Ausgabe 
21.7.1906
 
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»Wir waren nach der Hinsicht durch dich so glänzend vertreten, daß ich wirklich keine Anstrengungen zu machen brauchte und dann mit dem na, du weißt schon . . . mit dem Haben ..."

»Alle Wetter, nun willst du mit natürlich den Humor gründlich verderben," er steckte sich eine Zigarette an,und den Appetit zum Dejeuner, das Guy uns doch unbedingt geben wird. Bist 'n altes Bureau-Ungetüm . . . Wer's nicht wüßte, daß ich der Aeltere von uns beiden bin, würd's nicht glauben . . . Zigaretten, echte Clos, gefällig?"

Nein, danke! Ich rauche Vormittag nicht."

,Auch noch! Was tust du eigentlich Vorinittag?"

Arbeiten!"

Danke!"

In diesem Augenblick trat Graf Guido in den Lesesalon.

Da ist er, endlich!"

Die Begrüßung der drei Brüder war eine sehr warme. (Fortsetzung folgt.)

Are Lieöesspende.

Von L. Schulze.

Nachdruck verboten.

Zähneklappernd wartete Marie, die dicke Köchin von Bürger­meisters, an der Parkstraßenecke, dem alten Treffpunkte. Von Zeit zu Zeit lugte sie in daS nächtliche Dunkel hinein, von Paulchen noch immer keine Spur, wo er nur heute blieb? Und es war solch ein Hundewetter! Die wenigen einsamen Passanten hatten beit Mantelkragen hochgeschlagen und eilten, gesenkten Hauptes gegen den Sturm ankämpsend, vorwärts, um schnell unter Dach und Fach zu kommen. Es pladderte, und Marie hielt in der einen Hand krampfhaft den Regenschirm, in der andern ei» ziemlich dickes Paket. Gott, wenn er doch nun käme! Sie hatte sich heim­lich von Hause weggestohlen, die Gnädige durite es nicht wissen.

Da tauchte am Ende der Straße eilte Hobe Männergestalt aus, Marie erkannte trotz der rieselnden Tropfen, die den Blick trübten, die bunte Uniform, die blanken Knöpfe.

Endlich! Sie eilte ihm entgegen, ihre durchnäßte weiße Schürze flatterte im Sturmwinde. Paulchen schien sich nicht son­derlich abzuhasten, um seinen Schatz zu empfangen. Er hatte das Gesicht tief im Mantelkragen verborgen und lugte garnicht nach der auf Flügeln der Liebe und des Sturmes daherschwebenden Marie aus. Sie hatte heute blos keine Zeit, sonst wäre ihr das Gebaren Paulchens vielleicht seltsam erschienen. So aber lief sie rasch auf ihn zu, drückte ihm das Paket in die Hand, schlang die runden Arme um seinen Hals und gab ihm auf das erreichbare Zipfelchen seines Gesichts einen schallenden Kuß.So, Paulchen, ich habe heut Teilte Zeit, laß dirs gut schmecken." Weg war sie.

Der glückliche Empfänger des Kusses und Paketes schaute ihr verblüfft nach.Da hört doch alles aufEr lachte in den Regen hinein, nahm das längliche Paket an sein Herz und pendelte der Kaserne zu.

Dort angekommen, untersuchte Leutnant von Granitz, der Held des kleinen Abenteuers, das Paket und förderte einen riesigen Topf mit Schmalz und eine ebensolche Wurst zu Tage. Mit beiden bewaffnet, verfügte er sich in die Mannschaftsstube.Was nutzt mirhän mein schöner Gaharten, wenn andre drin spazieren gehn," schallte es ihm vielstimmig entgegen. Als der Leutnant die Tür öffnete, trat Stille ein. Das melancholische Lied schien einem der Burschen zu Herzen gegangen zu fein, , er saß mißmutig beiseite und schaute finster drein. Beim Anblich der guten Sachen in des Leutnants Hand lief den Leuten das Wasser im Munde zusammen. Der Einsame machte ein noch böseres Gesicht. , n .

