Ausgabe 
19.11.1906
 
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mehrt wird durch Körper, die daran haften wollen. Frost und Wind spielen beim Abfallen der Blätter eine weit geringere Rolle, als im allgemeinen angenommen wird. Es ist auch für den Baum weit vorteilhafter, daß das Abfallen von selbst ohne Mitwirkung des Windes geschieht, damit das Laub sich, in der Umgebung des Stammes vnsammeln kann, den Boden durch die Verwesung zu düngen.

Wenn der Herbst naht, so bildet sich an der Blattbasis nahe dem Ansatz des Stieles eine Schicht von Zellen, die durch ihr Gewicht auf die Ablösung des Blattstieles hinwirkt, sodaß dieser nur noch durch eine ganz dünne Scheibe mit dem Ast zusammenhängt. Der endgiltige Riß mag dann mit Hilfe des Windes geschehen, häufiger aber jedenfalls durch das Gewicht des Blattes selbst. Endlich kann das Abbrechen der Blätter auch durch den Frost veranlaßt werden. Wenn die Temperatur unter Mill sinkt, so friert die Flüssigkeit in der erwähnten Scheibe, dehnt sich aus und trennt dadurch den Blattstiel vom Zweig.

Manches an den herbstlichen Farben der Blätter kommt freilich nicht von innen heraus, sondern wird auch durch äußere Ursachen bewirkt. Die Flecken auf den Eich­blättern werden durch die auf der Unterseite sitzenden rötlichen Galläpfel hervorgerufen. Eine ähnliche Erschei­nung ist an den Blättern der Esche zu beobachten, die eine blassere Färbung durch verschiedene Pilze erhalten kann. Die Pilze sind überhaupt an erster Stelle zu nennen, wenn von der Zerstörung und Buntfärbung der Blätter die Rede ist. Manche Bäume beginnen mit dem Abwersen der Blätter von I»ben, andere wieder von unten. Esche und Buche färben ihre Blätter an der Spitze rot oder gelb, wenn der untere Teil noch ganz grün ist, während bei Linde und Pappel die Verfärbung von unten nach oben fortschreitet.

Vermischtes.

* Die Ehelotterie. ImCorriere della Sera" liest man: Die große Mailänder Lotterie ist keine vage Legende, nicht wahr?" Um sich nun einen Begriff zu machen von den Umbildungen, denen die einfachsten, konkretesten, gewöhnlichsten Nachrichten ausgesetzt sind, wenn sie von Land zu Land wandern, lese man folgendes:Die Post in Mailand empfängt Tausende von Briefen mit Zahlungs­anweisungen, in lvelchen Lose für die große, nach Schluß der Mailänder Ausstellung stattfindenden Lotterie verlangt werden. Es handelt sich um dieEhelotterie", die von einem Komitee von Künstlern und hochgestellten Persön­lichkeiten ersonnen worden ist und einen unerhörten Erfolg hat. Die Gewinne bilden dreißig junge Damen, deren Rus und deren Schönheit nichts zu wünschen lassen. Jeder dieser dreißig lebenden Gewinne verfügt über eine ansehn­liche Mitgift. Die anmutigste der dreißig Damen wird dem Besitzer des Glücksloses mit ihrer Hand eine runde Million ins Haus bringen. Die anderen Hochzeitsgaben bewegen sich von 500 000 bis herunter zu 25 000 Francs. Man kann so viele Lose kaufen als man will. Der Ge­winner ist nicht verpflichtet, seinen Gewinn zu heiraten; wenn er aber auf die Heirat verzichtet, muß er die Mit­gift mit der jungen Dame, zu der sie gehört,, teilen. Was die Schönen betrifft, so haben sich dieselben schriftlich verpflichten müssen, gegen etwaige Eheverweigerer keinen Prozeß anzustrengen; dagegen dürfen sie dem Manne, dem der Zufall sie in die Hand gibt, ihr eigenes Händchen nicht verweigern" . . . Und diese staunenerre­gende Variante der Lotterie, diese Variante, die dem Aus­stellungskomitee eine so üppige Phantasie zuschreibt, ist nicht etwa in einem australischen oder japanischen Blatte Hu lesen, sondern in einem Pariser Boulevardblatte.

