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ihr voll und ganz gelungen.
Melanie Ebhardt.
fordert und Verwaiste zurückläßt. Wie kann solch ein Vereinsamter sich und die Welt belügen und sagen: «sfl M glücklich", wenn er so schwer an seiner Trauer und Sehnsucht trägt? Er kann im Entsagen Frieden finden, aber Entsagung ist niemals Glück. — Die das Glücklichsein als Pflicht fordert, ist noch sehr jung, und iver ihr Leben kennt, weiß, warum sw die Forderung aufstellen konnte. Die Hand, die m ihre lautlose Nacht hülfreich hineingriff, leitet sie noch nnt aufopferung^ voller, unermüdlicher, aber auch reichlich gelohnter Liebe. Das Gefühl der Vereinsamung kennt sie nicht. Und das ist wohl das Traurigste auf Erden. , _ . „
Noch etwas anderes fordert sie und diesmal mit vollem Recht. Wir sollen uns der, Pflicht des Schweigens erinnern, denn jedes Herz hat genug eigenes Leid. Wer hat noch Nicht erfahren, wie weh er anderen durch sein Klagen tun kann, wer hat nicht schon bitter bereut, seine Last auf fremde Schultern abgewälzt zu haben! — Mit vollem Recht nennt Helen, Keller Schopenhauer einen Feind des Menschengeschlechts. Wie viele hat er in tiefste Nacht geführt, die bei ihm Wahrheit suchten, wie mancher mag über seinem Werk von Bezweiflung ergriffen worden sein. Was bedeutet dagegen der Genuß, den er wenigen, kühlen Betrachtern der Schönheiten seiner Sprache verursacht? Wahrlich nichts! ... . „ ,
Der letzte Abschnitt des Glaubensbekenntnisses, tote, Helen Keller ihre Schrift nennt, ist ein Hinweis auf ihren Optimismus, wie er sich in Dichtern und Denkern, Staatsmännern iind Menschenfreunden kundtnt. Eine größere Zahl Namen wird ge- nmint, natürlich meist englische oder amerikanische, darunter Shakespeare, Carlyle, Emerson. Am längsten verweilt sie bei Robert Browning, von dem sie sagt, daß er schwer zu lesen sei. Mag sein, doch die Mühe belohnt sich. Er lehrt uns, „daß wir' fallen, um aufzustehen". Dem gütigsten und schlichtesten, selbstlosen Helden und Märtyrer der amerikanischen Geschichte Abraham Lincoln slicht sie ein frisches Blatt in seinen unvergänglichen Kranz. „Durch die Nacht der Verzweiflung ruft er: „Es ist alles gut!" und Tausende ruhen in seinem Vertrauen." -- Um des Gegensatzes willen zeigt sie uns in wenigen Worten „die Unterwelt des Fatalismus" Indien und die Inder, erwähnt als Vertreter des orientalischen Pessimismus Omar Kayyäm, dessen Rubäiyät jetzt in der enalischen Uebersetzung von Fitzgerald um ihrer wund rvollen Schönheit willen,viel gelesen wird, und wendet sich dann triumphierend zu den größten Optimisten Jcsaias und Paulus, und endlich Christus selbst. „Gottes Werke jrnd gut." So klingt die Schrift aus.
Mir bleibt noch hinznzufügen, daß mir nicht das englische Original vorliegt, und daß ich daher die im Vorwort hervorgehobene eigenartige Ausdrucksweise der Verfasserin nur zu ahnen vermag. Jedenfalls scheint sie in der sehr lobenswerten Ueber- tragung von Dr. Rudolf Lautenbach so viel wie möglich gewahrt zu sein.
