Ausgabe 
21.4.1906
 
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läuft sich auf 1540 Meter. In iveit geringerer Menge vertreten ist der Kvinit, der bald lveiß, gelb oder rosa, bald grau und schwarz gefärbt ist und eine Verbindung vvn fchwefelsmtrer K'ali- rnagnefia und Chlvrmagnesia darstellt. Der Kiescrit, der ans schwefelsaurer Magnesia bestehl, bildet mit dein Sylvin reinem Chlorkalium und dem Steinsalz ein Gemenge, das' als Hart­falz bezeichnet wird. Das Hartfalz stimmt ziemlich mit dem Kainit überein, nur ist sein Wassergehalt geringer Und die ein­zelnen Bestandteile find in einem etwas anderen BerMtnis gruppiert. Fehlt in diesem Gemenge der Kicherst, und finden sich dafür in dem vom Steinsalz dnrchsedtcn Sylvin kleinere Mengen von Kvinit vor, so ergibt sich der Sylvinit. Dazu ge­sellen sich dann noch vermiedene andere Salze, wie der Schönst, der Staßsurtit, der Tnchydrit, deren Vorkommen seltener und spärlicher ist.

Die Kalifalzlagerstätten bilden ein Mied der oberen Zechstein- fvrmatiou. In dem ältesten Fuudgebiet, dem Magdebnrger- Halberstadtcr Becken, liegen sie einer mächtigen Ablagerung von älterem Steinsalz auf. Wegen seiner Verunreinigungen wird dieses ältere Steinsalz nicht abgebaut. Ueberlagert sind die Mlisalzschichtcn vvn einer wasserdichten Decke von Salzton und schwefelsanrem Kalk, aus die nack oben hin das jüngere Steinsalz folgt, das ziemlich frei von Beimischungen ist und darum ab» gebaut wird, lieber dem jüngeren Steinsalz breiten sich Gips, bunter Lettenschiefer, Kalffteinbänke und Rogensteinschichteu aus, die der unteren B-uudfaudsteinformation angchSren. Die Gesamt- mächtiakeit aller dieser Schichten, also ihre Stärke, beträgt gegen 1500 Meter. Davon entfallen etwa 900 Meter aus das ältere Steinsalz, 100 Meter aus die Kälisalzablagerungen und der Rest aus das jüngere Steinsalz und seine Decke.

Das ist der allgemeine Grundriss. Wer wir können diese Ablagerungen noch.' seiner zergliedern und damit zugleich einen Blick in ihre Entstehung vor Himderktaufenden von Jahren tun. Als das Meer noch die norddeutsche Tiefebene überflutete, bildeten sich an der damaligen .Küste Büchten und Becken, die mit dem Ozean nur durch enge Kanäle in Verbindung standen oder durch Darren, iiber die die See nur ausnahmsweise hinüberwogte, abgeschlossen wurden. Diese Buchten und Becken stellten daher riesige Salzpfannen dar. llntcr dem Einfluß der sommerlichen Märme verdunstete ihr Wasser mehr und mehr und die noch zurückbleibenden Massen erhielten einen immer höheren Salzgehalt. Endlich kam cs zur Ausscheidung der einzelnen Bestandteile der laugenartigen Ansammlungen der Becken. Zuerst wurde der schwe- selsaure Kalk in der wasserfreien Form oder der Anhydrit aus!- gesällt. Die Ausscheidung des Anhydrits erfolgte wahrscheinlich in der kühleren Jahreshälfte. In der wärmeren Jahreshälfte hingegen ging die Ausscheidung des Steinsalzes vor sich. Diese ivechselweise Ablagerung von Anhydrit und Steinsalz, durch die das' ältere Steinsalzlager geschaffen wurde, dauerte einen ge­waltigen Zeitraum hindurch an. Vom Bergmann werden die abgesetzten Rnhydritschnnre Jahresringe genannt. Die Zahl der Anhydritfchnüre wird auf 13 000 geschätzt- Soviel Jahre waren also nötig, um nur das ältere Steinsalz aufzubauen!

