Ausgabe 
21.2.1906
 
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Mittwoch de» 21. Ieörnar

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Dem Wahren- Edlen, Schönen.

Mn Großstadtroman von Fedor v. Zobeltitz.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Prinz Arenstein hatte die Arme über der klopfenden Brust verschränkt. Wirklich: die arme Frau war stärker als er. Ihm wurde das Starkscin schwer. Er hätte sie in trunkener Vergessenheit ort sich ziehen können o roie*liebte r sie! Er starrte auf sie herab, auf ihr leuchtendes Nothaar, das den geneigten Kopf mit goldenen Flammen umkleidete, auf die runden, weihen Schultern, die feine, volle Gestalt. Sie saß wie gebrochen vor ihm, und ihr Seelenleid war auch das seine.

Freda," sagte er sanft,ich widerspreche Dir mcht mehr. Ich denke in manchem anders als Du. Du willst keine Sklavin sein und bist es dennoch., Du beugst Dich der Heiligkeit der Ehe, und Deine eigene ist unheilig, denn ihr fehlt das Erlösende . . . Nein fahre nicht auf . . . tch will Dich nicht erregen. Ich ivill Dich auch nicht bekehren. Ich warte ab. Es kann einmal die Stunde kommen, da Deine Gedanken sich wandeln. Vielleicht bedarfst Du einst meiner. Und dann ... es bleibt so: mein Herz liegt offen vor Dir . . ." Er atmete sehr schwer, und doch ging letzt ein Lächeln über sein blasses Gesicht . .Es bleibt so, wiederholte er,wir sind gute Freunde. Nun komm! Hier blühen die Rosen; wir wollen ivicder nach vorn in gemäßigtere Klimate . . ." Er nahm ihre Hand und küßte sie.

Sie erhob sich. Da stand der Graf vor den beiden.

Er war leichenblaß, war ganz fahl. Seine Augen blitzten, die Favoris zitterten.

Ah da seid Ihr," sagte er mit heiserer Stimme. Frcda mein Gott, ich habe überall nach Dir gesucht wir wollen aufbrechen. Eine furchtbare Gesellschaft. Gehe voran und empfiehl Dich; ich komme sofort nach . . .'

Freda antwortete nichts. In ihrem Auge stand ein heimlicher Schreck. Sie ging an dein Gatten vorüber. Aren­stein wollte ihr schweigend folgen; doch die Hand des Grafen hielt ihn zurück»

Einen Augenblick," flüsterte er.

Er horchte, bis das Kleiderrauschen der sich Entfernenden nicht mehr zu hören war. Er trat in die Tür des Winter­gartens. Es kam niemand. Die Fontäne rieselte melancho- 1 lisch; die beiden Aeffchen im Käfig richteten sich auf.

Der Graf wandte sich zurück.Höre Arenstein," sagte er ruhig, aber e3 war Heros, als raste hinter dieser anscheinen­den Ruhe eine unbändige Wut,ich habe mit Dir zu sprechen: nur ein paar Worte ... Du wich mich nicht für einen .eifersüchtigen Narren halten. Nein . , . ich bin nickt eifer­

süchtig. Aber ich will auch nicht, daß die Welt mich verlacht. Man wird aufmerksam auf Euch auf Dich und Freda

Wer?" fragte der Prinz mit heiterer Miene.

Da schäumte FrehlinghauS auf.Arenstem, lag dieses mokante Lächeln! Verdammt willst Du Dich noch lustig machen über mich?! . . Er zischte das ingrummg hervort feine Augen glühten, seine Hände waren geballt.

Heros wich nicht zurück vor ihm. Der Gedanke schoß ihm durch den Kopf, Frehlm bans könne seine letzte . u8- spräche mit Freda belauscht Haven. Dann war mchtS mehr zu retten, und die Kugel mußte fliegen.

Aber Arenllein blieb kaltblütig. Es war auch in seinen Wangen kein Tropfen Blut mehr; die Nasenflügel vibrierten, die Mundwinkel zuckten. Denur bewahrte er seine Ruhe.

Was hast Du uns vorzmuersen?" fragte er.Unsere Kinderfreundschaft? Unseren kameradschaftlichen Verkehr?

Ja," schrie Frehlinghaus. Er schaute sich rasch um und dämpfte wieder seine Stimme.Den Teufel mit dieser Kameradschaft! Ich will das nicht! In allen Ecken und Winkeln flüstert Ihr herum. Hundertmal küßt Du ihre Hand, Blicke fange ich auf, die mir nicht passen. Es paßt nur nicht mehr! Sela damit ..." Er richtete sich drohend auf. Arenstein ich warne Dich!" rief er.

Halt, Frehlinghaus! Nicht warnen. Dazu fehlt Dir das Recht. Und nicht heftig werden, damit ich nicht Gleiches mit Gleichem erwidere und eine blasse Kouiödie daraus wird. Was verlangst Du? Der Welt zuliebe, nicht wahr? Du, sprachst doch nur von der Welt und ihrem Titscheln und Tratschen? Sollen wir uns nicht mehr kennen, wenn wir uns in der Gesellschaft begegnen, die Freda und ich? Sollen wir uns nut höflicher Kühle grüßen ober was willst Du?

Was befiehlt Deine Hoheit?"

Es wetterte finster über das Gesichi des Grasen. ,,v>ck ivill meine Ruhe wieder haben," sagte er. Du raubst sie mir. Frage nicht erst. Ich ertrage Demen Verkehr mit Freda nicht länger. Ich kam: es nicht hindern, daß Ihr gelegemlich in der Gesellschaft zusammentrefft; und kann ich e» huidern, so tue ich es, des sei gewiß. Ich will aber auch nicht mehr Deine Besuche . . . verstehst D>t?!" - und er trat einen Schritt näher, und sein Blick bohrte sich in das verblichene Gesicht Arensteins. r r .__

Der senkte die Augen. Ihm war, als muffe sein Herz

P 8 So verbietest Du mir Dein Haus?" fragte er tonlos.

Einen Moment schwieg Frehlinghaus, gleichwie über, legend. Dann sagte er:Ja, ober doch nein. Nicht ver­bieten. Ich will keine Schroffheit. Ich bitte Dich, daß Du Deine Besuche aufgibst; wenigsten« für längere Zeit.