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Ausrüstung der Armee mit Material und Kistegsgerät. Zwar lag jeder Nagel und jeder Strick, der bei der Mobilmachung gebraucht wurde, bis auf den letzten bereit, aber der eine war verrostet, der andere durch Mter mürbe geworben. Auch die Invaliden wurden nicht in dem Matze, wie es nötig gewesen wäre, aus dem Heere entfernt, viele mußten bleiben, obgleich sie feld- dienstuntauglich waren, weil die Stellen in den Jnvaliden- kompagnien die vorgeschriebene Zahl nicht überschreiten dursten. Unter den Offizieren, namentlich unter den höheren Offizieren, waren ebenfalls viele, die den Anforderungen des Dienstes nicht mehr gewachsen waren. So krankte das preußische Heer, das bei seinen Revuen und Parademanövern die Bewunderung Europas bildete, an seiner inneren Organisation. Es mußte zusammenbrechen, als es den beweglichen, besser bewaffneten, bester ausgebildeten und moderner ausgerüsteten Armeen Napoleons gegenübertrat. (Nachdruck verboten.)
Das Gießer Jrtiekliaertzblatt.
In diesen Tagen der „Fleischnot" und Lebensmittelteuerung erinnere ich mich eines alten Zeitungsblättchens, das mir vor Jahren der Zufall in die Hände gespielt hat; es ist das „Gießer Siitelliaenzblatt" vom 20. Juli 1799, in welchem ein iuteresfantes erzeichnes der „Gießer Bietnalien-Markt-Preise" enthalten ist. Ich lasse dasselbe itachstehend folgen, möchte jedoch zuvor etwas naher auf Form und Inhalt des Jntelligenzblattes selbst ein» gehen.
Das Format des Blattes ist etwa dasjenige unserer Schulhefte. Das mir vorliegende Blatt trägt die Nummer XIXX; die Zeitung erschien demnach wöchentlich. Sie war „für 45 Kreuzer in der Krieger'schen Buchhandlung gegen Vorauszahlung zu haben." Nahezu drei Seiten des überhaupt nur vier Seiten umfassenden Blattes nehmen die „Allgemeinen Bauern- und Witterungs-Regeln" ein, deren jede mit einer längeren „Anmerkung des Herausgebers" versehen ist. Nunmehr folgt eine Bekanntmachung des Fürst!. Hess. Justizamts Langgöns „betr.: den Verkauf des den von Atzenhcimischen Erben an dem von Ludolphi- schen Zehnden in Allendorf zustehenden Antheil." — Hieran schließt sich, die Bekanntgabe des Gottesdienstes am 21. Juli, und zwar in der St. Pankatriuskirche — der jetzigen Stadtkirche — uitb in der „Burgkirche", die in der Nähe des alten Schlosses gestanden hat.
, Schließlich interessiert es uns noch, daß am 21. Juli „das Frischbacken der Bäckermeister L ö b e r in der Wallthorstraße" hat. Es treten uns ferner noch wohlbekannte Gießener Namen entgegen in der Mitteilung, daß am 11. Juli „dem Burger und Eisenhändler Ludwig Konrad SUett ein Sohn, Namens Johann Wilhelm Balthasar". getauft worden ist. Und nunmehr kommen wir auch zum „Gießer Victnalien- und Marktpreis".
Es kostet hiernach u. a.:
1 Pfund Ochsenfleisch .... 9 Kreuzer.
1 „ Kuhfleisch . i- . . 8 „
1 „ Rindfleisch . .. . 7
1 „ Kalbfleisch .... 6 „ j
1 „ Schweinefleisch ... 9 „
1 „ frischer Butter , ; . 14 „
und so fort.
Vielleicht findet dieses Verzeichnis Nachahmer, vielleicht auch nicht.
Rieder-Olm. Otto Sch rüder.
Vermochte».
„ Ein 75 jähriger Gedenktag ist der 21'. Januar. An dtesem Tage starb im Jahre 1831 auf seinem Gute Wiepers-- dorf bei Dahme in der Mart.der Hauptvertreter der jüngeren Romantik, Ludwig Achim von Arnim, der zusammen mit feinem Freunde Clemens Brentano unter dem Sammelnamen „Des Knaben Wunderhorn" jene Sammlung von alten deutschen Volksliedern herausgab, durch die sich das deutsche Volkslied für immer einen Platz in der Literatur und im Herzen des Volkes erobert hat. Selbständig hat er eine ganze Reihe von Dichtungen veröffentlicht, die alle von Vaterlandsliebe durch- glüht waren und einen frommen christlichen Sinn bekundeten. Im Gegensatz zu den übrigen Romantikern war Arnim eine durchaus gesunde Natur. Von seinen zahlreichen Romanen und Erzählungen war das bedeutendste Werk der tiefsinnige Roman „Armut, Reichtum, Schuld und Butze der Gräfin Dolores". Auch mehrere Dramen hat er verfaßt, darunter das wunderliche barocke Schauspiel „Hölle und Jerusalem". Heute werden von seinen Werken nur hin und wieder noch einige Novellen gelesen. Arnim starb im 50. Lebensjahre — er war am 26. Juni 1781 geboren —, nefbetrauert von seiner Gattin Bettina, der Schwester seines Freundes Brentano, die sich gleichfalls einen dauernden Namen in der deutlchen Literatur gesichert hat.
