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interessieren konnte.
war?
gen, kraftvollen Lebens.
Adele war vorinittags ausgegangen, um das Treiben ans dein Markt und in den Straßen kennen zu lernen. I Hause war sie überflüssig bei den geheimnisvollen Vorkehrungen für den Abend. Seit gestern hatte sie Ferien. Tante und Eltern hatten nach längerer Neberlegnng beschlossen, daß sie nicht nach Hause kommen sollte, und sie hatte sich schweren Herzens gefügt. Sie war erst kurze Zeit fort, die Reise weit und kostspielig, und dann lag zur Winterszeit die Möglichkeit einer Erkältung nahe — sie müßte sich
schonen, vorsichtig sein ...
Ein schmerzliches Lächeln zog durch ihr vom Frost gerötetes Antlitz, als sie daran dachte. Wie oft hatte sie diese Worte in den letzten Wochen gehört: Sich schonen, vorsichtig sein — anders als andere junge Mädchen ihres Alters. Wie ein Reif war cs in den Frühling ihrer jungen Seele gefallen. Furcht und Scheu erstanden in ihren» Herzen bei dem Gedanken, daß sie ihrem Talent das Opfer bringen müsse, auf alles zu verzichten, was der Jugend freudigen Mut gibt: das Harnilose, llnbedachte, Unbekümmerte. Bei jedem Schritt mußte sie sich Rechenschaft geben, j)b sie dies oder das auch tun dürfe ohne Schaden für ihre Stimme.
Ihre Sehnsucht nach Hause wäre große genug, um selbst nach kurzer Zeit und auf wenige Tage zu den Eltern heimzukehren, und sie konnte sich eigentlich gar keine rechte Vorstellung machen, wie sie getrennt von einander das heilige Fest verleben würden, aber den klugen Erwägungen gegenüber blieb sie still. Die Kosten und die Kälte und daß es besser fei, das Abschiedsweh nicht zu erneuern. Es war wohl das Richtige, was die Tante angeordnet hatte.
„Der dient jetzt sein Jahr ab, dann macht er sein Staatsexamen und den Doktor."
Ein eigentümliches Gefühl durchzuckte sie. Und dann war cs ihr, als hätte eine fremde Stimme dieses Intimste und Innerste, was ihre Seele bewegte, ausgesprochen. Es schien ihr, als hätte jemand eine Indiskretion an ihrem innersten Fühlen begangen. Sie schaute ganz verwirrt um
sich und sank in sich zusammen.
„Ach, bitte, ich habe so viel erzählt, was euch kaum
Aber, als sie jetzt in der großen, fremden Stadt allein umherzog, überfiel sie ein Gefühl von Verlassenheit und Ein. samkeit.
Sie nannte sich selbst töricht. Das durfte nicht sein.
gerächt hat.
Während dieser langen und ermüdenden Verhandlungen hat sich der Vorsitzende des Schwurgerichts unparteiisch und würdig gezeigt, und hat mit verdoppeltem Eifer nach der Wahrheit gesucht, die auf ewig begraben bleiben wird im geheimnisvollen Walde des Salario.
Wir haben Gelegenheit gehabt, die politischen Taten des Herrn Savelli sehr streng zu kritisieren, aber wir anerkennen, daß er bei dieser Gelegenheit seine Pflicht als Richter und als Mensch getan hat.
Santu Casanova.
In „A Tramuntana" vom 18. Juni 1904.
Bastia, 43 Boulevard Paoli-
Ebenso widmete „Le Petit Bastiais" dem Prozeß folgende freundliche Nachschrift:
Gerechtigkeit!
Die Ehre unseres Landes ist soeben durch 12 rechtschaffene Bürger wiederhergestellt worden. Herrn Tiemann, wegen Raubmord verfolgt, wurde die Freiheit zurückgegeben. Während vier Tagen haben wir den Zusammensturz eener Anklage beigewohnt, die auf Fundamenten einer nnve- greiflichen Hinfälligkeit aufgerüstet War. Keine neue v
ergriffen.
Während noch immer das Beil des Henkers über T.'s Hals hing, mitten in all der starren Ergriffenheit und so vieler atemlos klopfender Herzen, hat die Verteidigung des jungen Roux jede, auch die ängstliche Brust, erweitert und hat im ganzen Saale etwas Heiterkeit verbreitet.
