Ausgabe 
21.3.1906
 
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Kunst.

':Meisterbilder fürs deutsche Haus." Neue Neike. Herausgegeben vom Kunstivart. 25. und 26. Folge, .olatt 1'45156, Verlag von Georg D. W. Callwcy in Münckcm Preis eines jeden Maltes in Umschlag 25 Pfennig. Zum Lobe der vom Kunstwort herausgegebenen Mcisterbilder fürs deut>chc Haus kann kaum etwas Neues gesagt werden. Der Verlag hat sich ein großes Verdienst erworben durch die Herausgabe dieser tit der Mehrzahl mustergiltigen Kunstblätter. Wie viele Zausende hier für den Preis von x/i Mark gleich 25 Psg. em Bild railfen koiinten, an dem sich Auge und Herz lange Zeit erfreuen, das ist eins d c r Geschenke unseres Jahrhunderts, von denen die gute alte Zeit nichts ivustte. Wie oft hat Goethe von den tiefen Eindrücken gesprochen, welche ihm, dem Kmde, die Bilder im Trcppcnslur des Frankfurter Elteruhmiscs machten, wie sie ferne Phantasie anregten, seine Augen erfreuten Bei allen Bcstreb- nngen der Kunsterziehung unserer Tage wird noch viel zu wenig auf die Bilder in der täglichen Umgebung geachtet, welche Meister- tve>-ke der Kunst iviederqeben gerade diese Nachbildungen smd durch ihren unglaublich billigen Preis jedermanir zugänglich, ihre Erwerbung braucht niemand zu scheuen, auch; das kiiappste Budget wird eine l-albe Mark für solchen Wandschmuck übrig haben. Alle Gebildeten Mann oder Frau sollten cs als ihre Mipion betrachten, gute Bilder dieser Art zu verbreiten. Bequemer und billiger kann der Erwerb nicht werden, als es hier durch die Meisterbilder des Kunstwart geboten wird. Die 25. Folge enthalt: Blatt 145 Allart v. Evertingen, Norwegischer Wasserfall. Blatt 146 Ruisdncl, Flußlandschafi mit Windmühle. Blatt 147 .Hans Memling, Maria mit dein Kinde. Blatt 148 van Dyck, Die letzten Stuarts. Blatt 149 Giorgione, Brnstbild eines Mannes. Blatt 150 Rubens, Spielende Kinder. Die 26. Folge enthält: Blatt 151 Bildnis der Gräfin Potockn. Blatt 152 van Dyck, Wilhelm II. von Oranien. Blatt 153 Michelangelo, Tie Erschaffung von Sonne und Mond. Blatt 154 Botticelli, Der Frühling. Blatt 155 Murillo, .Der hl. Antonius mit dem ChristuAkind. Blatt 156 Hackaert, Die Esckenallee.

EinlSomm ern achtKträum, Falst aff und sein e Geselleir, Schattenbilder von Paul Kouewka. Neu her- ausgegeben vvm Kunstwart. Mit Begleittext von Ferdinand Äve- narius. Preis in Mappe je 2 Mk. München, Georg D. W. Callwey.i Wer von uns'um die Mitte des vorigen Jahrhunderts oder noch früher geboren ist, der wird sich troch des' Jiibels erinnern, den in den sechziger Jahren Paul Konewka erregte. In Zeitschriften, Bilderbögen, Jugendbüchern, tauchten Schattenrisse von solcher Zierlichkeit und Anmut auf, daß sie sich Augen und Herzen schnell wie der FrühlingAvind die Wiesen eroberten. Drei Reihen von Kunstblättern folgten ihnen, Schattenrisse 51tFaust", zumSommernachtstraum"' nnbFalstaff und seine Gesellen", sie zeigten von Werk zu Werk die Kunst ihres jungen Meisters int Wachsen. Aber als das letzte erschien, !var Paul Koncivka schon tot." Man hat denMozart der Silhoiiette" damals tausendfach bitter beklagt. Aber ihm ivard noch Traurigeres beschicden als seines Leibes Tod: aus allerhand Gründeti wurden seine, köstlichen Bildermappeir nicht wieder neu gedruckt und so verscholl mit der Zeit auch das Feinste seiner Kunst. Jetzt ist es wieder ausgelebt! Der Kunstwart hat die besten der Scbatten- ristsolgen Konewkas neu herausgegeben, den lieblicbeitSommer­nachtstraum" undFalstaff und seine Gesellen", in denen es von allen Humorcn sprudelt. Jede der Folgen, mit ihren ungefähr zwanzig Bildern ist nun (für 2 Mk.) von Georg D. W. Eallwey in München wieder zu beziehen, und also kann der Freund der Anmut und der Schönheit sich wieder satt an seinem Koncivka sehen. .

