Ausgabe 
19.10.1906
 
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Areitag den 19. MLoöer

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Im AanAe des Geheimnisses.

Romcin von H. v, Raesfeld.

Nachdruck verboten.

(Fortsetzung.)

Ich habe Sie bestinnnt früher nie gesehen, Lady Wayne", sagte er.Ich würde mich an Ihr Gesicht wieder erinnert haben; ich werde jetzt daran denken bis zum Tode."

Er sprach so ernsthaft, daß sie wohl sah, er denke nicht entfernt daran, ihr zu schmeicheln.

Sie sind auf bestem Wege, ein Höfling zu werden," scherzte sie mit einem Lächeln.

Verzeihung, Lady Wayne, ein Höfling werde ich nie werden. Ich habe eine verhängnisvolle Fertigkeit darin, das zu sagen, was ich denke, und den Leuten die Wahrheit zu sagen. Diese Gewohnheit wäre doch etwas sehr Mißliches bei einem Hofmann."

Wo sind Sie zu Hause?" fragte sie;wo wohnt Ihre Mutter?"

In Elton", versetzte er;wir haben stets dort ge­wohnt, wenigstens so weit ich mich erinnern kann."

Das ist also da, wo die berühmte Grammatik-Schule ist, nicht wahr?"

Jawohl," erwiderte er, und sein Gesicht strahlte vor Vergnügen.Wie sonderbar, daß Sie das wissen, Lady Wayne. Dr. Cloth ist der Direktor, und ich möchte glauben, er ist der beüe seines Fachs in ganz England."

Sie wissen nicht, welchen Ruf Elton hat, sonst würden Sie nicht darüber erstaunt sein, daß ich von der Existenz dieses Oertchens weiß. Ich vermute, Sie haben das Sti­pendium gewonnen und sind auf diese Weise nach Cambridge gekommen."

So ists," versetzte er;wie gütig von Ihnen, Lady Wayne, sich so für meine bescheidenen Angelegenheiten zu interessieren."

Sie interessieren mich," sagte sie, und dieselbe sanfte Anmut milderte wieder ihr stolzes Gesicht.Sie interessieren mich in merkwürdiger Weise."

Dann bin ich sehr glücklich", war seine Antwort, und er sah allerdings auch sehr glücklich aus.

Gerade kam Lady Romsey auf sie zu, mit einer Mappe voll Kupferstiche in der Hand, die sie öffnete und vor ihnen vusbreitete.

Einige davon sind sehr schön", sagte sie.Ich bin überzeugt, sie werden Ihnen gefallen, Lady Wayne; Sie sehen gute Stiche ja so gern".

Sie beugten sich zusammen über die Mappe; sie hätten I allerdings kaum etwas zu ihrer Unterhaltung bedurft, so sehr I interessierten sie sich für einander. Dann, als ihre Köpfe sich i

gesenkt, war es ganz merkwürdig anzusehen, wie dieselben sich ähnelten dasselbe anmutige ideale Profil, dieselbe schöne feine Stirn. Ein leichter Ausruf der Ueberraschung entfuhr Lady Romsey, und Lady Wayne blickte auf, als ob sie nach dem Grunde dafür fragen wolle.

Sie werden mich für sehr unhöflich halten, Lady Wayne," sagte sie;aber ich habe Ihr Haar stets von eigen­artigerer und schönerer FarAe gehalten als alles, was ich bisher gesehen. Sie müssen mich schon entschuldigen, wenn ich jetzt diesen Glauben fallen lasse; aber sehen Sie selbst, Mr. Jefferies hat genau dasselbe."

Lady Wayne sah auf den edelgcsormten Jünglingskopf neben ihr, mit seinen goldigbrauncn Locken. Sie lachte.

Sie haben ganz Recht, Lady Romsey; bitte, keine Ent­schuldigungen l Hoffentlich haben Sie mein Haar nicht ge- stöhlen, Mr. Jefferies?"

Das nicht, aber ich werde meines jetzt schätzen; blsher habe ich das nicht getan."

Ich wiederhole, Ihre Mutter muß stolz auf Sie sein, Mr. Jefferies. Entschuldigen Sie, habe ich recht gehört, als Lord St. Gilbert Sie' vorhin als Werner anredete?"

Jawohl," gab er zurück,das ist mein Name. Ich habe mich oft geivundert, wo wohl meine gute Mutter, die doch sonst ihren Flug nie in die Gefilde der Romantik nimmt, diesen Namen aufgetan hat."

Ich habe ihn entweder früher gehört oder geträumt", sagte Lady Wayne halb für sich und murmelte noch einige Male leise vor sich hin:Werner? Werner?"

Es muß jemand meine Mutter darauf gebracht haben", fuhr er lächelnd fort.Sie ist ganz und gar nicht imstande, denselben selbst zu erfinden. Man pflegte mich daheim oft zu necken und sagte, ich hätte eine Fee zur Patin."

Wirklich?" sagte Mylady und sah in sein hübsches, lächelndes Gesicht.Wieso? warum?"

17. Kapitel.

Lady Wayktes Trau in.

Warum?" wiederholte Lady Wayne,eine Fee als Patin ist etwas Ungewöhnliches in diesem prosaischen neun­zehnten Jahrhundert."

Ich weiß nicht, ob ,ch Sie nut einem solchen Unsinn behelligen darf", erwiderte Werner;aber es ist Tatsache, daß, nachdem ich das Stipendium erhalten und im Begriff stand, nach Cambridge zu gehen, mir so viele und so wert­volle Geschenke zugingen, daß wir nur annehmen konnten, eine Fee sei im Spiele. Unter anderm war auch eine kleine Börse aus grüner Seide dabei, die ich sorgfältig aufgehoben habe, in der Hoffnung, eines Tages den Eigentümer zu er­mitteln.'1