Wer von euch heißt Paul mit Vornamen?" fragte der Leut­nant. Eine ganze Anzahl meldete sich.Wer von euch hat eine Braut?" Die Burschen lächelten schämig.Also alle?"

.Der Leutnant kratzte sich den Kopf.Heiliger Biin-Bam, es bedarf einer salomonischen Entscheidung. Na, Kinder, erzählt nur mal, wo ihr eure Liebste immer zu treffen pflegt." Verlegen namiten die Leute verschiedene Straßenecken, so ziemlich die ganze «tadt machten diese Paulchens unsicher. Der finstere Paul wollte nicht mit der Sprache heraus, endlich erzählte er dem Leutnant stockend, daß er seine Brant überhaupt nicht mehr sehen wollte, er glaube bestiinmt zu wissen, daß sie ihm untreu sei.Na, ja, wo gabt ihr euch sonst getroffen?"

In der Parkstraße." Der Leutnant überreichte dem Mitz- mutigen schweigend die Wurst und den Dchmalztopf. Paulchen hielt die Liebesgaben verdutzt in der Hand, ein verblüffend komischer Anblick. Alle lachten. Der Leutnant klopfte dem grollen­den Liebhaber auf die Schuller.Lassen sie man die Grillen, ihre Braut ist ein gutes Mädchen. Grüßen sie sie schon von nur, und und sie soll sich den irrtümlicherweise verschenkten Kuß wieder cinlöfcii11

Das wollte Marie aber mcht, als ihr der versöhnte Paul später die Geschichte erzählte. Dem imglanbigen Thomas, der sie

Aufregung, selbst die nichtverbündeten iteri Wilden oder Finken", traten bei

Die Bezeichnung der Studenten, die keiner Verbindung an» gehören, als Finken und ihrer Gesamtheit als Finkenschaft hat eine interessante Geschichte. Alfred Götze weist im neuesten Heft der Zeitschrift für deutsche Wortforschung darauf hin, daß diese Bezeichnung zuerst ein Spottname war, ähnlich wie ursprünglich die Namen der Geusen oder Protestanten. Der NameWilde" undWildenschaft" hat sich überlebt und ist neuerdings an den Technischen Hochschulen zu Charlottenburg, Braunschweig und Stuttgart der einzig geltende und offiziell geführte Name der Finken geworden. Als offizielle Bezeichnung der nichtkorpo- rierten Studentenschaft erscheint das WortWilde" undWildm- schäft" zuerst in Jena im Jahre 1809. Die jetzt an den Universi­täten fast allenthalben übliche BezeichnungFinken" stammt aus dem Mittelalter. Es war ein Spottname ftir einen un­soliden, ungeregelt lebenden Menschen, etwa wie lockerer Zeisig. Der Gebrauch dieses Namens nahm in scherzhafter Rede seit dem! 16. Jahrhundert immer mehr zu. Hans Sachs gebraucht das Wort sogar gleichbedeutend mit dem Worte Buhle. In diesem! alten Sinne kennt sogar noch Langes Wörterbuch vom Jahre 1808 das Wort Muk. Ja noch im Teuberschen Kommersbuch von 1884 kommt der Name Fink in einer ähnlichen Bedentuw'' vor' Wollt ihr wissen, wer ich bin?

Ich bin der lnst'ge Finke. Wenn ich mein Geld versoffen hab', Geh ich an'n Born und trinke."

