Ausgabe 
20.8.1906
 
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für den Vater der kleinen Jenny ansah. Dieser erste und einzige Graf Rabe von Pappenheim starb 1815, und seinen Nachkommen wurde die Führung des Grafentitels unter­sagt. Des Oberzeremonienmeisters Witwe aber schloß 1817 eine zweite Ehe mit Ernst Christian August von Gersdorff, der als weimarischer Staatsminister der Kollege Goethes war. Sie ist 1844 in Weimar gestorben. Man sieht aus dieser kleinen Darlegung, daß die Abstammung der Frau. Lily Braun von dem leichtsinnigsten der Brüder des Kaisers Napoleon höchstens vermutet werden kann.

* Tennis als Spiel der Könige. Der Tennis­schläger wird jetzt in den Tagen des Sommers und der Ferien wieder viel geschwungen. Da mag es angebracht sein, an die ehrwürdige historische Bedeutung und das große Alter dieses Spiels zu erinnern, das wohl als das älteste unter allen Ballspielen gelten kann und in früheren Zeiten ein besonderes Lieblingsspiel der englischen Könige und Prinzen war. So haben die Tennisbälle in der englischen Geschichte eine bisweilen verhängnisvolle Rolle gespielt. Durch einen Tennisball ist der Sohn Georgs II., Prinz Frederick von Wales, getötet worden. Er war ein leiden­schaftlicher Tennisspieler und erhielt bei einem Wettspiel, bei dem er sich eifrig beteiligte, einen Ball mit voller Gewalt gegen den Kopf geschleudert. Durch den Schlag entwickelte sich ein innerer Abszeß, der immer mehr zu­nahm, und so gab der hoffnungsvolle junge Prinz 1751 plötzlich in den Armen des berühmten Tanzmeisters Des- noyers seinen Geist auf. Anch der Sohn Jakobs I., Prinz Heinrich, mußte seine Begeisterung für das Tennisspiel mit dem Leben bezahlen, denn eines Tages erhitzte er sich beim Spiel mit einem der Hofleute so stark, daß er sich eine schwere Erkältung zuzvg, die dann seinen Tod herbeiführte. Seine Aufregung bei dem Spiel wär so groß, daß er, wenn er verlor, sich in seiner Wut häufig zu Schlägen hinreißen ließ, die er an seine Gegner austeilte. Jakob I. von Schottland ist das dritte Opfer, das die Tennisleiden­schaft unter den Königen Großbritanniens gefordert hat. Freilich war das Spiel au seinem Tode nur auf sehr in­direkte Weise schuld. Ms der König im Jahre 1436 mit seinen Höflingen im Blackfriars-Kloster zu Perth bei einem Gelage saß, wurde int Empfangsraume plötzlich der Lärm nahender Feinde gehört. Ter König suchte vergeblich zu entfliehen und wurde von seinen verräterischen Gegnern getötet. Wie berichtet wird, war in dem Raume eine Oeff- nung gewesen, durch die er leicht hätte entkommen können, aber dieser Ausgang war wenige Tage vorher auf feinen eigenen Befehl hin vermauert worden, weil der Tennis­platz des Königs daneben lag und die Bälle zu häufig cmrch die Oeffnung hindurchgeflogeu waren. Heinrich VII. war ein so begeisterter Tennisspieler und gab sich dieser Beschäftigung so völlig hin, daß ihm Heinrich V. von Frank­reich, als er Krieg gegen England plante, ein ironisches Geschenk Wersandte. Er schickte ihm nämlich, eine ganze Tonne voll Tennisbällen, damit er mit ihnen spielen könne, dennzum Teunisspieleir hätte er mehr Geschick, als zum Kriegführen". Heinrich, VIII. hatte wohl die Liebe seines Vaters §n dem Spiel, aber nicht dessen Geschicklichkeit ge­erbt. Er war ein sehr schlechter Spieler und verlor, da um Geld gespielt wurde, große Summen. Es wird gemeldet, daßseine Leidenschaft von klugen Leuten ausgebeutet wurde, denn sie brachten zu ihm Franzosen und Lom­barden, die mit ihm wetteten und ihm soviel Geld ab- uahmen: aber wenn er bemerkte, wie geschickt sie waren, dann mied er ihre Gesellschaft und ließ sie vom Hofe fort­treiben." Wir wissen nicht, ob dieQueen Beß" ein Raquet handhabte, aber Jakob I. von England lehrte feinen Sohn Heinrich das Spiel nnd liebte es selbst sein ganzes Leben lang. Auch der elegante Karl II., der so leicht alle Ver­gnügungen überdrüssig hatte, bewahrte doch, für diesen un­schuldigen Zeitvertreib eine besondere Vorliebe, wie >vir aus den Aufzeichnungen von Pephs wissen.

