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freiem Felde gelegen!, also gefahrloS und bot eine reizende Aussicht auf St. Croix. Wir konnten im Fahren die Schneeschuhläufer beobachten, die ihre Kunst nicht weit von uns versuchten. Auch sie flogen den Abhang hinunter, doch nicht so schnell wie wir; dann hatten sie noch einen Nachteil; während unsere Talfahrt gewöhnlich glücklich von statten ging, fielen die meisten der Scynee- schuhläufer am Ende ihrer Reise hin, was allgemeine Heiterkeit erweckte. Natürlich haben auch wir mit dem Schnee Bekanntschaft g einacht; manchmal gab es Zusammenstöße von zwei oder mehreren Schlitten rind dann lag gewöhnlich die ganze Gesellschaft im Schnee. Wir huldigten dem gesunden, belustigenden Sporte bis zur Abfahrt des Zuges im wahren Sinne des Wortes. Am Bahnhofe angekommen, hatten wir gerade Zeit in den Zug zu springen, als derselbe schon St. Croix verließ. Nach einigen Minuten bogen wir um die Felsenecke, da —noch einmal grüßte uns das von der scheidenden Sonne rotgemalte Wolkcnmeer, noch einmal winkten die goldenen Bergspitzen. In Entzücken versunken ließen wir das ivunderbare Bild an uns vorbeiziehen. Wir hätten den Zug, der uns entführte, aufhalten mögen, aber immer weiter trug er uns, den Nebeln entgegen. Ein schriller Pfiff der Maschine. — — Wir waren in der Finsternis. Als wir den Tunnel verließen, hatten wir von der Sonne Wschied genommen, — draußen wallten die Nebel. —
Vermischtes.
* Wie eine französische Offiziersdame einem deutschen Offizier einen Knopf annähte. Der „Straßburger Post" wirb aus dem Neichslande geschrieben: „Einer überaus reizvollen Begegntlng konnte Schreiber dieser Zeilen in den Pfingstfeiertagen auf der Fahrt mit der elektrischen Bergbahn von Netournenter nacl) der Schlucht beiwohnen. Offiziere aus Baben hatten flüchtige Reisebekanntschaft mit dem Major eines französischen Jnfan- teriercgiinents gemacht. Durch die ihren Gemahl be- gleiteube Gattin des französischen Offiziers wurde Schreiber dieses in das Gespräch hineingezogen, welches von den deutschen Offizieren in französischer, von beit Franzosen hingegen ganz hübsch in beutscher Sprache geführt wurde. Die französische Offiziersfrau, eine prächtige Blonbine von bestrickenber Anmut und Liebenswürbigkeit wußte lebhaft nnb gewandt die Vorzüge und Reichhaltigkeit der französischen Soldatenküche barzutun. Den wöchentlichen Speisezettel, bie Art ber Znbereitung bet Mahlzeiten, Löhnungs- nnb Beklcibungsfragen wußte bie Majorsfrau erstaunlich gewanbt auscinanber zu setzen. Den Höhepunkt erreichte bies Zusammensein, als infolge eines Wagenstoßes ber ältere deutsche Offizier, ein glücklich verheirateter Hauptmann, am Lodenmantel einen Knopf verlor. Sofort erbot sich die elegante Offiziersdame, dem Schaden abzuhelfen. Gesagt und getan war eins. Das war ein Bild von unbeschreiblichem Zauber, im Wagenabteil diese liebenswürdige Französin für einen deutschen Offizier nähen zu sehen. Es waren köstliche Augenblicke, in denen man, alle Nationalitätsfragen vergessend, sich menschlich näher trat. Leider entschwand die Fahrzeit nur zu geschwind, und schneller als lieb, mußte man bei dem wenig freundlichen Wetter ans Abschiednehmen denken. Lange wirb das Bilb ber lieblichen, flinkfingerigen Näherin vor beit Augen aller Beteiligten stehen. Mögen biefe Zeilen, welche wir leiber nicht mit einer Momentaufnahme begleiten können, ebensowohl nach Frankreich, als nach Baben bie Versicherung tragen, baß wir Bewohner von Elsaß- Lothringen noch viele solcher Begegnungen wünschen ; benn wie der französische Major richtig bemerkte: „Deutsche und Franzosen fühlen gleichartiger als Engländer und Franzosen."
*DerDüppel st ein gerettet! Der sagenberühmte Düp- tzelstein war Ende vorigen Jahres für 90 Mark an einen Stein- haner verkauft worden, der ihn zu Kopfsteinen zerschlagen wollte. Sowie dieses barbarische Vorhaben bekannt wurde, wendete sich der Dürer-Bund an den Stadtrat und den Landrat zu Sonderburg, um den Stein zu retten. Die darauf folgenden Verhandlungen haben erfreulicherweise dazu geführt, daß der Kreis- ausschuß beschlossen hat, den Düppelstein anzukaufen. Die Bemühungen, das berühmte Naturdenkmal zu erhalten, begegneten ansehnlichen Schwierigkeiten, denn sobald die Unternehmer, die den Stein erworben hatten, von dem Interesse weiterer Kreise an dem Stein Wind bekamen, hielten sie sofort die Gelegenheit für
günstig, den Wert des Steities für sie auf mindestens 1000 Mark anzugeben. Ferner bestand auaj noch die Schwierigkeit, daß der Stein seiner Größe wegen nicht wegtransportiert werden kann, daher muß das Feldgrnndstück, auf dem er liegt, miterworben und ein Weg zum Steine angelegt werden. Die Stadt Sonderburg war übrigens unschuldig an dem beabsichtigten Verbrechen, denn der Stein liegt außerhalb der Stadtgrenze, und die Stadt hatte trotz bestem Willen gar keine Handhabe, seiner Zerstörung vorzubeugen. (Diese Schwierigkeiten wären nicht vorhanden gewesen, wenn in Preußen ein .Denkmalschutzgesetz, gestände.)
