1906
BBf
«MUMA
MUW lMiMW
Der Stern.
Romail von Ulrich Frank.
Nachdruck verboten.
(Fortsetzung.)
„Und du?" wärf Lucie scheinbar harmlos ein.
ciudC) \u
Die Erinnerungen taten ihr offenbar wohl. Stärker als in der ganzen Zeit, wo sie mit so viel Neuem sich einzurichten hatte, waren sie heute abend in rhr erstanden. Das Winterbild, das vor ihr sich ausgetan, hatte sre geweckt, und sie entsprach den Bitten der Tante und Cousine gern, ihnen einmal von den Verhältnissen ttt Bernstadt etwas zu erzählen. „
Christine hatte den Tisch inzwischen abgeraumt. Die Kuchenüberreste und die geleerten Kaffeetassen waren entfernt worden und das Zimmer machte einen sehr traulichen Eindruck, «e der Gesellschaft zu Ehren entzündeten Nammen waren verlöscht worden. Nur die tägliche Familien lampe Brannte und strahlte unter dem grünen Schirm ihr mildes Licht über den nächsten Umkreis des. Tisches aus.
Bis zum Wendbrot haben ivtr noch em Stündchen Zeit und nnn soll Dellchen uns mal was vorplaudern. Das wird ihr selbst gut tun. so in Gedanken sich wieder ganz nach Haus zu versetzen. Sag wal, Herzchen, d e Giers dorfs sind wohl überhaupt sehr herablassende Seute.
Das Wort „herablassend/ machte sie stutzig. Sie hatte die Freundlichkeiten, die ihr dort erwiesen wurd-n, ganz natürlich gefunden und nie von dieser Seite anges ) ^
Lueie sah über die Häkelarbeit, die sie vorgenommen hatte, hinweg Adele mit impertinenter Neugier an. Diese bemerkte es nicht. Sie war aufs neue m Geda funken, denen sie sich entreißend sagte: M .
,-Ph, Tante, das kann man nicht so nennen. Das Schloß gehörte zu Bernstadt, und Bernstadt gehörte zum Schloß seit Menschengedenken. Die Herrschaft und die Bern st adle Leute standen immer gut miteinander, ^/h d , s mag es immer gewesen fein. Zu allen Werten, enn!
so die ganz Alten im Städtchen von dem! Urgroßvater und Großvater der jetzigen Grafen erzählen, war.auch nur immer Gutes. Und die uralte Stehle weißt
sch hab' sie dir mal gezeigt, tote st- vor der Tur beim Spittel saß, die Mutter Stehle, behauptet sogar, die Gräfin Hedwig Wersdorf wäre eine Heilige. ß, fe„ w
„Das ist die Urgroßmutter der jetzigent ®ra|fe t..
„Ja! Sie war eine Bürgerliche undFrl Viktor yar Hans und mir einmal erzählt, fein Urgroßv ) Giraten Kämpfe zu bestehen gelMbt, bevor er sie hat e Betraten dürfen. Das sind alte Geschichten, wie man st v r Bildern in der Galerie oben zu hören bekomnit. Denn fast jedes dieser Bilder hat eine Geschickte, oft em 3 Und die jungen Grafen kennen sie aUe . . .
„Und ihr wäret sehr oft oben, du und <2
jetzt?" hatte die JNstizrätiu
sie ihn denn so geliebt?
fl
Und
lich.
älter ihres
„Und „Sie
"Ich glaube wohl!' Denn sie ist ost traurig."
„Sehr oft!"
Und nun erzählte sie, wie ihlre Erinnerungen von der frühesten Kindheit an mit dem Schlosse Giersdorf verwachsen waren. Die Konltesse Helene, die zehn Jahre älter war als sie, hatte sie tote ihr Spielzeug betrachtet. Die ganze Puppenherrlichkeit der jungen Komtesi e war ans sw übergegangen, als diese eingesegnet Wurde, und bet allen Ereignissen im Schlosse mußte sie immer dabei sein, bei den Geburtstagsfesten und sonstigen Feierlichkeiten. Und als die junge Gräfin heiratete, war sie auch m der Kirche, und der Papa spielte die Orgel so wunderbar fchow nw im Leben würde sie das vergessen. Das hatte auch die alte Gräfin gesagt und Graf Guido.
„Wie alt ist Gräf Guido jetzt?" hatte die Justizratui
sie unterbrochen. „ .
„Einunddreißig Jahre. Er ist aber sehr ernst und still, denn er hat schon sehr jung große Pflichten uberiiehmer . müssen. Er war achtimdzwanzlg Jahre alt, als sein Vate^ starb und er das Majorat antrat"
Hast du auch den alten Grafen gekannt?"
"Natürlich, Lueie! Ich erinnere mich seiner noch gmz aut auch an sein Begräbnis. Er war gar nicht alt, als er starb, noch nicht sechzig, tmb auch die Gräfin erscheint viel
als sie ist, weil sie iveiße Haare hat und feit dem Tode Mannes immer leidend ist."
Mama?" r
fom auch. Nur nicht so oft, es war ihr beschwer- ullv du weißt ja, Tante, sie verlaßt das Haus nicht aern Die Frau Gräfin hat Mama sehr lieb und ist ihr sehr dankbar. Sie sagte immer zu mir, Mama fet der gute Engel des Hauses gewesen, lind die Komtefie Helene habe sie unendlich lieb gehabt und bewahre ihr bis heute noch die größte Nnbänalichkeit. Im Sommer, wenn Testis da find nut den Heinen Prinzen und dem Prinzeßchen, da geht Mama eher einmal hinauf, aber im Winter hockt Mütterchen gern hmterm warmen Ofen. Und dann, sie kommen ja doch alle nut bet un§ vor, wenn sie nach Bernstadt runterkommen. So ne =nfinuüifite, wie Graf Guido sagt.
®a§ ist doch aber eigentlich sehr nett und anhänglich/ "Gewiß. Aber es ist schon eine Art Gewohnheit, und sie müssen ja bei uns vorüber, wenn sie zur Stadt kommen. ' Du mr olf» immee viel Beb« bei euch!-
ja Tante! Aber doch nur zu gewissen Zeiten. Seit Graf' Alfons zum Regiment kam und Carl Victor zur Universität, waren sie immer nur wahrend der Ferien zu Hause aus Urlaub. Im Schlosse und unten tu Bernstadt wars immer still in der Zwischenzeit."
„Und wo ist Hans?"


