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Wie knickte ich zusammen, als Mir die kurze Mitteilung wurde, der Sohn wäre nicht eingetroffen. Daß er noch am Wend über Bastia ankommen könnte, wurde mir ver­schwiegen, wie ich durch meine Brüder im Juni hörte, auf Wunsch des reformierten französischen Pastors Costa, da es dein Sohn nicht angenehm sein könnte, mit demjenigen zusammenzutreffen, den man für verdächtig hielt. Tvotz- dem hat mir der Untersuchungsrichter vorgeworsen, daß ich ani Sonntag abend den Sohn nicht von der Bahn abqehott hätte. Der Sohn und sein Schwager, der Pastor B., sind den Abend über Bet Herrn Costa verblieben und ich muß annehmen, daß die Angehörigen, die ich bestimmt Sonntag früh erwartet hatte, mit dem Mittinoch-Dampfer konnnen würden. Aso weiter, furchtbare drei Tage, in denen die ganze Verantwortuttg auf mir ruhte; die an­deren Gäste im Hotel waren sämtlich wie vonr Donner gerührt, und wenn ich an der Tafel dem Herrn Baron v. d. L. aufgeregt bemerkte, die deutsche Regierung müßte doch eingreifen, zuckte er kleinlaut die Achseln. Herr Lega­tionsrat v. G. wohnte in dem und dem Hotel in Ajaccio. Cr wäre ein sehr netter, freundlicher Herr und würde mir auf alle Anfragen Aufschluß geben können. Leider habe ich nach meiner Festnahme am 7. Januar in der furcht­barsten Aufregung vergessen, jenen Herrn zu mir zu bitten. Vielleicht wäre danu alles sofort aufgeklärt wordeu.

Der Sohn und sein Schwager waren empört über die durch die Zeitungen verbreitete Nachricht, ihr Vater habe Selbstmord verübt, dennoch wagten sie zuerst nicht, da­gegen energisch vorzugehen. Wemi ich auf Widerruf dringe, muß ich fürchten, gelyncht zu werden, äußerte sich ersterer einmal mir gegenüber. Ebenso sprach er sich über das mangelhafte, langsame Vorgehen der Ajaccioer Polizei wiederholt abfällig aus und auch sonst über die Verhält­nisse in Frankreich, als ihm eilt französischer Offizier kondoliert hätte, der, weil er dem Präfekten seiner fran­zösischen Garnison nicht seine Aufwartung gemacht hatte, nach Ajaccio strafversetzt worden war. Natürlich wurden wir Preußen der Ajaccioer Behörde unbequem, und diese half sich damit, daß sie diplomatischertveise einen Un­bequemen gegen den anderen ausspielte. Man begann, so schien es mir, sämtliche Gäste gegen mich systematisch auf- zuhetzen.

