „Wir haben's getan!" Hel, und Gudruns schrille Stimme gellte — gellte jäh und schwieg dann lang' — hingestürzt ihr Leib auf den toten Gatten! Und Brunhild lachte! Lachte gewaltig, die Walküre, durch Kammern hallend-m —, und lag und weinte wilder als Gudrun. . .
(Sie schweigt, bebend vor Erregung.)
So kam der Morgen. . . Das' Sigurdsweib lachte nicht M'ehr ob der Träumerin Brunhild. . . Ohne Eile band ich den Wicht vom Balken, rief die Mannen und legte mir um mein Walkürengcwand. „Bringt mir das Schwert, womit ihr's getan!" Sie brachten die Waffe — ich küßte das blutige Naß —, und tat mir, was sie Sigurd getan.--
(Kalt und stolz.)
So fuhr die Walküre herab nach Helheim — reuelosö Ich komme, den Gatten nach Walhall zu holen, den mir Ijfr Gott versprach! — Weiche, Hel!
(Hel versinkt, Brunhild tritt ein.)
Der denische Student als Vorbild.
Cs' vergeht jetzt kaum ein Tag, an welchem nicht in einem spanischen Blatte lehrreiche Betrachtungen über deutsche Sitten und Bräuche zu finden sind. So konnte inan beispielsweise in einer der letzten Nummern des Jmparcial eine nicht uninteressante Betrachtung über deutsches Studentenleben lesen, eine Studie, die um so wertvoller ist, als sie von einem in Berlin studierenden Spanier herrührt. Der junge Südländer geht ganz energisch ins' Zeug, indem er seinen „ewig revoltierenden und protestierenden" Kommilitonen in Spanien einen Spiegel vorhält und den deutschen Bruder Studio als nachahmenswertes Muster preist. „Der deutsche Student", schreibt er, „bat viele Zerstreuungen. In erster Linie das Studium: von hundert deutschen Studenten sitzen achtzig fleißig bei den Büchern, und man kann behaupten, daß vierzig ihrer Arbeit mit wirklichem Eifer nachgehen. Aber jene zwanzig, die nicht so fleißig sind, finden auch Zerstreuungen: zunächst im Sport, fei es Automobil- (!), Ruder-, Turnsport oder Instrumental- und Vokalmusik; dann die „Verbindung", die in der Hauptsache aus einigen guten Freunden und einem Tönnchen Bier besteht. Jede Verbindung hat iHv Lokal, ihre Tracht, ihre Farben, ihr Baud, ihre Statuten und ihren Mundschenk (!). Man bleibt stundenlang beisammen und leert große Schoppen Pilsener oder Münchener, wobei frisch äe- sungen wird. Wenn den Bruder Studio wirklich einmal die Langeweile mit ihrem grauen Flügel berührt, kann er zum Rapier seine Zuflucht nehmen und sich brnmt vergnügen, daß er einem Kollegen ins Fleisch schneidet. Die Zahl der Verbindungsstudenten ist aber nicht groß. Gewöhnlich ist der Student „wild". Es gibt endlich' noch eine andere Zerstreuung, die nur in Deutschland (?!) möglich ist, wo Tausende und aber Tausende von Mädchen unabhängig sind und in Fabriken, Schneidereien, Betriebswerkstätten, Warenhäusern usw. von ihrer Hände Arbeit leben. Diese Zerstreuung tft in Deutschland unter dem Namen „Verhältnis" bekannt. Kurz bevor ich diese Zeilen niedev- schrieb, saß idji in einem Hörsaale der Universität. In dem großen unbesetzten Saale mit einer unendlichen Perspektive von Bänken und Schreibpnlten herrschte eine Art Dämmerungsb stimmung; hinter dem Katheder wischte ein Potell langsanr die Erinnerungen an die soeben verflossene Vorlesung von der Tafel. Durch die hohen Fensterscheiben fiel der Blick auf den Universitätsgarten mit den dunklen Bäumen. Inzwischen wurden im Saale die elektrischen Lampen angezündek, und herein strömte eüte Schar von Hörern, junge Leute mit roten Gesichtern, mit wirren Haaren, mit ungeschickten Bewegungen; unter dem Arm hatten sie Mappen mit Büchern und Schreibpapier. Sie setzten sich einer nach dem andern aus die Bänkd, und ich zählte 322, darunter 40 Damen, fast lauter Mssinnen und Schwedinnen. In diesem Augenblicke hörte mnu ein Geräusch im Saale: die An-


