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Wesende u begannen alle mit den Füßen zu trampeln. War das der Beginn einer Protestkundgebung? Nein, meine Herren, so wird hier der Professor bei seinem Eintritt Begrüßt. Sicher gab cs unter den Hörern viele von der Sorte, die in der Universitätssprache „Bierstudenten" genannt wird, nicht wenige, die im „Verhältnis-"-Garten schwelgen, und einige, die für einen schönen „Schmiß" dem Teufel ihre Seele verschreiben Würben; trotzdem öffneten alle ihre Mappen und schickten sich an, mit der Feder dem Vortrag des Professors zu folgen, der über die „Philosophie des 19. Jahrhunderts von Fichte bis Nietzsche sprach. Fast alle können stenographieren;, sie haben es auf dem Gymnasium oder zu Hause gelernt. Zwei nur blieben untätig inmitten dieses Galopps, dm die Federn aus deut Papier tanzten : einer von diesen beiden war der spanische Student, der diese Zeilen schreibt und bem niemand Stenographie beigebracht hat; der mtbcre ein kleiner Japaner, der alles, was hier über Schterer- macher vorgebracht wurde, lächelnd über sich ergehen Itefj. Die Studenten hören täglich sechs bis sieben Vorlesungen und schreiben, wenn sie nach Hause kommen, die stenographischen Notizen ins reme; dann erst gehen sie in die Verbindungen oder zum Verhältnis. Und Wenn man in die Universitätsbibliothek ober in die Königliche Bibliothek geht, findet man viele von ihnen mit Haufen von Büchern, die sie in ihrem bescheidenen Zirmner- chen durcharbeiten. Weit intensiver noch als in der Universität wird in den Laboratorien und in den Kliniken gearbeitet. Niemals aber hört man, daß sich die Studenten verbinden ober verbünden, um gegen den Unterricht betreffende Angelegenheiten zu protestieren. Die Verbindungen tragen einen rein privaten Charakter, außer etwa, daß sie bei öffentlichen Festen oder Aufzügen in ihren Galatrachten erscheinen. Im allgemeinen vereinigen sich die deutschen Studenten nur, um zu studieren, wenn es auch scheint, als ob unter ihnen der Klasseugeist mehr entwickelt ist als anderswo. Das kommt daher, weil der Staat und das Bürgertum dem Studenten mancherlei Privilegien zu- erfeinten. Gewöhnlich lebt der deutsche Student Allein ober
höchstens mit zwei oder drei intimen Freunden, und diese Intimität ist nicht einmal das hingebungsvolle Vertrauen der lateinischen Freundschaft, sondern ein Austausch von Idealen, von Gedanken und von Ansichten über Welt und Leben. . . ."
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* K indergeschichteu. Zu den nie versiegenden und selten versagenden Kindergeschichten werden der „Voss. Ztg." folgende selbsterlebte mitgeteilt: Als nicht Töchterchen zwei Jahre zählte, fragte eine Freundin der Mutter das Kind: „Sage mal, wo hast du nur deine niedlichen Beinchen her?" Die prompte Antwort lautete: „Die waren gleich dran!" Am zweiten Weih- nachtsfeicrtage fanden wir das Kind beim eifrigen Zerbrechen einer Arche Noah, die es in dem üblichen Stil roher Holzfiguren bekommen hatte. Den Tieren wurde erbarmungslos ein Bein abgebrochen oder sonst ein Leids getan. Warum beim? „Ich mache das Spielzeug für die armen Kinder zurecht!" Und als das Kind einmal erkrankt war und im Fieber durch das laute Schlagen einer Wanduhr erschreckt wurde, da meinte es ärgerlich : „Die Uhr schimpft so." Der Knabe, hatte zum Weihnachts- fest ein herrliches Pferd von Holz gekriegt, das war schön! schwarz lackiert und mit weißen, breiten Strichen bemalt. Er nannte es seinen „Rappen mit etwas Schimmel drauf!" Bon einem wirklichen Kamel, wie sie in kleinen Orten durch die Straßen geführt werden, erzählte er, daß es „einen Bauch auf dem Rücken" gehabt habe. Einen freigebliebeneii Raum zwischen zwei Krügen auf dem Paneel nannte er „die Freiung", sprach von einem „Morgenteuer", das er früh im Garten erlebt habe, führte seine Tante in diesen Garten, wo ihm ein für alle Mal das Wpflücken und Essen von Schnittlauch verboten war und zeigte stolz „den heimlichen Schnittlauch". Ein Gedicht wollte er nicht aussagen, weil et wohl den Anfang wissen, den „Hinterfang" aber vergessen habe, und als' er eines Sonntags lernen sollte, äußerte er betrübt: „Da möchte man nun das dritte Gebot halten, aber man darf ja nicht!" Das Lernen stieß überhaupt manchmal auf Widerstand und Aergernis, denn einmal nahm er seinen treuen, krummbeinigen Teckelhund tiefseufzeiid auf den Arm, streichelte ihn traurig und raunte ihm zu: „Ach, Dackel, wenn du wüßtest, wie ekelhaft es ist, ein Mensch zu sein!" Da nahm ihn nun der Vater vor und sagte halb scherzend: „Wer Hans —i du bist ein Pessimist!" worauf er klageud zur Mutter lief und dein Vater mit den Worten anschwärzte: „Papa sagte eben, ich wäre „ein bißchen Mist!" Als aber dieser Vater selbst noch ein Kind war und eines Tages das damals übliche Knrellasche Brustpulver nötig hatte, das ganz wo anders helfen sollte, als gerade auf der Brust, da lief er andern Tages jubelnd dem Hausärzte mit den Siegesworten entgegen: „Herr Dokter, ich Wtrfe, ich wirke!"