, * Ballkleider aus Papier. Der Gedanke, bei dieser lommerlichen Temperatur das Vergnügen eines Balles zu ge- nietzeu, ist wohl dazu angetan, ein gelindes Entsetzen bei jedem yervorzurufen, der über das Stadium der ersten Jugend und Tanzfreudlgkeit hinausgelangte. Das mögen die Veranstalter eines Lanzsestes eingeschen haben, das vor wenigen Tagen in bcm schwetzerifchen Badeorte CHLteau-d' Oex die Gäste eines Hotels vereinigte. Sie hatten nämlich vorgcschrieben, daß jedermann, ob jung ob alt, ob Männlein oder Weiblein, in einem Kleide

aus Papier erscheinen müsse. Und wie Augenzeugen versichern, sollen die auf solche Weise erzielten Toiletteneffekte sehr hübsche und amüsante gewesen sein. Mair sah alle möglichen Kostüme, teilweise in sehr geschmackvollen Farben-Nüancen, und es fehlte auch nicht an drolligen VerUeidungen aller Art, die wieder ein­mal bewiesen, daß das Papier sich zu vielen Zwecken verwenden läßt, für oie wir in Europa, im Gegensatz zu den Völkern des Ostens, es noch nicht zu benutzen gelernt haben. Nur die Feuer­gefährlichkeit der papiernen Tanzkleider läßt es uns doch einiger­maßen zweifelhaft erscheinen, ob sie sich schon als nächste Winter­mode in unseren Ballsälen einbürgern werden.

Gesundheitspflege.

* Die Ursachen des frühzeitigen ZälfnVer­lust es. Die Wichtigkeit eines normalen Gebisses für die Verdannng wird immer mehr anerkannt, das Fehlen der Zähne ist die Urfache wieder Verdaunngsbeschwerden und' diese verschwinden oft von selbst, wenn der Patient, nach­dem seine Zähne in Ordnung gebracht sind, wieder kauen und damit die Verdannng vorbereiten kann. Es sollte dem­nach als selbstverständlich betrachtet werden, daß, wenn die Zähne verloren gegangen sind, für Ersatz derselben gesorgt werden mnß. Leider wird aber der Verlust eines' oder auch mehrerer Zähne kaum beachtet, weil die schäd­lichen Folgen, welche durch den Verlnst auch nur weniger. Zähne entstehen, zu Wenig bekannt sind. Der Zahnersatz wird 'meist erst dann vorgenommen, wenn Schönheitsrück­sichten oder Störungen in der Sprache sich bemerklich machen. In einem Vortrage in derBert. nteo. Gesellsch." hat jüngst Prof. Warnekros, der Direktor der Berliner zahn­ärztlichen Universitätsklinik, die Mähnnng ausgesprochen, daß schon beim Verlust des ersten Zahnes der Zahnersatz geboten sei. Der Verlnst einzelner Zähne ohne sofortigen Ersatz hat immer Schädigungen des ganzen Gebisses zur Folge, ja er wird znr Ursache des frühzeitigen Zähneaus­falles. Denn das Gesetz, daß für ein verloren gegangenes' Organ die noch übrig gebliebenen aushelfend eintreten müssen, gilt auch für die Zähne. Bei den noch vorhandenen Zähnen tritt eine größere und ungleiche Belastung ein, sie werden überanstrengt, ihre Zahnkronen schleifen sich früher ab, einzelne Zähne verschieben sich und treten aus ihrem knöchernen Fache herans. Sie werden verlängert und schief gestellt, dadurch stellen sich die Berührungsflächen der Zähne ungünstig zu einander, sodaß leicht Zahnfraß eintritt. Außerdem wird durch Druck auf einzelne knöcherne Zahnfächer eine Lockerung der Zähne bewirkt, wodurch so­wohl Ansammlung von Zahnstein als anch Infektion mit nachfolgender Eiterung der Zahnfächer sich bilden. Der Ersatz eines verloren gegangenen Zahnes ist daher das. beste Mittel, um den Zahnfraß und die Lockerung der einzelnen Zähne zu verhindern und er erhält das Gebiß bis ins späte Alter zur genügenden Zermalmung und Ein- speichelung der Speisen. Auch ist der Ersatz natürlich, viel leichter und sicherer herznftellen, je früher er vorgenommen wird, er wird dagegen sehr erschwert, wenn erst infolge; schon langen Fehlens Don Zähnen ihre Partner sich ver­längert und schief gestellt haben.

Bilderrätsel.

Nachdruck verboten.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer; Auster, Muster.

föeöaftton: Ernst Heß. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße«,