In der Nacht vom 30. auf 31. Dezember soll em Polizist vom Nebenzimmer aus mich beobachtet haben. Mein Verteidiger Decori knüpfte daran in der Schwurgerichts­sitzung eine ironische Bemerkung, die ich leider nicht ver­stand. Jeden Morgen mußte ich zum Frühstück einen Po­lizisten verdauen, der vor dem Spetsefaalfenster auf- uno abmarschierend mir jeden Bissen in den Mund zählte. Bei der Begräbnisfeier im Hospice St. Eugenie, an der auch zwei Hunde teilnahmen, bemerkte der Polizeikommissar zu mir, höhnisch lächelnd, man würde inir einen besonderen Platz anweifen. Als später die Wagen bestiegen wurden, in denen ich mit Fräulein M. zusammenzusitzen hoffte, hieß man mich in dem letzten Wagen zwei Geheimpolizisten gegenüber' Platz nehmen. Ars ich zwischen 4 bis 6 Uhr mit meinem Mantel' bekleidet, auf meiner Chaiselongue mich ausruhte unten im Lesezimmer würde es erst gegen 6 Uhr einigermaßen warm wurde meine Tür ohne An- rlopfen plötzlich aufgerissen. Ein Polizist trat ins Zimmer, um schnellstens wieder zu verschwinden. Wütend über diese Rücksichtslosigkeit stürmte ich ihm nach, was ihiü denn eigentlich eingefallen wäre. Er hätte seinen Kameraden gesucht, stammelte er. An der Wendtafel wurde dann er­zählt, im Grand Hotel d'Ajaccio ginge unter den Eng­ländern die Rede, daß die Effekten eines Ausländers in dessen Abwesenheit durchstöbert worden wäre. Wie mir später die böswilligen Verdrehungen meiner Aussagen bestätigten, war von der Arglist der Korsen das Schlimmste zu erwarten. Warum war dem Polizisten gerade mein Zim­mer bekannt, warum suchte er gerade in meinem Zimmer seinen Kameraden? Alle diese Mittel und Mittelchen er­reichten den gewünschten Zweck, mich im Hotel bei den anderen, besonders Damen, um die ich mich nicht gekümmert hatte, zu verdächtigen. Und tote taktlos waren die zuletzt augekommenen Fremden. Eines Abends zeigten sich die Damen, die uns sich leiser Unterhaltenden schon durch ihr unbescheidenes Auftreten unsympathisch toären, mit einem bösen Blick auf'mich, die Stiletts, die sie sich gekauft hätten. Der Vernünftigste von den Anwesenden Ivar der Baron V. d. L., eilt alter, schneidiger Herr, ein prächtiger Weiß­

kopf mit gesundem frischem Gesicht. Er meinte, wenn sie nach Italien gingen, sollten sie sich in Acht nehmen, daß die Waffen nicht gesehen würden, sonst könnten sie in schwere Strafe kommen.

(Fortsetzung folgt.

Ei» Wintertag irr Sainte-Croix.

I. S. in B. (Oberhessen.)

Schon lange trugen wir uns mit der Absicht, einen Ausflug in den Jura zu machen. Wir hatten Sainte-Croix als Reiseziel erwählt. Aber wir mußten uns lange gedulden, bis uns der Himmel das so sehnlich erwartete Nebelwetter sandte. Tas sehu- lichst erwartete, wird man nun fragen? Ja, wir wünschten uns einen recht schönen, dichten Nebel. Sainte-Croix liegt etwa 1100 Meter hoch, und mithin konnten wir annehmen, dort oben schönes Wetter anzutreffen, wenn nm Genfer See die Gegend in Wolken gehüllt ist.

Ein Sonntag abend im Januar ließ sehr auf nahen Nebel hoffen, und wir trafen nm Abend noch unsere Vorbereitungen, die übrigens nicht allzu groß waren. Der Montag fand uns auf dem Wege nach beni Bahnhofe, unsere Schlitten auf beut Rücken. Bald waren wir in dem Zuge nach Bverdon. Die Gegend, die wir durchfuhren, bot wenig Anziehendes. Vielleicht, daß die Landschaft bei anderem Wetter sehr schön ist, aber in graue Nebel gehüllt, war sie unendlich düster. Man sah hier und da ein Wvc traurige Weiden, wohl auch ein wenig Wald. Je näher wir Averdon kamen, desto öfter sahen wir mit Schnee bedeckte stellen und Abhänge. In Averdon verließen wir den Zug und bestiegen eine Bergbahn, die täglich viele Fremde nach Sainte-Croix bringt. Nun durchfuhren wir fast nur Wald; je höher wir kamen, desto schöner bot er sich unseren Micken dar. Die bereiften Tannen sahen wie Christbäume aus, was dem Wald ein eigenartiges Aus- sehen gab. Wenn Knecht Ruprecht plötzlich erschienen wäre, ich glaube, wir wären nicht allzusehr erstaunt gewesen. Immer höher stieg der Zug, die Nebel verloren von ihrer Dichte und ge­statteten einen weiteren Ausblick ins Land. Aber die Sonne wollte sich immer noch nicht zeigen. Endlich, ich glaube etwa 750 Meter hoch gewahrten wir eine Helle, blasse Scheibe am Himmel. Ein kleines Mädchen, das mit seiner Mutter in un­serem Abteil saß, rief erstaunt:Sieh Mutter, der Mond!" Gerade als die Mutter der Bitte nachkommen wollte--i

war es Nacht um uns. Der Zug war in einem Tunnel. Da.

