Ausgabe 
22.1.1906
 
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Dem Wahren, Edlen, Schönen.

Ein Großstadtvoman von Fedor b. Zobeltih.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Graf Jrehlinghaus sah sehr enrst mtS.Ich fürchtete Aehnliches", sagte er;all' dieser schmutzige persönliche Mein­kram wird uns ersticken. Ich kann nur warnen; ich kann nicht selbst eingreifen. Aber icl) habe das Wort Baumeister Hammers, daß er nach Möglichkeit die Ideale hoch halten wird"

Und mich die Fahne der Moral", ergänzte Prinz Aren- fiein mit Freudigkeit. j

Der kleine Serben schaute den Prinzen zwinkernden Auges von der Seite an. Die beiden verstanden sich ohne weiteres. Serben lächelte diskret.Meine Hauptsorge ist dieser Monsieur Imhoff. Er hat eine Tochter, für die sich Hammer zu interessieren scheint. Sie ist als erste Soubrette engagiert worden. Ich habe mir von ihr etwas vyrsingen lassen. Sie singt ungefähr so wie eine mittelmässig begabte Kanzleiratstochter im Verein Blaue Sehleife. Aber sic ist sehr hübsch. - Was will ich machen! Hammer hat sie engagiert."

Herr von Serben", entgegnete der Graf,ich glaube, Sie werden auch Hammer gegenüber zuweilen energischer Auftreten müssen. Er ist zu weich, zu leicht zu leiten ich will sagen: zu sehr Künstlernatur und zu wenig Praktiker. Stoßen Sie diesen Imhoff ab. Mir ist, als habe ich schon einmal von ihm gehört. Er muß der Kulissier gewisser Finanzkreise fein. Die prädominieren ja auch im Aufsichts­rat. Ta ist der Kommerzienrat Meyer"

Geheimer Kommerzienrat", korrigierte der Prinz.

Also ja: ein dicker Mann, ein Spediteur mit hangen, der Unterlippe. Und dann ein gewisser Verndal von dem großen Warengesehäft und noch einige. In diesen Kreisen bevorzugt man das Theater wegen des Femininen Sie verstehen mich"

Ah ja wohl, ah ja wohl!"

Nun brauchen wir ja die Finanz. Ich brauche sie auch. Aber, Herr von Serben: nicht über den Kopf wachsen lassen! Keinen entscheidenden Einfluß gewähren! Das käme einer Zerstörung aller Ideale gleich. Da ist dieser Prieslap Baron Priestap

Ja, Baron. San Marino. Eine Baronie von der Pereiti Gnaden"

Frehlinghaus zuckte mit der rechten Schulter.Die Ver­hältnisse liegen eigentümlich. Ich will mich nicht äußern. Lch will mir such nicht' den Mund verbrennen. Aber ich

traue dem jungen Menschen nicht. Das ist da§ große Un­glück: cS treten bei dem ganzen Unternehmen zu viel frag­würdige Persönlichkeiten in die Erscheinung."

So ist cs", sagte Herr von Serben bekräftigend.

Der Prinz betrachtete mit Aufmerksamkeit seine Stiefel- spitzen. Es zuckte immer etwas Spöttisches um seine Mund­winkel. Zuweilen fühlte er ein lciscs Brennen und Jucken wie von Nadelstichen in seinen Fingerspitzen. Er hatte das Bedürfnis, den Grafen mit der rechten und Herrn von Serben mit der linken Hand an den Kragen zu packen und ein wenig zu schütteln. Um dieses lebhafte Empfinden abzulenken, be­nötigte er eine Gesprächspause und wandte sich mit der Frage an Frau von Soeben:Gnädigste Fran bringen dem Theater naturgemäß auch ein lebhaftes Interesse entgegen?"

Die Wangen der Angeredeten röteten sich ein wenig, Interesse ja," Durchlaucht", antwortete sie,aber keine Passion".

Wie merkwürdig!" rief Gräfin Frcda;wo Ihr Herr Gemahl doch so viel mit der Bühne zu tun gehabt hatl Ich bin eine enragierte Theaterfreundin. Ich könnte wochen­lang allabendlich das Theater besuchen. Man schreibt und spricht so häufig gegen die Ucberschätzung der Bühne, als verdränge sie das Buch und die Freude am Gedruckten. Ich finde das nicht oder finde cs doch nur natürlich. Das ge­sprochene Wort war immer das wirksamere. Und in Zellen so stark flutender Gedankenhetze wie heutzutage sucht man unwillkürlich nach kräftigeren Eindrücken . .

Es wurde darüber gestritten. Der Gras behauptete zu­nächst, alles habe seine' zwei Seiten, und dem widersprach niemand. Dann aber erhob er seine Stimme gegen das moderne Tendenzdrama; die Bühne sei kein Rednerpult noch ein forensischer Sessel.

Gewiß nicht", sagte der Prinz.Tendenz und Kunst vertragen sich auch nicht recht. Aber cS ist Sitte geworden, in Kunstwerke Tendenzen hineinzutragcn, die der Künstler gar nicht beabsichtigt hat. Und im übrigen: trotz der Zensur läßt sich von der Bühne herab manches aussprechen, was gut zu sagen ist, was man aber sonst nicht zu sagen wagt. Die Wahrheit braucht nicht immer ein Tcndcnzmäntelchen zu tragen."

Das Publikum liebt es", entgegnete Herr von Serben. Es fehlt dem Publikum an künstlerischer Schulung."

Es fehlt an Dichtern", sagte der Graf mit tiefer lieber» zeugung.

Es fehlt an künstlerisch geleiteten Theatern", bemerkte Prinz Arenstein.

Tie Gräfin lachte.Es fehlt also an allem. Herr von Serben, lassen Sie Ihre Naketen steigen. Beleuchten Sie