Dem kleinen Buch geht eine Handschriftprobe Helen Kellers voraus, in der sie betont, daß sie nichtG anderes erstrebt, als einen innigen Ausdruck ihres trostreichen Glaubens. Und der ist
Helen Kellers Selbstbiographie „Die Geschichte meines Lebens" hat großes Aufsehen erregt. Innerhalb zwei Jahren liegt von diesem Buch bereits die 25. Auflage vor (Stuttgart, Robert Lutz). Es wirkt auf jeden denkenden Leser anziehend und anrege. 5, wenn er von diesem blinden und taubstummen Mädchen selber vernimmt, wie es durch seine geniale Lehrerin Miß Sullivatt aus der tiefsten Finsternis allmählich zum Lichte hoher Geistesbildung geführt wurde. Man wird aber auch mit zunehmender Bewunderung für die Entwicklung einer Geistesheldin ergriffen, die alles das einer außerordentlichen Energie verdankt, an der sich mancher Vollsinnige ein Beispiel nehmen kann.
Reue Kalender.
— Mit vielfach erweitertem, erneuertem Inhalte sucht der Jur isten-Kalender in feinem 2. Jahrgang seinen Zweck zu erfüllen, bequem und ohne Zeitaufwand das so leicht ent- fliehcnde Wissen zu befestigen und mühelos den Erwerb neuer Kenntnisse zu ermöglichen: Die Texte bestehen überwiegend in Ausarbeitungen und Zusammenstellungen aus dem geltenden Reichsrecht. Biographische, literatur- imd kulturgeschichtlickfe Skizzen, Rechtssprichwörter und Aussprüche über Recht und Juristen wurden rmgeflochten. Unter den Gedenktagen sind neben den Gebnrts- nnd Sterbetagen hervorragender Juristen die Daten der wichtigsten Gesetze und Verträge der Reichs- und der Bundesstaaten, in kleinerem Umfange auch des Auslandes, sowie für Juristen bedeutungsvolle Ereignisse verzeichnet. Schließlich finden wir Abbildungen von Nechtsgelehrten sowie von hervorragenden in- und ausländischen Justizgebäuden und Bilder aus der deutschen Rechts- geschichte.
— Ferner liegt uns ein Altfrankfurter Kalender für 1907 vor, herausg. von Prof. Dr. R. Froning (Kesselringsche
Hofbuchhandlung in Frankfurt). Wir finden da eine Reihe von hübschen alten Stadtansichten aus der Zeit vor 70—100 Jahren, sowie Porträts bekannter Persönlichkeiten usw. aus jener Zeit. Das Heftchen, dessen kurze historische Anfsätzchen recht instruktiv sind, ist würdig und geschmackvoll ausgestattet.
— In dem Verlage von Ft E. Bilz in Drcsdenj-Radebeul erfchieit ein Abreißkalender unter dem Titel: „Bilz' Gesundheits-Kalender", für das Jahr 1907. Der Kalender enthält Ratschläge für Krankheitserscheinungen sowie Winke dafür, wie man seinen Körper pflegen soll.
— Der musikalische Haus- und Familien- Almanach, bekannt unter dem Titel „Harmonie-Kalender", erscheint für 1907 in vergrößertem Format und eleganter. Der Kalender enthält über 150 Illustrationen, mehr als 75 Porträts, 50 Rollenbilder, zirka 30 Szenenaufnahmen aus Opern und Operetten, über 20 Handschriften- und Noten-Faksi- miles, zirka 15 Vollbilder und eine lustige Reihe origineller Karikaturen, mehr als 20 Notenbeigaben usw. Unter diesen Notenbeigaben finden wir Komponisten vertreten wie Rich. Strauß, Joh. Strauß, Oskar Strauß, K. v. Kaskel, S. Jadassohn, Peter Tschaikowsky, Robert Schumann, Ludwig Mendelssohn usw. usw. Aus dem redaktionellen Inhalt nennen wir eine Reihe von Artikeln, welche weitere Kreise interessieren dürften, z. B.: Rob. Schumann und das Theater: Das Schloß der Adelina Patti (mit Bildertt); Richard Strauß' Salome (mit Szenenailfnahmen usw. usw.); Marionetten - Theater in Paris (illustriert); Letzte Bayreuther Spiele und sonstige Wagnerfeste (mit vielen Bildern); Die Kinderzeit Lortzings (illustriert); Die berühmtesten Tänzerinnen des Jahrhunderts; Etwas über neue Operetten (reich illustriert); Berliner Sommer-Oper (mit Bildern) ; Mozart (ein Jubelgedenkblatt); Tanz und Ballett (ittuftr.). Besonders interessant ist der Jahrgang dadurch, daß die Redaktion Komponisten, Sänger und Sängerinnen und sonstige ausübende Künstler zu Mitarbeitern herangezogen hat. So finden sich Beiträge von Karl Reinecke, Lilli Lehmann-Kalisch, Alex v. Zemlinsky, Hans Hermann, Lola Artot de Padilla usw. usw. Im Unterhaltungsteil fällt eine musikalische Novelle „Die Venus von Olim" ans der Feder Ernst v. Wolzogens auf.