Man sieht also, daß das Wort auch ehemals in studentischen Kreisen gebraucht wurde. Zuerst festzustellen ist dieser Ge­brauch, wie bei dem NamenWilde", in Jena. Keil schildert ein Bild aus Bücheleius Studentenalbum von 1737. Eine Schar Studenten fährt vierspännig vom Wirtshaus ab und ruft dem Wirt zu:Adieu, Bruder Schöps!" während dieser ihnen zü­rnst:Adieu, lebt wohl, ihr liederlichen Finken!" Daß aber der studentische Gebrauch des Wortes viel älter ist, darf mau aus dem schon vor 1600 verbreiteten Ausdruck Finkenbauer für Karzer schließen, der doch den Namen Fink in der Bedeutung als loser Vogel voraussetzt. Borangegangen sind im Gebrauch des Wortes die benachbarten Universitäten Halle, Leipzig, Jetta. Im Jahre 1822 begann bei Studentenunrnhen in Jena die Be­zeichnungFinken" in der neuen Bedeutung den Ausdruck Wilde" - zu verdrängen. Als an einem Freitag in den letzten Tagen des Novembers 1822 durch Mandat des Senats das Singen auf den Straßen von Jena verboten wurde, geriet die ganze Studentenschaft in Aufregung, selbst die mchtverbündeten Studenten,die sogenannten Wilden oder Finken", traten bei dieser Gelegenheit aus' ihrer indifferenten Stellungi .heraus und erschieneii als Vertreter des öffentlichen Gesanges. Einige Jahre später wurde in Jena, weil die Finken von den Korps mit Gewalt­mitteln zum Eintritt in eine Verbindung gezwungen werden sollten, als Gegendemonstration sogar ein Finkenverein, die so­genannteFinkonia", gegründet. Der Verein hatte aber keinen Bestand, die Finken wurden der Kneipschwanz der Burfchenfchast, um sich dem Gebaren des Korps zu entziehen. Von einerFlnken- schaft" war aber noch lange keine Rede. Der NameFinkenschaft für die Gesamtheit der nichtkorporierten «tudenten setzte sich erst im Jahre 1848 sest. Damals gab es in ^ena schon em schwarzes Brett mit der Aufschrift: ^Flnkenschafff', .und am 9. Mai 1855 wurde der Großherzog Karl Alexander als Rektor MägnisizeNtissimus zum ersten Male auch von Vertretern der Finkenschaft begrüßt. Der Vorsitzende diefer Veremigutig h,eß Finkenkönig. In Leipzig ist das Wort Finken samt dem Kompo­situm Stoppelfinken schon seit 1831 üblich.

bei dem schlechten Wetter vergebens warten lassen wollte, hat sie seine Zweifel radikal abgewöhnt, wie davon schweigt des Säugers Höflichkeit.

Die Finkenschaft.

Vermischtes.

* Norwegen ist nicht nur das Land der Heringe, fonbenV1 auch das Land der Blumen und des Obstes. ^as Gemuse und das Obst von Drontheim (sprich ^roiyem), der norwegischen Krönunasstadt, ist weithin seines Aromas wegen berühmt. Der Norden ^erzeugt- Aroma, wahrscheinlich..infolge des lang anhalten­den Lichts; der Süden mit seiner größeren Warme Zucker. Wo es aus das Aroma ankommt, wie bei manchen Gemu esorten, erscheint dem Norweger das im Süden, etwa m Norddeutschland, gebaute Gemüse fad und geschmacklosAlles, was rnch sonst in Norwegen von Blumenkultnr gesehen habe, bwibt^ hinter Drontheim zurück", schreibt Passarge, der Biograph ochsens;hier sind nicht bloß alle Fenster dicht mit Blumeii besetzt, man hat auch in den Zimmern oft ganze Lauben eingerichtet, ^n bat Gärtchen vor den Häusern bildet der Boden emm einzigen Teppich von Rosen, weißen Lilien und vielen anderen. Blumen. Die Täterin auf dem Feld Pflegt noch ihre Gelbveiglem. . . .

trat in den Garten eines Kunstgärtners nt Drontheim und fragte, ob denn hier, wo jeder Mensch Blumen ziehe, auch noch welche gekauft würden. Er blickte lächelnd über seinen wohl einen' Morgen großen Levkoieiislor und erwiderte, die Blumen be­kämen alle die Toten. Die Toten? Nun, ich möchte nur