Ausgabe 
21.7.1906
 
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auf bcu Gravlund (Kirchhof) hinter dem Krönnngsdom gehen. So ging ich denn dorthin nnd fand Hunderte von Leuten damit beschäftigt, die Gräber zu schmücken. Die einen beschnitten den Rasen der Grabhügel mit einer Schere, andere hielten grosse Teebretter in den Händen, ganz voller Blumen, und füllten die Vasen, welche dauernd ans den Gräbern stehen und den Namen des Eigentümers tragen." Weil die warmen Wasser des Atlanti­schen Ozeans bei Dronthcim aus- und einfließen, hat die Vege­tation hier ein besonders reiches und frisches Aussehen. Darum diese großen Linden, dämm diese Obst- und Nußbäume mit dem herrlichen Aroma ihrer Früchte: ist es doch auf europäischen Ausstellungen wiederholt anerkannt tvorden, daß sich mit deut Aroma, neben der Größe der Drontheimer Achsel nichts vergleichen lasse. Der tiefblaue Fjord friert bei Drontheim selbst ihn Winter niemals zu, und seine hohen Gebirgsuser verlieren sich iit ungemessener Weite. Infolge des feuchten Klimas währt jtn Norwegen die Blütenpracht beit ganzen Sommer. Noch im September will das Blühen nicht enden. Abends erfüllen Levkoieu', Reseda und Lavendel die Straßen mit dem süßesten Duft. Das merkwürdigste aber ist das Geißblatt, das überall mt den Häusern emporrankt und selbst noch über dein Giebelfirst seine Fahnen wehen läßt. Selbst im Winter bleiben hier fast alle fremden Bäume rin bedeckt, so die Panlavineu, welche doch i n F r a n k f u r t a. M. e r f r i e r e n. Selten fällt das Thermometer unter Null.

^Strumpfbänder a m A r m. Seitdem die Mode beit Frauen zur Abwechselung wieder einmal die kurzen Aermel beschert Hirt, die den Unterarm freilassen eine Mode, nebenbei bemerkt, bei der die Handschuhfabrikanten das beste Geschäft machen dürsten sind die Armbänder auch wieder in Aufnahme gelangt, die eine Zeitlang ganz unverdientermaßen in den Ruf geraten waren, sich überlebt zu haben. Während aber unsere Groß­mütter und Urgroßmütter die breiten, klassischen Mustern nach­geahmten Spangen bevorzugten, entscheidet sich die neueste Mode für ganz schmale, zierliche Reisen, zn denen die Zeichnung ost von modernen Künstlern ersten Ranges herrührt/ Man sieht derartige Ärnispangen jetzt in den Schaufenstern der Juweliere aller Weltstädte und auch schon an manchem schönen Arme. Auf eiitcit ganz eigenartigen Einfall ist aber einer der bedeutendsten Londoner Juweliere gekonunen, indem er ein sehr zierliches und leichtes Armband erfunden und in den Handel gebracht hat, das erGarter" nennt, das also einStrumpfband für den Arm" ist. Dieses Armband ist an seiner unteren Fläche mit einer kleinen unsichtbaren Federeinrichtung versehen, durch die der Handschuh fest zusammengehalten wird, sodaß er feine glatt anliegende Form nicht verliert. Natürlich muß man zwei solcherMrm-Strumpf- bänder" haben. Sie werden in allen Preisarten hergestellt, und man kann schon für 100 Mark ein Paar von ihnen bekommen, aber nach obenhin ist ihrer Kostbarkeit, sowie matt sie mit Steinen besehen läßt, selbstverständlich keine Grenze gezogett.

Zwei bosnische Schwänke, mitgeteilt von dem deutsch-östreichischen Schriftsteller Roda Roda, entnehmen wir deut 20. Heft der illustrierten ZeitschristUeber Land und Meer" (Stuttgart, Deutsche VerlagA-Änstalt.)

Ein Mann hatte zwei ungeratette Söhne: täglich fingen sie Streit mit ihrem Vater an und mißhandelten ihn nnd rauften -ihm den Bart. Einst war wieder um einer Kleinigkeit willm tut gewaltiger Lärm ausgebrochen. Die Bösewichter packten den Alten am Kopf und an beit Füßen, warfen ihn ans dem Zimmer, packten ihn wieder und schleiften ihn auf den Hof, aus dem Hof in bett Garten ttnb hätten ihn auch noch über bett Zaun aufs freie Feld befördert, da schrie er:Halt, ihr Undankbaren! Jetzt ist's genug! Auch ich habe eitern seligen Großvatw nie weiter als bis hierher an den Zann geschleift."

Der Bauer pflegte seine Kuh allabendlich in ihren Stall zu sperren. Einmal machte sie sich los, öffnete irgendwie bett Riegel und schnüffelte int Hofe umher. Dabei fand sie einen großen Topf, halb voll mit Weizen fraß, fraß immer weiter, ,und als sie den Topf ungefähr bis auf den Grund geleert hatte, blieb sie mit dem Kopfe darin stecken. Ihr ersticktes Brüllen weckte endlich die Hanslente aus dem Schlafe. Sie bemühten sich, die Kuh zu befreie» vergebens! Der Topf ließ sich Nicht herabziehen.Wenn es hier überhaupt noch eine Hilfe gibt," sprach der Bauer,dann wird unser Hodja (Priester). Rat wissen". Spruchs und ging ihn zu fragen.Ganz einfach^, entschied der Hodja.Breitet eine dicke Lage Stroh auf und legt die Kuh vorsichtig darauf itieder. Wenn sie dann ruhig daliegt, schlachtet ihr sie und zieht den Tops herab. Sollte aber dieses Mittel versagen, dann will ich euch ein anderes em­pfehlen, das unbedingt verläßlich ist." Der Bauer dankte nach Gebühr, ging heim und tat, wie ihm geheißen worden. Nach einer Stunde kam er wieder.Effendim, wir haben's mit allen Kräften versucht der Topf läßt sich auch jetzt nicht abziehen. Sag uns das andere, das unbedingt verläßliche Mittel." Bauer, das ist noch einfacher: zerschlagt den Tops."