, .Jd°ethe und Napoleon. In der Pariser „Liberts" berichtet Robert de Flers nach jüngst aufgefundenen Aufzeichnungen eines Augen- und Ohrenzeugen über die berühmte Unterredung, die im September 1808 in Erfurt zwischen Goethe und Napoleon
stattfand Der Augenzeuge, offenbar ein Offizier ans ber Umgebung des Kaisers, schildert die Szene im wesentlichen folgen dermaßen: Der Kaiser, der von einer großen Truppenschau zurück- kehrte, wurde bis zu den Toren des Erfurter Schlosses vom 103. Infanterieregiment begleitet. Mitten unter den Offizieren bemerkte man einen etwa fünfzig Jahre alten Mann in bürgerlicher Kleidung, der mit dem Marschall Lannes sprach. Oben auf der Treppe stellt Lannes seinen Begleiter dem Kämmerherm von! Dienst vor. „Aus des Kaisers Befehl", sagt er, „v. Goethe". Goethe ivird in einen großen Saal geführt. Der Kaiser sitzt nnt Tisch und frühstückt. „Ihr Name ist Goethe?" fragt der Kaiser, ohne auszublicken. — „Ja, Majestät." — „Wie alt sind ©ter „«echzig Jahre, Majestät." — „Was für Tragödienl haben-sie geschrieben?"— „Iphigenie, Egmont, Torquato Tasso." — „Haben Sie mein Theater gesehen? Wie finden Sie meine Schauspieler?" — „Ausgezeichnet, Majestät." — „Es freut mich, daß meine Schauspieler in Deutschland gefallen. „Mahomet" ist gut gespielt worden, aber das Stück ist schlecht." — „Ich habe es übersetzt, Majestät." — „Wirklich?" Das beweist, daß Sie anders urteilen als ich. Ich habe Ihren „Werther" gelesen. Sie sind der Direktor des Theaters von Weimar?" — „Ja, Majestät." — „Ich möchte gern einmal deutsche Schauspieler spielen sehen. Uebermorgen will ich mit dem Kaiser von Rußland das Schlachtfeld von Jena besichtigen; von dort will ich nach Weimar! kommen. Sagen Sie dem Grotzherzog, daß ich sein Theater sehen möchte. Was halten Sie von Talma?" — „Er ist ein hervorragender Künstler, die verkörperte Tragödie." — „Wollen Sie seine Bekanntschaft machen?" — „Ich wäre glücklich darüber und . . „Warten Sie . . . Talma kommt jeden Tag nach dem Frühstück zu mir." Tallehrand tritt ein. „Ah! Sie. Kommen Sie her. Ich habe von Fauche einen Bericht erhalten, der durchaus nicht für Sie spricht." Der Kaiser springt auf, führt Talleyrand in eine Ecke und spricht lebhaft auf ihn ein. Ein Kammerherr meldet: „Der König von Württemberg!^ Der Kaiser dreht sich um und sagt mit gelangweilter Miene: „I ch habe zu tun; dringende Geschäfte. Es wird mich freuen, den König abends im Theater zu sehe n." Der Kämmerherr geht ab. Der Kaiser nimmt die Unterhaltung wieder auf, aber der Kammerberr erscheint von neuem: „Majestät, der Schauspieler Talma." — „Soll kommen. Talma, was für ein Programm haben wir heute?" — „Cinna", oder „Androniache", oder „Britannicus". Majestät brauchen nur zu wählen, zu befehlen." — „Gut, dann will ich „Cösars Tod". Einen Augenblick noch . . . Herr von Goethe . . . Talma. . . Guten Tag, meine Herren, ich muß eine Viertelstunde schlafen..
Humoristisches.
* I rn Jnristenverein sollte ein kleines Theaterstück zur Aufführung gebracht werden; ein eben ernannter Referendar wurde gebeten, darin die Rolle eines Kammerdienerszu übernehmen. — „Hm —", meinte er bedenklich, „mit meiner Stellung als Referendar würde ich's ja zur Not vereinbaren können.. Aber — aber ich bin doch ^auch Reserveoffizier!"
* D a S s e ch s jährigeSöhnchen einesGymnasial- professors stand im Hofe und pfiff. Plötzlich öffnete sich droben ein Fenster, das finstere Gesicht des Vaters erschien, und eine strenge Stimme rief: „Fritz! Nicht pfeifen! Denken!"
(Aus dem „Simpliziffimus")
* Der Pikkolo hat vom Wirt den Auftrag erhalten, nur ja recht auf den Herrn Professor zu sehen, denn dieser sei manchmal arg zerstreut. Nach einer Weile ruft der Herr Professor: „Pikkolo, dies ist also ein Rostbraten a la Mannheim?"
„Gewiß, Herr Professor, und dies sind geröstete Kartoffeln dies ein Glas Bier und das hier ein sogenanntes Hausbrot."
Gitterriitsel.
Nachdruck verboten.
In die Felder nebenstehender Figur sind di, Buchstaben a a a a a a a aaaddddeeeeee gghiilllllmmn nopppprrrrs« derart emzutraqen, daß die senkrechlen und wage- rechtenReihen gleichlautend Folgendes ergeben:
1. Eine Pflanze.
2. Frauengestalt aus der griechischen Sage.
3. Einen Komponisten.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Versteck-Rätsels in voriger Nummer'; Ein böses Maul ist schärfer denn ein Schwert.
Redaktion. Ernst Heß, Rotationsdruck und Verlag der Brübriehen Unwersttäts-Bucb» und Stemdruckerei, R. Lange. Gießea»