Humoristisches.
Gut ansged rückt. Chef zum Reisenden: „Wie sieht denn Ihr Hut ans, der ist ja ganz zerbeult I?" — Reisender: „Ja, das sind die Eindrücke von meiner letzten Tour!"
Zerstreut. Diener: „Herr Professor, bitte, kommen Sie schnell, es sind Einbrecher da!" — Professor: „Sagen Sie, sie sollen wiederkommen, ich habe jetzt keine Zeit!"
Im Examen. P ros es so r: „Was wissen Sie über den juristischen Begriff des Scheinkaufs? Wann liegt ein Scheinkauf vor?" — Student: „Wenn jemand einen Pfandschein kaust."
Entschuldigung. A.: „Sie konnten mir meinen Schirm auch früher wiederbringen; es sind mehr als sechs Wochen vergangen, als ich ihn Ihnen lieh." — B.: „Aber ich bitte Sie: Es hat doch die ganze Zeit über geregnet!"
Rätsel.
Nachdruck verboten,
- Tust in der Jugend du, wie dir die Erste sagt, Wohl nimmer dann im Alter dich die Sorge plagt, Die Zweite nennt sein Eigen jeder holde Engel, Doch findest du sie auch bei einem losen Bengel. Wenn schließlich sich zur Zweiten noch ein „d" gesellt, Entsteht daraus sogleich die größte Macht der Welt. Das Ganze — ohne „d" — schmeckt prächtig, zart und seit;; Empfehlenswert dazu ist „Münchner" oder Wein. m. "
, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummer: Eine närrische Zunge kann viel Böses anrichten.
Auflösung des Preisrätsels in Nr. 80 der Famittenblätter:
Jagb — Afclje — MichelEier- — Segen — Weber — Aft — James Watt'.
Es gingen 162 richtige Lösungen ein. — Tie Preise erhielten:
I. Lehrer Schneider in Lich: Nene El einen tar- Klavierschule von R. Wohlfahrt;
2. Pfarrer i. P. Seri ba in Gießen: Drei Gediehl- s a m m I u n g e ii (Albert Knapp, Möricke und Anette von Droste- Hülshoff);
3. Fräulein Anna Albach in D a n b r i n g e n: ABC des B r i e s s eh r e i b e n s von Th. Meißner.
Außerdem wurde dem Einsender der nachstehenden poetischen Lösung, P. Hüb euer in Gießen, ein besonderer Preis: Kürschners Konversations-Lexikon, zuerkannt:
Im Hause rühren fleißig die Hände Fran und Magd, Derweil der Hausherr emsig obliegt der lieben Jagd; Gelehnt an eine Esche macht er nun Ruhepaus' Und klopst die kalte Asche aus seiner Pseise aus;
Schaut zu, wie mit der Sichel der Gras so grün und frisch Mäht ab der alte Michel fürs Vieh zum Abendtisch.
Da fällt ihm ein, daß er ja im Rucksack köstlich Bier Und Butterbrot und Eier; das nimmt er schnell hersür. Indessen droht mit Regen der Himmel trüb und grau, Für Wald und Feld ein Segen, erwünscht von Mann und Frau.
Es redet von der Leber frisch weg der freie Mann;
Doch solches nicht „Herr Weber", der Jägersmann, jetzt kann; Denn ob aus Süd und Westen das Wetter naht mit Wut, Hier unter A st und Blättern verzehrt er wohlgemut, Was Küche ihm und Keller geliefert hat zum Schmaus, Ohu' Gabel, Messer, Teller; und denkt dabei nach Haus, Wo Magd und Frau und Tochter (mit blondem Backfisch-Zops) Zum Feste alles putzen, bis auf den kleinsten Tops. — Er freut sich auf die Tage des Pfingstsest's ungemein, Denn alle Sorg' und Plage soll schnell vergessen sein, Wenn er dann mit den Seinen durchwandert Feld und Wald Und abends spät die Müden das Dampfroß bringt gar bald Zurück zur trauten Heimat. Wie gut, daß James Watt Den Dampf zu solchen Zwecken dienstbar gebunden hat.
Die Preise können gegen Vorzeigung b Abonnementqnittnng in der Geschäftsstelle de» „Gießener Anzeigers" in Empfang genommen werden.
Redaktion: Ernst Heß. — Rotationsdruck und Verlaa der Brübl'fchen UniversilätS-Buch- und Steindruckeret. R. Lange, Gießen.


