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bas dunkle Termin. Schade, daß Sie nicht auch das Schauspiel unter sich haben,"
»Gräfin, ich hätte so gern die Gesaiutleitung übernommen, aber auch bei dein neuen Unternehmen spielt leider Gottes schon wieder das Persönliche mit. Giesecke ist engagiert worden, weil er, ich glaube ein Vetter des Herrn Berndal ist . .
Ein Diener war eingetreten.
„Nun?" fragte Frehlinghaus.
„Herr Graf verzeihen: Ihre Hoheit die Frau Prinzessin haben telephonieren lassen, Hoheit möchten um zwei einige Kunstsalons besuchen und lassen um die Begleitung des Herrn Grafen bitten."
„Schön", sagte Frehlinghaus. „Den dunklen Paletot, Zylinder und Stock. Die Herrschaften vergeben . . ."
Prinz Arenslein wünschte viel Vergnügen. Herr und Frau von Serben empfahlen sich. „Kommst Du mit?" fragte der Graf. „Ich fahre Dich bis zu Deinem Hotel."
„Tausend Dank", wähnte bereits vorhin, brot ausbitten möchte.
entgegnete Arenstein, „aber ich er- - daß ich mir von Freda ein Butter- Hast du etwas dagegen?"
Frehlinghaus hätte gern ja gesagt. Aber er sagte nein und mußte dazu noch verbindlich lächeln. Er küßte feiner Fran artig die Hand.
„Vergiß nicht, mein Kind, daß um acht kleine Tafel ist."
Auf dem Korridor stand ein junges Mädchen. Es trat aus dunkler Ecke hervor, als Frehlinghaus die Wohnung verlassen wollte.
„Verzeihung, Herr Graf . .
„Ah — Fräulein von Sorben! Warum haben Sie sich nicht anmelden lassen?"
DaS Mädchen errötete.
„Ich hörte, der Herr Graf seien beschäftigt. Da wollte sch warten."
Frehlinghaus starrte einen Augenblick in das süße, blasse Gesicht. Die Favoris zitterten wieder.
„Liebes Fräulein, ich glaube, ich kann Ihnen gefällig sein. Baumeister Hammer sucht eine neue Sekretärin. Meinen Sie, daß das etwas für Sie sein könnte?"
„Ich nehme jede Stellung an, die ehrlich ist," antwortete das Mädchen.
„Da nielden Sie sich bei ihm. Er ivohnt — ja, wo wohnt er denn gleich
„Ich finde ihn schon," sagte das Fräulein, und mit leichter Verneigung fügte die hübsche Kleine hinzu: „Herr Graf, meinen herzlichsten Dank für Ihre gütige Vermittlung."
„Bitte, bitte," entgegnete Frehlinghaus. Noch ein letzter Blick flog über das blasse Gesicht. „Bitte, bitte," wiederholte er, „gern getan ..."
Dann ging er.
„Also ein Butterbrot?" fragte die Gräfin. „Oder war das nur Kriegslist?"
„Hunger wars," antwortete Heros. „Ich habe noch nicht gefrühstückt. Aber ich bitte in Untertänigkeit um folaendes: ich bitte, daß Du das Butterbrot eigenhändig be- reiteu und daß ich es in Deinem Zimmer verzehren darf. Oder ist das zu auffallend?"
Freda lachte.-
„Die Dienerschaft weiß, daß ich krausen Sinnes bin. Und vom Hofstaat ist keiner hier. Aber auch da gelte ich als ausfallend. Ist es der Rotkopf oder bin ich es wirklich? Ich weiß es nicht."
„Es ist immer auffallend," sagte Heros, „ist jemand anders als der Nachbar rechts und links. Da hat man mich nun ins Herrenhaus berufen, zci sagen, was wahr ist. Aber ich merke, meine Wahrheit verstimmte diesen und jenen unter den Freunden. Ich fiel sichtlich auf. Man muß mitziehen am großen Seil, das ist das Richtigste"'
„Und muß sich fügen, Heros. Das Justemilieu und die Kompromisse spielen eine gewichtige Rolle in der Diplomatie. Auch das Leben verlangt diplomatische Einsicht. Man ver
liert dabei das beste von seinem eigenen Ich, aber man bewahrt sich sein Glück."
„Oder das, was so heißt, Freda . . /
Arenstein war in das Zimmer der Gräfin getreten. Es lag abseits der großen Repräsentationsräume, nach dem Garten zu, und es war nicht nach der Mode eingerichtet. Keine englischen Möbel; alles helles Birkenholz, freundlich, aber in derben Formen. Als Freda eingesegnet ivurde, hatte die Mutter ihr das Meublement für das eigene Zimmer geschenkt. Die Berliner Ateliers für Innendekoration aber waren der Fürstin zu teuer. Da hatte der Dorftischler zeigen müssen, was er konnte. Und er hatte seine Sache ganz brav gemacht.