Die Schaubühne", herausgegeben von Siegfried

Jacobsohn, enthält in der 27. Nummer ihres zweiten Jahrganges vom 5. Juli: Charakter und Persönlichkeit. Von R. Pisfin Vorspruch zur Meroö. Von Wilhelm von Scholz. Ibsens Modelle. Von Georg Brandes. Eine dramatische Preiskonkur­renz. Von Willi Handl. Knabentragödien. Von Julie Speyer Rundschau. (Jbfenbriefe Hebbeltage in Worms. Everhman Verwitwete Theaterdirektionen Bolksgemurmel ; Sommerurlaub.)Die Schaubühne" (Verlag: Oesterheld u. Co., Berlin W. 15 Lietzenburgerstr. 60), Wochenschrift für alle künstlerischen Bestrebungen des Dramas, des Theaters und der Oper, erscheint jeden Donnerstag im Umfang von 2432 Seiten und kostet: die Einzelnummer 20 Pf., vierteljährlich 2.50 Mk. Probemumnern gratis und franko durch den Verlag.

Z u Heinrich Harts Gedächtnis hat sich eine Anzahl seiner Freunde oder früheren literarischen Waffengenossen intLiterarischen Echo" (Herausgeber Dr. Josef Ettlinger, Ver­lag Egon Fleischet n. Co., Berlin) mit allerhand persönlichen Aeußerungen über den zu früh Verstorbenen zusammengefunden. Richard Dehntet prägt auf den Toten den folgenden Vierzeiler: Er hat sich wohlbewährt in Waffengängen Unb hat ein Lied der Menschheit angestimmt: Und wenn sie seine Leier nicht vernimmt, Sie lauscht noch seines Schlägers Hellen Klängen.

Außerdem haben sich u. a. Detlev v. Lilienerou, Gustav Falke, M. G. Conrad, Ernst Frhr. v Wolzogen, an diesem kleinen lite- rarischeit Requiem mit Gedächtnisworten beteiligt.

Wohl» ?

An Badeorten da gebricht Es heutzutage leider nicht, Für jedes Leiden hält zur Zeit Man einen Kurort wohl bereit. Doch weil, wie leicht sich läßt be- [weifen,

Weit mehr Gesunde heule reifen Als Kranke, macht zumeist die [Wahl

Des Bades den Touristen Qual. Drum wollen allen, die da reisen, Wir Orte suchen zuzuweisen, An die sie wirklich hingehören Und wo sie heimberechtigt wären. Nach Kohllurt sollten Redner [gehen, Solingen Schuster sich erfeheu, Für alte Herrn, da wäre Glaß, Für Gartner Gießen wohl der [Platz,

Für Jünglinge und junge Mädchen Wär Liebstadt just das rechte [Städtchen,

Hingegen dürfte Rechtsanwälten Als Kurort Klagenlurt nur gelten, Strohwitwer müssen stets nach [Treuen,

Die Skater würde Passau freuen, Nach Fraustadt follteu Jung- [gefelle»

Begeben sich in allen Fällen, Pillau gäb Apothekern Ruh, Oschatz sagt beit Verliebten zu, Mannheim wird älteren Mcig- [belein, Markborf Bankiers willkommen [fein,

Moosdorf und Heringsdorf macht [froh

Gewiß den Bruder Studio.

Dem jungen Paar wird Elterlein Und Storchnest sehr willkommen Mein,

Als Schwiegermütter-Orte geben Wir Kreuznach an und HaderS- [leben,

Wogegen der Pantoffelheld Zu senden wär nach Schlüsselleld. Nach Bückeburg da sollten reifen, Tie stets sich sehr devot erweisen. Treffurt vermöchte wohl bett [Schützen,

Weinhändlern Wasserburg zu [nützen,

Todtnau wär für die Mediziner, Und Brand für die Gambrinus- [diener.

Den Kegelfchiebem weife man Als Kurort Ratzeburg nur an. Schweinfurt gewissen Realisten Und Zahna ferner den Dentistcit, Lenzdichtern wäre Oedercm Aufs wärmste zu empfehlen dann, Schwetzingen denen, die gern [lästern,

Den sogenannten Kaffeesch wester». Seekranke mögen gehn nach [Speyer,

Nach Weibstadt aber alle Freier, In Schalkau laßt die Lässigen [weiten,

Nach Pappenheim Buchbinder [eilen,

Doch für Vaganten, Rastelbinder, Zigeuner, Schnorrer auch nicht [minder

Wirds keine befferen Orte geben Als Laiffa, Flöha und Wanzleben.

Silbenrätsel.

Nachdruck verboten.

be, ei, fl, he, ie, hi, ge, lais, le, ma, nicr, ne, oh, ra, ren.

( Aus vorstehende» Silben und Buchstaben sollen fünf Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werde», daß die Anfangs­buchstabe» von oben nach unten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, einen Gruß ergebe», welchen wir unseren Leser» bei vorstehenden Sommer-AuSflügett zurufen. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter Folgendes:

1. Lästiges Insekt.

2. Französischen Satiriker.

3. Tier aus der der Ordnung der Vierhänder.

4. Weiblichen Vornamen.

5. Ei» Wirtschaftsgerät.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rätsels in voriger Nummer:

Gas, Gast.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der V r ü b licben Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lange, Gießen,