LLLevavssches.

Erne neue Zeits chrift erscheint seit Anfang dieses Jahres in Leipzig:Die Leb cnskunst", Zeitschrift für per­sönliche Kultur, Rundschar! auf dem Gebiete moderner Reformarbeit. Es sollen besonders folgende Gebiete bearbeitet werden: Lebens- tveishcit und Charakterbildung, Körperstählung und Schönheits­pflege, naturgemäße Lebens- und Heilweise, Alkohol-- und Tabak- Abstinenz, Frauen-Juteressm, Erziehungsreform, Jngendschutz ustv. Unter den Mitarbeitern befindet sich auch der Oberst a. D. Spohr aus Gießen, der in der 1. Nummer über die Pcst- seuche spricht. Herausgeber ist Karl Lentze in Leipzig. Der Preis für das Vierteljahr (6 Nrn.) beträgt nur 1 Mark.

Abermals eine neue Serie der Bibliothek der Gcsamt- literatur (Verlag von Otto Hendel, .Halle a. S.). Die Reihe, er- pfsnet diesmal Eduard M ö r i k e mit einer Auswahl seiner Gedichte, herausgegeben von Friedrich Bernt. (Brosch. 1 Mk.) Ebenfalls von Bernt herausgegeben schließt sich Mörikes letzte ProsaschöpsungMozart auf der Reise nach Prag" an. (Brosch. 25 Pfg.) Weiterhin folgen Guy d e M a u p a s s a n t s Novellen und Skizzen. (Brosch. 75 Pf.) Den Schluß bilden zwei Bände von Roderich Ben cd ix' Haustheater. Eine Auswahl einaktiger Lustspiele, Vorspiele und Soloszenen für gesellige Kiceise und offenil. Bühnen. (Brosch, je 25 Pfg.)

Eine besonders' große Anzahl Nummern (28 statt der ge­wöhnlichen 20) umfaßt die nette Serie von Meyers Volks- büchern, herausgegeben von Dr. Hans Ziminer, Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig. Daß sie den ebenfrei" gewordenen Eduard Mörike weitesten Kreisen in billigen Neu- drucken zugänglich machen würde, tvar zu erwarten: sie bringt von ihm den fstomanMaler Nölten" (Nr. 14431449) nach der ersten, unüberarbeiteten Ausgabe von 1832 und die Novelle Mozart auf der Reise nach Prag" (Nr. 1450). In scharfem Gegensatz zu diesen Erzeugnissen einer beschaulichen, abgeklärten Tichtern'atur steht Victor Hugos spannender, handlungsreicher, ja stürmischer RomanNotre-Dame von Paris" (Nr. 14231431), während Fritz R c n t e r s mit Worterklärungen verseheneLäuschen un Rimels" (Nr. 14381442) dem Leser alte Lieblinge in einem neuen Geivande zusühren. Von besonderem Werte ist die Ncu- ausgabe von Bogumil Goltz' BolkstumsstudienZur Geschichte und Charakteristik des deutschen Genius" (Nr. 14321437), die nicht bloß mit sorgfältig bearbeiteten Erläuterungen, sondern vor allem mit einer Einleitung versehen ist, in der cndliclmiumal die verwirrend vielgestaltige Persönlichkeit des originellen Schrnft- stellers Goltz klar ersaßt und geschildert ist. Jedes Bändchen ist einzeln käuflich, der Preis jeder Nummer ist 10 Pfennig.