endlich die Finsternis zu Ende! Mer was war das, was uns

zwang die Augen zu schließen? Die so lange entbehrte Sonne

schien von tiefblauem Himmel auf blendende Schneefelder! Wir mußten uns erst an so viel Licht gewöhnen. Da drüben, ein lvenig zur Linken, grüßten uns ragende Felsen. Schroff stiegen sie zum Himmel auf, der in seiner Reinheit einen wunderbaren Hintergrund für sie bildete. Zu unseren Füßen, tief unter uns, eine weiße, wogende Masse: das Wolkenmeer. Wir konnten uns nicht satt sehen an dem Schauspiele, das sich vor unseren Augen entrollte. Nun schoben sich die zuerst bewunderten Felsen vor die reizende Landschast, wir durchfuhren noch eine kleine Strecke Wald und kamen bald in St. Croix an.

Wir hatten vor, von dieser kleinen Stadt aus dieRasses" zu besuchen. Die Rasses sind ein Ausflugsort, etwa s/4 stunden von St. Croix, und der Weg dorthin war uns als sehr schön bezeichnet worden. Wir wählten den kürzesten, der nun allerdings weniger schön war. Manchmal bis zum Knie in den Schnee sinkend, arbeiteten wir uns vorwärts. Zur Linken dehnten sich die schnee- felder aus, vor uns hatten wir den Wald, während zur Rechten das Nebelmeer unsere Blicke auf sich zog und hinter uns das schmucke Städtchen grüßte. Bald nahm uns der Wald mit seinem! kühlen, oder besser, kalten Schatten auf. Wo die Sonne nicht direkt hinschien, machte sich die Kälte fühlbar. Der Weg im Walde war ruhig; ernst starrten die Tannen in die Höhe von keinem Lufthauche bewegt. Bon Zeit zu Zeit begegnete uns ein Schneeschuhläufer, wohl auch ein Schlitten, dessen sröhltches Geläute sich bald in der Ferne verlor.

Nach der Ankunft auf denRasses" nahmen wir ein ein­faches Mittagsmahl ein, bewunderten die Aussicht, die sich uns bot und machten uns bald auf den Rückweg. Es war nun un­gefähr 2 Uhr. Der Wald war ruhig wie zuvor. Auf dem Wege fanden wir * eine Lichtung, die einen Ausblick auf die Gegend erlaubte. Wir ließen uns auf einem schneefreien Plätzchen nieder. Leider hatten wir versäumt aus den Rasses nach den Namen der Berge zu fragen, und wir mußten uns nun nach der Karte die Namen zusammensnchen. Zur Linken waren die Wetterhorner, Schreckborn, Eiger und Mönch, daran reihten sich Jungfrau und Aletschhorn, gerade vor uns Matterhorn und die Diablerets und weiter nach rechts Deut du Midi mit seinen sieben Spitzen. Ganz zur Rechten zog der riesige Mont Blanc unsere Blicke auf M. All diese Berge bildeten mit dem weiten Wolkenmeer, dem ne als Hintergruiid dienten, ein unvergeßliches Panorama. Wir mußten uns leider zu früh von dem herrlichen Bilde losreißen, mußten zurückkehren in den Wald um bald in st. Croix zu sein In nicht allzulange Zeit hatten wtr das Städtern erreicht und waren auf der Suche nach einer Schlittenbahn. Bald hatten wir eine gesunden, die alle Vorzüge in sich vereinigte. Sie war in