!i' Blnme»pflege im Zimmer. Wer nur irgendwie Pflanzeusreund ist, der wird dann, wenn draußen nichts blüht, innerhalb seiner vier Pfähle gern sich der Blumenpflege widmen. Emtge Pflanzen im Zimmer machen dasselbe stets freundlich und anheimelnd, und man muß sich wunbern, daß nicht ein
jeder sich diesen lieblEeu und dabei wohlfeilen Schmuck deS Heims zulegt. „Ich habe kein Glück mit Blumen", sagen die meisten, „bei mir kommt nichts fort." Das ist eine recht lächerliche Ausrede, denn zur ÄlumenpUege gehört kein Glück, sondern lediglich eine liebevolle Fürsorge, sowie ein gewisses Verständnis für die Lebeusbedirigungen der betreffenden Gewächse. Dieses in unseren Leserinnen zu wecken, soll die Aufgabe nachstehender Zeilen sein. Drei Dinge sind es, die eine Pflanze unumgänglich zu ihrer gedeihlichen Entwicklung braucht: Lust, Licht und Wärme. Man sorge also zunächst für einen lustigen, nicht zu kalten Raum, dessen Temperatur sich möglichst gleich bleibt und in dem nicht allzuviel geraucht oder Gas gebrannt wird, beim der Zigarrenqualm verschlechtert die Lust, und das Gas trocknet sie aus. Ferner stelle man die Pflanzen nicht an dunkle Orte ober in Stuben, die nach Norden gelegen sind und in die niemals ein Strahl Sonne dringt. Hier werden die Pflanzen bald krank, ober sie siechen dahin, wenn man sich dieses Ausdrucks bedienen darf. Das Begießen der Blumen har während des Winters täglich nur einmal und zwar am besten gleich morgen» zu geschehen. Man nehme hierzu kein kaltes Wasser, da dies leicht eine Erkältung der Wurzel herbeiführt, sondern solches, das schon einen Tag lang im geheizten Zimmer gestanden hat und dem man gern ein wenig pulverisierte Holzkohle zusehen darf. Bon einem Begießen der Pflanzen mit warmem Wasser ist jedoch abzuraten. Das Gewächs blüht bann' rasch und üppig empor, fällt aber auch ebensoschnell wieder zusammen. Die Blumentöpfe selbst sind stets sauber zu halten. Sie sind daher hin und wieder außen abzuwaschen, beim der grünliche, ans Mgeir bestehende Belag, der sich bei einer Vernachlässigung in dieser Beziehung sehr bald an den Töpfen zeigt, verhindert einerseits deren Ausdünstung und geht andererseits nur zu leicht auf die Oberfläche der Erde über, wo er schließlich ent Kränkeln und Eingehen der Pflanzen zur Folge hat.
-"Erfreuliches zurFremdwört erfrage. Wir lesen! in der Zeitschrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins: , Die Mitglieder des sächsischen Landtages wurden bei der königlichen Tafel, zu der sie nach der Eröffnung der Sitzungen wie üblich eingeladen waren, durch eine Neuerung angenehm überrascht. Während bisher am sächsischen Hofe die Tafelkarten nach alter Hof- sitte in ganz französischer Sprache abgefaßt waren bis,auf beitrre und fromage, fanden Jie zu ihrer Freude eine rein deutsche „Speisenfolge" vor. e>ie lautete folgendermaßen: „Speisens- folge. Klare Suppe nach Tallehrand. Türkische Törtchen. Saibling kalt. Gedünstetes Rindsstück garniert. Hühner-Wflauf mit Champignons. Gänselebcrspeise. Fasanen, Salat, Früchte. Ananas mit Reis. Käse. Gefrorenes. Nachtisch." Der neue König Friedrich August III. hat also mit der alten, und man darf wohl sagen, veralteten lieberliefe rang gebrochen und der deutschen Sprache auch auf diesem Gebiete zu ihrem Rechte verholfen. Daß diese Beseitigung eines alten Zopfes auf, seine eigene Anregung zurückzuführen ist, darf man um so sicherer annehmen, als er bereits als Prinz ebenw wie sein Bruder Prinz, Johann Georg rein deutsche Tafel karten in seinem Hofhalte eingeführt hatte. ____________
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Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in bet Weise mit einander verbinden, daß man — wie der König aus dem Schachbrett — stets von einem Feld aus auf ein benachbartes übergeht. ------:— ------
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Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Gitterrätsels in voriger Nummer:
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Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der B r ü b Pichen Unlversttäts-Buck- und Steindruckerei. R. Lanae. Gießen,