Weihnachtsliteratur.
— Ein neues Werk von Georges Ohnet ist soeben erschienen unter dem Titel „Die zehnte Muse". Der Vorwurf zum Werke ist dem Leben der Pariser Aristokratie ab- gelauscht und schildert eine geistreich fein wollende Mondaine, die sich, mehr aus Egoismus als der Stimme des Talentes jolgend, der Schriftstellerei ergibt, in Wirklichkeit aber nur der Mund ist für die Aeußerungen des Genies eines wahren Künstlers, der für sie tiefe Leidenschaft hegt. Der Preis des Werkes ist broschiert 3,50 Mk. Verlag Feodor Reinboth, Leipzig-R.
— Deutsches Weihnachtsbuch. Eine Sammlung der schönsten und beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie und Prosa. Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Ham- burg-Großborstel. Ladenpreis geb. 2 Mk. — Auf 413 Seiten findet man Poesie und Prosa gemischt: bald eine Dichtung von Theodor Storm, bald eines der Weihnachtslieder aus Des Knaben Wunderhorn — hier ein Gedicht von Ernst von Wildenbruch, dort eins von Klopflock — hier das „Wintersonnenmärchen" von Otto Ernst und dort eine Dichtung von Friedrich Rückert oder von Konrad Ferdinand Meyer. Das Buch beginnt mit Dichtungen, die die „Erwartung" des kommenden Festes wider- spiegeln — die religiöse Erwartung ober die ahnungsvolle Freude der Kinder. Es folgt ein Abschnitt „Weihnachtsgedichte, Weihnachtslegende, Weihuachtsglaube" und „Geistliche Sieger", und dann der Hauptabschnitt des Buches „Heiliger Abend und heilige Nacht", danach „Die Weihnachtstage". Dann werden uns „Weihnachten in der Natur" gezeigt. Auch „Traurige Weihnachten" sind nicht vergessen. „Weihnachten in der Vergangenheit" ist ein besonders interessanter Abschnitt. Manchem Leser wird der vorletzte Abschnitt, „Weihnachten in der Fremde", besonders zusagen. Das Buch klingt in den Abschnitt „Epiphania" aus. — Im ganzen weist es 108 Stücke auf, darunter z. B. Dichtungen von Avenarius, Viktor Blüthgen, Eichendorfs, Ilse Trapan, Goethe, Martin Greif, Hebbel, Heiberg, Liliencron, Anna Ritter, Scheffel usw. usw. — Einen besonderen Reiz besitzt dieses Weihnachtsbuch wohl dadurch, daß es ausschließlich ans! deutschen Dichtungen zusammengesetzt ist und so zugleich einen; Ueberblick darüber gewährt, wie das deutscheste aller Feste sich in der Seele unseres Volkes spiegelt.
Versteck-Rätsel.
Nachdruck verboten.
„ Man suche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, wie die Silbe „an" in „Wanderer".
Kalbleder — Ehrensäbel — Wachposten — Knttenfisch — Glasscherben — Bierkanne — Kummer — Wernigerode — Seifenpulver.
Redaktion: Ernst Heß. — Roiationsdruck und Vertag der Brübl'schen UnwersuLts-Buch. und Sletndruckerei. R. Lange. Sieb«,