Aber der Ausscheidmigsprozeß wickelte sich noch weiter ab. Die Lauge der Becken wurde immer konzentrierter. Noch immer zivar wurde Steinsalz ausgefällt, dagegen würde nun statt des An­hydrits' der Pvlyhalit abgesetzt, ein Salz, das aus Mvefel- saurem Kolk, fchlveselsaurem Kali und schwefelsaurer Magnesia besteht. So bildete sich die Pvlyhaliiregion. Dock auch die Polyhaliiausscheidung nahm ein Ende. Säe wurde von der Nieder­schlagung des Kieferiks abgelöst, der, wie schon erwähnt, aus schwefelsaurer Magnesia besteht. Nun erst vvllzog sich die AuK- scheidung der Kvliialze, die in Form des- Carnallits abgelagert wurden. Tie Mächtigkeit der Carnallitrcgiou, zwischen der noch schwächere Steinsalz- und Kieseritbänke abwechseln, bemißt sich auf 1540 Meter. Nach dieser Wlagerung mutz eine klimatische oder tektonische Milderung eingetreten feilt. Denn auf den Car- nallit legte sich jetzt eine Decke von Salzton, in dem Ton mit Magnesia und Kalksalzen gemischt sind. Wie schort bemerkt, ist dieser Ton undurchlässig, .und so verhinderte er denn das Ein- dringen von Sickerwässern in die Carnallitregion und ihre Ms- lösung. Jetzt aber kam es abermals zu einer Veränderung. Es müssen ähnliche Verhältnisse wiedergekehrt sein, wie sie am Beginn der ganzen Periode herrschten. Denn es lagerte sich nun nochmals Mhydrit ab und kiefern folgte dann das jüngere Steinsalz. Doch 'von neuem vollzog sich eine Aenderung. Die Steinsalzausscheidung hörte aus, und über das jüngere Stein­salz breiteten sich jeiie,_ jetzt aus Gips, Letten, Kalkstein und Rogenstein bestehenden Schichten, die es nach der Oberfläche zu abschließen.

Wer das Ablagerungsgebiet blieb nicht in seiner ursprüng­lich mehr oder weniger horizontalen Schichtung erhalten. Durch Druckwirkungen von dieser oder jener Seite wurden die Schichten emporgeschoben, aufgerichtet und zerrissen. Stellenweise büßten sie so ihre undurchlässigen Decken ein, und nun begann auch das Wasier seine auslösende Arbeit an ihnen. Zum Teil fraß es die Carnallitregion ganz weg, zuut Teil aber änderte es sie nur um. Hatte das Wasser nur kürzere Zeit zu ihr Zutritt, so entzog es dem Carnallit das leicht lösliche Chlormagnesium, und es entstand so entweder der Sylvin oder auch das tzartsalz. womitc ess aber seinen zersetzenden Einslutz längere Zeit aus­

üben, fo traten das Chlorkalium des Carnallits und die schwefel- saure Magnesia des Kieftrits in Wechselwirkung und es bildete sich der ftoinit

Erschlossen werden die Kplisalzlagcrstättcn durch das Nicdcr- briugen von Schächten, deren Durclstausimg wegen der Schwimm- fandablagerungen und der andringenden Wassermassen in den klüftigen Schichten des Deckgebirges ost recht schwierig ist. Der Aüsban der Schächte, die rund gehalten werden und eine lichte Weite von 4, 5 bis 6 Meter haben, erfolgt am sichersten mittels gußeiserner Segmente mit Meidickstnug und Betonhintersüllnng. Bon den Schächten werden zuerst nach dem höchstgelegenen Teile des Lagers wagerechte Gänge, die Querschläge oder Strecken, ge­trieben, die die Lagerstätte in ihrer ganzen Dicke durchgueren. Von Wer aus wird sie nun durch Bohr- und Sprengarbeit aus­geschlossen. Tie hereingewonneuen Sakzmasseu werden in Förder­wagen auf Schienengleiseu zum Schacht geschafft, wo sie durch Fördermaschinen zutage gehoben werden. Um ein Rackbrechen der über den Grubenbauen hängenden Gebirgsteile zu verhüten, wer­den die entstehenden Hohlräume mit älterem Steinsalz, Rück­ständen der Chlorkaliumfabriken oder auch Bauschutt aus'gesüllt.