Die Zofe deckte den Frühstückstisch.
„Gut so," sagte Heros, „ich bin gar zu gern in Deinem Zimmer, Freda. Es heimelt mich an, daß Du cs gerade so, !vie es in Bisingen war, mit nach Berlin genommen hast. Ich wittere Landluft. Hie Bisingen allewege. Da steht der Schreibtisch genau auf seinem alten Platz und davor der merkwürdige Stuhl, dessen Lehne Euer Tischler gern hätte schweifen wollen; aber eS gelang ihm nicht. So entstand nur ein schiefer Winkel, der jedes behagliche Zurücklehnen verbietet. Doch das ist von Zweckmäßigkeit. Am Schreibtische hat nur die Arbeit das Mort. Und mir scheint wirklich, Du arbeitest zuweilen. Ich sehe da Bücher und mehr Papier, als es sich für eine junge Frau von hohem Adel ziemt. Ich sehe auch einen fetten Klecks nm Rande des Tintenfasses —"
Freda stand am Tische und belegte kunstreich das Bntter- brot mit einem zerschnittenen Ei.
„Tu siehst zu viel, Vetter", entgegnete sie. „Kleckses und was fte entstehen ließ, sollen eigentlich der Verborgenheit angehören. Aber Dir gegenüber will ich ehrlich sein. Ich langweile mich, und da habe ich einen Zeitvertreib! erfunden. Ich übersehe aus dem Französischen und Italienischen. Jetzt habe ich- einen Roman von Chateaubriand! vor, der im christlichen 'Altertum spielt."
„Ich frage die Welt!" rief Heros. „Sie übersetzt! Un8 noch dazu Chateaubriand!"
„Zola steht nicht in Engens Bibliothek", warf die Gräfiu ein. i
„Es wäre auch noch schöner. Frau Hofmarschall, sprecht rnir nicht von Zola. Treibt nicht Spott mit den heiligsten Gefühlen der Prinzeß Luise Hoheit. Ach, Freda, w i e mußt Tu Dich langweilen! Und warum, sage mir? Nein, sag' es mir nicht. Ärmer Kerl, wärst Tu lieber in Bisingen geblieben! . . ."
Ter Teller in der Hand der Gräfin klirrte gegen ihre« Ringe. Heros nahm eines der Brote, und Freda setzte sich als sei sie plötzlich müde geworden. Es glitt wie ein rascher Dämmerschein über ihr Gesicht.
„Ja — wär'ich es nur!..." Das klang einem Seufzer gleich. . . „Heros, nimm ein Glas Wein. Wer konnte das alles voraussehen! Wer wissen, daß ich so wenig — hierher passen würde. Und dabei ist es noch ein Mich daß mich die Prinzessin Luise nicht leiden kann. Da verschont sie mich wenigstens mit ihrer Gunst. Tas erste halbe Jahr — Heros, das war fürchterlich! ..." . .,
(Fortsetzung folgt.) X ''XXj
ArmrMös Jodcsfahrt*)
Vo n F. L i e u h a r d.
Nach der nordischen Sage imiröe Sigurd (Sigfrid) nachts! auf feinem Lager ermordet, an der Seite der schlafenden Gudrun (Kriemhild), auf Befehl der tiefgekränkten Brunhild. Als die Tat geschehen, gab Brunhild sich selbst den Tod. Auf ihrer! Fahrt ins Schattenlaud — so erzählt die Edda — kam Brunhilds Geist durch das Gehöft einer Riesin, ward angehalten und wegen ihres Verbrechens zur Rede gestellt. Stolz gibt die ehemalige Walküre und spätere Königin Antwort und fährt weiter.
Dies kurze Bild ist im folgenden neugestaltet. Die Begegnung! findet statt am Eingang von Helheim. DaS Weib, das am Boden kauert und bei der Anklage drohend zur Riesin emporwächst —j Brunhilds .verkörpert Gewissen — ist hier Hel selber, die Göttin! der Unterwelt.
Brunhild. Furchtbar dies' Tor. . . Kein Balken, kein Erz — offen die Halle! . . . Und doch ein Tür, — vor!
~ *) AnS Lienhards Monatsblättern „Wege nach Weimar (Stuttgart, Greiner u. Meister), die 'wir wann empfehlen. J