Für unsere Klemen.

: Vor mir liegt ein kleines, geschmackvoll ansgestattetes Buch, das erste einer Reihe von Märchen von O kl a v i e Reb, mit Bildern von Luise Kumpa (Verlag von L. Vogelsberger in Darmstadt.) Es enthält das Märchen vou dem Osterhäschen. Das' kleine Büchlein tritt nicht mit kunsterzicherifcher Reklame auf. Schlicht und ungekünstelt erzählt es ein altes Märchen in neuer Form, neuen Bildern, neuer Deutung, mit schalkhaftem Humor gewürzt und voller Beziehungen zu der FruhlingÄvelt, die das' Kindergemüt umgibt und die es versteht. Da ist nrcnts Gesuchtes^, weder im Text noch in den niedlichen farbigen Illustra­tionen. Da finden wir weder jene gespreizte, manierierte Einfach­heit, noch jene läppische Kleinigkeitskrämerei, die uns heute beide als' die Klone kindlicher Kunst angewiesen werden. Sichere ohne nach links oder rechts zu liebäugeln, geht die, Erzählerin ihren Weg, und wer, wie ich, die Wirkung ihres Märchens auf das Kindcrqemüt praktisch erprobt hat, der ivird ihr Recht geben., daß diese goldene Mitte, wie sie es von jeher war, auch sernerhm der richtige Weg für solche Kindergeschichten fein wird. Dr. W. &

AsrmorMrsehes.

Gebildet. Professor:Wie Herr Leulnant? Sie als gebildeter Mensch haben SchillersRäuber" nicht gelesen? Leutnant:Aber ich bitte Sie l Schillers öiauber smd doch so allgemein bekannt, die lieft man nicht erst l"

ImKasseklatsch. Han § sra u (aus dein Zunmer heraus- tretend und den Diener in der Nähe der Tür findend):Johann, D»i hast gehorcht I" Diener:Nein, gnädige Frau. H auSfrau:Doch hast Du gehorcht I" D 1 c ne r: ,,-Renh gnädige Fran." Hausfrau:Lug' nicht, Johann, Dir sichen ja die Haare zu Bergei"

Humor des Auslandes.

* Cnrley:Sehen Sie den Herrn da drüben ? Er besuchte dieselbe Universität ivie ich. Soll mich wundern, ob er sich meiner noch erinnert?" Bnrleigh:Bitten Sie ihn doch mal, Ihnen ein Ps>i»d zil leihen." -Wozu?"Wenn er sich Jhrcr noch erinnert, iverden Sie cs nicht bekommen."

D er U n t ers ch i e d.Ich verstehe nicht, iv'.e Sie ztilaßen können, daß Ihre Tochter mich ivcgen des BriicyeS des Ehever- sprechens verklagt. Sie werden sich doch ivohl noch entsinnen, uns wenig Sie mit nnserer Verlobung einverstanden waren, weil ich Ihnen nicht gut genug für Ihre Tochter war und der Familiezur Schande gereichen würde."Junger Mann, das war. Gesuhls- sache, jetzt ist cs aber Geschäftssache!"

Charade.

Nachdruck verbotet.

Steigt leuchtend die Rakete ans, Bleibt Eins nicht anS, verlaß dich d'rauf. Z>vei-Drci lebt froh in Busch und Wald, Ist bunt nnd zierlich von Gestalt.

Das Ganze ist ein Bild des Fleißes. Wcr's nicht erraten kann, den beiß' es!

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer r Wir hatten das Beste zu hoffen künftig, Wär' Menschcnwille nur immer vernünftig Und würden verkehrte Lcideufchasten Nicht eivig an unserm Herzen Hastei!.

G. Maurer.

Redaktion: Ernst Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, N. Lange, Gießen.