Kaimt, Hartsalz und Sylvinit werden zuerst in Vormühlen, den Steinbrechern oder Glockenmühlen, und sodann in Fertig­mühlen gemahlen. Sie dienen als Düngemittel. Der Carnallit wird nur grob zermahlen, bann aber fabrikmäßig, hauptsächlich zur Gewinnung von Chlorkaiium, weiter verarbeitet. Er wird nach der Zerkleinerung durch Elevatoren in Lösungskessel von 12 Kubikmeter Fassungsraum befördert, die kochende Chlvrmagnesium-- lauge enthalten und durch einströmenden Wasserdampf geheizt werden. ^Hierbei löst sich das Chlorkalium im Carnallit auf, während Steinsalz und Kieserit ungelöst int Rückstand verbleiben. Die erhaltene Lösung wird geklärt und fließt dann in schmiede­eiserne KristalMcrkäste», in denen nach 'eingetretener Abkühlung Chlorkalium kristallisiert, das noch mit Chlornatrinm Verunreinigt ist. Daher wird dieses Chlornatrinm wiederholt mit kaltem Wasser gewaschen. Nachdem es auf diese Weise von feinen Bei­mengungen befreit ist, wird es in Kälzinieröfen getrocknet. Tie Rückstände in den Klärgcfäßeu werden als Kalidüngesalze iir den Handel gebracht. Roch langwieriger ist die Verarbeitung des Kainits. Aus seiner Lösung wird teils schwefelfaure Kali- magnesia für Düugezwecke, teils mittels Chlorkalium Chlormague- simn und schwefelsaures Kali gewonnen. Chlorkalium, schivefel- saure Kali und schwefelfaure Kalimaguefia werden von der Jn-- dusttie zu Pottafäse, Aetzkalt, Kalisalpeter, Alaun, Cyankalium, Bromkalium, Jvdkalium, Blutlaugensalz usw. verwendet. Ans den Endlaugen werden hergestellt Brom, Chlor, Salzsäure, wozu noch' als Nebenprodukte Glaubersalz und Bittersalz treten.

Theo Seelman n.

T»lter»atio»tale Zertungsausstellttng.

Bon dem Gedanke» geleitet, dem großen Publikum das Zeitungswesen und die auf dem Erdenrund erscheinenden Tages- blätter in einer zusammcnfasseuden Form vor Auge» zu stihrcn, sah sich der Buchdruckmaschiuenmeistervereiu in Leipzig im Jahre 1904 veranlaßt, einen Aufruf in in- und ausländischen Fach- organen um Uebersendung von Zeitungen aller Art zu erlassen. Dieser Aufforderung wurde im reichsten Maße entsprochen und auf diese Weise ist eine äußerst reichhaltige Sammlung zusammen- gebrncht worden, die bereits im vorigen Jahre in Ausstellungen in Leipzig und Berlin den Beifall des Leserpublikums gesunden hat. Durch Vermittlung der dortigen Fachvereine ist es gelungen, die Ausstellung auch iit Frankfurt zu veranstalten und sie findet dort vom 26. Mai bis 11. Juni statt. Die Stadtbehvrdr hat dafür bie ehemalige Weitzfrauenfchule zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig mit der Ausstellung ist der Ausschuß bestrebt, eine möglichst lückenlose Darstellung des Zeitungswesens zu geben; unterstützt durch ein einschlägiges Material zahlreicher Franffurter und auswärtiger Privaten und Behörden. Ihn den Laien einen Ein­blick in den Betrieb eines modernen Zeitungswesens nehmen zu lassen, ist ferner beabsichtigt, die Entstehung einer Tcige^eitung durch Ausstellung hieraus bezüglichen Materials, wie Satz, Ma- tritzcir, fertige Druckplatten usw., Abbildungen der zur Zeit int Zeitungsbetriebe erforderlichen Maschinen aller Art, vorzuführen. Der Ausstelluugsplau gebt ans Vvn den brieflichen Zeitungen des 16. Jahrhunderts (Melanchrhon) und von den gedruckten sog.Reuen Zeitungen" wird das Frankfurter Zeitungswesen, das in seiner Entstehung und Bedeutung mit an erster Stelle steht, in erster Linie berücksichtigt. Es kommen für Frankfurt am Main folgende Zeitungen, der Reihenfolge ihres Erscheinens nach, in Betracht: 1. Meß-Relationen von Kvnrad Lantenbach; 2. Egenvlph Emmel (1615); 3. Johann von den Birghdeu, Taxisscher Postmeister (1617); 4. Schönewetter (1619), von 1628 abOrdentliche Wöchentliche Postzeitung"; 5. Johann von den BirghdenOrdentliche Wöchentliche Zeitungen"; 6.Ordentliche wöchentliche Kayferlichc ReichS-Pvst-Zeitmig"; 7.Zeitung Post", vvn Wolfgang Hofmann herausgegeben (1633); 8. Wilhelm Berlin (1665), zuerstDie holländischen Progressen", bald darauf das Journal" (1903 mit demFrankfurter Jntelligenzblatt" ver­schmolzen); 9.Jntelligenzblatt" (1721); 10.Die Oberpost­amtszeitung"; 11.L'Avimt-Eoureur" (1730) von Barren trapp; .12.Frankfurter Berichte vpn he.» Staats-, Äkjegs- uub Frie-