Als letzter betrat der Advokat Decori die Bühne. Dieser Im I Meister des Wortes ist über alles Lob erhaben. Sein Ruhm geht vom Golo zum Liamoue! Da die entscheidende Stunde nahe war, hat Herr Decori die Geschworenen, die nach vier Schlachttagen müde wären, nur um 15 Minuten gebeten. Und seine letzten Worte voll tiefer Bewegung waren an den jungen Leutnant Meyer gerichtet, den Sohn des Ermordeten, der, indem er selbst die Unschuld T.'s proklamierte, das Gedächtnis seines verstorbenen Vaters geehrt und einen Unglücklichen, der von allen als unschuldig erkannt Ivar,
Sie hatte nicht das Recht, sich sentimentalen Stimmungen hinzugeben. Ewig konnte sie doch nicht daheim bleiben. Waren nicht alle hinausgezogen, die Gefährten ihrer Jugend, ihrem Beruf folgend, ernsten, hohen Zielen entgegen? Und u.uv, ,u; - , ....... , mußte sie nicht glücklich sein daß die Ratnr ihr ein Geschenk
tuiuirf. Entschuldigtl Die Rückerinnerungen verliehen, das auch ihr die Möglichkeit gab, den engen Kreis
rissen mich fort. Das alles hat nur Wert und Bedeutung zu verlassen, der kleinen Welt zu entfliehen, die ihre Hemmt
• 1----° (Forts, folgt.)
157 Hage korsischer Raubmörder.
Erinnerungen an Korsika.
Nach eigenen Erlebnissen ausgezeichnet von Adolf T i e m a n n. (Nachdruck erwünscht.)
für mich, nicht für andere."
„Aber, Kind, wie kannst du das nur sagen. Du hast eine glückliche, verheißungsvolle Jugend gehabt, wie selten ein Mädchen aus den Kreisen und den bescheidenen Verhältnissen deiner Eltern."
„O ja! Sehr glücklich," sagte sie einfach. I ' ' (Schluß.)
Sie hatte sich erhoben. I Er ist glücklich, daß die Geschlvorenen, da sie keinen
„Wenn du erlaubst, liebe Tante, ich möchte vor dem I Beweis feiner Schuld hatten, ihn gleich in Freiheit gesetzt
Abendbrot noch ein wenig arbeiten." I haben; wenn sie ihn verurteilt hätten, wären vielleicht
„Jawohl, Herzchen! Du hast noch ein halbes Stündchen die Mörder des unglücklichen Meyer der Gucklotine zu Zeit. Willst du üben?" „Rein, einige Lieder lesen," I'u Natickien 'W’bClt bet &UCt) ,0f *
Als sie das Zimmer verlassen hatte, erhob sich auch I ZA^w^ ^^schwarA Bild beenden, wollen wir Lncie schwerfällig. I unseren aufrichtigen Glückwunsch den Verteidigern aus-
„Die hat sich ivas mit ihren Grafen . . . und dem ipre(fjclt und besonders dem jungen Campiglia von Ajaccio, ewigen Hans. Alles per du und beim Rufnamen! So zwischen bel. (1t ff ater Sprache voller festgefügter Argumente die
Guido und Alfons und Carl Victor und zwischen Komtessen 0anje Anklage zu Boden geworfen hat, die umgefallen ist
und Prinzessinnen." I wie ein faules Stück Holz, das von einem Stoß Nordwind
„Sie wird einmal mehr sein, als sie alle!" sprach die umgeworfen wird. .
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wettet war eingetreten und geschäftig eilten die Menschen | erffUn0ett
durch die Straßen, um die letzten Vorbereitungen zum Feste I Während dieser Advokat sprach, hat der Staatsanwalt zu erledigen. Eine freudige Aufregung und Spamumg lag in I öon Ajaccio, der taub ist, wie ein störrischer Maulesel, eiu- den Mienen vieler, die in Erwartung einer großen Ein- I standen, daß er über seinem kahlen und wie eine Kürbis- bescheernng dem Abend entgegensahen. Aber auch viel müde, I flasche glänzenden Kopfe die Fliegen hat schwirren hören: lcidvolle, ivehmütige Verstimmung bei den andern, die nichts I so tief und feierlich war das Schweigen.
zu hoffen hatten, die nichts geben konnten und nichts em- | Nach Camptglm hat fein ckmtsbruder Roux dcw „ort pfangen würden . . . im ganzen aber war das Bild des Weihnachtsmarktes ein lebensvoll frohes. Die kalte, weiße Wintersonne bestrahlte es hell. Die Luft war rein und klar, die Kälte empfindlich. Auf allem lag ein Anhauch srcndi-


