1906
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And zürne nicht 2
Weihnachts-Erzählung von Teo von Torn.
Nachdruck verboten..
(Fortsetzung.)
„Hast du Worte, Staberow? Er bittet mich, von meinem Fuhrwerk Gebrauch zu machen. Sagen Sie nial, junger Mann, ich denk', Sie sind bloß Aufpasser über mich! Woher wissen Sie denn überhaupt, daß meine Tochter in der Stadt ist, he? Und was geht Sie das an, mit Verlaub zu fragen?"
„Das geht mich insoweit etwas an, als es eine ganz allgemeine Pflicht der Höflichkeit und Ritterlichkeit ist, einer jungen Dame Beschiverlichkeiten zu ersparen, welche unnötig und auch bedenklich sind. Der Weg durch den Wald ist nicht sicher. Es sind erst in voriger Woche zwei Anzeigen wegen räuberischer Anfälle erstattet worden. Ich meine, daß Ihre Abneigung gegen mich Sie nicht abhalten darf, der Baroneß denjenigen Schutz 311 sichern, dessen sie als Dame bedarf!"
Er hatte das mit wachsender Erregung gesprochen, namentlich der Ton der Schlußworte ließ an Energie nichts zu wünschen übrig. War es dieser Ton oder der Aerger darüber, daß der Baron den Verhaßten innerlich recht geben mußte — der alte Herr rappelte sich mit ganz ungewöhnlicher Fixigkeit aus dem Lehnstuhle hoch, und sein Gesicht hatte eine geradezu beängstigende Färbung, als er den Stock erhob und nach der Tür wies.
„Wenn du jetzt nicht augenblicklich aus den: Tempel gehst, mein Sohn," schrie er mit überschnappender Stimme, „dann passiert ein Unglück! Verstehst du? Ein Unglück, sage ich dir!! Also verschwinde wie die Wurst im Spinde oder —"
Die Haltung war so drohend, daß Jochen Staberow sich erhob und mit einem beschwichtigenden „Mach' kein Kaleika, Baron," den Stock niederdrückte. „Was die Seffi betrifft, so meint cs der Herr doch nur gut. Ich muß auch sagen —"
„Garnichts hast du zu sagen! Du bist ein alter Esel, Staberow, und hast das Maul zu halten, wenn ich rede!" schrie der Alte wütend. „Der Herr von Määääck und gut meinen! Kennst du überhaupt den Herrn von Määääck?! Hat er dir schon mal Besucher weggeschickt — wie den buckligen Lewin aus Neubrandenburg — oder ein Faß Noten, das du dir bestellt hast? Laß dich mal erst spionieren und schikanieren alle Tage und auf allen deinen Wegen, daun kannst du nachher mitrcden und sagen, ob das gut tut! Da kommt die Seffi! Gott sei getrommelt und gepfiffen!"
Dieser Stoßseufzer klang wie die Erlösung von einem Alp. Daß der alte Herr sich gesorgt hatte, ergab sich auch aus dem beinahe jubelnden Uebermut, mit welchem er fragte:
„Na, ist sie denn nu augefallen, geraubt oder gemordet worden, he? Die Baroneß Knieper hat eben keine Angst, wie gewisse andere Leute! Aber wo ist die Flasche, Staberow? Sapperment nochmal, wo ist die Flasche? Gib sie her! Schnell ---oh verflucht, tut hat sie sie doch gesehen!"
Diese Annahme war irrig. Josefa von Knieper halte auf die mit drolliger Hast vorgenoitnnene Dtirchsteckerci nicht geachtet. Sie schien das Köpfchen von anderein voll zu haben. Die großen dunkelblauen Augen blickten erregt und zerstreut, als sie den Vater begrüßte und „Onkel Staberow" mit einem kräftigen Händeschütteln willkoinmen hieß. Herr von Meck, der bei ihrem Eintritt bescheiden zurückgetreten war, beachtete sie zunächst garmcht. Erst nachdem sie die Pakete, welche sie mitgebracht, mit hörbarer Energie auf den Tisch gebunill und sich ihres Jacketts sowie des Bolerohütchens entledigt, gab sie sich einen Ruck in den Schultern und trat vor den jungen Landwirt, dessen Antlitz sich jetzt mit einer leichten Röte überzog. Sie strich die tvirren Haare aus der Stirn und sah mit so zornflammcndem Blicke ztt ihm auf, daß der Baron in stillem Entzücken seinem Freunde Staberow den Stock zwischen die kurzen Rippen bohrte.
„Herr von Meck", stieß das junge Mädchen hervor, „dck mein Vater Sie hier duldet, nehtne ich an, daß eine Sach« von höchster Wichtigkeit Sie hierhergeführt —"
„Allerdings —"
„Hast du gehört, Staberolv?" warf der Baratt grimmig dazwischen. „Eine Wichtigkeit! Wenn ein junger Dachs einem alten Manne Vorschriften macht wegen seiner Tochter, dann« ist das eine Wichtigkeit! Ich hab' ihn schort 'rausgeschmissen wegen dieser Wichtigkeit, Seffi; aber glaubst du, er geht?"
Ter junge Landwirt zuckte zusammen, und die Papiere knisterten in der Rechten, die sich wie im Krampfe geballt. Trotz der übermenschlichen Kraft, mit der er sich auch jetzt noch zu beherrschen versuchte, klang es nicht ohne Schärfe, als er sagte:
„Herr Baron! Auch toentt Sie hier noch ein Hausrecht besäßen, könnte ich dieses Zimmer nicht verlassen, ohne» mich meiner Aufträge entledigt zu haben!"
„Gehört es auch zu diesen Aufträgen, mich zu belästigen und hinter mir her zu spionieren?" rief die Baroneß. „Wer hat Sie beauftragt, einen Wagen an die Bahn zu schicken und mir die Benutzung desselben in ausdringlichster Form nahelegen zu lassen? Stehe auch ich unter Jhrep Polizeiaufsicht, daß Sie den Wagen dann den ganzen Weg über neben und hinter mir herfahren lassen, so etwa wie die Flurhüter eine Landstreicherin transportieren? Das ist unwürdig!"
„Jawoll, das ist es!" bestätigte der Baron begeistert. „Im höchsten Grade unwürdig! Siehste, Seffi, du hast 1 ihn manchmal noch in Schutz genommen