bloß eine Maschine? Steckt in ihr etwas Seelisches? Der Verfasser zeigt zunächst, wie die Kulturmenschheit bisher über solche Fragen gedacht hat. In farbenreichen Bpdern zieht die Entwickelung des Naturbegriffes von den ältesten babylonischen Zeiten bis auf Giordano Bruno, Goethe und Darwin an uns vorüber. Dabei führt uns der Verfasser allmählich zu der Deutung des Naturwesens, die er selbst für die richtige hält. Den so oft mißverstandenen Ent­wickelungsbegriff erweitert und vertieft er au dem Natur­gesetz, daß alle Naturvorgänge mit der Zeit von mehr chaotischen zu immer mehr geordneten kosmischen Verhält­nissen übergehen. Indem er im Sinne Darwins auch den Menschen restlos in diese Natur aufnimmt und in seinen Sen Idealen auch nur einen dieser großen Wege der vom Chaos zur Ordnung und Harmonie erblickt, deutet er die gesamte Natnrentwickelung als den Prozeß einer werdendensittlichen Weltordnung". Stärker noch als in seinen früheren Werken tritt in dieser neuen inhalt­reichen Schrift Bölsches Persönlichkeit in den Vordergrunds der es nicht bloß darauf ankommt, einfaches Tatsachen­material der modernen Natursorschung weiten Kreisen zu­gänglich zu machen, sondern die sich berufen fühlt, selb­ständig' mitzuurteilen über die großen Grundfragen und eine eigene Weltanschauung zu verbreiten.

Der beste Stand der Landwirtsstand.

Von Kammerdirektor a. D. Hosrat Karl P r e s e r.

Lobsinget unserm freien Stand Beim Goldglanz voller Garben! Es bleibt der erste doch im Land; Denn lag am Pflug nicht unsre Hand, So müßten alle darben.

Der Meister, der die Welt gebaut, Hat uns sein Bestes anvertraut: Die treue Mutter Erde Mit seinem WortEs werdet*

Und legen rott in ihren Schoß Die Kerme neuen Lebens, So sprießt der Segen übergroß; Denn Segen bringen, ist das Los Der Mühen unsres Strebens.

Der Meister, der die Welt ersann, Nahm uns sich zu Gehilfen an, Im Schassen und Gestalten, Die Menschheit zu erhalten.

Und ob uns trifft der Sonne Glut Sturm fegt durch unsere Werke Uns ist ein gottesweudger Mut Der Arbeit höchstes Ehrengut, Des Ringens Stolz und Stärke.

Der Meister, dessen Schöpfungskraft In jeder Scholle wirkt und schafft, Der läßt, trotz Sturmeswehen, Uns nimmer untergehen.

Drum füllt die Gläser bis zunt Rand!

Es gilt deut besten Stande, Dem Stand, der iür das Vaterland Vom Pflug zum Schwerte führt die Hand Dem stärksten Stand int Lande l

Und also falls gehalten sein: Dem besten Mann der beste Wein, Um Lust ihm zu gewähren Beim Rauschen goldner Aehren.

Palindrom.

I Nachdruck verboten.

Voll Grimm mtb Haß verwünscht es der Verbrecher,

Doch umgekehrt verzehrt es gern der Zecher. m. I ' Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Rösselsprungs aus voriger Nummert

Zwei Seiten hat ein jedes Ding* Tu führst den Spruch im Munde, Doch achtest du ihn ost gering, Gerad in ernster Stunde.

Tut dir ein Freund ein Unrecht an, So legst du ohne Schonung

Auf's U n r e ch t, das er dir getan, Nicht auf den Freund Betonung.

Weihnachisliteratur.

Ein Poet mit dem Wissen und der Wissenschaft­lichkeit des Gelehrten, ein Gelehrter Mit dem frischen Naturempfinden und der Wärme, dem Schwung eines Poeten, darf Wilhelm Völsche immer auf unsere freudig aufhorchende Teilnahme rechnen, wenn er das Wort nimmt. Jetzt erschien, von seiner großen, wachsen­den Anhängerschaft froh begrüßt, eine neue SchriftWas ist die Natur?" (Berlin, Georg Bondt.) Ist die Natur

Redaktion: Ernst Setz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Slemdruckerei, R, Lana«. Dietz««.